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Nachrichten, die ihn gleich ſehr in Aufregung brachten. Zuerſt meldete der Freund die Rüſtungen der Armee, die Wiederaufnahme der Campagne, ſchilderte die Poſition des ſardiniſchen Heeres und die Stimmung, die das Lager des alten Radetzky beſeelte. Vincenz ging mit lebhaften Schrit⸗ ten im Zimmer auf und ab. Die Feſſel, die ſein? Krank⸗ heit ihm auferlegte, war ihm niemals ſo unerträglich er⸗ ſchienen, als in dieſem Augenblick; er wollte, er mußte geſund ſein, er durfte im Kreiſe ſeiner Kameraden nicht fehlen, die neuen Gefahren, neuen Siegen entgegengingen. Mit Recht hatte er gegen Armand die öſterreichiſche Ar⸗ mee ſeine Heimath genannt— es ergriff ihn nach ihr ein Heimweh, nicht das wehmüthige Gefühl, das ſich in Thrä⸗ nen kund gibt, das Heimweh, das Alles vergißt über den Drang, in die Heimath zurückzukehren und gälte es Gut und Leben. Vincenz riß den Schirm von den Augen, der ſie gegen das Licht ſchützen ſollte, er zog die Gardinen zurück, er wollte ſehen, ob ſein Auge denn wirklich den Schein des Tages nicht ertragen würde, ob ſein Blick noch zu ſchwach wäre, dem Feinde ins Geſicht zu ſehen. Er ſtarrte feſt in die Helle, dann plötzlich von einem ſtechenden Schmerz ergriffen, hielt er die Hand an die Augen und taumelte in ſeinen Seſſel, jetzt wirklich nahe daran, ſeinem Zorn über die eigene Gebrechlichkeit, ſeinem Heimweh in Thränen Luft zu machen. Er ſchellte dem Diener, der ganz erſtaunt die geöffneten Gardinen wieder zuzog, und befahl demſelben, ihm den Schluß des Briefes vor⸗ zuleſen.— Der Schreiber des Briefes hatte Erkundi⸗ gungen über Clemence eingezogen. Man wußte nur, daß ſie geflohen ſei, daß ihr Schloß, ihre Gärten, ihre Aecker zerſtört wären; eine alte Dienerin, die man hatte befragen können, meinte, die gnädige Frau ſei ohne weiteres Ver⸗ mögen als dieſe Beſitzung und, obgleich eine Deutſche, doch in Deutſchland, ſo viel ſie wüßte, ohne Verwandte. Die einzige Nachricht, die man noch gerüchtweiſe erhalten hätte, ſei die, daß Clemence auf der Reiſe ſchwer erkrankt ſei.
Novellen⸗Zeitung.
V
[III. Jahrg.
Vincenz vergaß über dieſe zweite Nachricht des Briefes faſt die Aufregung, die ihm der erſte Theil des Schreibens gemacht hatte. Er ſtellte ſich Clemence, die ihn in ſeiner Hülfloſigkeit ſo treu gepflegt hatte, krank, mittellos, ohne Stütze vor, er machte ſich Vorwürfe, daß er einen Augen⸗ blick hatte vergeſſen können, daß ihr ſein Leben gehörte, er mußte ſie finden.— Nun fiel ihm ein, daß Armand's Worte, der Ausruf ſeiner Schweſter, es wahrſcheinlich machten, daß ihnen Clemence's Aufenthalt und Lage be⸗ kannt wären— und Armand kam nicht. Alle Stunden traten vor ſeine Seele, in denen Clemence, an ſeinem Bette ſitzend, ihn pflegte, eine Sehnſucht nach jenen ſtillen Tagen kämpfte mit dem immer wiederkehrenden Drang zum Heere zurück⸗ zukehren. Bald meinte er, daß hierhin ſeine Pflicht, dort⸗ hin ſein Herz ihn zöge, und doch konnte er ſich nicht klar machen, auf welcher Seite ſein Pflichtgefühl oder ſeine Neigung am mächtigſten kämpften.
Und Armand kam immer noch nicht. Der Nachmittag verging— der Arzt konnte jetzt ſchon wieder in ſeiner Wohnung ſein, da hielt es Vincenz nicht länger, er mußte ihn ſprechen. Er befahl dem Diener, indem er den leichten Florſchirm wieder über die Augen ſchob, ihn in das Haus des Arztes zu geleiten, und machte ſich zu Fuße auf den Weg.
In dem Hauſe des Arztes fand Vincenz Alles in größ⸗ ter Aufregung. Die Thüren ſtanden auf, die Treppe war mit Blumen decorirt, der Diener, den der junge Mann nach ſeinem Namen fragte, antwortete zerſtreut und eilte mit einem Plateau mit Gläſern, das er auf dem Arme trug, weiter. Vincenz, der nicht verſtand, was das Alles bedeuten ſollte, und glaubte, das hinge mit dem Ausbleiben ſeines Freundes zuſammen, folgte dem Diener durch die halb finſtern Zimmer, in der Hoffnung Armand zu treffen. In einem Saal, feſtlich geſchmückt, aber noch nicht er⸗ leuchtet, blieb er ſtehen. Da hörte er eine Stimme im Nebenzimmer, die ſeinen Athem ſtill ſtehen machte.
Spitzname bezeichnet die Freiſchüler als ſolche, die Andern heißen Gentlemen. Sie ſind nicht von beſſerer Geburt, aber ihre Eltern haben mehr Geld.— Wer eine Landwirthſchaft treibt, iſt kein
reiner Gentleman, und wären ſeine Vorfahren auch ſchon zu Wil⸗
helm des Eroberers Zeiten wegen ihrer fetten Ochſen und Kälber
berühmt geweſen. Er iſt nur ein halber Gentleman, ein Gentle⸗ man⸗Farmer, ſo lange er nicht Grundbeſitz erwarb, der von ſeiner Landwirthſchaft unabhängig iſt.
Ein Mann, der aller Orten für voll gelten würde und der die beſten Gründe von der Welt beibrächte, warum eine Mütze einem Hute vorzuziehen ſei, würde in Regent⸗Street mit jener Kopfbe⸗ deckung nicht mehr für einen Gentleman angeſehen werden. Er würde auf dieſe Eigenſchaft nicht minder verzichten müſſen, ließe er ſich beim Fiſcheſſen über der Benutzung des Waſſers ertappen; auf die Gefahr hin an Gräten zu erſticken, muß er ſich mit der Aushülfe eines erwünſchten Stücks Brod begnügen und ſich bei jedem Mundvoll den Kopf zerbrechen, ob er das Brod jetzt mit⸗ verſchlucken oder fallen laſſen ſolle.
Freilich kann eine ſehr hohe Perſon ſo ziemlich Alles thun, ohne die Gentlemans⸗Eigenſchaft einzubüßen; ſogar die nichts⸗ würdigſten Handlungen werfen keinen Schatten auf dieſen Titel. Ein Mann dagegen, deſſen Verhältniſſe beſcheidener Art ſind, ge⸗ langt ſelbſt in der Sprache unſerer Weiſen und Denker nicht leicht zu jener Auszeichnung. Einer unſerer kaltherzigſten, ſittenloſeſten Prinzen hieß in der ſ. g. guten Geſellſchaft nie anders als der erſte Gentleman Europa’'s.— 1
Legt uns daher Jemand dieſen Beinamen zu, oder ſpricht ihn uns ab, ſo ſollten wir zwei Mal zuſchauen, wer denn dieſer Je⸗ mand iſt.
„Er iſt kein Gentleman, wie Du weißt,“ ſagt Lieutenant Chifney, der ſelbſt nicht buchſtabiren kann und deſſen Vater einen Reitſtall hält.„Denk' Dir, er gibt Zeichnen⸗Stunden!“
„Ein Gentleman!“ ſagt des Rectors Weib.„O dear, no! Er iſt ein Diſſenter!“
„Ein ganz ehrenwerther Ihr wißt wohl— ſein Vater wo ollhän
Die Frage„Was iſt ein Pfund Sterling?“ hat unſere Erb⸗ weisheit(national wisdom!) einmal ſehr in Verlegenheit gebracht.
„Was iſt reſpectabel?“ war eine andere Frage, die erſt in dieſem Jahrhundert, und zwar in einer Gerichtsſitzung, dahin defi⸗ nirt wuͤrde, daß man, um reſpectabel zu ſein,— ein Gig halten müſſe.
1„Was iſt ein Gentleman?“ die Frage iſt noch unerledigt.
Wie man eine ſeltene und ſympathiſche Seele haben muß, um zu verſtehen, was Genie heißt, ſo auch i*ſt ein gewöhnlicher Verſtand nicht genug, um zu bezeichnen, was jenes Wort ausdrückt. Johnſon mit der Erklärung in ſeinem Wörterbuche: ein Mann von guter Geburt ſei ein Gentleman, befriedigt Keinen, am we⸗ nigſten in umgekehrter Anwendung die Leute von guter Geburt ſelbſt.
Mann,“ ſagt der Squire.„Aber
war Wollhändler!“
Wer rohen Geiſts und Herzens iſt, Wie hoch er immer ſtehen mag,
Ob er das Scepter ſelber hielt,
Er wird doch nimmer edlen Schlags! Er kleide ſich in Gold und Sammt, Die Mode tilg' der Rohheit Spur, Es guckt aus jeder Falte doch
Die ungeadelte Natur.
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Clennene


