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32 Noveſſen⸗Zeitung.[III. Jahrg.
zuſammengefaßt hat; das Gefühl der Leidenſchaft und der die den Schluß des Buches bilden, ſind der Ehe tief Herzensunruhe iſt noch vorhanden, aber nur das leiſe Le⸗ empfundenes, tragiſch endendes Epos. ben derſelben zittert noch, in die reinſte Harmonie ver⸗ Auch die hiſtoriſche Lyrik, die in Geibel's früheren ſchmolzen, durch die Töne des Gedichtes, ſie begleitend, Sachen nur als poetiſches Gemälde, an Freiligrath'ſche hindurch; Unruhe und Leidenſchaft ſelbſt haben keinen Theil Farbenpracht erinnernd, vertreten war, zeigt ſich hier mehr⸗ an dem Geſange, dürfen nicht mit ihren ſchreienden Lauten fach in jenem grandioſen, monumentalen Style, den Geibel eingreifen in die melodiſchen Klänge, welche wie ſelige Gei⸗ ſelbſt an Hermann Lingg ſo hingebend bewundert hat. ſter leicht und heiter dahinſchweben über den Aufruhr, die Der„Mythus vom Dampf,“„Fauſt's Jugendgeſang,“ Plage und Pein dieſes Lebens.“„Gudrun's Klage,“„Volker's Nachtgeſang,“„der Tod Es wird nicht möglich ſein, Alles von Geibel's Liedern des Tiberius,“„der Bildhauer des Adrian“ und vor als höchſte, als allgemein gültige Poeſie zu vertheidigen: Allem„Judas Iſcharioth“ ſind hier zu nennen. Anderes die Stimmungen des Menſchenherzens ſind einmal unend⸗ iſt weniger bedeutend; ſo ſcheint uns namentlich in dem
lich variirt, und wenn der Dichter dem Seelenleben der modern epiſchen Bruchſtück„Valer und Anna“ dem Um
träumeriſchen Jungfrau oder des zur Sehnſucht erwachen⸗ fang der Inhalt nicht zu entſprechen; auch daß der Dichter! den Knaben einen entſprechenden Ausdruck gegeben, ſo iſt hier, wie mehrfach an andern Stellen, in einer Parekbaſe, nicht zu verwundern, wenn die gereifte Frau, der thätige ſeine Individualität herbeizieht, will uns nicht ganz als Mann nicht immer den Anklang dafür fanden. Manche nothwendig einleuchten.— ſeiner Probleme, z. B. ob die Sterne fromme Lämmer Eine eigenthümliche Färbung haben ſchließlich manche ſind oder Silberlilien oder lichte Kerzen am Hochaltare, der Gedichte durch die politiſche Situation der Jahre ihret wird man nicht umhin können zu den Kleinlichkeiten an- Entſtehung erhalten. Als Geibel im J. 1843 in einem muthig, zwecklos ſpielender Poeſie zu rechnen. Wenn aber ſchwungvollen Tendenzgedichte gegen Herweghe aufgetreten Rudolph Gottſchall trotz ſolcher Einwendungen ſchon von war, zweifelten Viele, ob er es mit der„reinen deutſchent Geibel's früheren Gedichten ſagt, daß in ihnen das„Lied“ Freiheit,“ auf die er ſich berief, ſo ernſtlich meine, und den rohen formloſen Klängen der Volkspoeſie entnommen lange hat die liberale Preſſe ihn als den Söldling einer und mit einer„adeligen Form“ bekleidet ſei, ſo gilt dieſe dieſer Freiheit feindlichen Partei zu bezeichnen verſucht, Anerkennung in noch viel höherem Grade von dem vorlie⸗ In dieſem Bande nun hat der Dichter mehrfach Gelegen⸗ genden Bande der ſo eben erſchienenen„Neuen Gedichte.“ heit genommen zu zeigen, daß es in der That——
Hier tritt nirgends„weichlich frauenhafter“ Sinn,„wilde Freiheit“ war, gegen die er damals ankänlpfte, hier tritt Achtung gebietender Ernſt, würdevolle Haltung daß er mit ſeinem Denken und Wollen der hohen, allge⸗ uns entgegen. Dies ſind die Dichtungen des Mannes. meinen Bildung ſeiner Nation nie wird verloren gehen, Auch hier zieht ſich ein großer Schmerz als der rothe und daß es bei allen edel Denkenden unſres Volkes in Faden durch dieſe reiche ſchöne Perlenſchnur, aber es iſt Wahrheit denn doch nur Eine Meinung gibt! Geibel nicht mehr der Schmerz des mädchenhaft zagenden Jüng⸗ ſingt ſeinen„Friedensſchluß“ mit der Göttin der Freiheit:
lings, der die Welt noch vor ſich hat und klagt, daß ſie Die Stunde, da ſie einſt entſchwebt dem Staube
ernſte Anſprüche ſeiner Träumerei entgegenſetzt; dies iſt Nicht träum ich noch mit Augen ſie zu grüßen;
der Schmerz der gereiften Erfahrung, welche die Welt Doch auch verzweifeln läßt mich nicht mein Glaube. kennen gelernt, welche ein Glück beſeſſen und verloren, Er gibt mir Kraft, zu ſtehn auf franken Füßen, welche die große Lehre ſchmerzvoll erlebt hat, daß das Den Spiegel jedem Zerrbild kühn zu zeigen, Daſein und mit ihm die höchſten Schätze auf Erden ver⸗ Und doch dem Keim zu huld'gen drin, dem ſüßen. gänglich ſind. Aber noch in einem andern Sinne ſind dies Und weil ich muß beim Kampf des Tages ſchweigen, die Dichtungen des Mannes: nicht mehr jugendliches Den Larven ſchlagen,— hab' ich aufgerichtet Träumen, bräutliches Sehnen ſind hier verherrlicht, ſon⸗ Dies Lied als Mal, daß ich der Freiheit eigen.
dern die Liebe des Mannes, der als Gatte der Gattin In ihrer Zukunft Sinn hab ich gedichtet.
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