Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
592
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* 2 4 OCℳ

wollte, dieſe Frage nach keiner Seite hin tendenziös bejaht, ja, er hat Verhältniſſe geſchildert, welche die Uebelſtände der einſeitigen Löſung nach beiden Richtungen hin veran⸗ ſchaulichen; der Umſtand aber, daß das Beſtehen der ge⸗ ſetzlichen Untheilbarkeit überhaupt die Conflicte dieſer tra- giſchen Novelle herbeiführen konnte, dürfte den Leſer mehr für als gegen die Aufhebung dieſer Beſtimmung einnehmen. UnſereAmerikaner in Deutſchland aber beantworten die Frage ganz entſchieden dahin, daß, um die fernere Exiſtenz eines conſolidirten Bauernſtandes möglich zu machen, um den Grundbeſitz, das Mark des Nationallebens, nicht noch mehr in die Hände der Güterſpeculanten und des Hypothe⸗ kenſchwindels gerathen zu laſſen, eine Beſchränkung der Theilbarkeit bei der Vererbung eine unumgängliche Maß⸗ regel ſei. Auch wer principiell ſolchen Anſichten entgegen iſt, wird die dafür angeführten, weit mehr als bei Riehl auf die Thatſachen eingehenden Argumente mit Aufmerk⸗ ſamkeit erwägen müſſen.

Dies über den Inhalt des neuen Bauernromanes. In ſeiner Darſtellung iſt derſelbe allerdings kein hoch poetiſches Kunſtwerk; wir haben eben erſt darauf aufmerk⸗ ſam gemacht, wodurch er ſich von ſolchem in der Abſicht ſei⸗ ner Entſtehung ſchon unterſcheidet. Dagegen iſt nicht zu leugnen, daß die Ausführung für den vorliegenden Zweck eine ganz vortreffliche zu nennen iſt. Poetiſche Erzählung und didaktiſche Betrachtung ſind in äußerſt geſchickter Weiſe mit einander vereint; wie das belehrende Element auf einer tiefen Sachkenntniß beruht, ſo zeigt der novelliſtiſche Theil eine Einfachheit, einen Humor und eine charakteriſirende Schärfe, durch die er unſeren beſten Dorfgeſchichten an die Seite zu ſetzen iſt. Der Styl offenbart durchgängig bis ins Einzelſte eine für uns ſtaunenswerthe Bekanntſchaft mit dem bäuerlichen Leben und den verſchiedenſten land⸗

wirthſchaftlichen Verhältniſſen; alle Provinzialismen ſind

dabei vermieden, und wenn die Erzählung auch ſichtlich nach Thüringen verlegt ſein ſoll, ſo hat ſie doch einen all⸗ gemeinen, wenigſtens für ganz Mitteldeutſchland paſſenden

NovellenZeitung.

Liſt und Andere als Feldmeſſer,

zu bleiben.

Charakter. Um dieſelben ſeinem ländlichen Publicum näher zu bringen, hat der Verfaſſer die Namen von Män⸗

nern, um das Volk verdient, ſeinen Bauern, Pfarrern, Feldmeſſern u. ſ. w. gegeben; ſo finden wir Riehl, Held,

Schwarz, Thaer, Möſer u. ſ. w. als Bauern, Franz Löher als intelligenten, aus Amerika zurückgekehrten Oekonomen, Oberlin als Pfarrer u. A. m. Amüſant iſt es dabei für uns literariſches Publi⸗ cum, wenn wir zu Anfang gleich leſen, daß Riehl ſtark geworden iſt:entweder hatte er nicht mehr ſo viel gear⸗ beitet, weil er dick geworden, oder er war dick geworden, weil er nicht mehr ſcharf mitarbeitete; oder wenn es von ihm heißt:eigentlich, wenn ich's recht überlege, war er doch nur ein Bauer, wenn er auch mehr gelernt hatte, als irgend ein Bauer weit und breit. Das ſtimmt freilich nicht mit dem, was ein ſ. g. Münchener Correſpondent

neulich behauptete, der W. H. Riehl ſei eigentlich doch nur ein Literat! besverhältniß, das von Franz Löher zu Riehl's Töchter⸗

Nicht weniger ſpaßhaft iſt alsdann das Lie⸗

chen erzählt wird, wenn wir uns die Männer dieſer Namen,

denen man das Literatenthum nicht vergeben will, unter

den biederben Landleuten denken. Was aber wird Frau

Andres in Dresden ſagen, wenn ſie lieſt, daß der Feld⸗ meſſer Andree, der Freund von Friedrich Liſt, die ſchöne

Katharina und gar die Waſchmamſell mit Aufwerkſamkeit behandelt habe, bis er freundſchaftlichePüffe bekommen! Wir möchten wohl wiſſen, wer dieſes Buch geſchriebe bel Ein Herrmann Jäger iſt uns nicht bekannt. h

ſehr kenntnißreicher und ſehr talentvoller Schriftſteller

es jedenfalls ſein, und ſolche pflegen doch nicht unbekannt Sollte Profeſſor Franz Löher ſelbſt dem Hel⸗ den ſeinen eignen Namen gegeben haben, um als Verfaſſer

nicht erkannt zu ſein?

Das Buch iſt jedem Gebildeten, vorzüglich auch land⸗

wirthſchaftlichen Vereinen und Volksbibliotheken anzu⸗

empfehlen.

R. Giſeke.

Allgemeiner Anzeiger.

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