Jahrgang 
1865
Seite
646
Einzelbild herunterladen

Verlaſſen wir an einem heiteren Morgen die Stadt und gehen zum Thore hinaus, d. h. über die Grenze, denn die Thore ſind ſeit einiger Zeit verſchwunden, ohne jedoch die ſichtliche Trennung der eigentlichen Stadt von den Vorſtädten und dem Landgebiet zu beein⸗ trächtigen. Alſo zum Dammthor hinaus, wo wir nach leberſchrei⸗ tung der kürzlich angelegten Eiſenbahn auf die von ſchattigen Alleen eingefaßten Gemeinweiden gelangen und uns gar bald mitten zwiſchen den Kühen befinden, die in langſam taktmäßigem Gange das thauige Gras im Halbkreis um ſich her mit ſcharfer Zunge abmähen und alle in derſelben Richtung die ſonnige Wieſe entlang ſchreiten, bis ſie ſich geſättigt niederlegen, um in behaglicher Ruhe wiederzukäuen.

Ebenſoſehr, wie die Bruſt durch das Einathmen der friſchen Morgenluft in der Nähe der Kühe erquickt wird, erfriſcht ſich das Auge an der Farbenpracht des buntgefleckten Viehes, die in den zarteſten Nüancen vom tiefſten Rothbraun bis zum roſigſten Weiß und wieder vom Silberweiß bis zum dunklen Blauſchwarz hinunter die feinſten rothen und gelben Töne zeigt und durch die zarten bläu⸗ lichen Luft- und grünlichen Grasreflexe ihren höchſten Reiz erhält. Die Pracht iſt nicht zu beſchreiben; man muß ein Malerauge haben, um zu empfinden, daß die Kuh das maleriſchſte Thier iſt. Niemand wird dem Pferde den Preis der Schönheit in ſeiner Form und Be⸗ wegung abzuſtreiten wagen, in der Färbung iſt das Rind ſchöner als jenes. Daher eignet ſich zur plaſtiſchen Darſtellung das Pferd beſſer; um auch maleriſch ſo ſchön zu erſcheinen, bedarf es der Zuthat des

Menſchen, des Geſchirres oder der Beſpannung, während das Rind

immer gleich maleriſch ſchön bleibt.

An ſchönen Sommermorgen eilen viele Menſchen aus der beengen⸗ den Stadt hinaus, um die friſche Luft zu genießen. Gut, daß ſich der dichte Zug der Spaziergänger hier vor der Stadt in den verſchie⸗ denen Alleen vertheilt. Wir wollen, nachdem wir die hier hütenden bäuerlichen Hirten mit ihrem Horn und Hund begrüßt haben, dieſe Wieſe verlaſſen und bei freundlichen Landhäuſern vorüber, in deren Gärten zwiſchen bunten Blumenbeeten fröhliche Kinder ſpielen, unſern Weg über eine andere eingezäunte Wieſe verfolgen. Die hohe Lage dieſer Wieſe, die im glitzernden Morgenthau mit ihrem bunten Vieh ſo feſtlich prangend und friedlich vor uns liegt, geſtattet uns, die Blicke über ſie wegſchweifen zu laſſen in die ſonnige Gegend hinein, die ſich mit ihren weiten Feldern, den zerſtreuten Dörfern mit ihren Kirch⸗ thürmen und mit den dunklen Holzungen, aus denen hin und wieder blen⸗ dend weiße Villen hervorſchimmern, als ein Bild lieblicher Fruchtbarkeit vor uns ausdehnt, zu dem auf der anderen Seite die Thürme Hamburgs, in duftigem Blau, einen wohlthuenden Gegenſatz bilden. Auf einem ſchmalen, wenig betretenen Fußpfade folgen wir den drei Spazier⸗

646

gängern vor uns. Es iſt ein alter ehrwürdiger Herr in Begleitung einer jüngeren Dame, anſcheinend ſeiner Tochter mit ihrem kleinen Söhnchen. Des letzteren Vater iſt vermuthlich an dieſem ſchönen Morgen durch Geſchäfte verhindert, ſie zu begleiten. Hoffent⸗ lich ſchließen ihn nicht ſchon die dumpfen Wände ſeines Comptoirs ein; wir wollen ihn uns lieber im Hafen beſchäftigt oder auf Reiſen denken. Seht nur! wie der Kleine glücklich daher ſpringt und Blu⸗ men pflückt, oder ſich bemüht, eine der vielen Lerchen, die hoch in blauer Luft jubeln, zu entdecken. Jetzt ſieht er eine und jubelt mit ihr in den ſchönen Morgen hinein, von der Mutter ermahnt, mit ſeinen Stiefelchen nicht in das thauige Gras zu ſpringen. So gehen wir langſam hinter einander her, bis zu der Ecke, wo der Pfad nach einer ſchattigen Baumgruppe abbiegt. Es iſt eine der vielen Milchſchenken, die ſich in Hamburgs Nähe befinden, wo die Gäſte von Mädchen in ländlicher Tracht mit der friſchgemolkenen Milch bedient werden. Wir begleiten unſere drei Freunde dorthin, die ſich hier niederlaſſen. Der Knabe eilt zum Mädchen, die ſchon wartend an der Kuh ſitzt und läßt ſich ein Glas warme Milch einmelken. Bedächtig trägt er das ſchäumende Glas zur Mutter und wird von ihr mit dem Schaume belohnt. Betrachten wir die übrigen Gäſte, die ſich hier eingefunden haben. Eine dicke und eine dünne Dame trin⸗ ken die warme Milch, die eine um dünner, die andere um dicker zu werden. Dann ſitzt dort ein alter Herr, dem das Comptoirbuch aus den Augen herausſchaut. Die verordnete Milch mundet ihm gar nicht, doch wird der reine Trank nach dem Spaziergange in der erfriſchenden Luft ihm gut bekommen Ob das junge Mädchen hin⸗ ter ſeinem Rücken ſeine Tochter iſt, weiß ich nicht, jedenfalls ſcheint ihr der regelmäßige Spaziergang eben ſo ſehr zu behagen, wie dem jungen Manne, der mit ihr redet. Was ſie zuſammen ſprechen, kann ich nicht hören, doch glaube ich nicht, daß ſie ſich nur über die Heilkraft der warmen Milch unterhalten. Der herrliche Morgen mit ſeinem Glanz und Jubel, ſeiner Lebensluſt und Liebesfülle, klingt gewiß auch in ihre Herzen hinein und zwingt ſie zu gegenſeiti⸗ ger Mittheilung.

So lieblich es iſt, von dem ſchattigen Plätzchen hier hinaus zu ſchauen in den Glanz des Morgenlichtes, das auf der ganzen Gegend liegt, ſo mahnen die heißeren Strahlen der höher ſteigenden Sonne doch zum Aufbruch, um an die Arbeit zu gehen. Hamburg keucht und rennt, rechnet und makelt, raſſelt und rollt bereits, noch eine Viertelſtunde und das ſauſende Getriebe hat uns wieder ver⸗ ſchlungen.

Aber ſchön iſt er doch, ein ſolcher Morgen in der Hamburger Milchſchenke!

Srinnerungen eines Feldpredigers im franzöſiſchen Lager vor Sewaſtopol. Von Max Reichard. J

I. Im Feldlager und in den Feldlazarethen.

DerSimois trug mich von Frankreichs Küſte mit Dampfes⸗ eile über das Mittelländiſche Meer dahin. Aus den Stätten des Friedens ging meine Fahrt einem blutigen Kriegsſchauplatze zu. Meine Reiſegefährten waren vierhundert Soldaten eines Jägerba⸗ taillons. Zu dieſen und ihren Waffengenoſſen war ich geſandt, um ihnen das Evangelium zu verkündigen und ſie in Krankheit und Todesnoth zu tröſten und zu erquicken.

In Conſtantinopel, wo ich zunächſt in den Lazarethen wirken ſollte, traf mich ein Brief von zwei Brüdern in der Krim, mit der dringenden Bitte, ſo ſchnell als möglich in das Hauptquartier von Sewaſtopol zu kommen, da der Sturm auf die Stadt nahe bevor⸗ ſtünde und die Arbeit über ihre Kräfte ginge. Eine ſechsunddreißig⸗ ſtündige Fahrt brachte mich dorthin. Am ſechszehnten Auguſt gegen Mittag landete ich in der Bucht von Kamieſch, wo mich ſogleich die Nachricht von dem ſehr ernſten Gefechte, das ſeit dem frühen Morgen an den Ufern der Tſchernaja entbrannt war, begrüßte.

Ich war im Feldlager. Welch ein Bild! In unregelmäßigen Reihen ſtanden Zelte und Barracken bunt durcheinander, nicht un⸗ ähnlich einem Jahrmarkt, den der Augenblick zuſammenſtellt und an

den ſich immer neue Bauten planlos fügen. Die Wohnungen der höheren Officiere waren von kleinen Gartenanlagen umgeben, voll duftender Blumen und ſchattigen Laubwerkes. Der ſchönſte Schmuck des Hauptquartiers war eine weitäſtige Akazie vor dem Zelt des Obergenerals, der einzige Baum, der verſchont geblieben war im ganzen Bereich unſerer Waffen. Drei Lufttelegraphen bewegten unaufhörlich ihre gewaltigen Arme inmitten des Hauptquartiers und beförderten nach allen Richtungen die Depeſchen des Befehlshabers; ein ähnlicher Telegraph war am Ufer des Meeres und dort zugleich der Anfangspunkt des elektriſchen Drahtes, der unter dem Euxinus durchlaufend, in wenigen Stunden die Nachrichten von Sewaſtopol nach Paris vermittelte. Auf dem weſtlichen Abhang des Haupt⸗ quartiers lagen die Zelte der Feldprediger, wovon ich eins nun be⸗ zog; zwiſchen denſelben fanden unſere Pferde ihre Herberge. In einem dürftig ausgemauerten Loche war unſere Küche, wo unſere Diener miteinander hauſten.

Das Hauptquartier lag im Mittelpunkt des Lagers, eine halbe Stunde von den erſten Laufgräben entfernt. Die verſchiedenen Diviſionen der Armee bildeten um daſſelbe einen großen Halbkreis, der auf einem Flächenraum von mehreren Stunden ſich ausdehnte; jede Diviſion hatte ein Lazareth für ihre Kranken, ſo daß wir an

iſt der

wöl verſ Plhns ih nich zi otkes wu Unterhalte rete, Sch gnikung Fepredig

Als

führte, be Famieſch auf welche Betichen dieſe verl Schreien, Ditt der Im

wo die K bis zwölf uns laut darin bei einige f aus dem Dann Troſt zu ſen. 3 mit ihr unſrer zw eck Brude lich au fünf l Protef

judant war m genen ganz C der ſar Roſe,

ſagte de meinen

geſproch den 9f und ſchr richte. men wa⸗ erhalten nen Stu mit dem Ernuth ſuchswei dieſem vff A- dſiſchen lung, d dert wo das La Abends hüörte i

hier T blonde

im V Kranke

1 XD