Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
789
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nd, denn, hatte man zu dürfen, und beſetzte Eduan h der noch vor die Ausführun daß der Graf en offen ge⸗ die rechte Spur, Wachtmeiſter und Ohne daran irren könne, rief

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Zögling verwundet zu ſehen, hatte ſeinen Carabiner

auf jenen abgedrückt, deſſen Blei ihm den Kopf zer⸗ ſchmetterte.

Der Graf lebte nur noch einige Secunden; mit der Hand nach der Kapſel ſuchend, die er unter ſeinem Ueber⸗

ſaſt ſtillſtehende Herz und ſchloß die Augen auf ewig. Eduards Wunde war ungefährlich und bald verbun⸗ den. In Eile ließ er das Schloß nach den Waffen durch⸗ ſuchen, die in bedeutender Menge vorhanden waren, be⸗ mlächtigte ſich unterdeſſen der Papiere des Grafen und ließ as Gefundene auf den noch angeſpannten Wagen packen, der dieſem hatte zur Flucht dienen ſollen. Nur eine kurze Grholung geſtattete er ſeiner Mannſchaft und vergönnte

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ihr von den reichen Vorräthen die nöthige Erquickung, ohne jedoch die geringſte Unordnung oder Gewaltthat zu

enlauben, dann verließ er das Schloß, um zu ſeinem Corps zutrückzukehren. Noch in derſelben Nacht erreichte er ein künzeln ſtehendes Wirthshaus, wo ihn die Ermüdung der Pferde einige Stunden zu raſten nöthigte; auch begann ſoine Wunde zu ſchmerzen und er fühlte das Herannahen des unausbleiblichen Wundfiebers. Dennoch überwand ſrine kräftige Natur den Anfall und nach einem Kampfe wit den verworrenen Bildern, welche die aufgeregte Ein⸗ büldungskraft ihm vorſpiegelte, verſank er in einen ſanften, ſbärkenden Schlaf. Schon ſandte die Sonne ihre Strahlen ziemlich ſenkrecht durch das Laub der Bäume, unter wel⸗ wihen ſich die Reiter gelagert hatten, als ihn die Stimme des Wachtmeiſters weckte, der zum Wiederaufbruch er⸗ mahnte, und unmuthig über das längere Säumen ſetzte Eduard ſeinen Weg fort, der ihm von den Einwohnern in einem unabſehbaren Walde, welchen er zu paſſiren hatte, ſeicht verlegt werden konnte. Allein glücklich und unan⸗ zofochten langte er an dem Orte an, wo ſich vor einigen Tagen das Hauptquartier des Generals befunden hatte, und fand daſelbſt eine kleine Abtheilung zu ſeiner Unter⸗

Dritte folge.

ſtützung aufgeſtellt, nebſt dem ſchriftlichen Befehl, dem Armeecorps auf einem vorgezeichneten Wege zu folgen, welches nach der ſiegreichen Schlacht an der Moskwa dem zurückweichenden Feinde keine Zeit ließ, ſeine zerſtreuten

Schaaren wieder zu ſammeln. wurf verborgen hatte, drückte er ſie feſt gegen das ſchon

In angeſtrengten Märſchen folgte Eduard der Armee, die ihm weit voraus war, da ſie, die Vortheile des Sieges benutzend, ſich mit ſchnellen Schritten der alten Hauptſtadt Moskau näherte. Ueberall begegneten ſeinen Blicken die

Spuren arger Verheerung, welche ſo oft die Bahn des

Siegers bezeichnen, aber nicht immer durch die Nothwen⸗ digkeit gerechtfertigt werden. Am dritten Tage ſeines Marſches wurde ſeine Aufmerkſamkeit durch ein eigenthüm⸗ liches Bauwerk gefeſſelt, welches unweit der Straße aus dem Laube hoher Buchen emportauchte. Es war ein um⸗ fängliches, burgähnliches Gebäude mit hohen Mauern und Zinnen, in ſeinen Ecken durch gewaltige, aber im roheſten Style aufgeführte Thürme geſchützt, welche ſchon manches Jahrhundert hatten vorüberſchreiten ſehen und jenen Zeiten ihren Urſprung verdanken mochten, in denen die Nomaden⸗ freiheit ſich dem Joche einzelner Gewalthaber beugte, um bei ihnen Schutz gegen feindliche Angriffe fremder Staͤmme zu finden. Ein im altgothiſchen, klöſterlichen Style er⸗ bautes, mit zahlloſen, vielgeſtaltigen Thürmchen geziertes

Schloß ſtand damit in Verbindung; aber um das wunder⸗

liche Gemiſch zu vervollſtändigen, hatte wahrſcheinlich der gegenwärtige Beſitzer eine im italieniſchen Geſchmack er⸗ baute Villa mit plattem Dach, Säulen und Hautreliefs dazu gefügt. Ungefähr tauſend Schritte von dieſen Ge⸗ bäuden entfernt, hatte Eduard ſeine Mannſchaft am Saume eines Birkengebüſches halten und ruhen laſſen, er ſelbſt

aber näherte ſich denſelben, um ſie genauer betrachten zu

können. Er war eben an der Umfriedigung eines Parkes angelangt, welcher dieſen Herrenſitz umgab, als er ein un⸗ gewöhnliches Getöſe vernahm, das aus dem Innern des

ſummeln, die erlaubten und die verbotenen. umten nicht und ihr himmliſcher Vater ernäh und die Zigeuner der großen Landſtraße, ſeie dar großen Stadt.

. Dieſe Rede wurde mit donnerndem Beifall aufgenommen und von dem Tage an war La Boheme gegründet.

Die ſieben Todſünden vereinigten ſich alle Abende in irgend anem einſamen Kaffeehauſe, welchem ſie den prunkvollen Namen kafalerclub gegeben hatten. Wenn ſie ſich irgendwo in ihren Wohnungen trafen, ſo ſagte Einer zum Andern:Kommſt Du heate in den Club? Und die kleinen hübſchen Mädchen, die bei ihmen waren, ſahen mit Erſtaunen dieſe ziemlich derangirt gekleide⸗ jen Cavaliere an, die in denClub gingen, wo ſie ein 50 Louis Dieſe erſten Zigeuner

eit lang auf das Dorf gingen,

Sie ſäen nicht und rt ſie doch. Dieſe,

ſon, wenn ſie im Sommer eine Z ußten das Air anzunehmen, als begäben ſie ſich in die erſten Aider der Welt. Sie waren Alle intime Freunde der Comteſſe und der Marquiſe Soundſo. Der Eine hatte einen Degenſtich bommen vom Herrn von Raſtinjaque, der Andere hatte zehn Lruis im Pharao gewonnen vom Vicomte Lapalefrine.

Der Rafalerclub gewann bald eine größere Ausdehnung. ean muß aber nicht glauben, daß dieſer Cirkel eine Art geſchloſſe⸗ ns Pantheon war, wo die Mitglieder nach Nummern aufgeführt vrren und berühmte Namen zur Bewunderung der Zeitgenoſſen iinbalſamirt wurden. Dem Club gehörte an, wen Zufall, Abſicht, chtſinn in ſein Territorium führten; ſobald aber ſolch ein Mit⸗ , ſich eine Berühmtheit in der n den Künſten zu verſchaffen, ſo war der Clubiſten geſtrichen.

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Kätik, in der Literatur oder i unerbittlich aus der Reihe

n wie die Zigeuner

Die Habitués des Rafalerclubs brauchten nicht Jahre, um Reſultate zu gewinnen; ſie hatten an zehn Minuten genug, um ein neues ſociales Syſtem irgendwelcher Gattung zu gründen, und an fünf Secunden, um die größte Reputation zu zerſtören.

Dieſer Club war der verlorene Poſten der kühnſten Tagesfragen, der Agitator der koloſſalſten Paradoxen.

Dort prügelte man 88 nie um ſeine politiſche, moraliſche oder philoſophiſche Ueberzeugung Was amüſant war, war Geſinnung; dieſer Club war das Vater⸗ land des Eklekticismus. Der ſocialiſtiſche Schwärmer, der fana⸗ tiſche Anhänger des Phalanſtère und der freien Liebe wurden mit derſelben Bereitwilligkeit applaudirt, wie der orthodoxe Jeſuiten⸗ zögling oder der Aſpirant auf eine conſervative Redactidnsſtelle; der Club zählte unter ſeine Mitglieder Mohamedaner und ſelbſt einen Fakir.

Wo die heterogenſten Anſchauungen zuſammentreffen konnten, ohne zuſammenzuſtoßen, wo dieſe Gegenſätze der Ideen ſich neben⸗ einander vertragen konnten, ohne aufeinander zu prallen, da war aller perſönliche Glaube aufgelöſt in der Ausgelaſſenheit ſkeptiſcher Frivolität und die Religion der Rafaler war keine andere, als die Religion des Indifferentismus.

Es iſt kaum nöthig zu erwähnen, daß der Rafalerclub täg⸗

lich aus allen Fenſtern die kleine Münze ſeines Witzes warf, die

einzige, mit der ihm erlaubt war königliche Verſchwendung zu treiben. Hier entſtanden die brillanteſten Bonmots, die Jour⸗ naliſten und Fauteullliſten zu ſammeln ſich beeilten und die das Publicum nachher Niemand anderem zuſchrieb, als dem Fürſten von Talleyrand.

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