Heft 
(1820) 2
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einem Trunk Milch der Mund waͤſſerte. Er verließ daher den Platz, wo Allori eben die Mappe, welche er bei ſich hatte, aufthat, den Umriß der beabſichtigten Landſchaft aufs Papier zu werfen. Es war aber das⸗ mal, als ob ihm die Luſt dazu unter den Haͤnden ver⸗ ſchwinden wolle. Die Natur ſchien Rache zu nehmen, daß ſein Pinſel dieſen Morgen erſt verſchmaͤht hatte, einer ihrer Erſcheinungen nachzugehen. Sie ſtellte ſich jetzt ganz rieſenmaͤßig vor ihn hin. Er verzweifelte, das zu Hauſe durch den Pinſel herausbringen zu koͤnnen, was er hier mit dem Bleiſtift andeutete. Verſunken in dem Zauber des lebendig vor ihm ſich ansbreitenden Bildes, rief er: Nein Criſtoforo! Wie moͤchteſt du dieſe Dinge wiedergeben, wie nur das Spiel darſtellen, welches die Sonnenſtrahlen ſo ſchalkhaft nach Grazien Weiſe mit den Blättern treiben. Criſtoforo, lege dich ſchlafen, ſo thuſt du beſſer, als wenn du dieſes Papier mit Schuͤlerhand verunreinigeſt!

Hier hielt er ſinnend inne und ſagte dann: Und doch ſollte ich mein Streben fortſetzen, wie ich zu Hauſe das Bild heute fruͤh haͤtte fortſetzen ſollen. Das iſt aber eben das heilloſe fuͤr den Kuͤnſtler, daß ſein Gemuͤth immer und ewig zwiſchen den beiden Gedanken