Jahrgang 
1865
Seite
734
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Catinat verließ uns, die Galathea breitete ihre mächtigen Schwingen aus, und wir flogen nach Norden; bald trieb uns ein Märzſturm mit argem Schneegeſtöber, faſt wie das heutige, längs der Biscayiſchen See zur Troiſe und nach Breſt hinein.

Und doch ſollte ich noch einmal braſilianiſche Tropennächte erleben! Dreißig Monate nach meiner Abreiſe von Rio auf der fran⸗ zöſiſchen Galathea lief ich auf der öſtereichiſchen Fregatte Novara wieder unter den Kanonen von Santa Cruz hindurch ein in die Bucht von Rio de Janeiro. Da ſuchte ich denn, grade wie vor 20 Jahren, zuerſt und am freudigſten die liebliche Bucht von Botafogo auf. Aber wie ganz anders berührte ich ſie, wie ganz anders berührte ſie mich! Damals war ich jung, friſch, fröhlich, ich ſchloß den glühenden Tropentag ſelbſt glühend in die Arme, und die wunderbare Tropen⸗ nacht ſtimmte mich zu voller, poetiſcher Begeiſterung! Und jetzt? Zwanzig Jahre älter, zwanzig ernſte, inhaltsſchwere Jahre, das iſt eine lange, lange Zeit, eine Zeit, in der ſich das Kaleidoscop unſeres Lebens tauſendmal bewegen und ſeine bunten Figuren anders, ganz anders gruppiren kann, ſo daß wir alte liebe Geſtalten umſonſt ſuchen, die neuen uns nicht aneignen mögen, und uns zuletzt ſelbſt gar nicht mehr erkennen. In Botafogo, wo ich vor zwanzig Jah⸗ ren nach und nach faſt alle Bewohner kennen gelernt hatte, fand ich keinen einzigen Bekannten mehr; die Welt der Fremden hatte ſich, wie es denn ja überhaupt in Rio ein ewiges Kommen und Gehen der Fremden iſt, ſehr von dort zurückgezogen, die braſilianiſche Welt war eine andere geworden. Nur die mächtigen Granitrieſen ſtanden noch immer treu, feſt und unerſchütterlich da, nur die alten bekannten Geſtirne des Scorpions, des Kreuzes, des Centauren und das gol⸗ dene Schiff Argo ſchwammen noch allabendlich dahin am nächtlichen Himmel, nur die Botafogoquellen rauſchten und plätſcherten immer noch die alten Nereidenlieder, und die Orangenbäume dufteten immer noch, grade als ob ſie in den zwanzig Jahren nie ihre Blüthen gewech⸗ ſelt hätten. Mit tiefer Wehmuth gedachte ich da aller Dahingegan⸗ genen, ſo mancher lieben Menſchenerſcheinungen, mehr als einer wackern Familie, die einſt auch mich ſo gaſtlich aufgenommen und

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auch mir ein heimiſches Aſil gewährt hatte. Am meiſten aber gedachte ich des beſten Freundes aus jenen Zeiten, meines Louis Neumann aus Breslau, grade mit ihm hatte ich Botafogo zuerſt beſucht, mit ihm am meiſten beſucht, mit ihm war ich am öfterſten durch die Mondnacht längs der murmelnden Flut von Botafogo heimwärts geritten. Und nun war grade er ſchon längſt in jenem Daheim, aus dem ſich niemand mehr hinauszubegeben braucht auf des Lebens bewegte Welle; längſt, längſt lag er begraben im Meeresgrunde. Heimwärtskehrend nach einer ſechsjährigen Amtsführung, er war unſer evangeliſcher Pfarrer in Rio, verſchwand er in einem Decem⸗ berſturm mit der Hamburger Barke Julie, demſelben Schiff, was mich nach Rio getragen hatte, mitten in der Elbmündung, als das Schiff ſchon als angekommen in Hamburg ſignaliſirt worden war. Kein Menſch hat die furchtbare Kataſtrophe, das Werk einer Secunde, mit angeſehen, kein Menſch vom Schiff iſt ihr entronnen, um von ihr berichten zu können. Nur die Leiche des Lootſen iſt ſpäter ge⸗ funden und an einem Fingerring erkannt worden. Neumann! der Name hat einen düſtern Ton für mich! Denn Neumann hieß ja auch jener andere Capitän des preußiſchen Schiffes Dinter, welcher im Jahre 1851 in Rio vor Anker lag mit elf Matroſen, die ſämmt⸗ lich vom gelben Fieber befallen wurden. Vier von ihnen ſtarben im Hafen; die andren, dem Tode eben entronnen, verſchwanden auf der Heimreiſe mit dem Capitän und dem Schiff, ich habe nie wieder etwas von ihnen erfahren.

So jagt der Menſch auf des Lebens ſtürmenden Wellen umher im Norden, im Süden im kalten Schneegeſtöber und weißen Regen der herabgaukelnden Orangenhlüten in den Tropen: er jagt und jagt, und gewinnt doch nur zuletzt eine kleine Grabſtätte auf dem Kirchhof, und am Ende nicht einmal dieſe! Doch iſt auch der Helden⸗ tod auf dem Ocean und das große Seemannsgrab im Meer ein ſchöner Tod, und ich ſelbſt möchte trotz der Nähe des Todes auf dem Ocean, trotz des Blickes ins offene Seemannsgrab im Meer, doch kein gemächlicheres Leben geführt haben, als mir Gott zu Theil werden ließ.

Die Hausandacht von A. Kindler.

Wieder einmal ein echtes Daheimbild, werden unſre Leſer ſagen, wenn ſie dieſe Nummer in die Hand nehmen. Ja wohl, es wird noch manch ſinniges Bild von deutſchen Malern gemalt und das vorliegende iſt unſers Erachtens nach nicht das ſchlechteſte des Malers, der ſchon mehrere Proben ſeiner Leiſtungen in unſerm Blatt nieder⸗ gelegt hat.

Wenn man in Düſſeldorf ſich in jene ſchmalen, von hohen Hecken und blühenden Gärten eingefriedigten Gänge vertieft, wo die Specula⸗ tion den Herren Malern allerliebſte, im Grünen verſteckte Häuschen hingebaut hat, welche nichts weiter als zwei oder drei helle, lichte Ateliers enthalten, ſo mag es vielleicht der Zufall fügen, daß Du Dich in eine Sackgaſſe verirrſt, welche von einem dieſer Häuschen abgeſchloſſen wird und daß dann beim Umkehren Dein Auge auf den Namen A. Kindler fällt. Sollte Dir dies je paſſiren, verehrter Leſer, ſo tritt auf unſre Verantwortung getroſt ein, Du wirſt einen der beſten Düſſeldorfer Maler und nebenbei einen ſehr liebenswürdigen Mann kennen lernen. Wenn er ein gutes Bild auf der Staffelei hat, ſo wird er es Dir mit Vergnügen zeigen; von ſich ſelbſt ſpricht er weni⸗ ger, deshalb wollen wir mit ein Paar Worten ſeinen Lebensgang andeuten, denn was iſt natürlicher, als daß ſich der Leſer für den Zeichner eines Bildes intereſſirt, das ihm Freude macht. Kindler iſt halb ein Sohn des Bodenſees, halb des Schwarzwaldes, ſeine Wiege ſtand, wir wiſſen nicht, obam Webſtuhl ſeines Vaters, ſo doch zu Allensbach im Amte Conſtanz. In einem abgeſchiedenen Walddorfe des Schwarzwaldes zu Herriſchried, das er zum Dank für ſeine fröhliche Kinderzeit auf einem ſeiner BilderDer Jagdfrevler verewigt hat, verlebte er bei ſeinem Onkel, Pfarrer Kindler, den größten Theil ſeiner Jugendzeit. Kindler ſchildert ſeinen Onkel mit der ganzen Verehrung eines dankbaren Sohnes und Schüler als einen ausgezeichneten Mann, der mit großer Sorge und Treue über ſeinem

dieſer Mann für ſeine Pflicht, gerade die Neigung zu unterdrücken, die bei dem Knaben am ſtärkſten hervortrat, die Neigung zu zeichnen. Kindler mußte ſeinem Onkel zu Liebe eine ſehr unfreiwillige und unerfreuliche Lehrzeit zu Conſtanz aushalten, während der er jedoch in der dortigen Zeichenſchule Gelegenheit fand, ſich in ſeinen Frei⸗ ſtunden ſoviel Elementarkenntniſſe anzueignen, daß er im Jahre 1852 leidlich vorbereitet die Akademie in München beziehen konnte. In den Ferien zog es ihn immer wieder zum Onkel in die Waldeinſam⸗ keit von Herrieſchried und das war die Veranlaſſung, daß er drei Jahre ſpäter nach Düſſeldorf überſiedelte. Die Düſſeldorfer Genre⸗ maler hatten nämlich dies Fleckchen Erde mit ſeinen maleriſchen Coſtü⸗ men und glücklichen Motiven bereits entdeckt und entführten außer ganzen Wagenladungen von Coſtümen, wie ganzen Büchern voll Skizzen auch unſern Kindler mit ſich in die rheiniſche Malerſtadt. Er war hier zuerſt kurze Zeit Schüler von Profeſſor Sohn, dann von Pro⸗ feſſor Jordan. Eines ſeiner erſten Bilder,Das glückliche Mäd⸗ chen, machte Aufſehen auf der Ausſtellung zu Gent. Die erſte Lanze war gebrochen, er hatte einen Namen und es kamen Beſtel⸗ lungen. Aus dieſer Zeit datiren ſeine Bilder:Heimkehr von der Trauung,Brautexamen,Der treue Wächter. Eine neue Epoche fing für ihn an nach ſeinem Bilde,Die neue Verordnung, die ein Amtmann in eine heſſiſche Gerichtsſtube der ländlichen Ortsbehörde vorlieſt, von da an zählte er zu den beſten Genremaler Düſſel⸗ dorfs. Es folgte die unſern Leſern aus einer leider in viel zu kleinem Maßſtabe angelegten Reproduction in Nr. 3 bekannteSennhütte, der oben berührteJagdfrevler und dieHausandacht. Ueber dieſe etwas zu ſagen wäre unnütz. Die Handlung ſpricht für ſich, nur das wollen wir noch hervorheben, daß ſich in dieſem Holzſchnitt, deſſen markige Kraft und ausgeführte Feinheit faſt einer Rembrandtſchen Radirung gleichkommt, auch H. Klitzſch, einer der erſten Holzſchneider

Schutzbefohlenen gewacht habe. Aber wie ſo oft, ſo hielt es auch Deutſchlands, ein ehrenvolles Denkmal geſetzt hat.

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Während Karl nehnern mehr Troſt dnen Kerkergenoſſe git, auf das Papi nungsbrief nach 3 ſſn war, ſo t leine gedrängte dn Gefährte Beſſe zälen:

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