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da; aber als er nun mit einem Male die Arme in dem weiten, weißen Gewande gen Himmel ſtreckte, da ſah man, daß nicht Stolz und Bewußtſein der Kraft ihn belebte. Zum Erſchrecken Aller ließ er dann die Hände wieder tief niederſinken, und ſie krampfhaft in einander faltend, ſtieg er die Stufen hinab mitten in die Verſammlung, bleich, verſtört, gebrochen, ein vollendet ſchön und ausdrucksvoll ausgearbeitetes Bild der Angſt und der Verzweiflung. Nach mehreren vortrefflich gelungenen Geberden ſank er dann plötzlich in die Knie und ſeufzte:„Fleht mit mir zum gemeinſamen Urquell des Geiſtes und des Stoffes, daß es gelinge!“
Dann, nach einer Pauſe tiefſter, zerknirſchter Andacht, erhob er ſich wie entſchloſſen und ſprach:„Wenn Ihr ge⸗ faßt ſeid, ſo will ich denn den Geiſt citiren! Stellt Euch im Kreiſe um mich!“
Er ergriff ein Schwungrauchfaß und ging damit an den Aufgeſtellten entlang. Dann nahm er Rauchwerk von einem altarähnlichen Tiſche und warf es hinein, vor ſich murmelnd:„Drei— Neun— Zwei— Sieben!“ Doch es entſtand kein Rauch. Scheinbar betroffen rief er finſter aus:„Weh! Der magiſche Rauch verſagt. Es waltet Böſes hier! Hat Jemand Waffen bei ſich?“
„Niemand!“ war die Antwort.
„Zweifelt Jemand an der Zuverſicht ſeines eigenen Glaubens?“
„Niemand!“
„Es würde ihm zum Verderben gereichen!— So iſt die Zahl nicht richtig, oder— die elementariſche Ordnung iſt noch nicht hergeſtellt. Die Lehrlinge ſind noch nicht mit den Geprüften in Wechſelbeziehung geſetzt. Das Chaos confusum verwirrt die Kabbala und hebt das Gleichgewicht der Atome auf. Extractus Saturni wird trübe und Barba
Jovis verliert die Kraft, wo Ungleichheit der Kräfte waltet.
— Erlaucht, verlaſſen Sie die Seite des Prinzen und treten Sie zwiſchen Dero Schweſter und von Kotzenau!“
Novellen⸗
Zeitung.[II. Jahrg.
Es geſchah, wie er geſagt. Jetzt warf er wieder das Rauchwerk in das Schwungfaß, und der Rauch wirbelte aromatiſch betäubend auf.
Körperlich und geiſtig waren von der durchwachten Nacht und ihren Aufregungen alle Anweſenden bis aufs Aeußerſte erſchöpft. Reichsgraf Ehrenfried, dem faſt nichts über ſeinen frühen, ruhigen und langen Schlaf ging, vor Allen war völlig unfähig zu ſehen, zu hören und zu denken, als nun durch die Kette der aneinandergefaßten Hände wie⸗ derum die elektriſche Batterie ſpielte.
Caglioſtro las mit convulſiviſcher Aufregung aus großen Folianten lange unverſtändliche Beſchwörungen ab. Dabei verlöſchten die Lichter allmählich. Mit einem neuen Vonnerſchlag trat völlige Dunkelheit ein, die nur am äußerſten Ende des Saales, da wo der Spiegel als„Depot der verirrten Seelen“ ſich befunden hatte, durch eine leiſe, allmählich heller werdende Dämmerung unterbrochen wurde. Alsbald erkannte man einen lichten Dampf, von einem Altare aufſteigend. Die Beſchwörungen Caglioſtro's wur⸗ den gewaltiger und gewaltiger; jene Lichtwolke wurde ſtärker und ſtärker. Ein Punkt des Glanzes bildete ſich in ihrer Mitte. Der Zauberer rief dreimal furchtbar dröh⸗ nend den vollen Namen des Prinzen Gottfried. Bei dem „Erſcheine!“ mit dem er ſchloß, ſtürzte er platt auf den Boden— ein neuer, Alles erſchütternder, lange dahin⸗ rollender Donner— magiſch helles Aufflammen der Wolke, als wenn der ganze Tempel in Brand geriethe— und ein höchſt eleganter, mit Perrücke, Degen, Schön⸗ heitspfläſterchen, Schuh- und Knieſchnallen ausgeſtatteten Cavalier trat höflich lächelnd, nicht ohne Keckheit um ſich grüßend, aus dem Nebel.
(Schluß folgt.)
Die ſchönſte Hand.
Eines Tages unterhielten ſich zwei junge liebenswürdige Da⸗ men über das, was die Schönheit einer Hand ausmache. In ihren Anſichten darüber ebenſo verſchieden, wie in der Form des ſchönen Gliedes, von deſſen Vorzügen ſie ſprachen, beſchloſſen ſie, einem ge⸗ meinſamen Freunde, der zufällig dazu kam, die Frage zur Entſchei⸗ dung vorzulegen. Die Sache war kitzlig. Er gedachte des Paris und der drei Göttinnen. Jede der Damen zeigte ihm ihre Hand. Beide erfaſſend blickte er eine Zeit lang auf ſie, als ob er ſie genau betrachte. Endlich ſagte er:„Ich gebe es auf; die Frage iſt zu ſchwer für mich; doch fragen Sie die Armen, und ſie werden Ih⸗ nen ſagen, daß die ſchönſte Hand in der Welt jene ſei, die dagitn.
Alter der Thiere.
Ein Bär wird ſelten älter als zwanzig Jahr; ein Hund lebt
zwanzig Jahr; ein Wolf zwanzig; ein Fuchs vierzehn oder ſechzehn; Löwen ſind langlebig, Pompejus(wahrſcheinlich ein Löwe im Zool. Garten in London) wurde ſiebenzig Jahr alt. Die durchſchniktliche Lebensdauer der Katzen iſt fünfzehn Jahr; Eich⸗ hörnchen und Haſen leben ſieben oder acht und Kaninchen ſieben Jahr. Man hat Beweiſe, daß Elephanten das große Alter von dierbundert Jahren erreichten. Als Alexander den indiſchen König Porus beſiegt hatte, weihte er einen der Elephanten, welcher tapfer für dieſen König gekämpft hatte, der Sonne und nannte ihn Ajax; er gab ihm die Freiheit, nachdem er mit folgender In⸗ ſchrift verſehen worden war:„Alexander, der Sohn Jupiters, hat Ajax der Sonne geweiht.“
Hirſche ſind langlebig.
Man fand den Elephanten mit dieſer!
Inſchrift dreihundertundfunfzig Jahre ſpäter. Von Schweinen weiß man, daß ſie dreißig Jahr alt wurden; das Rhinoceros lebt zwanzig(?). Es gab ein Pferd, welches zweiundſechzig Jahr alt wurde, allein das durchſchnittliche Lebensalter iſt fünfundzwanzig bis dreißig Jahr. Kameele werden manchmal hundert Jahr alt. Schafe werden ſelten älter als zehn Jahr. Kühe leben etwa fünfzehn Jahr. Cuvier vermuthet, daß Wall⸗
ſiſche manchmal tauſend Jahre leben. Die Delphine und Schweine⸗
fiſche erreichen das Alter von dreißig. Ein Adler ſtarb in Wien
in einem Alter von einhundertundvier Jahren. Raben werden
häufig hundert Jahr alt. Von Schwänen weiß man, daß ſie dreihundert Jahre lebten. Ein Herr Mallerton hat das Skele eines Schwanes, der zweihundert Jahre alt geworden war. Pelikant ſind langlebig. Von einer einhundertundſieben Jahr lebte. c.
Mirabeau und Beaumarchais.
Mirabeau bat gleich das erſte Mal, als er Beaumarchais ſab (1789), denſelben, ihm 12,000 Francs zu borgen. Beaumarchais ſchlug es ihm ab.„Aber,“ ſagte Mirabeau,„es wäre Ihnen do ſo leicht, mir dieſe Summe zu borgen.“—„Allerdings, Heri Graf“, entgegnete Beaumarchais;„aber am Verfalltage Ihrer Schuldverſchreibung müßte ich mich mit Ihnen entzweien; es iſt mir daher lieber, daß dies gleich jetzt geſchieht, denn dabei ſpare ich wenigſtens 12,000 Francs.“ g.
Schildkröte weiß man, daß ſit
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