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nämlich für langſam wirkendes Gift.
mals aufgefordert, zwiſchen drei göttlichen Schönheiten den Schiedsrichter zu ſpielen, nicht wie ſein Vorfahr ganz abgeſehen von den Ausgeburten des Modenjournals, ſon⸗ dern einfach der glänzendſten Toilette den ſtreitigen Apfel V überreichen. 5
Bald darauf nimmt der Damenkaffee eine neue Phy⸗ ſiognomie an; das obligate hitzige Getränk nebſt den dazu gehörigen Torten wird umhergereicht. Da die Kunſt, eine weiſe gemiſchte Bowle zu verfaſſen, ſelbſt unter Männern ſo weit verloren gegangen iſt, daß nur noch wenige Ein⸗ geweihte ihre myſtiſchen Regeln kennen und ausüben: darf man von den Damencardinälen keine zu großen Erwar⸗ tungen hegen. Es wird aber wohl keinen Mann geben, ſein Gaumen ſei denn vollſtändig verwahrloſt, der nicht bei ſeiner Heimkehr das hinter ſeinem Rücken fabricirte Gebräu für denſelben Stoff erklärte, der in Houwald's bekanntem Trauerſpiel: die Heimkehr, eine ſo große Rolle ſpielte, Einer der ange⸗ wandten Stoffe, natürlich den Wein ſelber ſtets ausge⸗ nommen, muß in der Miſchung immer die Oberhaud be⸗ halten. Gewöhnlich herrſcht der Zucker vor, ſehr oft aber auch die Ananas oder die Bitterkeit der Pomeranze, daß man allenfalls an ein Ananascompot oder an magen⸗ ſtärkende eingemachte Pomeranzenſchalen glauben kann. Hinter dieſe drei Stoffe verſtecken ſich gern die angewandten Weine, wie das nur mit Kattun und Calicot bekleidete letzte Glied des Corps de Ballet hinter die in Seide gleißenden vorderen Reihen. Sie ſind ſtets die jüngſten, kleinſten und noch nicht abgelagerten.
Nach dem Genuß der verderblichen Feuchtigkeit bricht die Anarchie herein. Die Taſſenrunde der Königin Ginevra vor dem Sopha wird geſtört, der Rath der Alten wirft ſich an den Boſtontiſch und das Fortepiano wird aufgeklappt und darauf geklimpert, um die Wilhelmine Claus oder die Jenny Lind des Damenkaffee's zur Kundgebung aufzu⸗ ſtacheln. So kratzt der kunſtſinnige Schneider im Mai
Noveſſen⸗Zeitung.
das Weib ſeines Herzen ſeiner, um bei den Rüſtungen in der Garderobe den
[II. Jahrg.
mit ſeiner Scheere auf dem Bügeleiſen, wenn er die tückiſch ſchweigende Nachtigall vor dem Fenſter zum Geſang an⸗ reizen will. Der Erfolg läßt nicht lange auf ſich warten. Zwar iſt kein Herr zugegen, auf deſſen Herz zu zielen wäre, allein Mütter, die ſeit zehn Jahren theure Geſangs⸗ und Clavierſtunden bezahlen, laſſen mit demſelben Fana⸗ tismus, ſelbſt im engeren Damenkreiſe, ihre Töchter ſingen und ſpielen, als die Sportmänner nur unter ſich mit ihren Rennern wetteifern. Nachdem einige Noctürne's, Phan⸗ taſieen und Salonwalzer weidlich ausgeklopft und„Gnade Robert— Gna....4. la... de für mi... i... ch!“ ausgehaucht worden ſind, fällt man über die armen Lehrer her. Piquirte Pro's und Contra's erheben ſich auf beiden Seiten. Die Sternianerinnen widerſprechen den Jähn⸗ ſeniſtinnen, die Teſchnerianerinnen blicken herab auf eine arme Julius Schneiderin, und eine angebliche„Manuel Garcia“(ſie hat ſich nur ein halbes Jahr lang in Cöln bei einer Tante aufgehalten) hüllt ſich mit ſpöttiſchen Blicken in ein vornehmes diplomatiſches Stillſchweigen. Vom Geſange gelangt man auf die Sängerinnen, was natürlich ſo viel heißt, als auf Johanna Wagner. Jede Virago iſt der Stolz ſämmtlicher Damen. Sie bewundern die männ⸗
lichen Eigenſchaften der Kraft und Größe merkwürdiger
Weiſe auch an dem eigenen Geſchlechte und vermögen ſogar ſich leidenſchaftlich darein zu verlieben. Johanna Wagner erregt den meiſten Enthuſiasmus unter den Damen, während wohl nie ein Mann für Mantius ſelbſt in ſeinen guten Jahren geſchwärmt hat.
Raſch iſt die Zeit herangerückt, daß die Damen ſich entfernen. Schon ſind einzelne Hausknechte und Mägde angelangt, um mit Ueberbleibſeln in den Gläſern in der Küche beſänftigt zu werden. Auch ein Hausherr, der eigentliche Hausknecht ſeines Chez soi, findet ſich ein, um s heimzuführen. Man bedient ſich
Damen die Mäntel überzuhängen, wobei er eine auffallende
uns offen ſteht, unſere Erde entweder für einen beigeordneten Theil oder für den Mittelpunkt der ganzen Welt zu halten, ſo werden wir uns nach den unumſtößlichen Meſſungen, welche die Wiſſenſchaft über die anderen Himmelskörper gemacht hat, zu der erſteren Alternative entſcheiden müſſen, die wenigſtens den Schluß durch Induction für ſich hat. †
Literatur.
Memoiren einer Stecknadel.
Scribe's Glas Waſſer war nicht die einzige„kleine Urſache“ zu„großen Wirkungen.“ In der preußiſchen Provinz Sachſen gibt es ein großes, reiches, vielgenanntes Haus, das eine ganze kleine Stadt von Fabrikanlagen, weitausgedehnte Rittergüter und für den Fremden unberechenbare Capitalien beſitzt, und dieſer ganze ungeheure Complex von Beſitz, Thätigkeit und Intelligenz verdankt ſeine Begründung, ſo erzählt man, nichts Anderem als — einer Stecknadel!
Herr N., der Stammvater der Firma, iſt ein kleiner, armer Commis bei irgend Jemand; es bietet ſich ihm Gelegenheit, eine glückliche Speculation zu machen, wenn er eine in Bremen liegende Tabakladung für 15,000 Thaler augenblicklich kaufen kann. Er ſelbſt hat keinen Heller Capital, aber er glaubt, das Vertrauen ſeines Herrn zu beſitzen; er wendet ſich an dieſen mit der Bitte, ihm die zu ſeinem Geſchäfte nöthigen 15,000 zu leihen. Der Herr irgend Jemand aber hat das im Grunde nicht zu mißbilligende Princip, ohne Sicherheit und ohne Vortheil nie zu borgen,—
15,000 Thaler ohne Gefahr leihen kann,
in einer Buſennadel mit Brillanten.
er ſchlägt die Bitte ab. Herr N. geht tief betrübt aus dem Bureauf des principiellen Principals, als er vor der Schwelle eine Steck⸗ nadel liegen ſieht und durch ſein angebornes Sparſamkeitsgefühl, nichts verloren gehen zu laſſen, ſich unwillkührlich veranlaßt findet, ſich zu bücken und ſie aufzuheben. Der Herr Principal, der durch das Fenſter dieſen Zug pedantiſcher Genauigkeit beobachtet, wird gerührt, ſieht ein, daß Herr N. die Vorſicht beſitzt, der man und gibt ihm ſo die Summe, durch deren glückliche Verwendung das große, reiche Haus N. zu H. bei M. entſtanden iſt. Die verhängnißvolle
Stecknadel trägt der jedesmalige Senior der Familie noch heute
Ein franzöſiſches Buch, in Paris jüngſt mit vieler Theilnahme
aufgenommen, iſt es, was uns hier auf dieſe kleine lehrreiche Geſchichte bringt. Herr J. T. de Saint⸗Germain hat eise Legende unter dem Titel Pour une épingle(Paris, J. Tardieu 1856) geſchrieben, dem eine ähnliche Begebenheit zu Grunde liegt. ie Srecknadel, welche ebenfalls das Glück eines Menſchen begröalone und dann durch die mannigfachſten Wechſelfälle des Lebens be Stung hat, erzählt hier ſelbſt aus eigenem Munde, ſo zu ſagen V und ihres Schützlinges Schickſale in einer leichten, anm be
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und zugleich echt moraliſchen Haltung, die dem Buche alléd in uns Freunde verſchaffen dürfte. Iſt die Stecknadel v Mqeſetz unbelebten Weſen nicht vielleicht dasjenige, daß den mei eenen kommniſſen des menſchlichen Lebens beiwohnt? Was ke Del Be⸗ iviliſirten Welt noch paſſiren, ohne daß— nicht wenig die aung Stecknadel dabei wäre? Wie ſtoffreich können ſie alſo undären, meémoires d'une épingle! berellach⸗ 1— Reſüber⸗
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