Novellen⸗Zeitung.
Jener Feldherr wendet bei der dritten Cigarre geſchickt und nach einer halben Stunde iſt die jugendliche Börſe das Geſpräch auf die ſociale Stellung junger Leute und Witwe des letzten Silbergroſchen.
ſpricht mit ſeltener Beredſamkeit von Mühen und Sorgen, kleinem Verdienſt und großen Ausgaben, von hoher Miethe und theuren Kartoffeln! Iſt er dem Platze ſo nahe ge— rückt, um Breſche zu ſchießen, dann beginnt er das Capitel der Freundſchaft; wehmüthig offenbart er ſein fühlendes
V
Geſchieht es aber auch zuweilen, daß der Bummler ſeinen Meiſter gefunden und verliert, ſo„hat er ſeine Börſe vergeſſen“, kommt aber alle Tage um dieſelbe Stunde ins Café und wird morgen unfehlbar zahlen.
Morgen aber trägt er ſeine Künſte an ein anderes
Herz und ſchildert die ſchönen Zeiten mittelalterlicher Billard und wenn er derart berüchtigt geworden, daß nir⸗ Freundſchaft, wo Einer für den Andern freudig in den Tod gends mehr„ein Geſchäftchen zu machen“, ſo entſchließt er ging, wo zwei Herzen nur einen Schlag und eine Börſe ſich nach Amerika auszuwandern, wo er ſich„als Opfer ſeiner politiſchen Geſinnung“ bis zum Galgen durchbettelt. Manchmal erſcheint auch ein durchziehender Billardkünſtler Zukunft das förmliche„Sie“ gegen das vertrauliche„Du“
zwei Herren hatte! Der junge Freund wird gerührt und ſchlägt vor, in
zu vertauſchen. Im Uebermaße der Rührung entſchlüpfen ihm zwei Thränen und eben ſo viele Thaler.
In einer Zeit jugendlicher Romantik ſind wir ſelbſt häufig Opfer ſolcher ſentimentalen Kaffeehausgauner ge⸗ worden, die, von dem Zufall und der Börſe ihrer täglich wechſelnden Freunde lebend, in großen Städten ihr niedri⸗
ges Handwerk treiben und zugleich die Börſe und den
beſſeren Glanben an die Menſchen bei ihrem Opfer unter⸗ graben.
In denjenigen Cafés, wo Billard geſpielt wird, er⸗ ſcheint gleich nach Mittag ein bleiches Individuum, welches
gewohnt iſt. Das erſtorbene Auge eines ſolchen Billard⸗ Bummlers ſtarrt in die Vergangenheit auf den längſt ent⸗ ſchwundenen letzten Thaler und auf die Thüre des Kaffee⸗ hauſes in athemloſer Erwartung eines erſcheinenden Mit⸗ tagsbrodes in der Geſtalt eines Spielers.
läßt, ſo proponirt der Billard⸗Bummler eine Partie. Die erſte Partie wird„um die Ehre“ geſpielt, die zweite um eine Taſſe Kaffee, bei der dritten erhitzen ſich die Gemüther,
auf Gaſtrollen, ſtürzt ſich auf die kleinen Raubvögel, und wenn er ſie gehörig gerupft hat, ſetzt er ſeine Kunſtreiſe fort nach einer anderen Stadt.
Noch andere dieſer Gauner ſtellen ſich in nähere Be⸗ ziehung zu den Buffetdamen der Cafés und machen die rührendſten Sonette auf ſchwarze Haare, Perlenzähne, Roſenlippen u. ſ. w.
Hierdurch ſteigert ſich mit dem Intereſſe der Café⸗ Dame auch der Credit des Dichters! Bei näherer Be⸗ kanntſchaft(nach zwei oder drei Tagen) entdeckt ſich dieſer Landſtreicher der Dame ſeines Herzens als Rittergutsbe⸗ ſitzer von einer Inſel im mittelländiſchen Meere. Das
Schiff, welches ihm mehrere Tauſend Thaler bringen ſollte, ſich von Spiel und leichtſinnigen Jünglingen zu ernähren
iſt mit Mann und Maus untergegangen und ſo befindet er ſich„durch dieſen unvorhergeſehenen Zufall auf einige Wochen“ in der größten Verlegenheit. Hat ſolch ein liebenswürdiger Vagabunde weiße Zähne und einen blon⸗
den Schnurrbart, ſo kann keine Cafédame widerſtehen! Die entfernte Ausſicht auf eine Heirath mit dem Ritter⸗
Erſcheint nun ein junger Mann, deſſen Aeußeres auf eine den wohlhabenden Ständen angehörende Börſe ſchließen
gutsbeſitzer aus dem mittelländiſchen Meere entlockt ihr den letzten Thaler, welchen der Anbeter in einem anderen Café verzehrt oder womit er ſeine Studienreiſe in entfernte Gegenden fortſetzt.
(Wird fortgeſetzt.)
reichen Handel mit ihren Feinden fort und führten auf dieſe Weiſe im Großen aus, was Einer von ihnen früher zum Prinzen Moritz geſagt hatte, als ihm Vorwürfe darüber gemacht wurden, daß er dem Feinde in einer belagerten Stadt Proviant und Munition verkauft habe:„Gnädiger Herr, wenn man zur See einen einträg⸗ lichen Handel mit der Hölle treiben könnte, ſo würde ich mich nicht beſinnen, meine Segel ihren Flammen auszuſetzen.“
Mineralwäſſer in Algerien.
Zur allgemeinen Ausſtellung von 1855 hat Algerien achtund⸗ vierzig Proben von Mineralwäſſern eingeſendet, die zu den Gat⸗ tungen der eiſenhaltigen, der Sauerbrunnen, der ſalz⸗ und der ſchwefelhaltigen gehörten. Mehrere dieſer Wäſſer waren ſchon den Römern bekannt und ſtanden ſogar in ſehr großem Rufe, wie dies die Trümmer der über ihnen errichteten Thermen beweiſen.“
Die meiſten dieſer Wäſſer ſtehen noch jetzt bei den Arabern in großem Anſehen, und die Regierung hat große Summen zu der Wiederherſtellung der Bäder angewieſen.
Die Salz⸗Schwefelquellen von Hammam⸗Meskutin, in der Provinz Conſtantine, ſcheinen außevordentlich wirkſam für eine Menge ſehr ernſter Uebel zu ſein; ſie enthalten Spuren von Arſe⸗ nik, deſſen Vorhandenſein ſchon ſeit langer Zeit erwieſen war, ehe die Chemiker die eiſenhaltigen Wäſſer einer genaueren Unterſuchung danach unterwarfen. a.
urtheilten Verbrecher wurde folgender Verſuch gemacht.
Mannigfaltiges
Sterben durch bloße Einbildung. Mit einem ver⸗ Man ließ vor ſeinen Augen einen Hund zu Tode bluten. Die anweſen⸗ den Aerzte unterhielten ſich während des Vorganges über die ver⸗ ſchiedenen ſich darbietenden Erſcheinungen; ſie beſchrieben den all⸗ mählichen Verluſt des Blutes und wie dadurch der Hund allmählich immer ſchwächer würde, und als der Hund in den letzten Zügen
lag, ſagten Alle einſtimmig:„Nun ſtirbt der Hund,“ was auch
unmittelbar darauf geſchah.— Nun ſagten die Aerzte dem Ver⸗ brecher, er ſolle in derſelben Weiſe ſterben. Es wurden ihm die Augen verbunden und dann mit einer Lancette ein Schnitt in den Arm gemacht, ohne indeſſen eine Ader zu verletzen. Nun beſchrie⸗ ben die Aerzte alle Symptome ganz in derſelben Weiſe, wie ſie es bei dem Hunde gethan hatten, und endlich erklärten ſie einſtimmig: „Nun ſtirbt er.“ Der Verbrecher, welcher den Vorgang bei der Tödtung des Hundes noch ſehr friſch im Gedächtniß hatte, meinte in der That Alles zu empfinden, was die Aerzte beſchrieben, und ſtarb wirklich, als die Aerzte es ſagten, obwohl er nicht über zwanzig Tropfen Blut vergoſſen hatte. c.
Heinrich IV. fragte das Fräulein d'Entragues, in das er ſehr verliebt war, durch welches Mittel man zu ihrem Beſitz gelangen könnte?—„Durch die Kirche, Sire!“ antwortete ſie kurz.
——
[II. Jahrg.—
N


