Jahrgang 
01-26 (1857)
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mannigfachen Bewerbern hatte ſie die Männer verachten gelehrt. Hier trat ihr zum erſten Male eine edle und noch reine Natur in Iſidor entgegen und wie vor der Sonne zerſchmolz in ſeiner Nähe das Eis, welches bittre Erfah⸗ rungen und ihre gänzliche Iſolirtheit um ihr Herz gelegt hatten. Sie war glücklich, Vertrauen zu einem Menſchen⸗ herzen faſſen zu können, das erſte Mal in ihrem einſamen, armen Leben, obgleich es von Luxus und Reichthum um⸗ geben war. Iſidor war gegen ſie ernſt, faſt ehrfurchtsvoll und doch wieder freundſchaftlich; während er Nina eine Schmeichelei ſagte oder mit ihr ſcherzte, war ſein Blick eine

von ihm verſtanden, ehe er ihr ſelbſt noch klar war; ſeine Verehrung ſchien ſie wie auf Flügeln tragen zu wollen, damit ihr Fuß an keinen Stein ſtoße. Iſidor ſprach mit Liebe und Stolz zugleich von den Seinen; er ſchilderte ſeine Familienverhältniſſe, ohne zu verbergen, daß ſein Vater keineswegs reich ſei. Scherzend erzählte er einſt wie einfach die Toiletten ſeiner Schweſtern ſeien, und ſeit jenem Tage erſchien Ellena nicht mehr wie früher in Atlas und Sammet, ſondern im einfachen, dunkelfarbigen Taffet⸗ kleide; ſie ging oft zu Fuß aus, beſorgte manche Einkäufe ſelbſt, die ſie ſonſt der Kammerjungfer überlaſſen; ja ſie that noch mehr, ſie änderte das Dienſtperſonal und fing an die neuen Leute zu beaufſichtigen, die Rechnungen ſelbſt zu führen, kurz das Hausweſen zu dirigiren.

Vittori war der Einzige, der in dieſem Verhältniſſe eine Art Urtheil hatte, wenn er auch nicht fein genug in ſeinen Empfindungen war, um die beiden jungen Leute richtig zu beurtheilen. Für ihn war Iſidors Neigung der

Dritte folge.

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war zu beſchränkt, als daß es rathſam geweſen wäre ihr denſelben vor dem Gelingen mitzutheilen, und eben weil ſie ſo war, konnte er ihrer Zuſtimmung ſicher ſein; ſeine Frau war zu leichtſinnig, um ſich für andere Dinge als Putz und Amuſements zu intereſſiren; daß Ellena daran denken könne, Iſidors Frau zu werden, fiel ihm nie ein. Der drohende Verluſt ihres Vermögens ſchreckte alle Be⸗ werber ab; es blieb ihm alſo nur eine einzige Möglichkeit, das Unglück abzuhalten oder zu vermindern. Er hatte ſich mit dem Sachwalter in genaueſten Rapport geſetzt, ſo

daß er alle Nachrichten einen Tag früher im Geheimen er⸗ Liebkoſung für Ellena; ein Gedanke, ein Wunſch wurde

hielt, als ſie ſeiner Schwiegermutter oder vielmehr Ellena officiell mitgetheilt wurden. Seit er keinen Zweifel mehr haben konnte, daß der Proceß verloren gehen müſſe, hatte

er ſich mit dem Prätendenten in freundliches Vernehmen

zu ſetzen geſucht. Dieſer war ein Grieche, das heißt, er

war ſchlau und habgierig und kannte ſeinen Vortheil. An⸗

an dem

Verſuch, ein reiches Mädchen zu erwerben, den er ruhig

anſah, da er ſich die Macht zutraute denſelben zu ver⸗ eiteln; Ellena's wachſende Liebe eben nur eine Lieb⸗ ſchaft, die ſie als Frau doch auch haben würde und nur rühn genug war als Mädchen ſchon zu verſuchen. Indeß hatte er längſt ſeinen Plan gefaßt. Seine Schwiegermutter

fangs war er für jedes Entgegenkommen taub und blind; endlich gelang es Vittori, ihn eines Abends aufzufinden, Orte, wo er regelmäßig ſeinen Wein trank.

Es war eine düſtre, ſchmuzige Schenke, die faſt nur von Magazinarbeitern und Matroſen beſucht wurde. Allein der Wein war vorzüglich und ſo hielt der Wirth ein kleines Hinterſtübchen, wo an eben ſo groben Holztiſchen, aus denſelben irdenen Krügen und geſchwungenen Gläſern einige Mäkler und heruntergekommene Speculanten, zuweilen auch ein anſtändigerer Gaſt ihr Maß Wein tranken.

Dort war Stephan Sebenzich der allabendliche Gaſt, und Vittori ſuchte ihn hier auf; der Wirth war ſo weit im Einverſtändniſſe, daß er die Thür für fremde Eindring⸗ linge verſchloſſen und einige Flaſchen ſchweren Ungarwein in Bereitſchaft hielt, um die Verhandlungen zu unter⸗ ſtützen. Sebenzich war ein breitſchultriger, unterſetzter Mann von ungefähr vierzig Jahren, ſein Geſicht ein Ge⸗ miſch von Gemeinheit und Schlauheit, mit ſtarken Zügen und einem großen ins Grau ſchimmernden Schnurrbarte.

von ein paar wohlwollenden Händen gezittert! Die junge An⸗ fängerin ſollte zuerſt als Benjamin inJoſeph in Aegypten auf⸗ treten. Sie ſchildert ihr Debut:

Ich war nun ſchon längſt völlig vorbereitet in meiner Rolle, znnd die Oper durfte nur noch aufs Repertoir geſetzt werden. Ja, wenn das bei einem Hoftheater nur ſo etwas Leichtes wäre! Mikſch hatte Neider in Hülle und Fülle; erſtens, weil ihm bei Hofe volles Vertrauen geſchenkt ward, zweitens, weil er, wenn er über fremde Sänger zu Rathe gezogen wurde, ſeine Meinung un⸗ umwunden herausſagte, und drittens, weil er gute und ſogar aus⸗ Jezeichnete Schüler und Schülerinnen gebildet hatte. Alte Prima⸗ donnen, Schauſpielerinnen und noch ſonſtige Leutchen liefen ſich, ihrer Töchter und Schützlinge wegen, bei Pontius und Pilatus die Schuhe faſt ab, machten böſe Geſichter auf mich herunter und ſuchten zu intriguiren. Alle möglichen Leute ſtellten ſich auf die Hinterfüße und ſperrten und ſpreizten ſich, um, wie es gewöhnlich einem armen Tröpflein zu gehen pflegt, mich herunterzudrücken. Aber das alte Sprichwort: je mehr Feinde, deſto mehr Glück, hat ſich mein Lebetag an mir bewährt. Es kam endlich, trotz aller Hinderniſſe, dennoch zur Aufführung der Oper. Nachdem die erſten Klavierproben glücklich vorüber waren, ging es auf die Bühne, die ich mit unbeſchreiblicher Angſt betreten habe. Zuerſt wurden mit Quartett, dann mit vollem Orcheſter Proben gehalten, wobei aber die Mitglieder des Orcheſters und jene der Bühne mich nach dem Schluß der RomanzeAch mußte der Tod ihn uns neh⸗ men dergeſtalt mit Beifall ermunterten, daß ich aus lauter Freude im nächſten Geſangſtücke einen Viertelston zu hoch ein⸗ ſetzte. Papa Mikſch lief hinter den Couliſſen unruhig hin und her, der Kapellmeiſter Reißiger klopfte mit dem Stöckchen, das

froh, daß ſie ihren Beifall ſchon weg hatte.

Orcheſter hielt ein, und Papa Mikſch, dem ich es anſah, daß ich eine Dummheit gemacht haben mußte, ſagte:Du ſingſt ja viel zu hoch! Ich erſchrak nicht wenig und nahm mich, da ich ja eben Beifall geerntet hatte, nicht gering zuſammen. Es ging nun auch glücklich bis ans Ende. Der Hoftheater⸗Intendant, Herr von Lüttichau, war zufrieden und nur noch darüber beſorgt, wie ich als Knabe mich ausnehmen würde. Der Oberinſpector wurde deshalb zur Conferenz herbeigezogen und man rieth und berieth, was wohl

meiner Garderobe und ſonſtigen Verſchönerung wegen gethan

werden ſollte. Da meinte der Oberinſpector, für ſo einen ausge⸗ hungerten Judenjungen würde ich ohne Zweifel reichlich genug von der lieben Natur ausſtafſirt worden ſein, und ex wolle die 10 Thaler, die das koſten könnte, vorerſt lieber für ſolche aufſparen, von deren bezaubevnder Schönheit den ganzen Abend herunter declamiret wird.

Der Abend kam endlich heran, und nachdem Papa Mikſch, Madame Werdy und das Orcheſter auf der Probe mit mir zufrie⸗ den waren, ſo freute ich mich eher, als daß ich mich vor der Auf⸗ führung der Oper gefürchtet hätte. Ohne das bemerkte ich, wie die beiden alten Leutlein ja ſchon genug Angſt für mich hatten. Der erſte Auftritt war mir das Aergſte. Das Röllchen fängt aber glücklicherweiſe mit einem Dialog an; doch war ich ſo mit ganzem Herzen bei dem, was ich zu reden hatte, daß es mir auch wohl

darin wurde. Schon im Dialog hat man mir applaudirt; da ſah

ich verſtohlen in die Couliſſe zu Madame Werdy und war nur Nun kam die Ro⸗ manze, und auch dem Papa Mikſch wurde rechtſchaffen applaudirt; ſogar die allerhöchſten Herrſchaften ſollen lauten Beifall geſpendet haben. Nach glücklich beendigter Vorſtellung ließ Herr v⸗ Lüttichau