I.
Abend und Morgen.
Roſenknosp' und Myrthenblüthe Welkten, ſanken trübe hin.
Leis durch Mütterleins Gemüthe Stille Winterträume zieh'n. Silbern ward die braune Locke Und das dunkle Auge ſchwach! Horch! des Lebens Sabbathglocke: Morgen iſt es Ruhetag!
An die Alte ſchmiegt ſich innig Sanft ihr jüngſtes Töchterlein,
Blickt empor, blickt ſtill und ſinnig
In das Mutteraug' hinein. Roſenknosp' und Myrthenblüthe Sie erſchließen ſich gemach: Leiſe dämmert im Gemüthe Erſter Liebe Frühlingstag.
Und die Alte beugt ſich nieder, Küßt des ſchönen Kindes Aug', Fühlet ſich umfächelt wieder Wie vom erſten Frühlingshauch, Fühlt die Wonne dieſes Lebens, Sieht ſich wieder auferſtehn,
Spricht:„Ich lebte nicht vergebens,
Ich kann ruhig ſterben gehn!“
Menſchen.
Wilde, wilde Meereswogen, Von dem Monde angezogen, Von dem Sturme fortgetrieben, Von der Erde eingeſogen!
Aöſchied.
Einen ſehnſuchtvollen Blick Warf ein Jeder noch zurück;—
Ach, im Scheiden grüßt der Schmerz
Oft noch holder wie das Glück.
And dünkt die Welt dir ſchal und
Und dünkt die Welt dir ſchal und kahl Biſt mit dir ſelbſt du unzufrieden;— Wohin du ſchaueſt, Noth und Qual, Du weißt nicht, was du ſollſt hienied
So ſuch' dir eine treue Bruſt!
In dieſer Zeit wild wirrem Wogen Hat ſich die Wonne und die Luſt Ins ſtille Herz zurückgezogen.
Und hat die Zeit dir viel geraubt, Es iſt dir Alles treu geblieben—
Wenn nur dein Herz auf's Neue glaubt,
Wenn du auf's Neue lernſt zu lieben.
1
A.
Carl Siebel.
Wenn er?
kahl.
.
So wirſt Ein ewi
—
Gedichte von Carl Siebel. Leipzig, Verlag von Otto Wigand.
Begrabe deine Tief in dein Her⸗ onein, en: So werden ſie dein Lehen Lebendige Todte ſein,
Spruch.
Sei deines Strebens dir bewußt, Und du trägſt Gott in deiner Bruſt.
Die Liebe weih' dein Herze ein,
So wird's ein ſchöner Tempel ſein. Daß Gott dich nimmermehr verläßt,— Das ſei dein Glaube felſenfeſt.
Auch unter Angſt und Schmerz und No Strahl' dir der Hoffnung Morgenroth. Und ſollt' ein Ziel erreichet ſein,
Laß neue Wünſche bei dir ein.
Streb' zur Vollendung früh und ſpät, Bis daß dein Tag zur Neige geht.
Sei deines Strebens dir bewußt, Und du trägſt Gott in deiner Bruſt.
gebet.
Einzig Großer, vor dir ſteh' ich,
Vor dem, der die Welten ſchafft; Allerzeuger, zu dir fleh' ich,
3 Nicht um Vergebung, nicht um Friede Nicht um Bewahrung vor Leidenſchaft, Nicht um ſtilles Glück hienieden— Unerſchaffner, ich fleh; um Kraft!
Seſöſtliebe.
Lieb' deinen Nächſten, ſo wie dich,
Und liebe dich mehr wie dein Leben;— Lieb' du dein gutes, beſſ'res Ich,
Das Edle, das in dich gegeben.—
Daß du dich liebſt mit Rech Es ſei dein ſtetes, höchſtes Das iſt des Men
d Leben.
1
So werden ſie im Herzen Stets wieder auferſteh'n Und als ein guter Engel“
Mit dir durch's Leben geh'n.—
Begrab' dein eigen Leben In And'rer Herz hinein: und wärſt du ein Todter, bender ſein.
1856.
ſchen größter Fluch, v ſelber muß verachten.
—
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