Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
830
Einzelbild herunterladen

830 Novellen⸗3

Papa dachte, daß, ſobald eine Amme den Sohn des Hauſes geſäugt habe, dieſe auch zur Familie gehöre. So oft da⸗ her Katharina ihre Bitte erneuerte, ſtellte ſich der große Mann taub, und Katharina bot umſonſt Beredſamkeit und Thränen auf.

Katharina war 22 Jahr alt und verheirathet. Ihr Gatte war ein großer ſtarker Mann in den vierziger Jah⸗ ren, ein Maurer ſeiner Profeſſion und ein Bauer ſeiner Natur nach. Als Katharina ihren Geburtsort verließ, hatte Meiſter Peter zu ihr geſagt:Bleibe nicht länger als ein Jahr dort, oder ich komme und hole Dich nach Hauſe, Du magſt wollen oder nicht. Als das Jahr um V war, erſchien an einem ſchönen Junitage Meiſter Peter in Paris.

Sieh da, Peter, willſt Du?

Ich will meine Frau holen.

Gut! aber wir brauchen ſie noch.

Ich auch! Glauben Sie denn, man verheirathet ſich und lebt dann vier Stunden von einander entfernt? Alſo, ich brauche meine Frau..

Wohlan! ſo bleibe werden.

Mit was?

Mit Allem. Ich mache Dich zu meinem Kammer⸗ diener. Katharina wird dann weder das Kind, noch Du Katharinen verlaſſen.

Ich Kammerdiener? verſtehe ich auch dieſes Metier?

Man wird es Dir lehren. Kleider ausklopfen, Stiefel putzen, das iſt Alles nicht ſchwer.

Für Sie wohl, die Sie vielleicht die Sache kennen. Aber bei mir armen Maurer iſt das ein ander Ding.

Baſta. Man wird Dir's ſchon lehren.

Wer? ch.

Sie? ein ſo große putzen lehren? Haben Sie mich nicht zum Beſte

ſprach der große Mann,was

hier, Du ſollſt hier beſchäftigt

r Mann? Sie wollen mir Stiefel n? 77

der ausklopfen lehren, denn da biſt Du angeſtellter Kammerdiener,

er liebt ſeine Amme ſehr!

eilung. III. Jahrg.

Ich h morgen früh wecke mich, werde ich Dir den erſten Unterricht geben.

Am folgenden Morgen um fünf Uhr war der große Mann, der ſonſt gewöhnlich vor Mittag nicht aufſtand, aus den Federn. Er hatte eine weiße Schürze vor, einen Stiefel in der linken und eine Bürſte in der rechten Hand, und bürſtete, und bürſtete! während Peter gleichfalls einen Stiefel in der Hand hatte und dem wohlwollenden Lehrer aufmerkſam zuſah, der ihn ſo gut wie möglich un⸗ terrichtete.

Siehſt Du wohl, Peter, wenn Du die Wichſe auf⸗ getragen haſt, ſo nimmſt Du eine weiche Bürſte, wie es die Etiquette der Wichsflaſche vorſchreibt, und fährſt, wie ich jetzt, damit ſo lange hin und her, bis das Leder ſpiegelt.

Ja, mein Herr.

Sieh doch, wie das gut geht! Siehe, wie der eine Stiefel blank iſt! Wie gefällt er Dir?

Herrlich.

Ich freue mich darüber. wie ich es Dir gezeigt habe.

abe Dich nicht zum Beſten; gehe nicht fort; wenn Alles noch ſchläft; dann

Putze Du jetzt den andern, Morgen will ich Dir Klei⸗ heute habe ich keine Zeit, ich Aber morgen, Peter, und wir behalten Mein Paul wird ſich freuen, denn

174

habe noch eine Rolle durchzugehen. Deine Frau bei uns.

Und er ging fort, weinend vor Freude, der große Mann!

Der große Mann hieß T

Zwölf Jahre darauf war nes ſchwarz ausgeſchlagen; über ſeinem und weinten eine Frau und ein Greis. Katharina, der Greis war Herr Peter.

alma.

das Haus des großen Man⸗

Leichname beteten Die Frau war

vorleſen, indem er ſich den Tod g bart ſich in dem Selbſtmorde des Peregrinus, der ſich während der olympiſchen Spiele lebendig ver⸗ brennen ließ. Die Lehren der Stoiker gaben das Zeichen zu einer ununterbrochenen Reihe von Selbſtmorden, welche ihre finſterſte Periode während der Bürgerkriege vor der Thronbeſteigung des Auguſtus hatten und erſt mit dem Sturze des römiſchen Reiches endeten. Durch alle Autoritäten der oͤffentlichen Meinung, die Redner, die Dichter, die Geſchichtſchreiber und Philoſophen ver⸗ herrlicht, wurde der Selbſtmord in Rom zu einer förmlichen Epi⸗ demie. Zeno, das Oberhaupt der ſtoiſchen Secte, tödtete ſich, weil er ſich bei einem Sturze einen Finger gebrochen hatte. Seine Schüler, Cato, Scipio, der Schwiegerſohn des Pompejus, Bru⸗ tus, Caſſius und viele andere berühmte Römer legten nach einan⸗ der Hand an ſich ſelbſt. Hegeſippus ſprach eines Tages mit ſo vinreißender Beredſamkeit von den Reizen eines freiwilligen Todes, daß eine Menge ſeiner Zuhörer ſich tödteten und der König Ptole⸗ maäus ihm verbot, nochmals über dieſen Gegenſtand zu reden. Die Secte der Epikuräer handelte ebenfalls nicht lange mit dem Tode. ar, der Selbſtmord ſei gut, wenn das Leben keine und ſelbſt ihre berühmteſten Meiſter folgten Lucretius, der den griechiſchen Epikureismus ungen hatte, tödtete ſich, als er 48 Jahre den Hals ab; Petronius, der Dichter Adern öffnen und ſtarb unter a.

ab. Die Lehre der Cyniker offen⸗ Diogenes, des Stilpo und des

Ibhr Grundſatz w Frreuden mehr biete, dieſem Ausſpruche. in lateiniſchen Verſen beſ alt war. Diodor ſchnitt ſich der römiſchen Orgie, ließ ſich die V Ueppigkeiten.

auf ein ſchönes

Die vier Arten des Stolzes.

Satiriker, ſagte in einer ſeiner Predig⸗ ten:Es gibt, meine andächtigen Zuhörer, vier Arten des Stol⸗ Ider Adels⸗ oder Geburtsſtolz der Geldſtolz der Stolz Geſicht und endlich der Stolz auf den Geiſt. Ich werde jetzt über die erſten drei Arten reden, denn was die vierte detrifft, ſo gibt es in dieſer frommen Verſammlung Keinen, dem man ſie zum Vorwurf machen koͤnnte. a.

Swift, der geiſtreiche

zes

St. Peter beraußen, um St. Paul zu bekſeiden.

Unter Eduard VI., König von England, riſſen die Herren des Hofes den größten Theil des Grundbeſitzes an ſich, welcher zu St. Peter, Weſtminſter, gehörte; um aber den allgemeinen Un⸗ willen zu beſchwichtigen, der darüber entſtanden war, legten ſie ſich ſelbſt die Zablung einer Summe auf, die dazu verwendet wurde, einige Ausbeſſerungen an der Kirche von St. Paul vorzunehmen.

Rarl I. unnd Cromwelſl waren Vettern.

Es iſt durch ganz unbeſtreitbare Documente bewieſen, daß Robert Cromwell, der Vater Olivier Cromwells, des berühmten Protectors von England, eine Witwe geheirathet hatte, Miſtreß Hynne, deren Mädchenname Stewart war und die in einem ſehr entfernten Grade der Verwandtſchaft von dem königlichen Hauſe Stuart abſtammte. d.

der WSit des Wmführ ſpeei unſr.

ds