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Das Knarren einer Thür in der weißen Wand ließ ſich vernehmen. So leiſe dieſes Geräuſch auch war— Erneſtine hatte es doch gehört; ſie ließ ſich zwar in der Arbeit nicht ſtören; aber ihr zartes Geſicht ward von einer dunkeln Röthe übergoſſen und der Bleiſtift zitterte in der kleinen Hand. Zwiſchen den Baumſtämmen erſchien ein junger Mann in ländlichen Kleidern. Unter dem Arme trug er eine Mappe. Nach einer Minute betrat er den Pavillon.
„Guten Morgen, Miß Erneſtine!“
Die Malerin erhob ſich und grüßte.
„Nachbar Henry iſt heute pünktlicher, als geſtern!“ fügte Sie lächelnd hinzu.
„Verzeihung, Miß, ſchon frü erpreſſen Boten in Erbſchaftsangelegenheiten nach der Stadt beſchieden— erſt ſpät kehrte ich zurück. Glauben Sie mir: nur eine dringende Nothwendigkeit kann mich abhalten, unſere Lectionen zu beſuchen.“
Er ergriff ehrerbietig des jungen Mädchens Hand und drückte ſie leiſe an ſeine Lippen.
Erneſtine verneigte ſich, halb aus Artigkeit, halb aus
h ward ich durch einen
Verlegenheit.
„Haben Sie den guten Crosby in ſeinem Laden beſucht?“
„Gewiß! Als ich in der Stadt ankam, und als ich ſie
verließ. Hier iſt ein Briefchen von ihm.“
„An mich?“
„An Miß Erneſtine!“
Henry überreichte ihr einen Brief. den Tiſch neben der Stafeelei.
„Leſen Sie ihn!“ bat der junge Mann.„Ich werde in der Zeit Ihr neues Bild bewundern, wenn Sie es mir erlauben.“
Der Nachbar trat vor die Staffelei; die Nachbarin erbrach den Brief und las. Nachdem ſie geleſen, näherte ſie ſich ihm, reichte ihm die Hand und ſagte:
Sie legte ihn auf
Novellen⸗Zeitung.
Henry! Ich danke Ihnen dafür. Sie ſagten mir einmal, daß Sie mit einem Seitenverwandten wegen Ihres Gutes in einen Proceß verwickelt ſeien?“—
„Ein Vetter, der Bruder meiner verſtorbenen Mutter, tritt mit einer Urkunde gegen mich auf, wonach ihn mein Vater zum Erben des angrenzenden Landgutes eingeſetzt hat. Dieſes Gut iſt der Hauptbeſtandtheil meines Ver⸗ mögens. Gelingt es mir nicht, zu beweiſen, daß die Ur⸗ kunde falſch iſt, ſo komme ich um den größten Theil meines Vermögens.“
„Und ſie iſt falſch?“
„Mein Vater hatte keinen Grund, ſeinem einzigen Sohne, den er herzlich liebte, das Vermögen zu entziehen, um es einem Menſchen zu vermachen, deſſen Leichtſinn und Verſchwendungsſucht nur zu bekannt ſind.“
„Dann, Sir Henry, werden Sie Ihren Proceß ge⸗ winnen, wie ich, nach dieſem Briefe, den meinigen gewinnen werde! Crosby ſchreibt mir, daß unſer Gegner einen Ver⸗ gleich anbietet, um dem Proceſſiren ein Ende zu machen; wer einen Vergleich bietet, muß ſein Unrecht einſehen. Ich habe Herrn Crosby Alles überlaſſen— mag er thun, was er für gut befindet.“
„Wir iſt Ihr Gegner, Miß?“
„Ein vornehmer, reicher Mann, ein Lord Seyton.“
„Lord Seyton?“ fragte Henry überraſcht.„Es gibt zwei Lords Seyton in London—“
„Ich kenne nur ſeinen Namen und weiß nur, daß er meinem armen Vater das Vermögen des Kaufmanns Robert ſtreitig machte. Der Kaufmann, der keine Familie gehabt, war nämlich der einzige Bruder meines Vaters. Wie ich von meiner Mutter hörte, hat der Lord ebenfalls durch ein untergeſchobenes Document das große Vermögen, das in einer Million beſtehen ſoll, an ſich geriſſen. Warum ſind
Sie plötzlich ſo nachdenkend geworden, Sir Henry?“
„Ach, Miß, ich bin nicht ſo glücklich, wie Sie— es
„Sie haben mir eine gute Nachricht gebracht, Sir
ſcheint, ich werde meinen Proce verlieren, und dann bin 7 7 7 2
Er ſieht, was er dort ſah, doch was er Iſt ſeine Ruhe die Begeiſterung der Erinnerung oder der Liebe? Was waren die Ptolemäer und ihre Tempel und ihr Leben, was die all' ihrer Vorgänger hier anders, als verſchiedene liebliche und ſonderbare Ausdrücke, die auf der Fläche des Nils dahinglitten, doch flüchtig verſchwanden? Der Strom ſcheint an der Grenze des Strudels zu zögern und ſtürzt ſich dann ohne Beſinnen hinein. Wüthend, ſchäumend, ſtürmt er
egen die ſcharfen Felſen an und über ſie fort. Zornig rauſchend ſetzt er über finſtern Hinterhalt ſcharf geſpitzter Steine in der Tiefe, durch gewundene Canäle, hier durch wilde Schluchten, dort leitet er ſeine Tropfenlegionen unvermindert, und der Dämon der Wüſte iſt für immer beſiegt.
Dann mildſtrömend, ein König mit finſter brauen, gleitet der Nil feierlich von ſeinem furchtbaren Triumphe dahin, liebkoſt das palmengeſchmückte Syene auf ſeiner Flucht und beruhigt ſich ſelbſt; allmählich glänzt derſelbe zwiſchen grünen heitern Küſten.
Unſer Boot errei Fluſſes und der Wind hielten es Hätte der Wind nachgelaſſen, ſo würde es plötzlich mit dem Strome dahingeſchoſſen ſein und gegen die Felſen, die ihn hemmten— unſer Boot ſo unbarmherzig bewachend, wie die Thiere der Wüſte
ihre ſichere Beute. e.
Plötzlich ſprangen etwa zwanzig Geſtalten ſchreiend und nackt in das Waſſer, erkletterten die Schnelle und erreichten mit einem Taue in den Händen einen Fels. Schnell befeſtigten ſie
reizende Umarmung. nicht länger ſehen ſoll.
chte die erſte Schnelle. Die Strömung des längere Zeit auf einer Stelle feſt. —
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gerunzelten Augen⸗
das Tau um einen Baumſtamm, und die ſchreienden Wilden an unſern td zogen daran und uns ſo langſam aufwärts. Gleich
Gnomen und Dämonen kletterten die ſchwarzen Sünder über die ſcharfen Spitzen und an den Felſen entlang, wild kreiſchend, unter⸗ tauchend in der Strömung, um einen andern Felſen zu erreichen,
ebenſo zu Haus im ſchwarzen Waſſer, wie außer demſelben, wild tanzend und ſpringend. Ueberblickte man die finſtern Gruppen
auf loſen Küſten und die Teufel auf
dem Deck und die hoffnungs
ſo war der Nil nicht mehr der Nil, ſondern der Styr und unſer Boot Charon'’s Todesbarke. Der Tumult war ent⸗ ſetzlich. Niemand ſchien zu gebieten, und der Aufſeher wendete träftig und fleißig ſeinen Stock auf den dunächf vefinblichen Schultern an, doch ohne den geringſten praktiſchen Erfolg auf die Reiſe dadurch auszuüben. Bei dem hölliſchen Geheul des wilden (Haufens und dem ſchnellrauſchenden und brauſenden Strome wäre ein kurzes Gefühl der Stille himmliſch geweſen. D V Schluchten ſind ſo eng, daß es nur eines ſtarken Taues und einer ſtarken Anſtrengung bedarf, um die Aufſteigung zu ſichern. Wenige Blöcke, Balken und Pfoſten, auf beſtimmten Punkten angebracht, wo ſie erforderlich wären, würden die Erſteigung der Schnellen raſch und leicht machen. Es ſind auf dieſen Punkt nicht mehr als vier oder fünf Schnellen, jede wenige Schritt lang. Zwiſchen dieſen Höllenſchlünden iſt Raum genug zum Segeln, wenn der Wind dazu hinreicht; wo nicht, ſo iſt das Ziehen durch Menſchen⸗ arme nicht anſtrengend.
Unſer Boot wurde zwei dieſer Schnellen hinaufgezogen, und dann erſchien der Hauptmann des Katarakts an dem Ufer, auf einem kleinen Pferde reitend und umgeben von einem Generalſtabe oder einem Miniſterrathe, ziemlich ebenſo maulwurfsäugig und grämlich ausſehend, wie er ſelbſt. Ich dachte anfangs, die Er⸗ ſcheinung wäre nur die einer Anzahl Mumien, die auf ſhren
denſelben,
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b Nr. 34.]
ich ein arme und mein ſch ducch jene Zeichnen zl „Henty, vergeſſen Si „Erneſtin „Bedenter Million Pfun nögen kaun ie ausfallen, wie will ich ſchon Goldſtücke lie „Und da „Mein( Wir kennen Sie gern ſe Crröthe geſagt hatte „Glaube Uebereilung daß Sie in n Vermögen ve geweſen, und gute Menſch „Crosb Faſſung zu „Aber er wollte m mal ſehen. Ihnen einen eſütren wird. MSüuhl angil daquemer pl niſſen jener; Niide li — kleinen gf reſendſe beſuchen. man muß erwarten. wateten de der am me een Howal und es zu ſchaft die begrüßen y Der das Ufer Schnellen libyſchen;


