Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
786
Einzelbild herunterladen

Noveſlen⸗Zeitung.

ALBUI.

Hermann Hölty.

Kuf der Heimkehr.

Der Morgen dämmert, die Thürme fliehn In ferne Nebel gehüllt;

Was willſt du mir in die Seele ziehn, Du trübes, du holdes Bild?

Was haſt du denn vor den Andern mich Und grade mich denn erwählt?

Und ahnte dein Herz ſo ahnungslos Nicht, wie es einſt mich gequält?

Du haſt mich geliebet, haſt Alles getheilt, Was mich verdüſtert, gedrückt;

Da iſt dir der Friede hinweggeeilt, Da iſt dir der Frohſinn erſtickt.

Du haſt mit mir geweinet, helacht. Geſtrebet, gerungen, gebebt;

Und ach! du ſchufeſt dir Seelennacht, Weil du für mich nur gelebt.

Du liebſt mich. Und hätteſt du immer geſehn Die Zukunft in ahnendem Sinn,

Du bliebeſt dennoch nicht zagend ſtehn, Gäbſt dennoch ſo ganz dich mir hin.

Ich liebe dich! Deine Hingabe hat Die trotzige Selbſtſucht verſcheucht;

Und Sonne grüßt mit ſchönerem Blick, Wo ſtürmiſche Nacht entweicht.

Drei Verlaſſene. Italienerin. Geleert der Becher! Blut wie Eis! Und meine Augen trübe! 3 Das Gift, es brennt nicht halb ſo heiß, Als brennen kann die Liebe.

Verflucht du, der du brachſt den Schwur! Nie mögeſt du Ruh' erjagen;

Der Stein am Weg, die Blum' der Flur, Sie ſollen dich verklagen.

Und wenn Muſik und Vogelſang In voller Luſt erſchallen,

Dir ſoll's wie dumpfer Grabesklang, Wie Sterbeſeufzer hallen.

Der Liebe kleinſten Sonnenſtrahl Soll nie dein Herz erwerben; Von Angſt gepeitſcht, in banger Qual

Sollſt du verderben, ſterben.

. Franzöſin.

Er hat mich verlaſſen, was iſt es denn mehr? Nun freilich! er war wohl paſſabel.

Doch wollt' ich darüber mich grämen, ma chère!

0 fi done! das wär' miſerabel!

Lieder und Balladen von Hermann Hölty.

Hamburg. Otto Meißner. 1856.

Die Perlen, die Blumen, das neueſte Kleid

Gebt her, zum Ball mich zu ſchmücken!

Was thu' ich mit Klagen? Was ſoll ich mit Leid?

Ein And'rer wird bald mich beglücken.

Deutſche.

Ich wünſche dir glückliche Stunden ſo viel, Wie Sterne am Himmel ſtehen,

Wie Blüthen im Winde treiben ihr Spiel Und Wellen im Meere gehen.

Im Kämmerlein hab' ich verborgen mich tief, Hier bin ich ſo ganz alleine;

Den Menſchen ſoll's ſcheinen, als ob ich ſchlief, Nicht, daß ich ſo bitterlich weine.

Doch ſtill, wie ich weine, will ich auch leis Dich, Herrgott! im Himmel bitten: Verzeih ihm in Gnaden, weil er nicht weiß,

Daß ich das Aergſte erlitten.

Vergangenheit und gegenwart.

Was lockſt du mich, Vergangenheit, In deinen Zauberkreis?

Daß ach! mein widerſtrebend Herz Sich nicht zu retten weiß.

Der Schwarzwald blüht in alter Pracht, Sein Waſſer mächtig rauſcht;

Dazwiſchen Wind und Morgenlaub Viel ſanfte Grüße tauſcht.

Und mit dem Freunde wandre ich Durch öde Haidenacht;

Der Wind ſo kalt, die Fuhre ſtarrt, Das Herz ſchlägt warm und lacht.

Und die mir Lieb' und Roſen gab, Ich ſeh' ihr Augenlicht;

Die Roſen ſind ſchon lang' verwelkt, Die Liebe welket nicht.

**

Weichet, ihr Träume!

Was könnt ihr mir geben? Bethöret den Menſchen

Zum Fremdling im Leben

Wehe dem Träumer!

Im Sinnen nur ſchweift er, Aber durch Thaten

Zum Manne nicht reift er.

Trinke den Becher Wirklichen Lebens!

Das iſt der Urquell Schaffenden Strebens!

III. Jahrg.

1