Novelle
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Nahrungsſorgen befreit hatte, zu Dank verpflichtet. Dazu konnte ich durch das angebliche Magnetiſiren durchaus keinen Schaden anrichten, und wenn die Comteſſe einge⸗ bildet krank war, ſo konnte ſie ja auch durch Einbildung wieder geſund werden. Daher zog ich mit meinen Fingern die magiſchen Kreiſe über das Waſſerglas, wie ich es ein⸗ mal beſchrieben geleſen hatte, und reichte es dann der Kranken, welche das Waſſer austrank und dann ſagte:
„Wenn meine Vermuthung in Betreff Ihrer magne⸗ tiſchen Kraft als richtig ſich erweiſen ſoll, ſo muß ich auf den Genuß des magnetiſirten Waſſers in einen Schlaf fallen. Ein Gleiches wird ſogar geſchehen, wenn Sie in Ihrer Wohnung mit mir in einen geiſtigen Rapport ſich verſetzen. Verſuchen Sie ſolches einmal, lieber Doctor, und ich will Ihnen dann über die Zeit und den Gegenſtand unſers gegenſeitigen Rapports die genaueſte Mittheilung abſtatten.“
Auf wie ſchwachen Füßen zuweilen die ehrenwertheſten Vorſätze ſtehen! Eigennutz, Liebedienerei, Neugierde und angebliche Dankbarkeit bewogen mich, nicht nur das Rapportſetzen zuzuſagen, ſondern auch ein Buch zu kaufen, welches von dem thieriſchen Magnetismus handelte, auf daß ich meine Magnetiſeurrolle nicht ganz ohne Geſchick durchführen könnte. Doch die geheimnißvollen Mächte rächten den mit ihnen von mir unternommenen Mißbrauch, indem ſie weder die junge Gräfin in den erwünſchten mag⸗ netiſchen Schlaf fallen, noch mit mir in einen geiſtigen Rapport ſich ſetzen ließen. Von den mir zugeſtandenen vierzehn Tagen, binnen welchen ich des Uebels Grundſitz bei der jungen Gräfin erforſchen ſollte, waren bereits zehn verfloſſen, und noch immer wußte ich auf die täglich erneute Frage der Kranken keine andere Antwort, als daß Hyſterie die Pandorenbüchſe bei derſelben ſei.
„Mit Ihrer einfältigen Hyſterie!“ rief die Kranke ärgerlich aus.„Beſſer wie Sie weiß ich, was mir fehlt, und Sie ſollen es nach Ablauf der vierzehn Tage aus mei⸗
n⸗Zeitung.[III. Jahyrg.
nem Munde vernehmen, dann aber mir nicht wiede ater die Augen treten dürfen.“
Klarer konnte mir mein bevorſtehendes Schickſce ht
verkündigt werden und ich machte mich mit ſtiller Erg darauf gefaßt. Ob mit dem Arzt zugleich der Vu verabſchiedet werden würde, wußte ich zwar nicht,
muthete es jedoch. Nun, ich hatte durch mein Vor en eine hübſche Anzahl Thaler verdient und mit ſolchen r⸗ ſam hausgehalten, daher ich für die nächſte Zukunft ſon Nahrungsſorgen frei zu ſein hoffen konnte. Ueberdſes
waren meine unentgeltlichen Curen bei Dienſtboten Und armen Leuten nicht ganz ohne Nutzen für mich gebliellen, indem die von mir Geheilten meine Mühe zwar nicht mit klingender Münze, ſo doch mit feuerigen Belobungen und Anpreiſungen meiner Geſchicklichkeit bezahlt hatten. Daher vergrößerte ſich die Zahl meiner zahlenden Kunden in er⸗ freulicher Weiſe, wozu der Umſtand nicht wenig beitrug, daß ich in dem gräflichen Hauſe alltäglich ein- und aus⸗ ging, nicht ſelten auch in der glänzenden gräflichen Equi⸗ page abgeholt oder heimgefahren wurde.
Einige Tage vor meiner angedrohten Entlaſſung redete mich die Kammerjungfer der Gräfin mit den bittvollen Worten an:„Ach, beſter Herr Doctor! Sie könnten mir einen recht großen Gefallen erweiſen. Iſt Ihnen mein elendes Ausſehen noch nicht aufgefallen? Daſſelbe rührt von nichts Anderem her, als daß ich wegen unſrer jungen Comteſſe niemals ausſchlafen kann und darf. Allnächtlich muß ich der Comteſſe Geſellſchaft leiſten und ſelbſt den Tag über läßt ſie mich wenig nur in Ruhe. Dadurch hat ſich meiner eine ſolche Schlafloſigkeit bemächtigt, daß ich ſelbſt dann nicht zu ſchlafen vermag, wenn ich auf mehrere Stunden lang keine Störung zu befürchten habe. Nur⸗ einige Mal recht ordentlich auszuſchlafen, iſt jetzt mein einziger und höchſter Wunſch. Deshalb bitte ich Sie um einige Schlafpülverchen, die Sie mir entweder verſchreiben oder bereiten laſſen wollen.“
Feuilleton.
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Eine Ehrenſache.
ſechs andern Perſonen vor dem Landhauſe des Sennor Ar⸗ ungefähr eine Meile von Santiago auf Cuba entfernt. mir waren die andern Perſonen drei amerikaniſche Kaufleute
T An einem ſchönen Herbſtabend des Jahres 1842 ſaß ich mit V
welche am nächſten Tage unter Segel gehen wollten, und zwar
an Bord des Neptun: ein es Alle, daß die Unterhaltung eine unangenehme
nach Morant⸗Bai auf Jamaika, ſpaniſcher Artillerie⸗Lieutenant, der Neffe unſers Wirthes; ein Herr Dupont, ein junger, reicher Creole, von dem man ſagte, daß
er ſich um die Donna Antonia, die einzige Tochter und Erbin des aika; Cohn bei Zuckerplantagen arbeiten ſollten. D
Sennor Arguellas, bewerbe; endlich der Capitain des Neptun, Starkey, ein Engländer, etwa dreißig Jahre alt und von ausge⸗ zeichnetem Aeußern. Ich ſelbſt aber war ein noch ganz junger Menſch und erſt kürzlich von einer ſchweren Krankheit geneſen. Wir gehörten ſämmtlich zu den Paſſagieren des Capitain Starkey. Der Neptun kehrte von Cuba mit einer halben Ladung zurück, unter der namentlich mehrere Fäſſer mit Schießpulver waren. Es gab ganz vortreffliche Cajüten an Bord des Neptun, und da das Wetter ſehr ſchön war, verſprachen wir uns eine kurze und ange⸗ nehme Fahrt; Alle waren daher in der beſten Laune.
guellas, Außer
„
Sie, nicht zu gehen, bevor ich Sie geſprochen Arguellas, indem ſie aufſtand, zu dem Anord⸗
„Ich bitte habe,“ ſagte die Sennora Argue— Capitain Starkey.„Ich wünſche mit Ihnen über die nungen zu unſerer Reiſe zu ſprechen.“ 6
Der Capitain verneigte ſich zuſtimmend. Nie ſchien mir Antonia ſo anniuthig gelächelt zu haben, als indem ſie ſich ent⸗ ernte.
Wie es kam, weiß ich nicht mehr, aber bald darauf fühlten Wendung nahm.
Der Capitain des Neptun hatte eingewilligt, mehrere Familien freier Farbigen mit nach⸗Jamaika zu nehmen, wo ſie um hohen ie Amerikaner hatten bereits getadelt, aber ihre Mißbilligung ſprach ſich nur in Neckereien über die ſchwarzen Neigungen des Ca⸗ pitains aus. Dies würde jedoch ruhig hingegangen ſein, hätte der Capitain nicht unvorſichtig geäußert, daß er als Fähnrich auf der Flotte diente, welche eine Expedition gegen den Sclavenhan⸗ del ausführte. Aus den Aeußerungen des Herrn Dupont entnahm ich, daß ſeine Intereſſen durch jene Expedition bedeutend gelitten haben mußten, und es folgte nun ein Austauſch der leidenſchaft⸗ lichſten Worte. Plötzlich erlaubte ſich Herr Dupont eine be⸗
dieſen Entſchluß
,
Nr. 1.
„Liebe Mittel, wie ger Schlaf hervorgebre Träumen! wachen.“
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