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gahrg.
Strömun 2 der Zuſaunen Sie mir Zeit, Mylord; ich werde daran
Uovellen-
Der Schußtzgeiſt.
Novelle. 3(Fortſetzung.)
Kaum war ſie verſchwunden, als raſch eine Glasthür geöffnet ward, die das Gewölbe von einem kleinen Cabi⸗ nette ſchied. Ein junger Mann trat haſtig ein, näherte ſich dem Bilderhändler und ergriff ſeine Hand.
„Ich bin mit Ihnen zufrieden, Crosby!“ ſagte er be⸗ wegt.„Sie haben ſich als ein ſo ſtrenger Geſchäftsmann in dieſer Angelegenheit gezeigt, daß Erneſtine an dem hohen Werthe ihrer Bilder nicht zweifeln kann. Die nächſte Arbeit, die ſie liefert, bezahlen Sie mit zweitauſend Guineen.“
„Mylord, Sie gehen in Ihrer Großmuth zu weit! Erneſtine beſitzt jetzt ein Vermögen, mit dem ſie ſich be⸗ gnügen kann; es wird Ihnen nicht entgangen ſein, daß ſie an dem Werthe ihrer Bilder zweifelte— ir wagen, ihr noch größere Summen zu bieten, ohne das Glück zu zerſtören, das ſie in der durch Ihre Großmuth geſchaffenen Illuſion findet? Sie iſt ein junges Mädchen von kaum achtzehn Jahren, und jedes junge Mädchen beſitzt Eitelkeit; aber Erneſtine iſt ſo intelligent, daß ich fürchte, ſie wird Verdacht ſchöpfen, wenn wir auf dem betretenen Wege weiter gehen.“
„Gehen wir getroſt weiter,“ ſagte lächelnd der junge Mann.„Schöpft ſie Verdacht, ſo beſitze ich ein Mittel, dieſen Verdacht zu verſcheuchen. Erneſtine iſt ein ſo lie⸗ benswürdiges Geſchöpf, daß ich ſie bald der Laſt, für Geld Bilder zu machen, überhoben zu ſehen wünſche. Sie kennen mich, Crosby, und müſſen wiſſen, daß ich nicht planlos handele. Mein Intereeſſe für Ihren Schützling muß Ihnen ſeltſam erſcheinen—?“
„Vielleicht⸗ Mylord, finde ich es erklärlich, wenn ich Ihren Plan hennen lerne und Sie mir erlauben, bei der Ausführung’ deſſelben mitzuwirken.“ viß, mein lieber Freund; denn in dieſem Falle r, zum Ziele zu gelangen. Ich habe nun Er⸗ unen und— lieben gelernt; es iſt Zeit, daß ſie
neſtine
auch mich kennen lernt.“
„Den edeln Lord?“ fragte Crosby lächelnd.
„Nein! Ich überlaſſe Ihnen die Wahl des Standes, ich ſo lange angehöre, bis eine Entdeckung meiner ten Verhältniſſe räthlich und nothwendig erſcheint. Die wird mir dieſen kleinen Betrug verzeihen, wenn und erfährt, der mich dazu veranlaßt hat.“
Fluſſe. Pas im Intereſſe unſer Aller 1 5r thun iſt.“
Fenlda. cretion empfehle ich nicht.
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Drille Jolge.
Zeitung.
„Es wäre überflüſſig; aber meine Schweſter Sara, die unſern Schützling herzlich liebt, muß mit in das Ge⸗ heimniß gezogen werden. Es iſt dies eine Maßregel, die Vorſicht und Klugheit erfordenn.
Die Comptoir-Uhr des Bilderhändlers ſchlug zwölf. Lord Albert Derby verſicherte dem Maſter Crosby noch einmal die Aufrichtigkeit ſeiner Geſinnungen gegen Erne⸗ ſtine, dann verließ er den Laden.
Vierzehn Tage ſpäter fand zwiſchen Lord Seyton, dem geweſenen Vormunde Alberts, und dem Advocaten Morton folgendes Geſpräch ſtatt.
„Morton,“ rief der alte Lord dem Eintretenden ent⸗ gegen,„ich habe Sie rufen laſſen, um Ihnen eine Hiobs⸗ poſt mitzutheilen! 5
„Sie ſind beſtürzt, Mylord— was iſt geſchehen?“
„Albert Derby beſteht auf die Auszahlung ſeines ganzen Vermögens.“
„Und Miß Arabella?“
„Vermag nicht, es zu verhindern.“
Das iſt ſchlimm, Mylord! Eine Heirath der beiden jungen Leute wäre das einzige Mittel geweſen, das Ver⸗ mögen Derby's Ihrer Familie zu belaſſen.“
„Weiß der Advocat keinen Rath?“
Morton zuckte mit den Achſeln.
„Wir können noch von Glück ſagen, daß das Vermögen des Kaufmanns Robert in Ihre Kaſſe gefloſſen iſt, es würde Ihnen ſonſt unmöglich ſein, Alberts gerechter Forderung zu genügen.“
„Der Träumer tritt ſo energiſch gegen mich auf, daß ich vermuthen muß, er hat eine Ahnung von meinen Finanz⸗ verhältniſſen.“
„Mylord,“ ſagte ernſt der Advocat,„wir dürfen durch⸗ aus den Verdacht des jungen Mannes nicht erwecken— zahlen Sie ihm ſein Vermögen aus.“
„Aber dann bin ich arm, ſo arm, daß ich nicht zehn Pfund Revenüen mehr habe!“ rief der greiſe Seyton ver⸗ zweiflungsvoll.
„Unter zwei Uebeln wählt man das kleinſte. Es iſt beſſer, Sie ſind arm, als daß man Sie beſchuldigt, das Vermögen des Kaufmanns Robert durch falſche Papiere an ſich gebracht zu haben.“
„Mein Gott, die Sache iſt mit ſo großer Vorſicht ge⸗ ſchehen— Albert hat keine Ahnung davon— wie ſollte er erfahren—?“
„Die Sache iſt ſehr einfach: Albert fordert jetzt, da er großjährig geworden, das Vermögen zurück, das Sie als Vormund verwaltet haben. Er weiß, daß es aus fünfmalhunderttauſend Pfund Sterling beſteht— den Proceß mit dem Maler kennt er nicht, folglich iſtzihm auch


