Dein Lebensglück zum Opfer bringen? Thue was Du willſt, Bruder, aber wenn Du die Thorheit haſt, aus edel⸗ müthiger Regung die Beiden mit Gewalt zuſammenzu⸗ bringen, mit Gewalt in eine Liebe zu ſtürzen, gehe ich meinen eignen Weg. Sage Clemence, daß Du ſie liebſt, und dann mag es kommen wie es will— ſie hat zu wählen, und die Quälerei hat auf einmal ein Ende.“
Sie war aufgeſtanden, und ehe der Bruder ſie unter⸗ brechen, ihr etwas erwidern konnte, hatte ſie das Zimmer verlaſſen.
mence hatte diesmal, wie immer, den Wünſchen der Freun⸗ din nachgegeben, wenn auch widerſtrebend, weil ſie glaubte, nur ſo die vielfachen Freundlichkeiten erwidern zu können, mit der Aline ſie überhäufte. Dieſe war überglücklich. Ein Ball in ihrem Hauſe, in ihren Salons, ein Vergnügen, das ſte ſich ſeit Jahren wünſchte, und das ſie bisher weder bei ihrem Manne noch bei ihrem Bruder durchzuſetzen im Stande geweſen war. Seit mehreren Tagen hatte ſie geräumt und arrangirt, Thüren ausgehoben, die Treppe mit Vorhängen drapirt und zu einem Orcheſter umgewan⸗ delt. In dem Studirzimmer ihres Mannes, der auf die
erſten Vorbereitungszeichen entflohen war, um eine mehr⸗
Es war Clemence's Geburtstag. Aline, die den Tag mit allerlei Aufmerkſamkeiten für die Freundin begehen wollte, hatte heimlich eine Fülle von Blumen in ihr Zimmer ſtellen laſſen und wollte ſie durch eine Muſik wecken. Sie hatte ſeit längerer Zeit auf alle die Melodien geachtet, die Cle⸗ mence entweder ſelbſt auf dem Flügel ſpielte, oder die ihr, wenn ſie ſie zufällig hörte, einen beſondern Eindruck ge⸗ macht hatten. Alle die hatte ſie beſtellt, ihr Orcheſter unter dem Balcon aufgeſtellt und war ſchon früh geſchäf⸗ tig, um das Signal zu geben. Nicht ihre Freundſchaft für Clemence allein hatte ihr alle dieſe Aufmerkſamkeiten dictirt, die Freude an allen dergleichen Arrangements, der Hang zur Abwechſelung, zum Vergnügen hatten ihren Theil daran, und der Wunſch, die Freundin immer feſter an ſich zu feſſeln, war durch die Empfindungen ihres Bruders, die ſie errathen hatte, die Armand ihr gegenüber nicht in Ab⸗ rede ſtellte, erhöht. Clemence ſelbſt würde kaum an die Bedeutung des Tages gedacht haben, den ſie in den letzten Jahren, ſeit dem Tode ihres Gatten, in der Einſamkeit und ohne irgend ein Zeichen der Feier begangen hatte, wenn nicht Aline ſie aufgefordert hätte, das Feſt ihrer Ge⸗ burt und ihrer Wiedergeburt, wie ſie die Geneſung nannte, durch einen kleinen Ball zu feiern, zu dem ſie ihre neuge⸗ wonnenen Freunde und Bekannten eingeladen hatte. Cle⸗
tägige Alpenexcurſion zu machen, ſollten die Buffets auf⸗
geſchlagen werden; ihr eignes Schlafzimmer räumte ſie
aus, und bei alledem, was für Armand ſehr wichtig war, verlor ſie ihn, ſeinen Patienten, ihre ſchweſterlichen Pläne für mehrere Tage aus den Augen. Armand wollte eben ſein Studirzimmer, das in der zweiten Etage der Villa gelegen war, verlaſſen, als ihn die erſten Töne der Morgenmuſik überraſchten, und vielleicht nicht weniger als ſie, für die ſie beſtimmt waren. Es war ein Potpourri verſchiedener Lieder, von Aline eben ſo ſinnreich als geſchickt angeordnet. Deutſche Volkslieder machten den Eingang, italieniſche Melodien folgten, die plötzlich durch kriegeriſche Märſche abgebrochen wurden, die ſich dann in heitre Schweizerklänge löſten. Das Muſikſtück ſollte gewiſſermaßen das ganze Leben der Freundin darſtellen. Armand verſtand die An⸗ ſpielungen, und da er ſich nach dieſer lauten Mahnung au Clemence's Geburtstag dem Glückwunſch nicht entziehen konnte, ging er ſchnell herunter und in der Ueberzeugung, die Schweſter bereits bei der Freundin zu finden, ließ er ſich durch das Mädchen melden, die mit der Bemerkung, ihre Gebieterin ſei auf und in ihrem Zimmer, den Arzt unangemeldet eintreten ließ, vielleicht, um nicht im An⸗ hören der Muſik länger geſtört zu werden.
Clemence war allein. Sie ſtand in der Fenſterniſche
Feuilleton.
— e⸗ Ooe
Wer iſt ein gentleman? Nach dem Engl. mitgetheilt v. Robert Waldmüller“*).
. Folgendermaßen kam ich zum Nachdenken über dieſe Lebens⸗ frage.
Ich hatte meinem Hanſom⸗Fuhrmann, ſobald ich die Padding⸗ ton⸗Station erreicht, dasjenige bezahlt, was ihm zukam; dies iſt eine meiner ſchwachen Seiten; gegen den üblichen Gebrauch gebe ich dieſen Leuten, wie man das bei andern ehrlichen Leuten thut, gerade was ihnen zukommt, und nicht jene ſechs Pence Zulage, die im Grunde nichts weniger iſt, als gleichſam die ſilberne Medaille, welche die Rohheit von dem Haſenherzigen ertrotzt.
Ich habe ihm alſo, was recht war, bezahlt. Er wog das Geld, wie ſich von ſelbſt verſteht, in ſeiner hornhäutigen Hand und fragte: was das ſolle? Gerade als ob eine Fuhrlohn⸗Taxe nirgendwo in aller Welt exiſtire. Da der Zug nicht ſogleich ab⸗ fuhr, ging ich auf das Ganze der Fuhrlohnsfrage ein, ſprach von V
„Vorrath und Begehr,“ von„Im⸗Wege⸗ſein und Nützlichkeit der zlich
*) Diesmal der Robert Waldmüller, welcher der echte zu ſein behaup⸗ tet, jedenfalls der Verfaſſer der„Nachtquartiere“ u. ſ. w.
döffentlichen Wagen,“ etwa in der Weiſe wie Herr Macculloch ge⸗
than hätte, er, der Schrecken aller Lohnfuhrleute, auf deren Ner⸗ ven ſeine Fuhrlohns⸗Taxe raſcher wirkt als die triftigſten Gründe — in der That für dieſe Art Leute von nicht mehr Belang als Portwein in Waſſer für Opium⸗Eſſer.
Als ich meinen Vortrag geſchloſſen hatte, zog ich Mogg's Nachweis der Londoner Diſtanzen hervor und brachte zu meinen Vernunftgründen gedruckte Commentare bei. 8
Er kletterte, wie ein beißiger Papagei, auf ſeinen luftigen Sitz und begleitete eine drohende Geberde ſeiner unförmlichen Finger mit dem möglichſt verächtlich gemeinten Zuſatz:„Ihr ſeid
mir der rechte Gentleman!“
Ausdruck und Geberde gaben dieſen Worten einen myſtiſchen Charakter, ſo daß es nicht ſchwer war aus ihnen heraus zu hören: „Wahrhaftig, von allen abgeſchmackten Nachäffungen eines Gen⸗ tleman biſt Du, mein Lieber, die durchſichtigſte und geſchmackloſeſte. Ihr ſeid mir der rechte Gentleman!“ 3
„Mein Freund,“ antwortete ich mit einer Miene fröhlichen Selbſtgefühls, die es mit dem erſten Lord der Schatzkammer ge⸗ troſt hätte aufnehmen können,„wer behauptete jemals, ich wolle ein Gentleman ſein?“
—
[III. Jahrg. ANr. 9.
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