Jahrgang 
01-26 (1857)
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Jahrg.

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und nun erzählte Vittori, daß noch ein zweiter Bewerber da ſei, ein reicher Genueſer Kaufmann, zwar nicht ganz

jung mehr, aber doch eine ſehr gute Partie, der ſich nicht

daran ſtoße, daß ſeine Braut nicht mehr reich ſein würde.

In jedem andern Geſchäfte wäre der ſchlaue Grieche dem

gewandteſten Gegner gewachſen geweſen; hier war ihm das

Terrain zu neu, und die Begierde, die Furcht des Ver⸗

luſtes machte ihn blind. Der ſtarke Wein that das Seine

und als nach zwei Stunden Hinundherredens Vittori vom

Tiſche aufſtand, umſchloß ſeine Brieftaſche eine Verſchrei⸗

bung, die ihm für den Fall einer Heirath zwiſchen dem

Prätendenten und Ellena dieſelbe Summe ſicherte, die ſeiner Frau als mütterliches Erbe zugefallen wäre, hätte es nie einen Stephan Sebenzich gegeben. Das väterliche Vermögen war ihm ohnedies ſchon früher ausgezahlt worden.

Noch denſelben Abend ſchrieb er dem Bevollmächtigten, es ſei nun nicht mehr gerathen, den Stand der Dinge zu verheimlichen, jedenfalls müßte Madame Roſetti endlich ihr Unglück erfahren, und da der Gegner noch einmal einen Vergleich angeboten, ſei es wünſchenswerth, daß ſie ihn nicht in dem Wahne zurückſtoße, das Ganze ſei noch zu retten. Vittori ſah ein, das Eiſen müſſe man ſchmieden, ſo lange es heiß ſei.

An dieſem Abende ſaßen die Schweſtern mit Iſidor in Nina's elegantem Theezimmer; zwei Couſinen Vittori's mit ihren Anbetern und noch ein dritter junger Dandy bildeten den Reſt der Geſellſchaft. Die ſchöne Nina war durch den Fremden etwas in Anſpruch genommen. Ellena ſaß neben Iſidor, der ſcherzend dem Geplauder der Andern zuhörte. Man ſprach von der geſtrigen Vorſtellung; es wurde kritiſirt, moquirt und natürlich mediſirt. Ellena war ſehr beſchäftigt mit der Theebereitung, endlich wendete ſie ſich an ihren ſtummen Nachbar und fragte, wie ihm die Oper gefallen habe. Iſidor gab eine unbeſtimmte Ant⸗ wort und verfiel wieder in ſein düſtres Sinnen, bis das

Dritte folge.

wie jetzt zu ſprechen.

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Mädchen ihn noch einmal anredend fragte, wo er denn heut Abend mit ſeinen Gedanken weile. Bei dem geſtrigen Abende, entgegnete er traurig. Nun, da Sie geſtern auch an andre Dinge gedacht

und von der Oper nichts geſehen und gehört haben, ſo

muß ein ſehr wichtiger Gegenſtand Sie beſchäftigen, ſagte ſie leiſe, ihm fragend in das blaſſe Geſicht blickend.

Sie haben Recht, Ellena, entgegnete er,ich dachte daran, daß ich das Koſtbarſte, das Edelſte verloren geben muß, das ich mir zu erwerben zuweilen geträumt hatte ich dachte an Sie, Ellena.

Es war das erſte Mal ſeit jenem Ballabende, daß aus Iſidors Stimme eine tiefe, verhaltene Lädenſchaft ſprach, und Ellena ſah erbleichend in ſein dunkles Auge, halb um Schweigen zu erbitten, und doch auch um eine Erklärung zu erhalten. Die Andern waren im eifrigſten Geſpräch und viel zu ſehr mit eigenen Intereſſen beſchäftigt, ſo daß Iſidor richtig herausfühlte, es ſei die günſtigſte Gelegen⸗ heit jetzt zum Sprechen.

Hören Sie mich an, ſo ruhig als Sie es vermögen; ſchwerlich finde ich bald wieder Gelegenheit, Sie ungeſtört Wenn ich während dieſes Winters allabendlich faſt neben Ihnen an dieſem Tiſche ſaß und bei Ihrem Anblicke die ganze Welt hinter mir verſank, da, Ellena, vergaß ich den Reichthum und den Stolz Ihrer Familie, Ihre eigenen Anſprüche an das Leben ich ſah nur in Ihnen das ſchöne, edle Mädchen, das ich lieben und verehren mußte o jeden Tag tiefer, inniger, leiden⸗ ſchaftlicher. Ich lebte nur in dieſen Stunden, nur von Ihrem Anblicke, ich vergaß die Welt und Alles, was ſie fordert. Geſtern Abend, Ellena, bin ich erwacht; der Glanz des hellen Lichtes, der mir die blendenden Strahlen ſo vieler Brillanten ins Auge warf, hat mich aufgeſchreckt; ſeit geſtern erkenne ich die Kluft, die mich von Ellena Roſetti trennt.

ſtudirt und dargeſtellt hat. Romeo, Medea, Sextus namentlich ſind mit gründlicher und geiſtvoller Ausführlichkeit behandelt. Wir ſehen hier die Anſchauungen einer weit über die gewöhnliche Theaterconvention, nach Vermittelung der äſthetiſchen Ideale mit der praktiſchen Ausführung hinübergreifenden Künſtlerin. Einer jeden Theaterſängerin, jeder höher ſtrebenden Novize namentlich iſt dieſe Lectüre als forkbildend ans Herz zu legen.

Bei ſolcher Gewiſſenhaftigkeit im Kunſtberufe ſind denn nun die außerordentlichen Eefolge der Sängerin allerdings zu begrei⸗ ſen. Sie ſelbſt ſchildert es nicht ohne Genugthuung, wie ihr der Wagen ausgeſpannt, Fackelſtändchen gebracht wurden, wie Publi⸗ eus in Schebeſtianer und Antiſchebeſtianer zerfiel, wie man auf halsbrecheriſchen Leitertouren ihre Fenſter mit Blumen ſchmückte, wie Gelehrte, Künſtler, Grafen und Fürſten um ihre Gunſt ſich bemühten, wie ſie in der eigenen Equipage mit Courierpferden von Oſt nach Weſt, von Nord nach Süd kutſchirte, überall der Lieb⸗ ling des Publicums, der Engel der Theaterdirectoren, die Göttin für die Enthuſiaſten da iſt die Romantik auch in unſerer Wirk⸗ lichkeit, das Märchen auch der modernen Geſellſchaft.

Aber ach! das Gebäude dieſes Glückes war auf die einzelne Kraft eines Menſchen nur gegründet, und alle Menſchenkraft iſt ja gehrechlich. Als Agnes Schebeſt, einem Rufe nach Paris folgend, ihren höchſten Triumphen entgegenzugehen meint, über⸗ fällt ſie, durch ein Reiſeunglück, durch Anſtrengung und unberück⸗ ſichtigte Indispoſitionen veranlaßt, eine Krankheit; Hals und Bruſt ſind jahrelang leidend; endlich wird die Geſundheit wieder gewonnen und das Theater von neuem betreten, aber die alte Ju⸗ gendfriſche ſcheint doch nicht wiederzukehren. Die Verfaſſerin er⸗ zählt von neuen Erfolgen, aber nicht mit der alten Luſt, nicht mit

dem alten Glanze in Karlsruhe betrat ſie 1841 zum letzten Male die Bühne.

Und was nun? Wie oft führt dann die Künſtlerlaufbahn nach dieſen Triumphen ſo ſchnell abwärts, als ſie erſt emporſtieg! Wie oft tritt nun das Märchen im umgekehrten Sinne ein und wie ſchnell verwandeln die Feen ſich in alte Mütterchen, die Theaterprinceſſinnen in Garderobieèren, Logenſchließerinnen, wenn das Gluͤck günſtig iſt, in weiſe Theatermütter! Agneſe Schebeſt war ein würdigeres Loos vorbehalten. Es war ein charakteriſti⸗ ſches Zeichen jener äſthetiſch und philoſophiſch idealiſtiſchen Zeit, daß ein berühmter, Epoche machender Gelehrter jener Jahre in der ſelbſtſtändigen, Wirklichkeit und Ideal vermittelnden Sängerin ſeine Gattin ſuchte. Bald nach ihrem Rücktritt von der Bühne fand die Verbindung ſtatt. Die Ehe jedoch dauerte nicht lange; jetzt leben Beide ſeit Jahren von einander getrennt.

Konnte die triumphgewohnte Künſtlerin ſich in die engen, ſtrengen Pflichten einer Gattin nicht finden? Traten in das ſtille häusliche Leben Träume des alten Glanzes, des Jubels, der durch einen Ton, eine Bewegung, einen Blick, Tauſende unwiderſtehlich fortreißend, hervorgezaubert wurde? Hatte man Ideale erwartet

und fand man, daß das alltägliche Leben auf bedrückender Noth⸗

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Darüber ſchweigt die Ver⸗ ſie. Die Auto⸗ Bühne. ++ r.

wendigkeit und Rückſicht beruht? ſchy faſſerin; nur eine achtungsvolle Hindeutung gibt ſie. biographie ſchließt mit Rücktritt der Künſtlerin von der