Spielhonorar und des Jahres über einen dreizehnmonat⸗ lichen Urlaub.
Der geheime Kämmerer und Vorſtand der Kapelle, Herr von Teukros, Excellenz, Erb⸗Lehn⸗ und Gerichtsherr auf Ober⸗ und Unter⸗Kyrene in Theſſalien, machte ihm gegen dies Anſinnen Vorſtellungen. Er ſagte: mein lieber Herr Arion: das geht nicht, dies überſteigt unſern Gagen⸗Etat!
Nicht? entgegnete ihm finſter der Zitherich.— Gut! V
das Andere wird ſich finden.
Selbigen Abend ſollte er in einem Hofconcert ſingen. Nichts! Herr Arion hatte einen ganz malitiöſen Katarrh. — Er ſollte wenigſtens Zither ſpielen.— Nichts!— Er hatte einen böſen Finger.
Roveſlen-Zeitung.
II. Jahrg.
Ja! eine Kunſtreiſe! Schwelgen in der Gegenwart, und Vergangenheit wie Zukunft vergeſſen! Aufſuchen will ich mit meiner Stimme und meiner Zither Goldminen, die noch Keiner ausgebeutet.
Arion gab dem Geſchäftsmann günſtige Antwort und legte den zur Correſpondenz üblichen Portothaler bei. Als dies geſchehen, packte er in aller Stille ſeine ſieben Sachen
zuſammen und ließ ſolche auf ein Schiff bringen.
Er hatte zwar verſprochen: in einem Concert zum „Beſten zweier Verdammten im Tartarus“ mitzuſingen, ja, ſo zu ſagen, darin die Hauptrolle als Sänger und Virtuos zu ſpielen. Doch, was iſt das Verſprechen eines erſten Tenoriſten? Eine Weltkugel auf einer Nadelſpitze, die Traubenhülſe von einem Weinberge, das dünne weiße
Da erſchien eines Morgens die neapolitaniſche Boten⸗ Gewebe des Herbſtes dargereicht als Ankertau auf be⸗
frau, welche jeden Freitag Abend nach Korinth kam und daſelbſt bei Möroſſens im Gaſthof zum„Blauen Delphin“ einkehrte. Sie übergab dem Kammerſänger einen Brief von einem italieniſchen Theater⸗-Agenten, der ihm gegen zehn Procent von jeder Einnahme glänzende Gaſtſpiel⸗ Vermittelung in Italien und Sicilien antrug. Er berief ſich hierbei auf ſeine ausgebreitete Bekanntſchaft mit allen Intendanzen und werde nicht ermangeln, in ſeinem allge— mein verbreiteten und vielgeleſenen Theaterblatt das kunſt⸗ ſinnige Publicum auf das Erſcheinen dieſer eminenten Ge⸗ ſangsgröße aufmerkſam zu machen.— In einem Poſtſcript wurde ihm noch zu verſtehen gegeben, ohne alle Umſtände durchzugehen, wenn ihm ſeitens der Verwaltung Hin⸗ derniſſe entgegengeſetzt würden. 3
Dies Alles war zu verlockend. Durchgehen! Ja! dies war das große Wort, ſo an ſeine Seele ſchlug mit himmelſtürmendem Fittig.— Ja! rief Arion, ſo ſei es. Gehen nicht die Ströme durch? Gehen nicht die Sterne durch die Sonne?— Iſt nicht Melitta, iſt nicht die alte Directrice Sappho, iſt nicht ſelbſt die Venus dem alten Vulcan durchgegangen?
wegter Fluth.
Arion führte ſeinen Vorſatz aus, er folgte der Lockung. Als— um mit Macbeth zu reden— die eine Erden⸗ hälfte todt und die Zauberei den furchtbaren Dienſt der
Sekate begann, wich er von hinnen. Vergebliche Hoffnung!
zerſtörte Träume! Am andern Morgen verkündeten rothe Zettel an den Straßenecken von Korinth, daß wegen ein⸗ getretener Hinderniſſe das Concert nicht ſtattfinden könne.
Arion war zu Schiffe. Als man dem Herrſcher von Korinth die Nachricht brachte und ihm ſagte: daß Arion um Gewinnes halber ſeine Stellung verlaſſen, runzelte er die Stirn, faßte ſich aber und ſprach die ſchönen Worte: „Viel kann verlieren, wer gewinnt.“
Kaum hatte der große berühmte Sänger die Küſte von Italien in Sicht, als ſein Agent ſich ſchon am Strande aufgeſtellt, um den gefeierten Mann in Beſchlag zu neh⸗ men, damit ihn nicht ein Anderer wegſchnappe. Arion wurde von ihm gleich in das erſte Hôtel geführt, wo auf dem Vorſaal ſich ſchon das Haupt der Claque und fünf Recenſenten eingefunden, welche Kritiken für das Journal Cerberus ſchrieben.
Das Jahrhundert. Zeitſchrift für Politik und Literatur. — Hamburg, Otto Meißner.
Noch kein Jahr war wie dieſes mit neuen Zeitſchriften ge⸗ ſegnet; in Berlin, Hamburg, Braunſchweig, Prag, Dresden, Wien u. ſ. w. tauchen ſie wie Pilze nach dem Frühlingsregen auf. Wie manche Ein⸗Quartalsfliege wird darunter ſein! Sollen wir ihr durch unſere Kritik noch das Leben verbittern? Nur die hervor⸗ ragendſten ſeien hier erwähnt.
„Ernſt Heiter“ iſt eine Concurrenz des Kladderadatſch, die an ſich nicht ohne Erfolg ſein dürfte, wenn ihr Terrain in Ham⸗ burg mit dem Berlins wetteifern könnte.
„Berlin“ iſt ein Erſatz für die eingegangene„Feuerſpritze“ und verſpricht durch ihre Mitarbeiter ſicher Unterhaltendes. Die erſten Nummern laſſen vielleicht zu wünſchen übrig, daß Berlin ſelbſt nicht darin ſo ausgebeutet als möglich iſt. Ganz naturge⸗ treue Daguerreotypien des Lebens an der Spree würden ſicher mehr Glück machen, als Nachahmungen des Pariſer Figaro.
Folgendermaßen wird in dieſem Blatte Herrn Gerſon's Lite⸗ raturbeſtreben beleuchtet:„In der Voſſiſchen Zeitung erklärt Herr Gerſon, daß„die ganze Berliner Unterhaltungsliteratur— Herrmann Gerſon’s Modezeitung ausgenommen— im Kladdera⸗ datſchton untergegangen ſei,“ und ſagt:„nur wer ſelbſt ſich vor der Gemeinheit bewahrt“ ꝛc. Herr Gerſon ſcheint, ſeit er unter die Literaten gegangen, alle Galanterie⸗Geſchäfte aufzugeben und lieber der geſammten Preſſe(der er doch ſelbſt ſo viel ver⸗ dankt) ſeine Fauſthandſchuhe hinzuwerfen. Aus Gemeinem, lieber Herr Gerſon, iſt der Menſch gemacht, und die Gewohnheit, ſelbſtgeſchriebene Reclamen zu veröffentlichen, nennen gewiſſe Leute ihre Amme.“
dem Leſezimmer der„Erholung“ ſieht man jeden Mittwoch
„Das Jahrhundert“ iſt eine demokratiſche Concurrenz der Grenzboten. Die Einleitung iſt phraſenhaft und trotz der Be⸗ rufung auf die Zukunft veraltet. Der einzige darin genannte Autorname iſt Louis Buchner.
Miscellen.
Ein Blumen⸗Abonnement.
An der Univerſität Jena iſt ſeit einer Reihe von Jahren eine eigenthümliche Einrichtung heimiſch. Irgend Jemand hat es unternommen, für ein Abonnement von 1 Thaler 10 Sgr. für den Sommer, alle Mittwoch Exemplare der eben blühenden einheimi⸗ ſchen, wild wachſenden Pflanzen, mit gedruckten Zetteln verſehen, auf denen deutſche und lateiniſche Namen und Claſſification an⸗ gegeben ſind, an die Liebhaber zu überliefern. Der Abonnent be⸗
kommt ſomit allwöchentlich einen allerliebſten, durchaus zeitge⸗ mäßen Strauß in das Haus, an dem er binnen weniger Monate die geſammte heimiſche Flora wiſſenſchaftlich kennen lernen kann.
Viele Privatperſonen, die meiſten Schulen weit und breit ſind an
dieſem natürlichen Abonnement betheiligt; ſelbſt in Weintdſn en
blumiſtiſchen Kalender ausgeſtellt. r.
Stählerne Ranonen.
Eine neue, für die Kriegsgeſchichte vielleicht ſehr wichtige Er⸗ findung hat der braunſchweigiſche Artillerieoberſt Orges gemacht.
N. 4
de Concer groͤßte
tiſch ſang und Vere Firm Und i dahr!
X
5 1
NAkuw
Aen


