Jahrgang 
01-26 (1857)
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Jahrg. Nr. 2.]

ritte Folge. 19

Novellen-Zeitung.

* j Süjde ſchen Mädchen ſagt manmon ange oderangelo mio 6 Soll und Haben im Süden. odermein Engel, wie ſie es gerade verſteht, und eigent⸗ lich geht es da wie mit den Hausthieren, ſie verſtehen, wenn ihan dis Geheimniſſe auch nicht das Wort, doch den Ton und den Blick. C'est rutternat, aus dem Leben einer Handelsſtadt. tout comme chez nous.

Stag.Was nennen Sie: in einem beſonderen, ernſten ein Gorzetzunge) Falle? entgegnete Ellena mit leiſem Spott.Man weiß allein. Ellena ſaß in einem Sopha und Iſidor erbat ſich von es von Ihnen, Sie verlangen nicht nur, daß eine Dame dblaß⸗ ihr in italieniſchen Ausdrücken die nächſte Quadrille; als hübſch ſei, ſondern auch, daß die Mutter und Großmutter ufs Gras. er an der großen Aufmerkſamkeit, mit der ſie ſeiner Rede von Familie waren.

8 folgte, ſah, daß er ſich vielleicht nicht ganz klar ausgedrückt, Iſidor lachte bei dieſen Worten, aber ohne Verlegen⸗ ah fügte er eine Entſchuldigung über ſeine noch mangelhafte heit.Die Großmutter erlaſſ' ich, ſagte er und fügte

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Kenntniß ihrer ſchönen Mutterſprache hinzu. Sie wies dieſe Entſchuldigung mit Höflichkeit zurück und fragte dann, wie ihm die Stadt gefalle.Ich hörte zwar ſchon,

ſetzte ſie lächelnd hinzu,es gefällt Ihnen wenig bei uns.

Sie vermiſſen die feinere Bildung und die angenehmeren Sitten Ihrer Heimath, und was mir am traurigſten ſcheint, die Mutterſprache.

Sie beurtheilen mich nach Frauenſtandpunkte, gnädi⸗ ges Fräulein. Als Mann finde ich es ganz natürlich einmal in fremdes Land zu gehen und bin es ſeit meiner Jugend gewöhnt mehrere Sprachen zu ſprechen. Man kann unmög⸗ lich eine Sprache mit Allen ſprechen, die liebe gemüthliche Mutterſprache eben nur mit unſern Lieben, mit Freunden, Geſchwiſtern, mit den Eltern; im Geſchäftsverkehr iſt eine andere Sprache nöthig, das kurze, aber praktiſche Engliſch; auf der Börſe, mit Agenten und Mäklern, ſpricht man jüdiſch; mit ſo dicken, gelben Damen wie jene dort im Turban und carmoiſinrothem Damaſtkleide möchte ich türkiſch ſprechen können. Für eine ſo zierliche Modedame wie Madame Vittori paßt nur das feine elegante Fran⸗ zöſiſch, keine andere Sprache würde ſo zierliche Phraſen ausdrücken können.

Ellena hatte lächelnd zugehört, ihr dunkles Auge las mit Wohlgefallen auf Iſidors feinen beweglichen Zügen die Gedanken, ehe er ihnen noch Worte gab.

Aber, fragte ſie freundlich weiter,wann wollen Sie meine Mutterſprache gebrauchen ſoll dieſe keine Verwendung finden?.

Doch, entgegnete er etwas ernſter werdend,wenn ich einmal zu meiner Geliebten ſpreche! Es gibt in keiner Sprache ein lieblicheres Wort, keinen einſchmeichelnderen Klang, als das weiche mia dem Namen nachgeſetzt,

Stella mia!

Das Mädchen ſah ihn halb lächelnd, halb fragend an,

und er fuhr, dieſe ſtumme Frage beantwortend, wieder

fort:Doch das wäre nur in einem ganz beſondern, ernſt

gemeinten Falle; im gewöhnlichen Verkehr, zu einem hüb⸗

dann etwas ernſter hinzu:Bei den Frauen gilt in der ganzen Welt die Ariſtokratie der Schönheit früher als die des Namens, und wo dieſe ſo reichlich vertreten iſt wie unter Ihren ſchönen Landsmänninnen, reicht ſie auch im Allgemeinen aus. Sie aber, mein ſchönes Fräulein, werden mich doch nicht glauben machen wollen, Sie unterſchieden nicht ſehr genau nach Rangclaſſen in dieſer Ariſtokratie? Wollten Sie dies leugnen, ſo dürften Sie nicht ſelbſt die Königin dieſes Hofſtaates ſein, wenn auch ohne Hermelin und Scepter, aber wahrhaft von Gottes Gnaden.So ſchön biſt Du faſt wagt' ich nicht Dich anzuſehn, Du ſchlanke Lilie hoch und licht im Kranz der Frauen. Es war ein Vers von einem Dichter meines Vaterlan⸗ des, meine Gnädige; Ihr weißes Kleid brachte mir ihn ins Gedächtniß, ſehen Sie mich nicht ſo ſtreng deshalb an, er ſollte nur als Beweis dienen. Sie ſelbſt fühlen ſich verſchieden von all' den Frauen in Ihrer Haltung, in jedem Wort Sie tanzen nicht wie ſie, Sie kleiden ſich in an⸗ derer Art.

Hatte Ellena's Geſicht vorher einen Ausdruck von Hochmuth und Zurückweiſung gehabt, als Iſidors Stimme ernſt, faſt leidenſchaftlich geklungen, ſo beruhigte ſie ſein wieder heitrer Ton jetzt und ſie ſagte lächelnd:Das wäre ein Tadel. Alle dieſe Damen ſind vollkommen à la mode.

Das macht ihnen eben unmöglich eine Toilette zu wählen wie die Ihrige. Madame Vittori iſt reizend wie eine Fee, ganz Duft und Roſenſchimmer, jeden Augenblick bereit aufzufliegen oder in Duftwellen zu zerfließen; aber jene große ſchöne Frau neben ihr, die zum Modell einer Juno dienen könnte, iſt ſie nicht häßlich in all' den himmel⸗ blauen Creppfalbeln und winzigen Roſenknospen? Wür⸗ den Sie an ihrer Stelle nicht ſchwere Stoffe gewählt haben, Sammet oder Moirée?

Ellena ſchwieg zu dieſen Worten, allein der nächſte Spiegel ſagte ihr, daß Iſidor Recht habe und daß ſie ſo ſehr ſchön ſei, eben dem Charakter ihrer eigenthümlichen ſtolzen Schönheit entſprechend.