Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
667
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St! St! fiel Erlaucht ein,wie können Sie es wagen!

Belmont fuhr leiſer fort:Dann würde dieſer alte Satan von meiner Schweſter alter Satan, ſagten Er⸗ laucht mir nicht ewig wegen meines Teſtamentes in den Ohren liegen und mich täglich an den Senſenmann erinnern.

Bei Gott, das ſagte ich!

Und weiter ſagten Erlaucht ſeufzend:Und wenn ich nur wüßte, wie er verſchwunden iſt! Wenn er ſich nur nicht ſelbſt ein Leid angethan hätte! O, daß ich darüber Aufklärung bekäme, damit ich ruhig unter die Erde gehen könnte!

Ja, wenn ich darüber Aufklärung bekommen könnte! ſo wiederholte der alte Herr betroffen halb für ſich.

Und jetzt, Erlaucht, denken Sie, ſo fuhr der Fremde entſchloſſen fort:Wenn die Kunſt dieſes ſcheinbaren Gauners mit dieſem Titel beehren Erlaucht mich nun doch auf einer Wahrheit beruhte, ſo könnte ich Aufklärung erhalten.

In der That, Mann, das denke ich, aber ich glaube es noch nicht!

Weil Sie das Recht haben, noch eine Probe meines Wiſſens zu verlangen! Ich ſagte Ihnen zuerſt, was geſtern war, dann was Sie jetzt denken, Sie ſollen auch erfahren, was morgen geſchehen wird! Aber nein, ich will es Ihnen nicht ſelbſt ſagen. Sie ſollen Intereſſe für meine Kunſt bekommen, Sie ſollen ſehen, daß auch Andern dieſelbe zugänglich gemacht werden kann! Gnä dige Prinzeß, ſo ſagte er, ſich an Amelie wendend:Sie haben angefangen, ein wenig an mich zu glauben.

Sie wiſſen ja Alles, erwiderte das ſchöne blühende Kind erröthend.

Wollen Sie ſelbſt einen Verſuch machen, einen Blick in die Zukunft zu thun? Die Requiſiten, die wir dazu nöthig haben, ſind leicht geſchafft.

Dritte Folge.

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Er nahm von dem im Zimmer befindlichen Buffet eine

Caraffine von weißem Kryſtallglas, mit Waſſer gefüllt, ſetzte ſie auf einen kleinen Tiſch, bat die Prinzeß davor Platz zu nehmen und ſtellte drei Lichter um die Waſſer⸗ flaſche. Die Aufmerkſamkeit der Anweſenden concentrirte ſich auf jede Miene, jede Bewegung.

Drei Bedingungen ſind es nun aber, die Sie erfüllen müſſen, um durch meine magnetiſche Berührung mit den Geiſtern in Rapport zu treten. So ſagte der Zauberer, und die Prinzeß bat mit zitternder Stimme, ſie zu be⸗ ſtimmen.

Erſtens dürfen Sie noch nicht 24 Jahre ſein!

O noch lange nicht, erwiderte ſie mit der ganzen Zuverſicht ihrer glücklichen ſiebzehnjährigen Jugend.

VZweitens, ſagte der Marquis leiſer und zarter, müſſen Sie oder ich will ſagen: muß Ihr Erröthen ein durchaus jungfräuliches ſein.

Die Prinzeß erröthete; der Marquis ſagte:Auch dieſe Bedingung erfüllen Sie, und ſicher auch die dritte: Sie müſſen des vollſten Liebesglückes fähig ſein.

Die Prinzeß erröthete wieder und dachte, ihr pochen⸗ des Herz gebe ihr Bürgſchaft für dieſen Punkt; aber der Marquis ſetzte heimlich hinzu:Wenn Sie nicht ſehen ſollten, was die Geiſter Ihnen in dieſer Flaſche enthüllen, ſo würde Ihr eheliches Glück nie ein geſegnetes ſein! O Gott! ſagte die arme Prinzeß erſchreckend und blickte in die Flaſche mit aufrichtiger Sehnſucht, zu ſehen!

Sie ſaß ſo, daß ſie der Geſellſchaft den Rücken drehte, V denn der Marquis erklärte es für nothwendig, daß Niemand außer ihr den Inhalt der Waſſerflaſche erblicke. Er ſelbſt

ſtellte ſich neben ſie, den Zuſchauern den Rücken kehrend, und legte die linke Hand auf Ameliens Stirn. Dann ſagte er:Erlaucht Ehrenfried haben einen Courier zu ſeinem kurfürſtlichen Herrn Schwager geſchickt, um Prinz Maxi⸗ milian nach Kiffhauſen einladen zu laſſen

Amelie erröthete von neuem. Minette erbleichte aus

ein Zeichen davon, wie wenig man im Allgemeinen begreift, daß die Poeſie ebenſo wie Plaſtik und Malerei einer äußerlichen techniſchen, nach beſtimmten Geſetzen geregelten Arbeit bedarf, die nicht auf der Eingebung, ſondern auf dem Studium beruht. Die Idee des Chriſtuskopfes iſt eine ſehr alte, und doch gehört noch immer ein ganzer Künſtler dazu, ſie zur Ausführung zu bringen, und der Künſtler, der in einem Chriſtuskopfe originell zu ſein ver⸗ mag, hat gerade durch die einzige kleine, dem Laien vielleicht kaum auffallende Nuance ſeiner Auffaſſung, die das Bild zu einem ganz neuen macht, eine größere Kraft der Originalität erwieſen, als ein anderer Künſtler, der irgend einer beliebigen, noch nicht conterfeiten Figur irgend ein beliebig erfundenes Geſicht conterfeit hat. Ganz ebenſo iſt es mit dem Drama. Ein jeder Stoff, und wenn er noch ſo oft bearbeitet iſt, wird durch eine neue Motivirung, durch eine Verlegung in eine neue Sphäre ein völlig neuer. Das franzöſiſche Publicum iſt genügend künſtleriſch gebildet, um bei ſolchen Ver⸗ gleichen nicht den Tadel in dem Aehnlichen, ſondern die Vorzüge in dem Verſchiedenen zu finden. Als der jüngere Dumas ſeine Dame aux Camélias ſpielen ließ, war dieſelbe Fabel längſt in einer Burleske La vie de Bohème unzählige Mal in dem Theater des Varietés geſpielt; ebenſo ging ſeiner Demi-monde die Poſſe Les filles de marbre im Vaudeville parallel. Wie erſt waren gar die griechiſchen claſſiſchen Dichter an beſtimmte Stoffe gebunden, da ihr Sagenkreis ein beſchränkter war, und es iſt doch wohl Nieman⸗ dem eingefallen zu tadeln, daß Euripides ſich an den Homer an⸗ lehnt, im Gegentheil hätte eine Abweichung ohne Autorität einem Stück den Stab gebrochen! Nur bei uns in Deutſchland iſt man ſo materiell, ſo ſtofflich, daß man glaubt, mit Namen wie Thusnelda und Thumelicus oder Eſſex und Eliſabeth nebſt der

allgemeinen Geſchichte von Todtgeſtochen⸗ oder Hingerichtetwerden ſei das ganze Stück gegeben. Ja, man hat ſo recht ſeine Freude daran, dem Dichter nachweiſen zu können: das iſt eine alte Ge⸗ ſchichte, daß die und jener ſich kriegen mußten oder nicht, das haben wir längſt gewußt du machſt uns nichts weis, das iſt daher u. ſ. w. So hatte einmal im Lauf dieſes Sommers irgend Jemand imLeipziger Tageblatte ſeine Freude daran, nach der Aufführung desNarciß es als eine neue Entdeckung zu proclamiren: das iſt geſtohlen wir Publicum ſind jetzt klug geworden ſeit demFechter wir glauben nichts mehr, u. ſ. w. Und was hatte der gute Mann entdeckt? Was wir Alle wiſſen, was keine Recenſion ausgeſprochen hat, weil es als allgemein be⸗ kannt vorausgeſetzt werden mußte: daß Rameau's Neffe eine lite⸗ rarhiſtoriſche Figur iſt, ſ. Goethe's geſ. Werke, kleine Ausgabe, 60. Band! Was der Sachverſtändige als eine meiſterhafte Ge⸗ ſchicklichkeit bewundert, daß Brachvogel ſeine originelle Geſtalt des Narciß in dieſer Weiſe an die Geſchichte anzuknüpfen verſtanden, das verkündet ein wohlmeinender Kunſtfreund jubelnd als einen Diebſtahl!

Richard Pobl's dramatiſches GenrebildMuſikaliſche Leiden kam jüngſt auch in Leipzig zur Aufführung und wurde verdienter⸗ maßen aufs Freundlichſte aufgenommen. Beſonders die Epiſoden der Herren Ballmann(Concertdiener), Böckel(Baron) u. ſ. w. ſprachen an und zeigten von offenbarem Bühnengeſchick. Hoffentlich ſehen wir vom Verfaſſer, der in Baden⸗Baden jetzt Studien machte, bald etwas Neues.