584 ſterben, und heute noch klingt mir ihr Todtengeklirr in den Ohren. Was ich empfand, kann ich ebenſowenig aus⸗ drücken, als mein Glück vorher unausſprechlich geweſen war. Alle meine Kraft bot ich auf, um meinen Kork dem verhaßten Mörder ins Geſicht zu ſchleudern, es gelang mir nicht. In dumpfer Gleichgültigkeit kam ich in den Keller, wo ich mit mehreren meines Standes eins der erſten Hötels bezog. Ich ſtürzte mich in den Strudel der Welt und ſuchte zu vergeſſen, aber es iſt nicht möglich geweſen. Sie haben mich jetzt ausgetrunken, mein Herr, ich glaube, daß ein fühlendes Herz in Ihrem Buſen ſchlägt, machen Sie meinem traurigen Daſein ein Ende und bewahren Sie mich vor dem fürchterlichen Schickſal, vielleicht mit Bier oder noch etwas Entſetzlicherem gefüllt zu werden.“
Eine Thräne der Rührung trat in mein Auge. Stumm nahm ich die unglückliche Flaſche und ſchleuderte ſie zum Fenſter hinaus; die ganze Geſellſchaft fuhr zuſammen.„Ei ei, mein Lieber,“ ſagte der Geheimerath,„Sie werden einem Vorübergehenden den Hals brechen.“ Der alte General ſah mich mit ſonderbarem Lächeln an.
Offenbar hatte er zu viel getrunken. 3
(Fortſetzung folgt.)
Eine neue Somnambuſe.
Ein Bild aus der Gegenwart. (Schluß.)
Die hierüber angeſtellten Unterſuchungen beſtätigten in der Hauptſache vollkommen die vom Freiherrn von Reichen⸗ bach gemachte Entdeckung einer— wie er ſie zu nennen
Noveſſen⸗Zeitung.
[II. Jahrg. beliebt hat— odiſchen Polarität, und zwar einer kühlen Empfindung des negativen Od und einer lauen Empfindung des poſitiven Od, jedoch mit dem hier beobachteten merk⸗ würdigen conſtanten Unterſchiede, daß das von jenem aus⸗
geſprochene Geſetz, wonach nur odiſch ungleichnamige Hände⸗
paarungen(rechte in linke oder linke in rechte) kühl und
angenehm, alle gleichnamigen aber lauwidrig von Sen⸗
ſitiven empfunden werden, auf unſere Somnambule keine Anwendung fand, indem, um hier zunächſt nur von einer Art der Verſuche zu ſprechen, die gekreuzte und alſo gleich⸗ namige Händehaltung nicht, wie es bei allen derartigen Verſuchen Reichenbach's der Fall war, eine widrige oder gar unerträgliche Wirkung zur Folge hatte, ſondern im Gegentheil ein wohlthuendes Gefühl bei ihr erzeugte, und zwar mit der beſtimmteſten Unterſcheidung eines von meiner Rechten ausgehenden kühlen Stroms auf ihrer rechten und eines von meiner Linken auf ſie übergehenden lauen Stroms auf ihrer linken Seite..
Noch während des erſten Auftretens der eben berührten Phänomene hatte ſich uns übrigens durch einen dritten ganz eigenen Zufall ein neues, bei andern Somnambulen bis jetzt nur in ſeltenen Fällen beobachtetes Medium für den magnetiſchen Verkehr auf das wunderbarſte dargeboten, und dieſes Medium war— die Muſik.
Ein für ihre ältere Tochter, eine ſehr talentvolle Pianiſtin, gemietheter Flügel war eben damals kurz vor einem meiner Beſuche in deren Wohnung gebracht worden. Man zeigte ihn mir, und da ich mich von der Güte und dem Tone des Inſtruments überzeugen wollte, ſetzte ich mich an daſſelbe und erging mich in einigen Präludien und Phantaſien, während Mutter und Tochter, Beide in dem⸗ ſelben Zimmer, die Erſtere hinter meinem Rücken auf dem Sopha, die Andere von ihr abgewandt am Fenſter, mit Handarbeiten beſchäftigt, Platz genommen hatten. Aber welche Ueberraſchung wartete meiner, als ich nach Been⸗ digung meines Spiels unſere Somnambule, ohne daß es
ihre Fahrzeuge in den Grund, doch nichts hilft. Wie könnten einige engliſche Schiffe, die in jenen weiten Meeren ihre Station haben, dieſelben von den Tauſenden der Banditen reinigen, die mehr auf Ruhm als auf Beute ausgehen und den Glauben hegen, daß ein tapferer Mann, der ſich ſelbſt achtet, keine andere Be⸗ ſchäftigung haben kann, als die der Seeräuberei?.
Was große Mächte und zwar die dabei am meiſten intereſſirten, wie England und Holland, nie zu vollbringen vermochten, das hat ein einziger Mann, ein einfacher Privatmann, nur von ſeinem eignen Willen und der ſich ſelbſt geſteckten Aufgabe getrieben, durchzuführen beſchloſſen, und wenn Gott ihm ſeinen Beiſtand verleiht, wird er ſeine Abſicht ausführen. Dieſer ſchon jetzt berühmte Mann iſt Sir James Brooke.
Am 29. April 1803 in Hooghly in Bengalen geboren, wo ſein Vater Civilbeamter der indiſchen Compagnie war, trat er in ſeiner früheſten Jugend in die bengaliſche Armee ein und nahm Theil an dem Kriege gegen die Barbaren. Er zeichnete ſich in demſelben durch Tapferkeit ſo ſehr aus, daß er eine ffentlſche ehrenvolle Erwähnung fand. Eine ſchwere Wunde, welche ſeine Lungen verletzte, brachte ſein Leben in Gefahr. In dieſer ſchwebte er laͤngere Zeit und die Aerzte riethen ihm, nach Europa zu gehen. Nach einem kurzen Aufenthalt in England beſuchte er den größten Theil des Continents, um ſeine Geſundheit herzuſtellen und ſich zu unterrichten. Indeß war ſein Urlaub dem Ablauf nahe, und er ſchiffte ſich ein, um ſein Regiment ſo bald als möglich zu erreichen. Das Schiff, auf dem er ſich befand, ſcheiterte, und erſt mehrere Monate nach Ablauf ſeines Urlaubs erreichte er Indien. Dieſer Unfall entſchied über ſein Schickſal. Ohne Zweifel hätten ſeine Vorgeſetzten, auf die Umſtände Rückſicht
nehmend, ihm ſeine verlängerte Abweſenheit verziehen, doch Brooke wartete nicht darauf, daß eine Unterſuchung ihn in ſeinen Grad wieder einſetzte. Er reichte ſeine Entlaſſung ein, und da das Schiff, auf dem er nach Madras gekommen war, nach China ſegelte, ging er an Bord deſſelben mit der Abſicht, neue Länder zu beſuchen. Der Eindruck, den das Schauſpiel der indiſchen Meere auf ihn machte, war ſo, daß er, kaum nach England zurück⸗ gekehrt, auf eigne Koſten ein Schiff ausrüſtete, um wieder nach China zu gehen. Dieſe Unternehmung, die durch nichts gerecht⸗ fertigt wurde, tadelte ſein Vater heftig; er weigerte ihm die nöthigen Gelder, um ſeine Entdeckungsreiſe fortzuſetzen, und Brooke mußte ſein Schiff in Indien verkaufen und nach England zurück⸗ kehren. Er brachte hier mehrere Jahre ohne großen Vortheil für ſich ſelbſt zu, führte ein verſchwenderiſches Leben und erwarb eine gewiſſe Berühmtheit durch ſeine Gewandtheit als Reiter, ſeine Thaten als Schwimmer, ſeine Geſchicklichkeit als Büchſen⸗ und Piſtolenſchütze und ſeine Leidenſchaft für das Meer.
Der Tod ſeines Vaters ſetzte Brooke 1838 in den Beſitz eines großen Vermögens und geſtattete ihm, ſeine früheren Pläne zu verfolgen. Er war jetzt 35 Jahr alt. Ohne Zögern kaufte er einen Schooner von 142 Tonnen, bewaffnete ihn mit 16 Kanonen, mit Steinmörſern, Waffen aller Art, wählte 20 geprüfte Matroſen, auf deren Entſchloſſenheit und Treue er ſich verlaſſen konnte, und nahm ſich vor, mit ihnen den indiſchen Archipel zu beſuchen. Der Royaliſt, ſo hieß ſein Schiff, ging im October 1838 unter Segel und warf am 15. Auguſt des nächſten Jahres die Anker an dem Fluſſe Sarawak auf der Inſel Borneo, gegenüber der Reſidenz des Rajah Muda Haſſim. Brooke wurde freundlich empfangen von dieſem Fürſten, der das Land im Namen ſeines Neffen regierte,
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