Dichterſtimmen der Gegenwart.
Noveſſen⸗Zeitung.
—(III.
aLBUI.
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Emil Rittershaus.
Was iſt dein?
(An einen Freund.)
„Erinn'rung,“ ſprachſt du,„iſt das einz'ge Gut,
Was du dein eigen nennſt für alle Zeiten.
Das Bild des Todten, der im Grabe ruht,
Wird nimmer, nimmer aus dem Sinn dir gleiten.
Auf raſchen Flügeln eilt die Zeit von hinnen;
Schon morgen können Freunde Feinde ſein.
Der Falſchheit Fahnen wehn von tauſend
Die Todten nur, die Todten nur ſind dein.“
O nein, mein Freund! Die Todten laſſe ruhn.
Das Leben hat dir alle Luſt gegeben;
Das Leben ſegnet all' dein Denken, Thun;
All' deine Schmerzen lindert ſanft das Leben.
Die Trauer legt umſonſt die thränennaſſen
Cypreſſenkränze auf den Leichenſtein.
D ir bleibt nur eins, dies Eine lern' erfaſſen: Die Gegenwart, die Gegenwart iſt dein!
Weh, wenn Erinn'rung du zum Troſt erkorſt! Aus dürren Blättern wird Sie läßt den Schmerz um das, was du verlorſt, Die herbe Qual dich doppelt tief empfinden
Was willſt zurück den Blick du ſinnend wenden? Nur Vorwärtsſchau'n, das kann von Segen ſein. Das Leben nur kann friſche Blüthen ſpenden. Die Gegenwart, die Gegenwart iſt dein!
Wo iſtdas Glück, das die Erinn'rung ſchafft? Nur Schattenbilder, weſenloſe Schemen!
Nur Nachtgeſpenſter, die die beſte Kraft,
Den Muth zum Streben deinem Herzen nehmen. Erinn'’rung lehrt ein einzig Lied dich ſingen, Das Lied, daß eitel alles Erdenſein.
Laß andre Lieder aus der Harfe klingen!
Die Gegenwart, die Gegenwart iſt dein!
Dein iſt der Kelch, den deine Rechte ſchwingt!
Dein iſt die Blume, die du dir gebrochen!
Dein iſt der Kuß, den dir die Liebe brſä.
Und dein des warmen Freundesherzens Pochen! Die Roſen brich, o brich die friſchen, rothen! Die friſchen Roſen ſpenden Duft allein.
4 die Lebend'gen! Laß ſie ruhn, die Todten. Die Gegenwart, die Gegenwart iſt dein;
Wen ich(iebe.
Geſegnet ſei in Näh' und Ferne, Wer vorwärts geht mit feſtem Fuß! Mit ſolchem Manne tauſch' ich gerne Den Bruderkuß und Brudergruß.
Ju jenem hat mich's nie getrieben, Der ängſtlich Alles ülerſann; Ich kann nur achten, kann nur lieben Den kühnen, den entſchiednen Mann!
Zinnen.
den Kranz ſie winden:
Eine Sammlung vom Felde der deutſchen Lyrik ſeit 1850.
Zu jenen mag ich nimmer ſtehen,
Die ſchwanken wie ein Rohr im Wind,
Die immer mit dem Strome gehen,
Denn die ſind nichts, die alles ſind O Lieb' und Freundſchaft, ſel'ge Triebe, Zu hoch euch keiner ſchätzen kann!
Den Brudergruß, den Gruß der Liebe, Dem kühnen, dem entſchiednen Mann!
Der geiger.
O, glaubt es mir, daß oft den Scherz Der Gram zur Maske braucht.
Es lacht der Mund, indeß das Herz In tiefes Weh getaucht!
Der Schmerz, der ſtets ſich pr rahlend zeigt, Nie mein Vertrau'n erwarb!
Der Geiger hat zum Tanz gegeigt,
Als ihm die Liebſte ſtarb.
Die Ralten.
Weß Herze nie in Liebe glühte, Weß Auge nie in Zorn geflammt, em iſt erſtorben im Gemüthe Gute, was von Oben ſtammt!
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iſt im tiefſten Herzensgrunde,
riſt in tiefſter Seele ſchlecht,
1 bis in die letzte Stunde
in den Tod der Selbſtſucht Knecht!
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Anſre Zeit.
Zeit, wie biſt du thatenarm! An Süden wie im Norden,
Da iſt der ſchwachen Träumer Schwarm So groß, ſo groß geworden!
—₰—
Sie ſinnen hin, ſie ſinnen her
Und hoffen ſch zmerzzerriſſen,
Doch iſt kein Sporn die Hoffnung mehr, Sie iſt ein Ruhekiſſen.
Zu Männerthaten fehlt der Sporn: Wo iſt die Kraft geblieben? 2
Sie haben nicht die Kraft zum Zorn Und nicht die Kraft zum Lieben.
Sie haben nicht mehr„Ja“ und Nur feiges Achſelzucken,
Und wiſſen Eines nur allein, Sie wiſſen ſich zu ducken!
O Zeit, ſo matt, der Kraft ſo bar, Cs muß mein Lied dich ſchelten.
Wie iſt ſo groß der Träumer Schaar, Dih wie ſind Männer ſelten!
Herausg. von Karl Weller.
Leipzig, H. Hübner.
Jahrg.
„Nein,“ 4
—
Eine
Der mer ſeinerne morite die J die Shweſter Hollnder we ¹und ein b
deſſen Vortre Auge trocken des Feuer in ten Phantaſie kein Anſto wie Hollu, ſeine Seele von Frauen ſeiner Schw uf leichten die ſpeciele Gegenſtind ſe, die hi ich ten! Mu pn Kingsdich während, rief er aa halte ein Mann,: licher A


