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Literariſche Beſprechungen.
Gedichte von Melchior Meyr. von Julius Springer, 1857.
Nicht einzelne Dichtungen, ſondern ein ganzes Dichter⸗ leben mit ſeiner inneren Entwickelung liegt in dieſem Bande vor uns; einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren umfaſſen ihrer Entſtehung nach dieſe Poeſien. Das Buch fängt an:
Berlin, Verlag
O ich erfuhr ſo holde Luſt Und darf es niemand ſagen! u. ſ. w. Alſo wird Jugendliebe und Jugendluſt in bekannter harmloſer Weiſe beſungen. Manchmal miſcht der Dichter
Stimmungen ein, die es bemerken laſſen, daß er Anlage
zur Grübelei habe: Weiche, düſterdumpfes Sinnen Ueber Welt und was darinnen!
Daß er noch nichts für die Unſterblichkeit gethan, kann auch dieſer jugendliche Sänger trotz ſeiner Liebe nicht vergeſſen; er ſingt ſein Mädchen an:
— Doch Eines treibt mich ſtets zu neuer Klage: Daß Du mich abhältſt, Großes anzufaſſen Und aufzubaun ein Werk, das wie die Maſſen Des deutſchen Münſters in die Wolken rage!
Da aber eine weiſe Fügung es ſo einrichtete, daß jede erſte Liebe einmal ein Ende nimmt, um einer zweiten, drit⸗
ten u. ſ. w. Raum zu geben, ſo bekommt auch M. Meyr
Gelegenheit zu ſingen: Dahin nun mit den Ihren Fuhr ſie ins ferne Land; Des Staubes Wirbel flogen, Bis jede Spur verſchwand! Nun iſt der Dichter unglücklich, und es kommt die „Weihe des Lebens,“ ein Cyklus von Oden, die in poetiſch
religiöſen Stimmungen die Verklärung des Lebens durch den Schmerz beſingen. Dann folgen„Lebensbilder,“ in denen die bisherigen Themata nochmals, aber in mehr gegenſtändlicher und epiſcher Weiſe zur Darſtellung kom⸗ men. Künſtler⸗ und Sängerloos werden namentlich hier beſchrieben:
Allein die Schönſte, glanzumlacht,
Kann nicht dem Armen werden.
Sie wird der Macht, ſie wird der Pracht,
Der Herrlichkeit auf Erden.
Doch auch dies Schickſal verklärt ſich zum„ſchönen Sommer.“ Die zweite Liebe iſt da. Ein neues, reicheres, leidenſchaftlicheres Verhältniß:
Von glühend heißer Leidenſchaft
Iſt Seel' und Sinn regiert;
Dahin iſt alle klare Kraft, Verwirrung triumphirt.
Und wollteſt Du, das alte Glück, Es würde wieder Dein?
Sehnſt Du zur Freiheit Dich zurück? O nein! O nein! O nein!
Es folgt nun eine Anzahl erotiſcher Lieder, die in ihrem freien, natürlichen Schwunge die Glanzpunkte des Buches bilden. Ihnen ſchließt ſich ein neuer Cyklus an: „Bruder Luſtig im neunzehnten Jahrhundert.“ Das Künſtler⸗ und Liebesleben wird hier von ſeiner realiſtiſchen Seite betrachtet; die kleinen Leiden des Literatenthums kommen in humoriſtiſcher Aufrichtigkeit zur Anſchauung:
Keine Schulden ſoll ich machen? Nur von dem, was ich beſitze, In ſo ſchlechten Zeiten leben?
Dabei iſt der Poet verheirathet; das iſt eine ſehr ernſte Sache, und er muß auch in dieſem Falle all' ihren Ernſt auskoſten. Eiferſucht, Gleichgültigkeit, Sorgen, verfehlte Hoffnungen, das Alles muß Bruder Luſtig über ſich er— gehen laſſen, und wenn wir auch ſeine Liederchen dabei
Carteſius ſchmeichelte ſich, daß er die Kunſt verſtände, dem Menſchengeſchlechte, wo nicht zur Unſterblichkeit, doch zum Alter der Patriarchen zu verhelfen. An ſich ſelbſt bewährte er indeß dieſe Kunſt ſchlecht genug oder verdarb ſie wenigſtens durch eine ſonderbare nationale Eitelkeit. Als er nämlich in Schweden, wohin ihn Königin Chriſtina hatte kommen laſſen, an einem Fieber krank lag und man ihm zur Ader laſſen wollte, ließ er dies nicht zu, ſondern rief:„Meine Herren, ſchonen Sie das franzö⸗ ſiſche Blut!“ Man that ihm ſeinen Willen, bis es zu ſpät war und er in ſeinem vierundfunfzigſten Jahre(1650) ſtarb. Der Abt Pioot, ſein Schüler und Vertheidiger ſeiner Lehren, wollte die
achricht von ſeinem Tode lange nicht für wahr halten und rief, als ſie endlich unzweifelhaft war, aus:„Es iſt Alles aus; das menſchliche Geſchlecht iſt ſeinem Untergange nahe!“
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Molisre pflegte zu ſagen, die Verachtung ſei eine Pille, die man verſchlucken, aber nicht kauen könne, ohne den Mund zu ver⸗
Als Nicol. Pſeaume, Erzbiſchof von Verdun, ſich auf der Kirchenverſammlung zu Trient wegen verſchiedener Mißbräuche der päpſtlichen Curie in Vergebung der Beneſicien beſchwerte und hierbei unter den zahlreichen anweſenden Theologen und Prälaten ein offenes Ohr fand, drückte ein italieniſcher Biſchof— denn die Italiener erſchienen eben als die Bevorzugten— ſeinen Unmuth durch die zweideutigen Worte aus: Gallus cantat,„der Hahn loder: der Franzoſe) kräht.“ Pierre Danes aber, ein anderer franzöſiſcher Abgeordneter, Lehrer König Franz’ II. und ſpäter
Biſchof von la Vaur, antwortete darauf ſogleich eben ſo zwei⸗
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Utinam ad hujus Galli cantum excitaretur Petrus et „wenn doch bei dem Krähen dieſes Hahns(oder: Franzoſen) Petrus(oder; der Papſt, die Curie) in ſich ginge und bitterlich weinte.“ Dieſes hingeworfene Wort machte auf die Väter einen ſolchen Eindruck, daß ſie in der That mit allem Ernſte an der Verbeſſerung der Kirchenzucht arbeiteten.
deutig: fleret amare,
Als der berühmte Gelehrte Iſaak Caſaubonus(geb. 1559, geſt. 1614) zum erſten Male in die Sorbonne kam und man ihm ſagte, das ſei der Saal, wo 1 habe, warf er ſogleich die Frage auf:„Was hat man denn aus⸗ gemacht?“
Wenn man mit Malherbe von Staatsangelegenheiten reden wollte, pflegte er dies mit der Bemerkung abzuwehren, daß man ſich nicht mit der Regierung eines Schiffes abgeben müſſe, auf welchem man nichts als ein Reiſender ſei.
Eine Dame antwortete einſt Voltaire ſehr treffend, als er ſie mon coeur nannte,„ich wünſchte lieber, daß Sie mon esprit ſagten.“
Ant. Godeau(† 1672), einer der Gründer der franzöſiſchen Akademie, nannte das Schreiben das Paradies eines Schrift⸗ ſtellers, das Wiederdurchleſen und Ausbeſſern das Fegefeuer, das Leſen und Verbeſſern der Correcturen aus der Druckerei aber die Hölle deſſelben. G. L. L.
man ſeit vierhundert Jahren disputirt.


