Heft 
(1820) 1
Seite
32
Einzelbild herunterladen

ihn fuͤr Prophetengeiſt anzuſtaunen! Laß uns der Vernunft beſſer Gehoͤr geben. Ueberhaupt, mein Kind, nehme ich von dem jetzigen umſtande Gelegen⸗ heit, dir ein Wort im Vertrauen uͤber deine, ſonſt treffliche, Mutter zu ſagen, welches ſie durchaus nicht im mindeſten herabſetzen, ſondern nur dich vor dem nachtheiligen Einfluſſe mancher ihrer, an ſich unſchul⸗ digen und gutmuthigen, aber auf Einſeitigkeit der Anſichten nur beruhenden Zufluͤſterungen, wo möglich, bewahren ſoll. Fuͤr alles Menſchenthun hat deine gute Mutter nur ein und daſſelbe Maaß. Gern zwaͤnge ſie die Pflichten, welche den von ſich unabhaͤngigen, fuͤr ein einfaches Leben beſtimmten Menſchen vielleicht zieren, auch dem, oder derjenigen auf, welche beſtimmt ſind, den glaͤnzenden Kreis des Hofes fuͤr den ihrigen zu betrachten. Zudem iſt ſie durch mancherlei Umſtände zu einem unſeligen Argwohn gegen alle am Hofe Le⸗ bende, vom Groͤßten bis zum Kleinſten, gelangt, welcher ſie aus dem gleichgultigſten Thun derſelben tief

angelegte, uͤbelwollende Plane herausfinden laͤßt und visweilen verleitet, grade den großmuͤthigſten, von ihr ſelbſt fur vortrefflich geachteten Menſchen, das Schlimmſte zur Laſt zu legen. Da ihr Fieber dir ſchon ſo viel

.