4 Für die Mouche.
Es träumte mir von einer Sommernacht, Wo bleich, verwittert, in des Mondes Glanze Bauwerke lagen, Reſte alter Pracht,
Ruinen aus der Zeit der Renaiſſance.
Nur hie und da, mit doriſch⸗ernſtem Knauf, Hebt aus dem Schutt ſich einzeln eine Säule Und ſchaut ins hohe Firmament hinauf,
Als ob ſie ſpotte ſeiner Donnerkeile.
Gebrochen auf dem Boden liegen rings Portale, Giebeldächer mit Sculpturen,
Wo Menſch und Thier vermiſcht, Centaur und Sphinx, Satyr, Chimäre— Fabelzeitfiguren.
Es ſteht ein offner Marmorſarkopbag
Ganz unverſtümmelt unter den Ruinen,
Und gleichfalls unverſehrt im Sarge lag
Ein todter Mann mit leidend ſanften Mienen. Karyatiden mit gerecktem Hals,
Sie ſcheinen mühſam ihn emporzuhalten.
An beiden Seiten ſieht man ebenfalls
Viel basrelief gemeißelte Geſtalten.
Hier ſieht man des Olympos Herrlichkeit Mit ſeinen liederlichen Heidengöttern,
Adam und Eva ſtehn dabei, ſind beid Verſehn mit keuſchem Schurz von Feigenblättern.
Hier ſieht man Troja's Untergang und Brand, Paris und Helena, auch Hektor ſah man, Moſes und Aaron gleich daneben ſtand,
Auch Eſther, Judith, Holofern und Haman.
Desgleichen war zu ſehn der Gott Amur, Phöbus Apoll, Vulcanus und Frau Venus, Pluto, Proſerpina und Mercur,
Gott Bacchus und Priapus und Silenus. Daneben ſtand der Eſel Balaams
— Der Eſel war zum Sprechen gut getroffen—
Dort ſah man auch die Prüfung Abrahams
Und Loth, der mit den Töc chtern ſich beſoffen.
Hier war zu ſehn Diana's wilde Jagd⸗
Ibr folgen hochgeſchürzte Nymphen, Doggen, dier ſab man Hercules in Frauentracht,
Die Spindel drehend hält ſein Arm den Rocken.
Daneben iſt der Sinai zu ſehn, Am Berg ſteht Iſrael mit ſeinen Ochſen, Man ſchaut den Herrn als Kind im Tempel ſtehn Und disputiren mit den Orthodoxen.
Die Gegenſätze ſind hier grell gepaart, Des Griechen Luſtſinn und der Gottgedanke Judäa's! Und in Arabeskenart Um beide ſchlingt der Epheu ſeine Ranke.
Doch wunderbar! Derweilen ſolcherlei Bilderwerke träumend ich betrachtet habe, Wi plötzlich mir zu Sinn, ich ſelber ſei
Der todte Mann im ſchönen, Marmorgrabe.
Zu Häupten aber meiner Ruheſtätt'
Sran eine Blume, räthſelbhaft geſtaltet, e Blätter ſchwefelgelb und violett, Dos wilder Liebreiz in der Blume waltet. Das Volk nennt ſie die Blum' der Paſſion Und ſagt, ſie ſei dem Schäͤdelberg entſproſſen, Als man gekreuzigt hat den Gottesſohn, Und dort ſein welterlöſend Blut gefloſſen.
Müui zeugniß, heißt es, gebe dieſe Blum', Und alle Marterinſtrumente, welche Dem beer. dienten bei dem Märtyrthum, Sie trüge ſie abconterfeit im HKelche.
Ja, alle Requiſiten der Paſſion Sähe man hier, die ganze Folterke Laer,
Novellen⸗Zeitung.
Heinrich Heine. dn de von Alfred Meißner. Hamburg, Hoffmann und Campe. 1856.
Aum Beiſpiel: Geißel, Stricke, Dornenkron’, Das Kreuz, den Kelch, die Nägel und den Hammer. Solch eine Blum' an meinem Grabe ſtand
Und über meinen Leichnam niederbeugend,
Wie Frauentrauer, küßt ſie mir die Hand,
Küßt Stirne mir und Augen, troſtlos ſchweigend. Doch Zauberei des Traumes! Seltſamlich,
Die Blum' der Paſſion, die ſchwefelgelbe,
Verwandelt in ein Frauenbildniß ſich,
Und das iſt Sie— die Liebſte, ja, Dieſelbe! Du warſt die Blume, Du geliebtes Ki 3
An Deinen Küſſen mußt' ich Dich erken
So zärtlich keine Blumenlippen ſind,
So feurig keine Blumenthränen brennen! Geſchloöſſen war mein Aug“ doch angeblickt
Hat meine Seel beſtändig Dein Geſichte,
Du ſahſt mich an, beſeligt und verzückt
Und geiſterhaft beglänzt vom Mondenlichte!
Wir r ſprach en nicht, jedoch mein Herz vernahm,
Was Du verſchwiegen dachteſt im Gemüthe—
Das ausgeſprochne Wort iſt ohne Scham,
Das Schweigen iſt der Liebe keuſche Blüthe.
Lautloſes Zwiegeſpräch! man glaubt es kaum, Vie bei dem ſtummen, zärtlichen Geplauder
So ſchnell die Zeit verſtreicht im ſchönen Traum
Der Sommernacht, gewebt aus Luſt und Schauder. Was wir geſprochen, frag' ich niemals, ach!
Den Glühwurm frag', was er dem Graſe glimmert,
Die Welle frage, was ſie rauſcht im Bach,
Den Weſtwind frage, was er weht und wimmert. Frag’ was er ſtrahlet, den Karfunkelſtein,
Frag', was ſie duften, Nachtviol' und Roſen,
Doch frage nie, wovon im Mondenſchein
e Marterblume und ihr Todter koſen! Sch weiß es nicht, wie lange ich genyß⸗
In meiner ſchlummerkühlen Marmura
Den ſchönen Freudentraum. Ach⸗ 5
D d Wonne meiner ungeſtö er Rf
O Tod! mit deiner Grabesſtille, 8 — du kannſt uns die beſte W keſn gen Den Krampf der Leidenſchaft, Luſt ohne Ruh, Gibt uns für Glück das albern rohe Leben!
Doch wehe mir! es ſchwand die Seligkeit,
Als draußen plötzlich ſich ein Lärm erhoben; Es war ein ſcheltend, ſtampfend wüſter Streit, Ach, meine Blum' verſcheuchte dieſes Toben!
Ja, draußen ſich erhob mit wildem Grimm
Ein Zanken, ein Gekeife, ein Gekläffe, Ich glaubte zu erkennen manche Stimm— Es waren meines Grabmahls Baxreliefe.
Spukt in dem Stein der alte Glaubenswahn? Und disputiren dieſe Marmorſchemen? Der Schreckensruf des wilden Waldgotts Pan Wetteifert wild mit Moſis Anathemen!
O, dieſer Streit wird enden nimmermehr, Stets wird die Wahrheit hadern mit dem Schönen, Stets wird geſchieden ſein der Menſchheit Heer In Wdei Partei'n, Barbaren und Hellenen.
Das fluchte, ſchimpfte! gar kein Ende nahm’s Mit dieſer Controverſe, der langweil'gen, Da war zumal der Eſel Balaams,
Der überſchrie die Götter und die Heil'gen!
Mit dieſem J⸗a, J⸗a, dem Gewieh'r,
Dem ſchluchzend ekeihaften Mißlaut, brachte Mich zur Verzweiflung ſchier das dumme Thier, Ich ſelbſt zuletzt ſührieſa auf— und ich erwachte.
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ALBIWIWM.
Heinrich Heine.
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