Jahrgang 
1865
Seite
630
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Die Darwinſche Hypotheſe.

Ein Geſpräch..

Wir hatten die prächtigen Gewächshäuſer durchwandert, dann das reichhaltige naturhiſtoriſche Muſeum betrachtet und ſaßen nun raſtend im zoologiſchen Garten, der Naturforſcher, der Poet, der Philoſoph und ich, vor uns die ſchlanke zierliche Giraffe, zu deren Füßen ſich eine Rieſenſchildkröte bewegte, nahebei der Elephant, weiterhin die Ausſicht auf die Löwen- und Bärenzwinger.

Welch unergründliches wundervolles Gottesgeſchöpf iſt die Natur! ſagte der Dichter.Wie tauſendfältig ſie mit Formen und Lebensgeſtalten ſpielt! Welch ein Reichthum in ihren unzähligen Waſſer⸗, Land⸗ und Luftgeſchöpfen! Iſt es nicht, wenn das Auge zwiſchen ihnen hin und her wandert, als badete es in einem Meere der kindlich⸗ tiefſinnigſten Gottesgedanken, deren jeder für ſich unendlich iſt und die doch alle zuſammen auf die faßlichſte Weiſe nur Ein Unend⸗ liches ausſprechen?

Ja, ſagte der Naturforſcher,es iſt merkwürdig, zu welcher Mannigfaltigkeit ſich eine einzige Urzelle ſteigern konnte. Darwin meint zwar, daß die Thiere von etwa vier oder fünf und die Pflanzen von eben ſo vielen oder noch weniger Stammarten herrühren. Er ſagt dann, die Analogie würde ihn noch einen Schritt weiter führen, nämlich zu glauben, daß alle Pflanzen und Thiere von einer ein⸗ zigen Urform abſtammten; doch könne die Analogie eine trügeriſche Führerin ſein. Aber ich thue dieſen Schritt unbedenklich, indem ich mich nicht auf die Analogie ſtütze, ſondern auf das erkannte Geſetz. Iſt es einmal Naturgeſetz, daß ſich das Vielartige aus dem Ein⸗ fachen entwickelt, ſo kann aller Mannigfaltigkeit auch nur Eine embryoniſche Urzelle zum Grunde liegen.

Der Poet ſah ihn groß an und ſagte:Meinen Sie oder Darwin dies als ideale Anſchauung oder als phyſiſche Wirklichkeit?

Die Naturforſchung, verſetzte der andere,idealiſirt nicht und dichtet nicht; ſie hält ſich ans Reale, an die Erfahrung.

Vortrefflich, rief der Dichter.Aber wo in aller Welt hat Darwin denn die Erfahrung gemacht und geſehen, daß ein Pilz eine Gurke, ein Moos ein Apfelbaum, daß ein Blutegel eine Schild⸗ kröte, oder ein Maulwurf eine Giraffe geworden ſei?

Mit demſelben Rechte, entgegnete der Naturforſcher,könnten Sie fragen, wer es je geſehen, daß eine Eichel zum tauſendjährigen Baume, daß Mecresboden zum Hochgebirge geworden ſei; und doch wiſſen wir, daß beides geſchieht, aus Erfahrung.

Möchten Sie uns nicht mit der Darwinſchen Lehre näher bekannt machen? ſagte ich.Den Hauptgrundſatz haben Sie zwar ausgeſprochen, aber ſo allein ſcheint mir derſelbe verzeihen Sie! ganz in der Luft zu ſchweben.

Ich hoffe Sie eines andern zu überzeugen, erwiederte er. Beim Nachſinnen über die Entſtehung der Thier⸗ und Pflanzenarten hat ſich Darwin die Vermuthung aufgedrängt, daß jede Art nicht unab⸗ hängig von der andern erſchaffen ſei, ſondern nach der Weiſe der Varietäten von andern Arten abſtamme. Um zu finden, wie dies geſchehn ſein könne, unterſuchte er die Veränderungen der Haus⸗ thiere und der Culturpflanzen und überzeugte ſich, daß erbliche Ab⸗ änderungen in großer Ausdehnung möglich ſeien, und daß das Ver⸗ mögen des Menſchen, geringe Abänderungen durch deren ausſchließ⸗ liche Auswahl zur Nachzucht, d. h. durch künſtliche Züchtung zu häufen, ſehr beträchtlich ſei. Auch bei den organiſchen Weſen in der freien Natur kommen Umſtände vor, welche kleine Abänderungen herbeiführen, auch da ſind ſie im Stande ſich zu ſummiren, und es geſchieht dies durch den Kampf um das Daſein. Denn da weit mehr Einzelweſen jeder Art erzeugt werden, als fortleben können, und deßhalb das Ringen um Exiſtenz beſtändig wiederkehren muß, ſo fplgt daraus, daß ein Weſen, welches in irgend einer für daſſelbe vortheilhafteren Weiſe auch nur um etwas von den übrigen abweicht, unter mannigfachen und oft veränderlichen Lebensbedingungen größere Ausſicht auf Fortdauer hat, und demnach bei der natürlichen Züch⸗ tung im Vortheile iſt. So entwickeln ſich aus einer Urart ver⸗ ſchiedene höher geſteigerte Abarten; jene, als die minder geeignete Lebensform ſtirbt aus, während die zur Nachzucht auserleſenen Varie⸗ täten nach dem ſtrengen Erblichkeitsgeſetze jedesmal ihre neu ab⸗ geänderte Form fortzupflanzen ſtreben. In dem einfachſten Weſen,

dem einfachſten Organ liegt die Möglichkeit ſeiner höchſten Ent⸗ wickelung und Umgeſtaltung, wie die vergleichende Anatomie uns zeigt; der Inſtinet der Thiere führt ſie zu den Bedingungen der Ver⸗ wirklichung dieſer Möglichkeit, welche anfangs unmerklich, all⸗ mählich ſo bedeutend wird, daß die Kreuzung der Abarten bereits unfruchtbar bleibt. So fügt ſich in leiſen Uebergängen, während der ungeheuren Perioden der Naturentwickelung Abwandlung zu Abwandlung, Fortgeſtaltung zu Fortgeſtaltung; und wer dies Ge⸗ ſetz einmal erkannt hat, kann ſagen:Nur ein Korallenthier gebt mir und hundert Million Jahre dazu, ſo iſt die Erde mit all dieſen Thierarten, ja mit Menſchen bevölkert! Das, im kurzen, iſt Dar⸗ wins Theorie.

Merkwürdig! ſagte der Poet.Ich möchte gleich die Schild⸗ kröte, die Löwen, die Klapperſchlangen als Vettern umarmen. Aber wiſſen Sie, die Verwandtſchaft würde darunter nicht leiden, daß man die ganze Hypotheſe auch umdrehen, den Baumwipfel in die Erde pflanzen könnte?

Der Naturforſcher ſah ihn im Bewußtſein ſeiner Ueberlegenheit kalt an.

Ich meine, fuhr er unbeirrt fort,daß man die Leiter, die Sie hinaufſteigen, auch herabſteigen kann, um bei demſelben Ziele anzulangen. Nach meinem bischen Erfahrung und Natur⸗ betrachtung habe ich immer geſehen, daß, wo für Pflanzen oder Thiere die nothwendigen Lebensbedingungen mangeln oder beſchränkt werden, nicht Steigerung ſondern Verkümmerung eintritt, die Ab⸗ arten werden dabei nicht vollkommener, ſondern unvollkommener. Ja, ich muß dies für eine unwiderlegliche Thatſache halten. Gebe ich dann aber die Möglichkeit des Uebergangs von einer Art in die andere zu, ſo kann ich in Qualle und Koralle nur die im Drangſal des Lebens heruntergekommenen Vettern von Affe und Giraffe, in dieſen aber unmöglich geniale Parvenüs ſehen.

Sie müſſen zugeben, ſagte der Philoſoph,daß dieſer Ein⸗ wand von Erheblichkeit iſt.

Durchaus nicht, erwiederte der Naturforſcher.Denn erſtens zeugt gerade die Betrachtung der Aenderungen bei Haus⸗ thieren und Culturpflanzen, daß die Fortbewegung vom Unvoll⸗ kommeren zum Vollkommeneren geht.

Ja, ſagte der Dichter,wenn der Menſch mit ſeinem Ver⸗ ſtande ſich einmiſcht, wenn er durch ſorgfältige Pflege den Kampf ums Daſein beſeitigt, wenn er die dadurch ſchon herbeigeführte Beredlung durch verſtändige Auswahl und Abſonderung bei der Fortpflanzung, vielleicht auch durch wohlberechnete Kreuzung der Raſſen befördert. Glücklicherweiſe regiert dieſe Sorte von Ver⸗ ſtändigkeit und Berechnung in der Naturwelt nicht. Die Natur möchte ſonſt unausſtehlich philiſterhaft ſein, da ſie jetzt voll himm⸗ liſcher Genialität iſt. Wollen Sie aber ſehen, wie die Natur ver fährt, und zugleich wie falſch der Schluß von der wirthſchaftlichen Züchtung auf den Naturzuſtand iſt, ſo überlaſſen Sie einmal

unſre feinſten einheimiſchen Culturpflanzen im freien Felde ſich ſelbſt, überlaſſen Sie einmal die edelſten Raſſen unſrer Hausthiere dem ungepflegten und ungebundenen Leben in Wald und Haide, was gilt's, nach einer Reihe von Jahren ſind ſie alle ausgeartet und ver⸗ wildert, und ihre Nachgeſchlechter, je mehr ſie den Kampf ums Daſein zu kämpfen haben, um ſo mehr zu ganz ordinären Geſchöpfen ihrer Art heruntergekommen.

Allerdings iſt es unzuläſſig, meinte der Philoſoph,aus Veränderungen, welche durch die ſorgfältigſte Pflege des Daſeins herbeigeführt werden, auf ähnliche Veränderungen zu ſchließen, welche der Kampf ums Daſein bewirken ſolle. Aber Sie ſagten erſtens: Sie müſſen noch ein zweitens haben.

Das hab ich, entgegnete der Naturforſcher,und dies zweite beweiſt eben, daß der von Ihnen angefochtene Schluß dennoch richtig iſt.

Darauf könnte ich antworten, ſagte der Philoſoph,daß nichts in der Welt einen logiſch falſchen Schluß in einen richtigen zu verwandeln vermag. Doch laſſen Sie hören.

Zweitens alſo, fuhr jener fort,zeigen uns die geologiſchen

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