Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
580
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580 Noveſſen⸗Zeitung. nach der engliſchen Mode kleiden. Die Engländer ſind die einen eigenthümlichen Kopfputz mit vielen kleinen Locken Nation der concreten Realität, wie die Franzoſen diejenige trug. Eine ältere D des phantaſtiſchen Idealismus. hübſchen Töchtern hatte ich noch Zeit zu bemerken, die

Auf einem Ball daher, wo der Flug der Phantaſie ſich übrige Geſellſchaft konnte ich nicht in Augenſchein nehmen,

[II. Jahrg.

ame mit zwei ſehr jungen und ziemlich

höher erhebt in der Atmoſphäre der Grazie und der da Schönheit, wo Alles leicht und zierlich einherſchwebt, fühlt geb man ſich wohl in den eleganten Formen der franzöſiſchen

ſo eben das Zeichen zum Eintritt in den Speiſeſaal ge⸗ en wurde. Und je zwei, Männlein und Weiblein,

wanderten ſeierlichen Schrittes hinein, wie einſt die Elite

Mode. der antediluvianiſchen Welt in die Arche Noah's.

Ein

Unter den materiellen Verhältniſſen eines Diners aber ambroſiſcher Duft aus allen drei Reichen der Natur hauchte fühlt man das Bedürfniß einer bequemen, engliſch comfor- uns die liebliche Ahnun

tablen Kleidung. Man kann weder den haut gont eines dindon aux truffes, noch die feine Würze einer geiſtreichen Unterhaltung richtig würdigen und genießen, wenn der anſchließende Frack die nachläſſige Ruhe des Körpers hin⸗ dert und die enge Weſte, nur für Eis und Champagner⸗ ſchaum beſtimmt, die richtige Verdauung ſtört.

Jeder Zoll ein Engländer, begab ich mich alſo zu meinem Freunde. Von dem Scheitel, der den ganzen Kopf in zwei Theile ſpaltet und alle Haare in zwei Mähnen her⸗ vorrollen läßt, von dem ungeheuren, weiten, das Kinn

begrabenden Hemdkragen, bis zu den breit abgeſtumpften

lackirten Stiefeln fehlte nichts, um mich zu einem Sohn Albions zu ſtempeln.

Ich trat in den Salon hungrig, wie man immer zu einem Diner kommen muß, man müßte denn etwa ſchon die Küche als unclaſſiſch und ungenießbar kennen.

Wenn man einen leeren Magen hat, ſo iſt man gewiſ⸗ ſermaßen in die Harmloſigkeit und Empfänglichkeit der Kinderjahre zurückverſetzt, man hat keinen Sinn für das Ridicule und fühlt ſich aufgelegt, wie in den Zeiten der Unſchuld, jede Dame Tante und jeden Herrn Onkel zu nennen.

Die Geſellſchaft war klein. Ein alter General außer Dienſten mit ſeiner Tochter fielen mir zuerſt in die Augen. Ein ebenfalls alter geheimer Rath unterhielt ſich angele⸗ gentlichſt mit einer Dame in den beſten Jahren, welche

Ja

g einer ſchönen Zukunft entgegen, die Mineralien waren durch das feine Aroma verbrannten Bernſteins repräſentirt; mit unſchuldsvollem Vertrauen gab ich mich ſeiner Einwirkung hin, denn mir ruh'ten noch im Zeitenſchooße die dunkeln und die heitern Looſe.

Ich führte die ſehr ſchöne Tochter des alten Generals. Wir ſetzten uns. Mein vis-a-vis war die vielgelockte Dame, neben ihr ſaß der Geheimerath, der ihr treu geblieben war. Meine Nachbarin links war eine der beiden, ganz jungen

Mädchen.

Ich zog langſam meine Handſchuhe aus, natürlich nicht, ohne zugleich meine Dame zu beobachten, die ſich mit dem⸗ ſelben Manoeuvre beſchäftigte. Zu meiner großen Freude fand ich ſie extremement bien gantée. Der Handſchuh

einer Dame verräth ſtets den Bildungsgrad ihres Geiſtes und Herzens. In der Art, dieſes Kleidungsſtück der ver⸗ feinerten Civiliſation zu tragen, liegt ein unausſprechliches je ne sais quoi; hier treten alle leiſe klingenden, idealen Saiten des Innern in die äußere Erſcheinung. Eine Gantologie aufzuſtellen iſt mit der Sprache nicht mögliche um ſie zu verſtehn, braucht man jene ſehr feinen Nerven⸗ fäden, die eben nur fühlen, nicht mit philoſophiſcher Klar⸗ heit wahrnehmen können. Doch iſt das Zeichen, für mich wenigſtens, untrüglich. Z. B. der Handſchuh eines jungen unbefangenen Mädchens ſitzt eng und feſt auf der Hand, die er zu halten und zu tragen ſcheint; bei einer Liebenden

ii. Iauam tile. O Chüringer Fahrten..

- II.

Die Rudelsburg. Das Fremdenbuch der Rudels⸗ Gedichte von A. T. und R. Prutz. Nach Weſten!

Umgebung von Köſen. burg.

Wer an einem heißen Sommertage mit dem Eilzuge der Eiſenbahn an Köſen vorüberfährt, der hält es, irregeführt durch den Eindruck des Bahnhofes und ſeiner nächſten Umgebung, nur zu oft für einen ſtaubigen, ſchattenloſen, unerquicklichen Ort. Das Saalthal hat aber gerade hier die unſchätzbaren Eigenſchaften, die erſt in näherer, vertrauterer Bekanntſchaft gewürdigt werden und deshalb um ſo ſicherer einen dauernden, behaglichen Verkehr begründen. Die erſchütternden Schauſpiele der Weltgeſchichte im Großen haben ihren Reiz, aber einen anderen Reiz wieder die traulichen Stunden im kleinſten Kreiſe, wer an der Unge⸗ V heuerlichkeit der Alpenwelt erſtaunend ſich ergötzt hat, kann hier im ſtillen, engen Waldthal die Stimmung; anmuthender Be⸗ friedigung finden, die auch ihren Werth hat und die ihm dort viel⸗ leicht gefehlt. V

Dicht hinter dem Städtchen beginnen auf beiden Ufern die

Feuilleton.

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emporführen, bald ſteil aufſteigend, bald ſanft ſich hin⸗ und wieder⸗ ſchlängelnd, hier an felſigen Grotten vorbei, dort durch enge modrige Schluchten, das Alles ſo en miniature, daß Du nirgends eine Gefahr laufen, nirgenes faſt Dich verirren kannſt und in wenigen Minuten, in einer halben Stunde höchſtens die Gipfel mit der freien Ausſicht erreicht haſt. Von hier blickſt Du dann auf die grünen Wieſen, das freundliche Städtchen mit den weißen Häuſern und rothen Dächern, auf Berge und Nebenberge, ſteile ſteinige Abhänge und ſanfte waldige Anhöhen, auf Dörfer hinter Dörfern und im Nebel verſchwindende Thürme, und da⸗ zwiſchen ſchlingt ſich das hell leuchtende Band der Saale, mit dem unermüdlich rauſchenden Wehre, das wie ein Brillantſchmuck in ſeiner Mitte ſchimmert.. Die Rudelsburg iſt ein berühmter Wallfahrtsort in der nächſten Nähe von Köſen zu nennen. Wie Joſeph Rank in ſeinem BüchleinDie Schſtlerhäuſer⸗

die Fremdenbücher an den geſchilderten Orten ausgebeutet und manche amuſante Notiz daraus zu Tage gebracht, ſo werden wir nicht weniger

Anſprechendes hier im Fremdenbuche der Rudelsburg

ſinden, und zwar für uns auf viel bequemere Art, denn einer ihre

Laubwaldungen, in denen kühle Wege Dich an den Geländen fleißigen Beſucher hat uns die Mühe erſpart, die großen unappetit⸗

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ſchmiegt er an; bei eit ſo zu ſage ſchmuzige. riſſene, Od mäch kein Nein zuſt Man Redenart

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