1 114 Novelſen⸗Zeitung.[III. Jahrg. Nr. 8) —;——y—————————— w———y⸗§ꝛꝛꝛyꝑ—y—— ALBI A A —e— . A. von Winterfeld. V Ein junger Lieutenant. Ein alter Lieutenant. Er kam aus dem Cadettencorps Ach! zwanzig Jahre gingen hin,— Und dacht' er ſtelle recht was vor, Was brachten ſie ihm für Gewinn!?— b Kam in die kleine Garniſon, Sie zogen langſam über's Land: Des Kriegsgotts hoffnungsvoller Sohn. Er iſt noch immer Lieutenant. 3 Die Uniform ſitzt ihm ſo nett, Er denkt an das Cadettencorps, Er äugelt nach dem Epaulett, Kommt ſich nicht mehr ſo wichtig vor; Beſieht ſich ſeines Frackes Sitz Es hat die kleine Garniſon Und grübelt über einen Witz. Gekappt des Geiſtes Flügel ſchon. V In Hat Alles noch ſo neuen Schein, Die Uniform ſitzt nicht mehr nett, ner. Der Degen ſchlägt ihm an das Bein, Nach vorne hängt das Epaulett;— die eine Und dann zerreißt er, o wie ſchad', Denkt nicht mehr an des Frackes Sitz, gegoſſen Die Stiefeln mit dem Sporenrad. Noch weniger an einen Witz. reine ſon Dann das Lorgnon hervor er zieht, Zieht das Lorgnon nicht mehr hervor, de Ufn, Obgleich er ganz vortrefflich ſieht, Doch ſieht er klarer als zuvor; deren Sc Kneift es ins rechte Auge ein Die Zeit prägt es ihm deutlich ein: lauen w Und denkt bei ſich: Herr Gott, wie fein! Daß Vieles nur ein falſcher Schein. doch wat 3. 2 3 ww Freut ſich auf ſeinen Sonntagsſtaat, Freut ſich nicht auf den Sonntagsſtaat, 3 ma Daß er'ne eig'ne Stube hat, Weil er nichts dazu übrig hat, dälwiſe Ruft zehnmal ſeinen Burſchen denn, Hält ſeinen Burſchen von ſich fern, Die al Damit er ihn„Herr Lieut'nant“ nenn“ Hört das„Herr Lieut'nant“ nicht mehr gern. etwa d . . 16 2 1 Er träumt ja noch, er weiß nicht was, Er träumt nicht mehr, er denkt kaum mehr, buter Schaut Alles durch ein buntes Glas. Ach! Kopf und Herz ſind träumeleer.— 1 Schleſſ Doch ſpäter wird es blaß und bleich— Das bunte Glas ward blaß und bleich, Frühlin, Er ſtürzt aus ſeinem Zauberreich. Er fiel aus ſeinem Zauberreich. var ſiht 5 von Zei Den Krämer, der ſich vor ihm krümmt, Den Krämer ſieht er nicht mehr an,. unn Zeit Weil er Cigarren von ihm nimmt, Er ſchrieb mit Doppelkreide an, en betra Und der gefällig ſchreibet an, Das ward dem Aernſten lange klar 1 heiter; Hält er für einen Ehrenmann. Bei manchem, manchem neuen Jahr. vor ſhn . d Mit wem er mal beim Glas vereint, Auf ſeinen Freund bei Glas und Spiel 1 enen, b Den hält er für den beſten Freund; Gibt er nun auch nicht mehr ſo viel; erſten T Und bei der Bowle, bei dem Spiel Was leicht ſich wob, das leicht zerrinnt,— weiblic Find't er der guten Freunde viel. Den wahren Freund man ſchwer gewinnt. mantſchie In jede Schürze gleich verliebt, Iſt auch nicht mehr ſo oft verliebt, ihre k Weil es im Corps kein Mädchen gibt, Er wurde gar zu oft betrübt, gend a Trinkt ſeine junge Lieut'nantsbruſt Vom vielen Reiten ſteif und ſpak;’ ſie ſah D Der Liebe reine Himmelsluſt. Statt Cigaros raucht er Tabak.. ſu den Vor Freud' er ſich nicht laſſen kann, Das Buch, aus dem ihn einſt ſo ſchön imme Sieht er ſich ſeinen Namen an Der eig'ne Name angeſeh'n, 2 In jenem Buche, wo ſo ſchön Er blättert traurig d'rin umher— Wmantſch So viele ſchöne Namen ſteh'n. Macht ihm nun keine Freude mehr. beſich Er blättert freudig hin und her:„O, traurig Buch! Du biſt ein Grab, ſowar. „Ach, wenn ich erſt Rittmeiſter wär'!“ In dem ich, ach, begraben hab 4 aile Und macht ſie auf und macht ſie zu—. Das Wirken von ſo manchem Jahr, 6 „Du Wiege meiner Hoffnung Du!“— Indeß ergrauete mein Haar! 4 nach — Iein O träume fort— biſt ja noch jung— Und wenn ich einſt geſtorben bin, 7 unn Die Träume der Beſeligung!— Setzt man kein Kreuz, kein Denkmal hin an ſpie Doch wie ſie in Erfüllung geh'n, Auf jene Stelle, wo einſt ſtand Aeninn Woll'n wir nach zwanzig Jahren ſeh'n. Der arme, alte Lieutenant.“ V als rr M:— Futa Garniſon⸗Geſchichten. Ein Bilderbuch von A. von Winterfeld. Berlin, Verlag von Otto Janke. 1857. V die d
Jahrgang
01-26 (1857)
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