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Ein Anonymus muthet uns die Aufnahme folgender Notiz zu:
„Der Freundin Lina in M. Rede doch Deinem Gevattersmann zu, daß er ſich auch das„Daheim“ hält. Zähle ihm nur alle Schönheiten des genannten Blattes auf und zeige ihm nur die Nr. des„Daheim“, in dem auch ein Artikel über das Fabrikat ſteht, das er ſo gern in ſeiner neuen Fabrik macht. Er kennt noch gar nicht die Schönheiten des Da⸗ heim, ſage es ihm nur deutlich, ſo wird er ſich's gewiß halten. A. S.“
Ein Freund ereifert ſich in bogenlangen Expectorationen, die er uns auf⸗ zunehmen bittet, gegen einige unſerer mediciniſchen Aufſätze, meint dann ſchließlich:„Sie werden es wahrſcheinlich nicht thun, aus Rückſicht auf Ihre mediciniſchen Mitarbeiter und auf Ihre Bier, Wein, Schnaps, Kaffee ꝛc. trinkenden und den unſinnigen Götzen der Medicin verehrenden Lefer.“
Es fehlt aber auch nicht an wohlwollend tadelnden und frenndlich lobenden Briefen, an Briefen, die dem Red. Freude machen und für die er ſtets dank⸗ bar iſt, auch wenn er mit manchem Worte des Tadels nicht übereinſtimmen kann.
Die meiſten Briefe aber enthalten— wer ſollte es für möglich hal⸗ ten in unſerem ſo proſaiſchen Zeitalter?— Gedichte. Seit 9 Monaten habe ich deren 5— 600 erhalten; darunter eine Idylle aus 41 ſechszeiligen Strophen, ein großes Epos in Hexametern, mehrere Dramen in Verſen und Proſa, darunter ein recht werthvolles, das aber doch der Raum und Plan unſeres Blattes nicht zur Aufnahme geeignet erſcheinen ließ.
Unter den lyriſchen Ergüſſen ſcheint unſer Name am meiſten Herzen und Federn in Bewegung geſetzt zu haben; mindeſtens zwei Dutzend Gedichte mit dem Titel„Daheim“ ſind uns zugegangen. In einem, betitelt,„Der Daheim“ heißt es:
Neid und Habſucht liegen fern, Wem Daheim recht glüht im Herzen Reinen Honigſeim Was mir lieb iſt, lieb' ich gern, Bringt uns der„Daheim“. Auch angeſungen werden wir von Freunden. So rief uns„ein glück⸗ licher Familienvater nach Durchſicht des herrlichen Probeblattes“ zu: „Daheim, Du herrlich Blatt, wirſt gehn zu fernen Tagen! Solch ein prophetiſch Wort kann man getroſt Dir ſagen, Wirſt fliegen aus und ein, gleich Noas ſanfter Taube, Vereinet Hand in Hand mit unſrer?(unleſerlich) Doch fahr auch künftig fort in echt preiswürd'’ger Weiſe, Geh nicht, wie manches Blatt, ſchon früh aus gutem Gleiſe!“
Gar häufig kommen dieſe Gaben der Muſen unfrankirt, ſogar von Rußlands fernen Grenzen. Natürlich kann, wer den Pegaſus beſteigt, ſich nicht um ſo ſchnöde Alltäglichkeiten bekümmern. Wir kommen dadurch freilich neuerdings um ſo manchen Genuß— denn undankbar genug für ſoviel Güte, ſenden wir uneröffnet dergleichen Sendungen, deren Inhalt ſich meiſt ſchon an einer gewiſſen Leichtigkeit, Luftigkeit und Wäſſerigkeit des Briefes erkennen läßt, zurück.
Einige dieſer„geflügeltſten Worte“ ſind durch lange Geleitsworte be⸗ fürwortet.„Wenn Sie dieſen Brief öffnen“— ſchreibt ein ſolcher Günſt⸗ ling der Muſen—„und darin zwei volle, große Bogen mit Verſen überdeckt fin⸗ den, dann möchten Sie wohl verſucht ſein, ſelbige ohne weiteres den Weg alles nöthig und unnöthig verſchriebenen Papiers wandern zu laſſen— den Weg zum Papierkorb!— Schreckliches Loos meiner 25 unſchuldigen Kinder!“ Welch eine Selbſterkenntniß! welch ein Ahnungsvermogen! Zum Schluß kommt des Pudels Kern! Er ſchreibt„nicht aus Eitelkeit“— nur„das böſe Geld zwingt ihn dazu, der Redacteur möchte ihm mit dem Honorar doch ein Weihnachtsvergnügen machen.“
Ein anderer Dichter bietet in einem doppelten, unfrankirten Briefe„einige Kieſel vom Parnaſſe“ an und hat noch mehrere„zu der Mo⸗ ſaikarbeit des Daheim“ zur Verfügung zu ſtellen. Schüler ſenden ihre poetiſchen Erſtlinge zur Beurtheilung ein. Ein„junger Anfänger in der Schriftſtellerei“, der ſeinen Eltern gern die ihnen auferlegten Laſten erleich⸗ tern möchte, ſendet eine poetiſche Abhandlung und bittet,„ihm Unter⸗ ſtützung angedeihen zu laſſen.“ Andere dagegen bieten maſſenhafte Verſe an„ohne Honorar“. Auch an gereimten Geleitsbriefen fehlt es nicht, ſo läuft eine Sendung ein, in folgender Weiſe recht nett befürwortet:
„Ein kleines Lied wag' ich zu ſenden, Und wenn das Lied, gut aufgenommen,
Dem lang Erwarteten geweiht, Ein Plätzchen findet im Daheim—
Der jetzt mit übervollen Händen Darf ich wohl öfter wiederkommen
Uns ſeine beſten Gaben ſtreut. Mit einem wohlgemeinten Reim.“
Einige ſenden Gedichte, um uns mit„Lückenbüßern“ zu verſorgen; an⸗ dere als Beiträge für das deutſche Rettungsweſen zur See. Aus St. Pe⸗ tersburg ſchidt A. K.:„eine Probe meiner Schreibwuth, oder vielmehr meines inneren Dranges, meinen Gefühlen Luft zu machen, da ſie, trotz der vernünftigen Zuſprache des Verſtandes, ſich immer in einer etwas re⸗ belliſchen Aufregung befinden;“ und ſchließt mit den ſchwungvollen Wor⸗ ten:„Da haben Sie nun beides, meinen Kopf und mein Herz; wollen Sie ſie nicht, ſo bitte ich, ſie zu verbrennen.“ Wahrlich eine heiße Sprache für einen Bewohner Rußlands!
Von anderer Seite werden wir durch folgende Mittheilung in Angſt verſetzt:„Ich habe von dieſer Qualität(ein Dutzend Gedichte liegt als Muſter bei) eine ſolche Menge in Vorrath, daß ſie auf einige Jahre ausreichen.“ Schrecklich! wo iſt Rettung vor ſolcher Sündflut!
Viele Gedichtſtöße kommen einfach mit folgender lakoniſchen und naiven Weiſung:„Verehrl. Red. des Daheim
Ueberſende ich einl. Poeſ. mit dem ergeb. Erſuchen um gefl. Aufnahme.“
So ſtrömt es täglich ein: Epigramme ohne Pointen, lyriſche Gedichte ohne Melodie, Satyren ohne Kraft und Humor, Verſe, die weder gereimt noch metriſch ſind, ja ſogar Balladen, wie z. B. die folgende, die wir eine „moraliſche Ballade“ nennen möchten:
Gibt's ein Leben ohne Schmerzen?
Und an dem wüſten Fühlen,
Nicht das was ihm gefällt. Einkehr in ſeinen Buſen
War ihm ſein ſchönſter Gang. Da wohnten ſeine Muſen,
Das pflegt er jahrelang. ꝛc.
Rothhardt der Söhne einer Aus altem deutſchen Stamm, War aus dem Land der Krainer Ein blühend junger Mann. Er hatte an den Spielen Der jungen Männerwelt
Demnächſt kommen die Packete mit größeren Manuſcripten, deren Zahl auch nicht klein iſt. Seit October v. J. beträgt dieſelbe(Gedichte und Kleinigkeiten nicht mitgerechnet) etwa 900, darunter 290— 300 Erzäh⸗ lungen, Märchen und Novellen. Jeder und jede, die ein Manuſeript ein⸗ ſendet, thut es natürlich in der Vorausſetzung, daß wir nie etwas Aehnliches empfangen haben, was bisweilen in ſehr naiver Weiſe zum Aus⸗ druck kommt. Dennoch haben verhältnißmäßig nur ſo wenige Einſendun⸗ gen Ausſicht, angenommen zu werden; unſer Blatt enthält ja nur 94 Bo⸗ gen im Jahre und davon wird noch ein Achtel mindeſtens von den Bil⸗ dern beanſprucht. Am wenigſten Ausſicht haben ſchlechtgeſchriebene Auf⸗ ſätze, dieſe Plage des Redacteurs und der Setzer. Am willkommenſten ſind die groß und deutlich nur auf einer Seite des Papiers geſchriebenen Artikel; die andern werden bei Seite gelegt und werden vielleicht nie aner⸗ kannt, wenn ſie nicht gerade von ſehr beachtenswerthen Perſonen herrühren.
Auch unter dieſen Sendungen iſt gar vieles Gute. Mit Bedauern muß ſo manches ſchöne Gedicht zurückgelegt werden, weil wir gar wenig Raum für Poeſien haben— das eine oder andere aber kommt doch noch gele⸗ gentlich zur Aufnahme. Neben den Beiträgen unſerer feſten Mitarbeiter kommt auch oft ganz unerwartet dieſer oder jener ausgezeichnete Aufſatz von bisher uns unbekannter, aber darum nicht weniger willkommener Hand.
Doch ſiehe, da bringt der Briefträger gerade einen dicken Brief aus der Schweiz, vom Grindelwald. Wir öffnen ihn— er enthält eine lang⸗ erwartete Darſtellung der Kataſtrophe am Matterhorn.
„Das muß ſogleich aufgenommen werden; meinen Sie nicht, Herr Doctor?“ ſagt mein College, der ein großer Alpenfreund iſt.
„Das iſt leicht geſagt, aber ſchwer gethan; Nr. 46 iſt in der Preſſe, Nr. 47 iſt fertig geſetzt und im Begriff, umbrochen zu werden— Nr. 48 iſt aber die letzte Auguſtnummer— da kommt die Geſchichte doch gar zu ſpät.“
Nach langem Hin⸗ und Herberathen kommen wir endlich zu einem energiſchen Entſchluß. Der Druck von Nr. 46 wird ſiſtirt.— Das dort „am Familientiſch“ aufgenommene„Menagerieſchiff“ wird herausgenommen und für eine der nächſten Nummern zurückgelegt, das Matterhorn ſo zurecht⸗ geſchnitten, daß es genau denſelben Raum einnimmt, und drei Setzer machen ſich darüber her, ſo daß es zum Abend fertig geſetzt und, nächſten Morgen corrigirt, ſeine Stelle in Nr. 46 findet.
Soll ich noch von einlaufenden Bildern, die auch manche Sorge machen, reden? oder von den zahlreichen Bücherſendungen, die zur„Recenſion“ ein⸗ gehen, obgleich wir keine ſolche geben und alle Bücher zurückſchicken?
Die Gleichförmigkeit und Regelmäßigkeit der Tagesarbeit wird oft durch angenehme Beſuche von Mitarbeitern und Freunden unſers Blattes auf ſtets ſehr willkommene Weiſe unterbrochen; vielleicht ſoll davon ein anderes Mal die Rede ſein. Es fehlt freilich auch nicht an„ungebetenen Gäſten“, von denen die Discretion zu reden verbietet.
Abends warten neue„Fahnen“ oder Reviſionsbogen des Redacteurs. Eine Reviſion thut ſehr Noth— noch geſtern kam es vor, daß ein Setzer ſtatt:„er war im hinwelkenden Leibe innerlich frei“ geſetzt hatte:„er war im hinwelkenden Leibe innerlich geſperrt“, weil der Redacteur das ungeſperrt gedruckte Wort„frei“ unterſtrichen und an den Rand: ge⸗ ſperrt! beigefügt hatte
So endigt das Tagewerk des Redacteurs.
Briefkaſten.
Herrn Dr. B. in Stuttgart. Sie gratuliren uns zu dem ungewöhnlichen Erfolge unſeres Blattes ſowohl in allgemeiner, wie beſonders auch in finanzieller Beziehung. Im allgemeinen ſtimmen wir gern und dankbar zu, nur was den finanziellen Erfolg anbetrifft, müſſen wir für jetzt noch ein Fragezeichen machen, da der Abſatz die Koſten noch lange nicht deckt. Wir haben das übrigens auch nicht erwartet, und würden kein Wort darüber verlieren, wenn wir nicht aus Ihrem, wie aus vielen anderen Briefen, die dieſen Punkt andeutungs⸗ oder frageweiſe berühren, die Anſicht ſchöpfen müßten, daß in einem großen Theil des Publikums eine völlig irrige Vor⸗ ſtellung von der Rentabilität des Daheim herrſcht. So betrachten wir es denn als eine willkommene Gelegenheit, hiemit zu conſtatiren, daß das Daheim jetzt noch einen bedeutenden Zuſchuß erfordert. Es wird das zwar manchem unglaublich erſcheinen, dem Fachmann dagegen wird es bei der Ausſtattung und dem Preiſe des Daheim erklärlich ſein. Wir haben dem Grundſatz gehuldigt, daß für ein Blatt, welches der Familie, die⸗ ſem Lebensquell der Nakion, dienen will, nur das Beſte gut genug ſei. Daß ober gerade dieſes Beſte zugleich ſehr koſtſpielig iſt, bedarf kaum der Verſicherung. Ebenſo ſind wir der Zuſtimmung darin gewiß, daß gerade dieſes Aufgebot höchſtmöglicher Leiſtungen das ſicherſte Mittel iſt, dem Daheim die ihm gewordene Gunſt nicht blos zu erhalten, ſondern ſie noch zu ſteigern.
Wir hoffen, durch dieſe Erklärung manche irrige Vorſtellung und manche unberechtigte Anforderung zu beſeitigen.
J. F. zu Hohenſtein in Oſtpr. Wenn Sie ſich das I. Quartal des Daheim anſchafſen, ſo werden Sie darin den gewünſchten Stoff mit vielen
Illuſtrationen auf das ausführlichſte und intereſſanteſte behandelt finden.
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1 Der Folia dit. Iddenfalle ſanzen Zeit, d reinlich und vor lrheit des Pri dateſſerungen unge aufgehal att genügte: labesken, Lin de. daß ſie zuſe Stelle finden
ſüctige Verſuch uf waren, og Vagt, nur einn luc ſehr jung ſeren Auüſ


