Thorheit.
Thorheit ſteckt in jedem Herzen, Aber Thorheit klug und ſtumm,
Nur der Dichter trägt die Schmerzen Seiner laut im Lied herum.
Jeder hat durch ſieben Siegel Seines tief der Welt verſteckt, Doch der Dichter iſt der Spiegel, Der das Herz dem Herz entdeckt.
In der Thorheit ſteckt die Wahrheit, Die die Welt der Welt verhüllt, Nur der Dichter zeigt in Klarheit Dem, der ſieht, ſein eignes Bild.
Siehe da! das iſt die Demuth
In der Frechheit, in dem Stolz, Und der größte ſchlägt mit Wehmuth Seine blutend ſelbſt ans Holz.
Der Glaube wie die Liebe ſpricht im Schweigen,
Nur ſchüchtern weiſt das deutſche Wort nach Oben:
Das Auge mag es ſagen, ſtumm erhoben, Das Auge mag es ſagen im Verneigen.
Mich ekelt, ſeh' ich euch mit Fingern zeigen, Wo zarte Scheu den Schleier dicht gewoben; Zum Girren wird das Beten, Lieben, Loben, Wo ihr gepredigt kommt mit frommen Geigen.
O pfui, daß ſolches heilige Gelüſten In keuſcher deutſcher Zunge muß erſchallen, Die einſt gedient„Ein' feſte Burg“ zu rüſten! 1
O pfui, wenn deutſche Sitte ſo gefallen, Daß deutſche Herzen nicht zu fühlen wüßten: So ſchleicht ſich römiſch Gift in unſre Hallen!
Der Deutſche hat von je zu tief getrunken.
Der Deutſche hat von je zu tief getrunken
In Meth und Bier, in Wein und anderm Geiſte Und ſtets den Becher, der am Tiſche kreiſte,
Zu Grund geleert, bis daß er ſelbſt geſunken.
Wie Zunder traf ihn jeder Geiſtesfunken, Ob ihn der Eskimo dem Pol enteiſte,
Der Kopte ihn in Hieroglyphen ſchweißte, Er mochte blinken oder glänzend prunken. Die ſchoͤnen Formen, die der Grieche dachte,
Die wilden Träume indiſcher Bramanen, Die Nebelrieſen, die der Hekla brachte:
Sie fanden Raum im Kopfe des Germanen; Und wenn er ſelbſt ſich nicht zum Affen machte, Das Centrum wär' er aller Geiſtesbahnen.
Dichterſtimmen der Gegenwart. Eine S
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Der glaube wie die Liebe ſpricht im Schweigen.
Novellen⸗Zeitung.
ALBTIM.
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Ich wäre nicht gegangen, nicht für die ganze
Klaus Groth.
Haidenröslein.
Wir wohnen auf der Haide, das Haus ſteht ganz allein, Vater und Mutter beide ruhn im ſchwarzen Schrein. 2
An einem Wintermorgen trugen ſie ihn hinaus, 8 Er ſchläft von ſchweren Sorgen und vielen Mühen aus
Und als der Schnee zergangen, ging ihm die Mutter nach, Die Kirchenglocken klangen am hellen Frühlingstag
Das Grab war tief gegraben, da ſenkten ſie ſie ein, Dann ſangen noch die Knaben, dann waren wir allein.
Wir ſtanden da und ſannen, der Bruder ſtill und blaß, Und als ſie All' von dannen, da warf ich mich aufs Gras..
Da hat er mich umfangen und zog mich langſam fort, Dann ſind wir heimgegangen, und wohnen einſam dort.
Der Bruder geht zu graben an jedem Morgen aus,
Ich muß die Weiden ſchaben und flechte Körbe d'raus. 1
Ich habe gar kein Grauen, wenn ich ſo einſam bin,
Denn nach dem Kirchlein ſchauen die Augen immer hin.
Das ſchimmert durch die Haide, das blitzet durch den Schnee, Da ſind die Eltern beide, wenn ich hinüber ſeh'!
Wie traulich war das Fleckchen.
Wie traulich war das Fleckchen, wo meine Wiege ging! Kein Bäumchen war, kein Heckchen, das nicht voll Thränen hing.
Wo nur ein Blümchen blühte, da blühten gleich ſie mit, Und Alles ſang und glühte mir zu bei jedem Schritt.
Welt!—
Mein Sehnen, mein Verlangen, hier ruht's in Wald und Feld.
Abendruh.
Ich ſehe Rauch aus fernen Hütten ſteigen,
Er wallet ruhig aus den ſtillen Bäumen;
Der Abend haucht ihn an mit goldnen Säumen. So ſteigt er auf im allgemeinen Schweigen.
Aus weiter Ferne hör' ich nur den Reigen, Er kommt herab, wie aus den Wolkenräumen, Und ſtirbt dahin, wie Weh, in ſüßes Träumen, Ein Abendſegen mild und wundereigen.
Und mit den Wolken wallen die Gedanken Und ſchweben mit den Tönen der Gefühle Hinauf, hinunter, wie die Wipfel wanken.
Auf Engelsſchwingen nach des Tages Schwüle, Wenn alle Wünſche tief in Ruh verſanken, Erhebt ſich ſanft ein Hauch der Abendkühle.
Sammlung vom Felde der deutſchen Lyrik ſeit 1850. Herausg. von Karl Weller. Leipzig, H. Hübner 1856.
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