Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
665
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Jahrg.

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intercipienda revisione logicae humanae*) wäre nicht das wären für den, dem die Natur ſich wirklich erſchloſſen Reſultat einer Akademie, nicht die Arbeit einer großen hätte.Die Natur verſteht es z. B., den Baum, den ſie

Geſellſchaft von Gelehrten, ſondern die Frucht dieſes Ihres eigenen einzelnen Verſtandes? O, mein Herr, ich habe Sie geachtet bisher, jetzt aber erſt fange ich an, Sie ganz zu kennen, jetzt bewundere ich Sie. Aber das muß ich ſagen, Ihr Herr, der Reichsgraf, kennt ſeinen Vortheil nicht, Sie ſo allein ſtehen zu laſſen! Auf Ihren Namen hin ſollte er eine Akademie, ein Lyceum, eine Univerſität gründen, und Hunderte von wißbegierigen Jünglingen wür⸗ den zu Ihnen herbeieilen, mit Ihnen dieſe nothwendige Reviſion des menſchlichen Verſtandes vorzunehmen! Ver⸗ zeihen Sie, mon cher professeur, mehr als die Anrede wagte er nicht franzöſiſch zu ſprechen, da er wußte, daß die deutſchen Profeſſoren in dieſer Sprache ſchlecht be⸗ ſchlagen ſind,verzeihen Sie, ich habe Sie kurz, ich habe Sie nonchalant und cavalierement behandelt, Sie ver⸗ dienen aber u. ſ. w.

Kurz, der Marquis verſtand ſich auf Gelehrteneitelkeit und wußte, daß er in ſeinen Zumuthungen an die Faſſungs⸗ kräfte ſeines Beſuches nicht zu weit ging. In der erſten halben Stunde, während er ein ſehr mittelmäßig gebrate⸗ nes Huhn aus der Küche des Gaſthauſes verzehrte und eine Bouteille feinſten Medoc aus ſeinem eigenen Flaſchen⸗ keller dazu trank, war der Profeſſor ſein eigen geworden. Als er aufſtand und ſich mit der Serviette den Mund wiſchte, wußte er, daß dieſer Mann mit ſeinem Verſtand und Unverſtand ihm auf Leben und Tod gehörte!

Natürlich reiſte Marquis de Belmont nicht am ſelben Tage ab; natürlich wurde er der Comteſſe Minette vorge⸗ ſtellt; natürlich ließ er hier ein Wort von geheimnißvollen Kräften fallen, die bisher für übernatürlich gegolten hätten, die aber erſt die wahrhaften und vorzüglichen natürlichen

Auf deutſch: Abhandlung über die Nothwendigkeit einer Re⸗ viſion der menſchlichen Logik.

auf freiem Felde wachſen läßt, Jahrhunderte lang zu er⸗ halten, ſollte ſie kein Mittel wiſſen, ihr Meiſterwerk, das Ebenbild Gottes, den vernunft⸗ und ſchönheitbegabten Menſchen in ſeiner Blüthe und Kraft zu erhalten?

Glauben Sie, die Natur könne das? frug die

Comteſſe plötzlichtfurchtbar neugierig.

Ich glaube es nicht nur, ich weiß es!

Sie wiſſen es? Und dürfen Andere nicht dieſe ſelben Mittel auch wiſſen?

Wiſſen nicht ſo leicht, aber gebrauchen. denn nicht?

Und ſie ſollten wirklich helfen?

Sie zweifeln! Für wie alt halten Sie mich?

Für einen angehenden Vierziger!

Der Marquis lachte laut auf. Er that geheimnißvoll und nannte ſein Alter nicht, aber ſagte:Nun ſo ſehen Sie, daß meine Mittel das Alter decimiren zum Min⸗ deſten!

Dann brach er plötzlich davon ab und ſprach davon, daß freilich nicht Jeder gleich geeignet ſei, die geheimniß⸗ vollen Kräfte der Natur zu erkennen und ſie ſich zu Nutzen zu machen.Wie die Wiſſenſchaft der religiöſen Wahr⸗ heit eine Prädeſtination anerkennt, eine Vorherbeſtimmung des Menſchen, ob er der göttlichen Gnade theilhaftig ſein ſolle oder nicht, ebenſo erkennt die Wiſſenſchaft der philo⸗ ſophiſchen Wahrheit eine Prädeſtination an in Bezug un⸗ ſerer Verbindung mit dem Geiſterreiche, das zwiſchen uns und der göttlichen Gnade ſteht.

Ein Geiſterreich! rief bei dieſen Worten die aller⸗ liebſte kleine Prinzeß Amelie aus, eine Nichte des Reichs⸗ grafen, die ſchon ſeit einiger Zeit bei ihm zum Beſuch war,alſo glauben Sie wirklich an ein Geiſterreich, mein Herr?

Warum

als das Mittel, womit er alles Ungewöhnliche im Leben niederzu⸗ kämpfen gewohnt war, an. Im Grunde mochte es auch ſo gut ſein, denn es wäre ein herber Verluſt geweſen, den Obriſtlieutenant der Beobachtung entwiſchen zu laſſen. Handelsleuten, Shylok und Tubal aus Venedig, in ein Geſpräch verwickelt, wenn man ein unblutiges Plänklergefecht von frevelhaft ausgeſprochenen deutſchen und italieniſchen Vocabeln, in dem Keiner die Gedanken des Anderen traf, ein Geſpräch nennen darf. Der alte Soldat hatte anfangs ſchweigſam und mit der ſtrengſten Prüfung der Gegend, ob ſie nicht von der ausgebreiteten Karte abweiche, dageſeſſen, war aber dann von der allgemeinen Redſelig⸗ keit angeſteckt und von Shylok und Tubal ſehr freundlich in Be⸗ ſchlag genommen worden. Ihr Geſpräch, welches der ſprachkun⸗ dige Wiener Herr weiterbugſirte, wenn es auf den Sand gerieth, war nicht romantiſch, aber ſehr lehrreich und mercantiliſch.

Er

Er hatte ſich mit zwei

hielt den Handelsleuten vom Rialto abwechſelnd Arme, Beine und

Leib hin und ließ ſie prüfend betaſten. Anfangs glaubte ich, daß er, wie der königliche Kaufmann, tauſend Ducaten auf ein Pfund altes preußiſches Soldatenfleiſch zur erſten Hypothek aufnehmen wollte, und gedachte ſchon ſcharfen patriotiſchen Einſpruch gegen eine ſo leichtſinnige Verſchleuderung der lebendigen Ueberreſte un⸗ ſeres herrlichen Kriegsheeres zu erheben; allein ich ſah noch zur rechten Zeit ein, daß die heutige Giudecca von Venedig keine über⸗ müthigen Geſchäfte mehr macht. Sie bemühten ſich nur, die Klei⸗ derſtoße auf den Gliedmaßen des Obriſtlieutenants zu taxiren und mit den landesüblichen Preiſen zu vergleichen. Da ſeine Reiſegewande in einem Kleidermagazine des Nordens erſtanden waren, feſſelten ſie beſonders die Aufmerkſamkeit des Aeltern, den ich Shylok zu nennen gewagt habe. Er prüfte die Näthe, die

Knopflöcher, das Futter, zog einen Seidenfaden heraus und beſah Alles ſo tiefſinnig, daß ich auf die Vermuthung kam, er ſei vielleicht Inhaber eines menſchenbekleidenden Inſtituts zu Venedig, genannt zur Seufzerbrücke oderzu den beiden Foscari. Unter ſo phantaſtiſchen Beluſtigungen waren wir nach Padua gekommen. Von Herrn Schwertlein verlautete keine Silbe mehr; es herrſchte nur ſtarke Nachfrage nach den köſtlichen Makronen, durch welche Padua heute ebenſo berühmt ſein ſoll, wie ehemals durch ſeine Univerſität. Die einſt ſo ſchwertkundigen wilden Studenten von Padua waren längſt verſchollen, eine höchſt friedfertige kleinſtäd⸗ tiſche Race zum Verwechſeln den Erlangern ähnlich, nur ohne ihre Biermäuler und farbigen Fetzen, ſtand neugierig auf dem Perron und blickte neidiſch über uns, den venetianiſchen Volksfeſten ent⸗ gegeneilende Paſſagiere in die Wagen. Nachdem die Locomotive aus dem Brunnen, wir aus irdenen Kannen mit abgebrochenen Naſen, mit friſchem Waſſer getränkt worden waren, klapperten wir weiter.

Zur Naturkunde. Eine neue Theorie der Aſtranomie.

Ein Herr J. W. Schmitz hat in Köln im eigenen Verlage eine Broſchüre erſcheinen laſſen, die den Titel trägt:Das Nieder⸗ gehen des Mondes auf die Erde u. ſ. w., in der er beweiſen will, daß die Unveränderlichkeit des Weltgebäudes eine falſche Annahme ſei und daß vielmehr durch ſtets fortſchreitende Erkaltung und Zu⸗ ſammenziehung alle Entfernungen in demſelben allmählich geringer

werden. Der Verfaſſer ſagt:

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