Jahrgang 
1865
Seite
649
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zu Ende und wir haben einen weiten Heimweg vor uns. Pferde begrüßen uns mit freudigem Stampfen und Kopfſchütteln und

ſonſt läßt kein äußeres Zeichen auf die Gegenwart eines vornehmen Kranken ſchließen. Der Wärter ſchleicht auf den Fußſpitzen durchs Zelt und beantwortet flüſternd unſern Gruß:K. ſchläft, ſagte er leiſe, es ſcheint eine Wendung zum Beſſern einzutreten. In der Ecke des Zeltes, welches am beſten geſchützt iſt, liegt eine blaſſe Jünglingsge⸗ ſtalt. Auf dem Angeſicht ruht der tiefe Frieden, der uns bei ſchlum⸗ mernden Kindern ſo anſpricht. Doch ach! unverkennbar hat der To⸗ desengel ſein Siegel auf die bleiche Stirn gedrückt, und mit Thränen ſtehe ich neben ſeinem Bette. Da regt ſich der Kranke, er öffnet langſam die Augen: nie werde ich dieſe ſprechenden Augen vergeſſen! und helle Freude leuchtet über ſein ganzes Geſicht, als er ſeinen Seel⸗ ſorger neben ſich ſtehn ſieht.Lieber Junge! wie geht Dir's heute? Um die Antwort vernehmen zu können, kniee ich am Lager nieder und beuge mich über ihn, denn ſeine Stimme iſt ganz erloſchen, und er kann ſich meiſtens nur durch Schreiben verſtändlich machen. verſtehe ich ſein leiſes Flüſtern, aus dem der Friede einer völlig Gott ergebenen Seele mir entgegen weht. Er iſt kein verlorner Sohn; mit Wiſſen und Willen ſeiner Mutter, einer Wittwe aus Brüſſel, hatte er ſich in die Fremdenlegion aufnehmen laſſen, in den vorderſten Rei⸗ hen muthig gekämpft, und bald den Grad eines Korporals erworben. Im ganzen Feldzug war ihm kein Haar gekrümmt worden; da lag er eines Abends im Zelt, während neben ihm ein Kamerad die Waf⸗ fen putzte. Plötzlich ging eine Flinte, die unvorſichtig genug noch geladen war, los, und der Schuß traf den Fuß des armen K. ſo un⸗ glücklich, daß er gleich amputirt werden mußte. Darauf wurde er ins zehn Stunden weit entfernte Lazareth transportirt; unterwegs ſtürzte ſein Maulthier und verurſachte ihm unſägliche Schmerzen, wozu noch eine völlige Stimmerlöſchung kam.

Seine Geduld war aber eben ſo groß als ſeine Tapferkeit; keine Klage entfloh ſeinen Lippen, und er offenbarte im Leiden einen Hel⸗ denmuth, wie ich ihn ſelten getroffen. Nie wurde der vornehmſte Of⸗ ficier mit größerer Sorgfalt gepflegt, als dieſer beſcheidene Korporal. Das ganze Zelt war mit ihm beſchäftigt. Das Schönſte in ſeinem Gemüthe war die edle Großmuth, mit welcher K. des Unvorſichtigen gedachte, der Schuld an ſeinem Unglück war.Er iſt mehr zu be⸗ klagen als ich, ſagte er oft;ich vergebe ihm von Herzen und ſterbe gerne, er aber wird es nie vergeſſen können und ſich ſein Lebtage Vorwürfe machen.

Eines Abends hielt er lange meine Hand zwiſchen ſeinen beiden durchſichtigen Händen; ſprechen und ſchreiben konnte er nicht mehr, aber ſeine Blicke ſagten mir das Lebewohl, das er ausdrücken wollte. Als ich das nächſte Mal ſeine Barracke betrat, lag an ſeiner Stelle ein anderes Jammerbild; unſer lieber Korporal hatte draußen im Thale ſchon ſeine letzte Ruheſtätte gefunden.

Ueber den vielen Beſuchen iſt es Abend geworden; ein Trompe⸗ tenſtoß ſchallt durchs ganze Lazareth und ruft ſämmtliche Infirmiers in die Speiſehütte, woraus ſie in militäriſcher Ordnung zurückkeh⸗ ren, ſchwerbeladen mit dem Abendbrot ihrer Pflegbefohlnen. Das ganze Lazareth iſt in Bewegung und auf allen Geſichtern ſieht man, wie willkommen dieſer Augenblick iſt. Auch unſer Tagwerk iſt b Die

können es kaum erwarten, bis wir im Sattel ſitzen, um pfeilſchnell davonzugaloppiren. Schon werden die Schatten länger; in allen Diviſionen, die wir durchreiten, tönen die Klänge der Muſik, die zur Tafel der Officiere ihre ſchönſten Stücke aufſpielt. Die Kanonen⸗ boote in der Strelitzkabucht geben dazu den Grundton an, und oft drücken ſich die Sporen unwillkürlich tiefer in die Weichen des Roſſes, beim unheimlichen Geziſch einer Bombe, die wir nicht ſehen, die aber in unſerer Nähe vorüberſtreift und im Boden hohe Staubwolken aufwirft. Unſer Weg führt uns ganz nahe an die Laufgräben. Eben zieht ein Regiment zu ſeinem Nachtdienſt ein; wie mancher, der jetzt geſund und kraftvoll daherſchreitet, wird die Sonne des nächſten Morgens nicht mehr begrüßen! Ueber den hohen Erdwall, der den Laufgraben beſchütz, ſchleicht ſich, ſo bald die Nacht gekommen iſt, die Vedette; ſie drückt ſich nie⸗ der in jenes Loch, das durch eine Bombenkugel zum willkommnen Verſteck gemacht wurde, oder ſie bückt ſich hinter einen Stein, der ihrer gekrümmten Geſtalt kaum einen genügenden Schutz bietet. Nur dreißig Schritte von ihr entfernt liegt die ruſſiſche Schildwache in ähnlicher Stellung, und ſo belauern ſie einander zwei lange Stun⸗ den hindurch, bis ſie abgelöſt werden und den gefahrvollen Rückweg

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Doch

antreten dürfen. Und wenn eine Vedette mit dem Ohr am Boden eine Bewegung in den ruſſiſchen Vorwerken bemerkt, oder gar ſchon bei einem flüchtigen Mondſtreifen, der die Wolken durchblickt, die langen Mäntel herannahen ſieht, ſo ſchleicht ſie mit der größten Eile zurück; das Leben vieler hunderte liegt jetzt an ihrer Geſchicklichkeit und Klugheit.

Male Dir, lieber Leſer, ſolch ein Nachtbild aus, wie mir's ein feuriger junger Rheinbaier jüngſt beſchrieb. Er war in einer Ge⸗ witternacht auf dem Vorpoſten; der Sturm heulte, der Regen goß in Strömen, der Donner rollte ohne Aufhören; da ſiel ganz nahe ein heftiger Blitzſtrahl nieder, und bei deſſen Leuchten gewahrt er, daß ſein ruſſiſcher Gegenfüßler ſeinen Poſten verlaſſen hat; er lauſcht geſpannt; kein Zweifel mehr; es laſſen ſich, trotz dem Toben des Sturms, nahende Schritte vernehmen; ein zweiter Blitzſtrahl zeigt ihm das Corps ganz in ſeiner Nähe. Wie eine Schlange windet er ſich, auf dem durchnäßten Boden kriechend, in den Laufgraben zurück. Den be⸗ fehlenden Capitän, einen Straßburger, benachrichtigt er eiligſt; es iſt kein Augenblick zu verlieren, iſt auch zu ſpät, um Hilfe herbei zu holen, was thut's? die ganze Compagnie, zweihundert Grenadiere des II Regiments der Fremdenlegion, lauter Elite⸗Soldaten, lehnt ſich hart an die Wand des Laufgrabens, den Finger auf dem Hahn, regungslos, bis die wohlbekannten flachen Kappen über dem Rand des Walls erſcheinen. Und mit wüthendem Geſchrei und nieder⸗ ſchmetterndem Flintenfeuer ſtürzen die verwegenen Deutſchen auf den dreifach zahlreichern Feind und treiben ihn unter der helden⸗ müthigen Leitung ihres Capitäns in ſeine Schanzen zurück.

Wer weiß, was heute Nacht die jetzt Einziehenden erwartet? Wenn wir unter unſern Zelten erwachen vom Flintenfeuer und die Signalkanonen in ihrer beredten Sprache es bis ins Hauptquartier verkünden, daß der Ausfall ſtark iſt und Hilfe herbeieilen ſoll, dann wiſſen wir, Ihr ſteht in der Hitze des Kampfes und wir beten für Euch, Ihr tapferen Leute, wie wir's jetzt ſchon thun, indem wir Euch ſeg⸗ nend grüßen!

Weiter gekommen, erblicken wir das uns wohlbekannte Thürm⸗ chen des clocheton, jenes evangeliſchen Pfarrhauſes, das den Schwer⸗ verwundeten als erſtes Aſyl dient, wo ſie die unentbehrlichſte Pflege erhalten oder ihre letzten Seufzer aushauchen. Wir begegnen einem Prieſter, der eben dies Haus verlaſſen hat; wir begrüßen ihn ehrer⸗ bietig, er beantwortet unſern Gruß mit einer Freundlichkeit, die meinem Begleiter auffällt; ebenſo bewundert derſelbe die edle Geſtalt und den ſanften Ausdruck des jugendlichen Angeſichtes; man meint einen Fra angelico vor ſich zu ſehn, ſagte er. Ja, dieſen Namen verdient er wohl; er iſt der Schutzengel von tauſenden ſchon geweſen, unter dieſem Schmerzensdach, in der casa dolore. Er iſt der Kaplan dieſes Lazareths und wohnt ganz nahe dabei, in einem Zelte, das er ſich mitten unter den Gräbern des großen Friedhofs errichtet hat. Das heißt, er wohnt nicht in ſeinem Zelt, denn ſeine Tage und ſeine Nächte bringt er in der Am⸗ bülanze zu, an der Seite der Schwergetroffenen, die er mit einer Aufopferung pflegt, wie ſie nur die chriſtliche Liebe eingeben kann. Ohne nach Confeſſion zu fragen, nimmt er die herbeigetragenen Sterbenden in ſeine Arme, wiſcht ihnen den blutigen Schweiß vom Geſichte, flößt ihnen die letzte Erquickung ein und ruft ihnen den Namen des Erlöſers in das ſich verſchließende Ohr. Iſt der Ver⸗ wundete nicht ſo lebensgefährlich, ſo pflegt er ihn unermüdet, und beim leiſeſten Wunſche ſchickt er, ſelbſt zur Nachtzeit, zum evangeliſchen Geiſtlichen, wenn der Kranke der proteſtantiſchen Kirche angehört.

Aus der Ferne begrüßen uns die Klänge der Militärmuſik des Hauptquartiers; wir reiten an den Barracken der Generale vorbei und gelangen an unſre Zelte, wo die Ordonnanz mit militäriſchem Gruße bereit ſteht, uns die ſchweißtriefenden Pferde abzunehmen. In unſerer Wohnung aber erwartet uns der freudigſte Willkomm, den wir uns nach dem ermüdenden Tagewerk wünſchen konnten; der verſpätete Courier iſt angekommen und auf unſern Tellern liegen die ſehnlichſt erwarteten Briefe aus der fernen Heimat, über welchen wir bald alle Anſtrengungen vergeſſen haben. Das Zelt wird zur traulichen Wohnſtube des Vaterhauſes, aus den wohlbekannten Schriftzügen tauchen alle die lieben Geſtalten hervor, die unſer ſo treu gedenken; umgeben von ihrer ſchirmenden Fürbitte, erſcheint uns das Amt, welches uns von ihnen trennt, erſt in ſeiner ganzen

Bedeutung, und mit freudigem Muthe bereiten wir uns auf das

Tagewerk des folgenden Morgens.