alles, wie geſagt, iſt natürlich, iſt beabſichtigt, hat einen gewiſſen romantiſchen Reiz auch für den, der nicht in dieſer
lich ein ganz entſchiedener Vorzug für den, der dieſe, des Dichters, Geſinnungen, Neigungen und Liebhabereien theilt.
Das Drama zeigt aber noch andere Seiten, die nicht natürlich, vom Verfaſſer nicht beabſichtigt, für uns ohne
nen,— das iſt zunächſt die Ausführung im Einzelnen. Das beſte an derſelben ſind noch die Volksſcenen, die zwar an ſich auch ohne Originalität ſind, aber doch bisweilen ein klein wenig Humor, wie ihn der Dichter bisher noch nicht gezeigt hat, bisweilen ſogar einen Witz offenbaren, deer beinahe komiſch iſt. Um ſo mehr ſticht dagegen der Stil der anderen, in Jamben geſchriebenen Scenen ab, der nirgends eine Spur von hiſtoriſcher Charakteriſtik zeigt, meiſtens in banalen lyriſchen Phraſen und bisweilen in völlig haltloſen Trivialitäten ſich ergeht. Hier nur eine kleine Blumenleſe davon.
Wie ungeſchickt iſt die gegenſeitige Behandlungsweiſe zwiſchen Anna Boleyn und Thomas Cromwell! Anna ſagt:„Ich werd' mit Geld Dich füttern, wie'nen Spür⸗
Cromwell monologiſirt zur Antwort: „Ha, tritt mich wie'nen Hund, was liegt mir dran? Du, Dirne, dienſt doch meinem Plan!“
Wo in aller Welt werden im Leben oder in einem guten Stücke zwei Intriganten ſo offen zu einander ſprechen? — Als Anna Boleyn Cromwell beauftragt hat, um jeden Preis den König ihr zu erhalten, gibt ſich ihre äußerſte Aufregung und Spannung Ausdruck in den Worten: „Herr Gott, wie mir die Sinne wirr verſchweben!
Wie wird mir bang! Ich muß zu Bett mich legen— Mir iſt, ich hab' dem Böſen mich ergeben!“
Der König aber in einer folgenden Scene, in ganz ähnlicher Stimmung, nachdem er mit Cromwell eine ganz ähnliche Kataſtrophe vorbereitet hat, antwortet mit den entſprechenden Verſen:
Novellen⸗Zeitung. Weiſe ſeine Andacht zu verrichten gewohnt iſt, und iſt end⸗
romantiſchen Reiz und für Niemanden Vorzüge ſein kön⸗
hund; Doch Deinen Krötenblick wend' ab von mir, Und werd' nicht frech,— ich kann Dich ſonſt zertreten!“
[III. Jahrg.
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„Das Hirn iſt mir wund— Und mir entfällt der Zügel der Gedanken! Iſt das ein Brand!— Ich muß zu Bett mich legen!“
Siehe Beides auf Seite 136 und 171! Morus ſelbſt endlich auf dem Höhepunkte der Kataſtrophe des Stückes, als er von Cromwell verhaftet wird und durch Wachen im Hintergrunde überraſcht wird, findet keine geiſtreichere 1 Wendung, als:
„So, Maſter Cromwell, fängt man mich?— O ſchön!.. 4E Was nun die Compoſition des Ganzen betrifft, ſo iſt dieſe ohne alle dramatiſche Entwickelung. In den erſten Acten ſcheint ſich zwar ein Conflict anzubahnen, im dritten und vierten aber fallen alle die angeſponnenen Fäden aus⸗ einander, gerade wo ſie ſich zum Knoten ſchürzen ſollten. Die große 25 Seiten lange Scene(146— 171), von der Cromwell ſo viel vorher geſprochen, die den König zur Entſchließung bringt, ſie enthält nichts als Phraſe, Er⸗ zählung, Schilderung, einen vorgemalten Traum, aber keine Thatſache, keinen ſchlagenden Gedanken, der uns die Wendung motivirte. Der Held ſelbſt jedoch, ſtatt ihn in* voller Kraft ſeines Heldenmuthes uns da vorzuführen, wo er vom Könige ſich losſagt, überſpringt dieſe hauptſächliche Kataſtrophe und wird alsbald in elegiſcher Idylle uns ſen⸗ 1 timental und reſignirt vorgeführt! Die Weitſchweifigkeit des Ganzen endlich(das Stück überſchreitet das dreifache dramatiſche Maß) läßt ſich nicht damit entſchuldigen, der Stoff ſei dem Dichter eben ſo reich geweſen. Im Gegen⸗ theil! Weil das echte dramatiſche Mark concentrirter Handlung ihm fehlte, hat er Schaum über Schaum, Dra⸗ perie über Draperie aufgetragen, die ſein Bild unförmlich machen, ohne ſeine Formloſigkeit verdecken zu können. Es gibt einmal Geſetze der Symmetrie und Conſtructur, die im Weſen des Drama's liegen ſo gut wie in dem der Archi⸗ tektur, und dieſer iſt der Dichter des Thomas Morus nicht Herr geworden. Dies Urtheil ſprechen wir aus, nicht um den Intentionen entgegenzutreten, die Oscar von Redwitz für ſich in Anſpruch nahm, ſondern zu zeigen, daß er ſie zu erfüllen nicht im Stande war. R. Giſeke.
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