daß er aber, wenn er zu den in Lille gegen Wilhelm von Oranien zuſammengezogenen Regimentern ſtieß, gegen die Verbündeten ſeines Vaterlandes das Schwert zog, das kam ihm nicht einmal zu Sinn! Es war jene traurige Zeit, wo überhaupt die Liebe zum Vaterland und der Sinn fürs Vaterland in den Hintergrund trat gegen die blinde Unterordnung unter den Kriegsherrn und gegen die Sucht nach gloire. Der Soldat fragte nicht, für was und für wen er kämpfe; der Krieg war ein bloßes Handwerk.
Aber dem unglücklichen Karl war es nicht um gloire und Avance⸗ ment zu thun. Er ſuchte etwas ganz anderes— den Tod. Hatte er früher ſich für unwerth gehalten, einen eigenen Herd zu begründen, ſo hielt er ſich jetzt für unwerth, unter den Lebendigen zu wandeln. Er hoffte auf eine Kugel, die ſeinem Daſein ein Ende machen werde.
Nachdem er die Paar Tauſend Thaler, die er ſich erſpart, einem zuverläſſigen Handelshaus übergeben hatte, reiſte er ab nach Lille. Aber ſeine Geduld wurde auf eine harte Probe geſtellt. Nicht ſofort brachen die Feindſeligkeiten aus. Die flandriſchen Regimenter waren vollzählig; Karl ſaß in Lille den Frühling 1689 und den Sommer und den Herbſt, und hatte noch keine Stelle. So mußte er ſich von dem Straßburger Geſchäftsfreunde Summe auf Summe kommen laſſen, um in der von Truppen überfüllten Stadt, wo alle Lebensbedürfniſſe einen hohen Preis hatten, exiſtiren zu können. Zu⸗
dem war ſeine Lebensweiſe nicht die einfachſte. Durch Marcel war er in die geſelligen Kreiſe der Offiziere eingeführt, und konnte bei ſeinem Vorhaben denſelben ſich nicht entziehen. Da ging es aber hoch her; man trank feine Weine, man gab Diners und Soupers; Karl wurde eingeladen und mußte ehrenhalber die Einladungen er⸗ widern. Mit Schrecken ſah er ſein kleines Vermögen zuſammen⸗ ſchmelzen, und erſehnte mit Ungeduld den Tag, wo er in eine Stelle bei der Armee würde einrücken können.
In dieſer Wartezeit ging aber auch in ſeinem Inneren eine große Veränderung vor. Was die Sophiſtereien des Pater Man⸗ ſuetus nicht zu bewirken im Stande geweſen— der ſtille unwillkür— liche Einfluß ſeines jetzigen Umgangs bewirkte es. Er hörte von Ehrenhändeln oft, ja faſt täglich reden; er ſelbſt— zu ſeinem Lobe muß es geſagt werden— lernte ſich beſſer bezwingen und hielt ſeine Heftigkeit im Zaum; aber wenn er nun hörte, wie die Officiere von dieſem und jenem Zweikampf wie von einer ſelbſtverſtändlichen Sache erzählten, da hätte er, wollte er ſich nicht lächerlich machen, nicht wagen dürfen, ſeine perſönlichen Anſichten über die ſittliche Verwerf⸗ lichkeit des Duells laut werden zu laſſen; er behielt ſie für ſich. Eines Tages erfuhr er zu ſeiner Verwunderung, daß einer der geachtetſten Officiere, ein Mann, den er ſelbſt wegen ſeines edlen Charakters wahrhaft verehrte, vor wenigen Jahren das Unglück gehabt habe, ſeinen Gegner im Duell zu tödten. Er fühlte ſich durch dieſe Kunde angenehm berührt; er dachte nicht mehr ſo ſchwarz von ſich ſelbſt, wie früher. Ein andermal konnte er ſelbſt nicht umhin, einem ſeiner neuen Freunde, dem Lieutenant R. die Bitte, ſein Secundant zu ſein, zu gewähren. Das Duell fand ſtatt und lief mit einer leichten Ver⸗ letzung ab.
Mehr und mehr wurde Karls Stimmung eine heitere; und endlich, nachdem die flandriſche Armee durch Marlborough zurückge⸗ worfen war und bedeutende Verluſte erlitten hatte, erſchien denn auch der ſchmerzlich erſehnte Augenblick, wo Karl Steinmann aus Biſchweiler als Freiwilliger in der Charge eines Junkers in das Regiment eintreten konnte. Freilich mußte er ſich ſelbſt equipiren, und das nahm von dem
noch übrigen Reſt ſeines Vermögens wieder ein gutes Stück hinweg.
Nun ging's ins Feld! Wir begleiten ihn nicht auf ſeinen einzelnen Zügen; wir müßten ſonſt eine Kriegsgeſchichte ſchreiben. Nur das eine ſei erwähnt, daß er alsbald in der ſiegreichen Schlacht bei Fleurus(1690) ſich durch Tapferkeit ſo auszeichnete, daß er zum Lieutenant avancirte. Von Tag zu Tag wuchs ſeine Lebenshoffnung, ſein Lebensmuth. Da er faſt täglich Zeuge wilden Blutvergießens war, da er in Schlachten und Gefechten die Menſchen dutzendweiſe und hun⸗ dertweiſe niederſinken und verbluten ſah, ſo verlor die blaſſe Erinnerung an den niederſinkenden, verblutenden Meinhard alles Schreckliche.
„Hüten Sie ſich vor Blut!“ hatte der Marquis von Perilles ihm zum Abſchied zugerufen. Und gerade für ſeinen Seelenzuſtand wäre dies eine heilſame diätetiſche Vorſchrift geweſen. Gerade er hätte den Beruf des Kriegers nicht wählen ſollen. Das, was er ſelbſt wenige Jahre zuvor noch„den letzten Reſt und Hort von Wahrheit in ſeiner Seele“ genannt hatte, das ging ihm verloren.
Ohne daß er es merkte, trat eine Verwilderung in ſeinem Gemüthe ein. Früher hatte er keine Nacht das Auge geſchloſſen, ohne in heißem Gebete den Vater im Himmel angefleht zu haben: Vergib mir meine That! Jetzt hatte er zum Beten überhaupt keine Zeit mehr.
In der Schlacht bei Neerwinden(1693) war es, als der nun ſiebenundzwanzigjährige Lieutenant von ſeiner Hitze, die als löbliche Kampfeshitze die Lobſprüche der Kameraden zu ernten pflegte, ſich in einem entſcheidenden Augenblicke allzuweit vor die Fronte reißen ließ. Die Verwirrung, die er mit ſeiner Section unter dem Feind anrichtete, mag vielleicht ihren kleinen Theil beigetragen haben zu dem Sieg, den die Franzoſen an dieſem Tage über den Oranier erfochten; aber für ihn trug dieſe Kühnheit keine erfreulichen Früchte. Eine Abtheilung Englönder, die Gefahr bemerkend, fiel in die Flanke; ein Schuß traf ihn mitten durch die rechte Hand, der Degen entfiel ihm, er wollte mit der Linken ihn aufheben, aber in demſelben Augenblicke ward er gepackt und als Kriegsgefangener fortgeſchleppt.
Die Schlacht wüthete noch über eine Stunde; die Feinde hatten Zeit, vor ihrer eigenen Flucht ihn in den Rücken ihrer Armee zu ſchaffen. Flüchtig verbunden wurde er nach Rotterdam gebracht. Dort lag er einige Wochen im Lazareth, dann wurde er mit einer Anzahl anderer Kriegsgefangener nach Plymouth übergeſchifft.
Die Engländer behandelten ihn menſchlich und anſtändig. Aber ſeine Stimmung war ebenſo trüb und düſter, als ſie zuvor zuverſicht⸗ lich geweſen. Er wurde ſcharf bewacht. Einige Monate lang durfte er das Schiff gar nicht verlaſſen; nachher wurde er von Plymouth in ein kleines, ihm nicht einmal dem Namen nach bekanntes Fort ab⸗ geführt, wo er zwar innerhalb der Wälle unter Aufſicht ſpazieren gehen konnte— aber was war das für ein Leben!
Er hätte ſich gern damit beſchäftigt, die engliſche Sprache zu lernen; aber ſeine Wächter ließen ſich darauf nicht ein, und mit den Einwohnern des Forts war ihm kein Verkehr geſtattet. So war er auf den Umgang mit den anderen Kriegsgefangenen beſchränkt; und an dieſen fand er wenig Gefallen. Was Wunder, daß das bitterſte Heimweh ihn ergriff. In krankhafter Wehmuth träumte er ſich zurück nach der lieblichen Thalbucht, in der er ſeine Jugend verlebt hatte; er ſah jeden Baum, jeden Strauch wie vor Augen ſtehen; im Ein⸗ ſchlafen glaubte er die Stimmen ſeines Vaters und ſeiner Schweſter zu vernehmen; aber auch die blutige That ſeiner Jugend ſtand wieder mit greller Lebendigkeit vor ſeinem Blicke. Dann ſah er ſeine rechte Hand an; die Wunde war geheilt, aber die Hand blieb durchlöchert; er konnte einen Bleiſtift durch und durch ſtecken. Gott hatte die Hand gezeichnet, welche den Mord begangen.
Ach, nach einem Gottesdienſte ſchmachtete er; aber wo ſollte er einen ſolchen finden? Die Engländer duldeten es zwar, daß ein fran⸗ zöſiſcher Feldeaplan, der bei Neerwinden mit in ihre Hände gefallen war, den franzöſiſchen Gefangenen in einer Kaſematte Meſſe las; aber was half dies Karl? Der engliſche Gottesdienſt im Fort konnte ihm nichts bieten, weil er kein Engliſch verſtand. Gleichwohl ging er einmal in die Kirche; er dachte ſich wenigſtens am Geſang zu er⸗ bauen. Aber er fand kein deutſches Kirchenlied; einige gereimte Pſalmverſe wurden in einer ziemlich weltlich klingenden Melodie ab⸗ geſungen; dann begann die Liturgie, deren raſches Geflüſter ihn eher abſtieß als erbaute, und von der Predigt, die der engliſche Kaplan hernach in einförmigem Tone ablas, verſtand er kein Wort.
Er fing wieder an, im ſtillen zu beten. Er wußte nicht, was er beten ſollte. Er betete um Befreiung aus ſeiner Gefangenſchaft; er betete auch wieder um Vergebung ſeiner Blutſchuld; aber ver⸗ worren war ſein Inneres, und ſo kam er endlich auf den Gedanken, um Klarheit, um Erleuchtung zu beten.
Zwei lange, lange Jahre waren ihm ſo verfloſſen, und noch war kein Ende ſeiner Gefangenſchaft abzuſehen. Noch wüthete auf dem Feſtland der Krieg mit allen ſeinen Schrecken. Nur eine Erquickung ward ihm jetzt zu Theil. Da die Engländer ſahen, daß er Proteſtant ſei, ſo gewährten ſie ihm ſeine Bitte, ihm eine Bibel zu geben; eine engliſche freilich. Er aber ließ ſich's die Mühe nicht verdrießen, die⸗ jenigen Abſchnitte, die ihm aus ſeiner Knabenzeit noch ſo ziemlich ge⸗ nau im Gedächtniß waren, aufzuſchlagen; die gewöhnlichſten Wörter und Redeformen hatte er in den zwei Jahren denn doch durch oft⸗ maliges Hören gelernt; ſo machte er ſich unverdroſſen daran, ſich ein
engliſch⸗deutſches Wörterbuch anzulegen, wobei ſeine Kenntniß des Lateiniſchen und Franzöſiſchen ihn weſentlich unterſtützte.
Während Karl in ſeinem engliſchen Fort noch unermüdet mit
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