Jahrgang 
1865
Seite
610
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Tage des Brandes langten die vom Generale herbeigerufenen ſechs Compagnien der Cazadores de Léon an und am ſelben Tage wurde der Belagerungszuſtand erklärt. Bald kam es zu unvermeidlichen Reibungen zwiſchen den Truppen und Bewohnern und am Abend des vierten Tages des Brandes begann der Straßenkampf. Es iſt nicht unſere Abſicht, dem Leſer die Einzelnheiten dieſer, wie wir ſchon vorhin ſagten, immer noch dunkeln Cataſtrophe zu ſchildern; es genüge ihm, zu wiſſen, daß am ſechsten Tage die Stadt bewältigt war und der Mi⸗ niſter des Inneren Don Patricio de la Escoſura von Madrid kam, um eine Unterſuchung über die ſtattgefundenen Ereigniſſe einzuleiten. Beiläufig ſei noch geſagt, daß das Publikum nie das Reſultat dieſer Unterſuchung erfahren hat, und daß Don Patricio de la Escoſura, eines der Häupter der Fortſchrittspartei, zu der Regierung über⸗ gegangen und als Generalſtaats⸗Intendant nach den Philippiniſchen Inſeln mit einem Gehalte von ungefähr dreißigtauſend Thaler jähr⸗ lich geſandt worden iſt.

Bei der Erſtürmung einer kleinen Barrikade am Thore von Burgos ſank der Führer einer Compagnie, von einem Schuſſe in die Schulter getroffen, zuſammen. Einige ſeiner Soldaten riſſen ihn faſt leblos aus den Händen der Rebellen und verſuchten, ihn in ein naheliegendes, großes Gebäude, auf deſſen Thor ein aus Stein ge⸗ meißeltes Kreuz ſich befand, zu bringen. Sie hatten ſchon ziemlich lange an das Thor geklopft, als endlich eine kleine Luke ſich öffnete und eine näſelnde Simme fragte, was man begehre.

Im Namen der Königin! rief der Sergeant Joſé Munoz, der ſeinen Hauptmann nicht verlaſſen hatte,im Namen der Königin, öffnen Sie und empfangen Sie für einige Stunden dieſen verwun⸗ deten Officier!

Es iſt hier kein Hoſpital, erwiederte die Stimme,und wir empfangen niemand, in weſſen Namen es auch ſei; wir ſind durch das Geſetz von jeglicher Einquartierung und Kriegsſteuer befreit.

Caramba, ſchrie der Sergeant,und Sie wollen einen Ver⸗ wundeten vor Ihrem Thore hilflos liegen laſſen?

Wir können und dürfen nicht! war die Antwort.

So hole Sie und alle Bewohner dieſes Hauſes der Teufel! eiferte Joſé,ich werde mir dies Haus merken;.... und Euch morgen bei Tage eine Viſite mit meinen Kameraden machen, die Euch nicht angenehm ſein wird. Kommt, Kinder! wir wollen ſehen, wo wir den Hauptmann unterbringen! Halunken, Ihr werdet Joſé Munoz kennen lernen!

Die Soldaten nahmen den Verwundeten, den ſie einige Augen⸗ blicke lang niedergelaſſen hatten, wieder auf; dieſe Bewegung verur⸗ ſachte dem Hauptmann wahrſcheinlich ſehr viel Schmerzen, denn er ſtöhnte laut und ſeufzte in einer fremden Sprache die Worte: Gott! mein Gott!

Man öffne das Thor! rief plötzlich im Innern eine Stimme, an deren Klang man wohl hörte, daß ſie zu befehlen gewohnt war, und nehme den Verwundeten auf!

Die ſchwere Thüre krachte und that ſich auf, die Soldaten ſahen fremdartige Geſichter in ſchwarzer Prieſtertracht, die einen noch ziemlich jungen Mann mit hellblonden Haaren, der ihr Vorgeſetzter zu ſein ſchien, umgaben. Beim Anblick des Prieſtergewandes, das auf jeden Spanier eine eigenthümliche Wirkung hervorbringt, ver⸗ ſchlang Joſé Munoz einen jener derben aragoniſchen Flüche, mit dem er ſich vorgenommen hatte, den Pförtner zu begrüßen.

Gott beſchütze Sie, ehrwürdiger Vater, ſagte er,hier iſt ein verwundeter Mann, mein Hauptmann, den ich Sie bitte, aus Liebe zu unſerm Herrn Jeſu Chriſto aufzunehmem und bis morgen wenigſtens zu pflegen!

s iſt dies nur unſere Pflicht! erwiederte der Prieſter,helft, meine Lieben, dieſen braven Soldaten, nehmt ihnen ihre Bürde ab, be den Verwundeten in meine Zelle und legt ihn auf mein

ett.

Dieſe Worte waren an die ihn Umgebenden gerichtet.

Drei oder vier junge Leute nahmen den Hauptmann und tru⸗ gen ihn mit der größten Vorſicht ins Innere des Gebäudes.

Gott! mein Gott!, ſeufzte der Verwundete wiederum in derſelben ſeinen Soldaten unverſtändlichen Sprache.

Die Prieſter ſahen ſich erſtaunt an; der, welcher den andern an Rang überlegen ſchien, zögerte einen Augenblick, endlich aber wandte er ſich an den Sergeanten.

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Wie heißt Ihr Hauptmann? fragte er.

Don Louis X*** antwortete Joſé.

Iſt es ein Spanier?

Der Sergeant Joſé Munoz blieb verblüfft, er wußte nicht, was er antworten ſollte. Unwiſſend, wie der größte Theil ſeiner Landsleute, waren ſeine geographiſchen Kenntniſſe nur auf Spanien beſchränkt; er hatte wohl gehört, daß nahe bei Vittoria... da bei Tudela... es ein Land gäbe, das Frankreich hieße, wo ein Kaiſer Napoleon lebe, der jetzt einen Krieg hatte mit einem anderen Kaiſer Nicolaus, deſſen General Sebaſtian Polo(Sebaſtopol!?) hieße auch hatte er im Hafen von Bilbao wohl gehört, daß engliſche Schiffe dort lägen aber weiter auch nichts.

Ich verſtehe Ew. Gnaden nicht, ſagte er,morgen werden wohl Officiere kommen, die den Hauptmann beſuchen und die wiſſen es wahrſcheinlich beſſer als ich. Gott behüte Ew. Gnaden! wir müſſen gehen.

Joſé Munoz entfernte ſich mit ſeinen drei Soldaten, nachdem er gehört hatte, daß die ſchwere Thüre ſich hinter ihm geſchloſſen hatte und verſuchte durch ein Gewirr von engen Straßen ſeine Compagnie, die er nahe bei dem Regierungspalaſte glaubte, zu erreichen. In einer der Straßen ſprangen ihnen plötzlich ein Paar Dutzend Rebellen aus einem Durchgang entgegen und ehe ſie Gebrauch von ihren Waffen machen konnten, hatten ſie ſchon mehrere tödtliche Meſſerſtiche im Körper.

Die vier braven Männer, die ihrem Hauptmanne vor einer hal⸗

ben Stunde das Leben gerettet hatten, ſtarben mitten in der Straße,

ohne daß eine der Hausthüren ſich öffnete und eine mitleidige Hand den Sterbenden einen Trunk Waſſer angeboten hätte.

Die Prieſter brachten den Hauptmann Don Louis in das Zim⸗ mer, das ihnen angewieſen worden war, und entkleideten ihn ſchnell. Seine Wunde wurde von einem unter ihnen unterſucht, die Kugel mit vieler Geſchicklichkeit herausgezogen und der erſte Verband angelegt.

Der Hauptmann hatte ſich bis dahin ziemlich ruhig verhal⸗ ten, aber kaum war der Verband angelegt, als auch ſchon das Fieber ihn ergriff und ſeine vom Blutdrange erregte Phantaſie ihm die wun⸗ derlichſten Bilder vorführte. Das Wundfieber hat das vor allen Fiebern voraus, daß der Kranke ganz gut ſieht und verſteht, was um ihn vorgeht, nur verzweigt ſich die Wirklichkeit ſo innig mit den phantaſtiſchen Erſchaffungen ſeines Gehirnes, daß ihm nachher alles unbegreiflich, unverſtändlich wird. Der Hauptmann ſah ganz gut die ihn umgebenden Prieſter, er hatte noch Sinn genug, zu erſtaunen, daß faſt alle blonde Haare hätten; er hörte ganz gut, daß ihre Sprache nicht die ſpaniſche wäre, es kam ihm vor, als wäre es Eng⸗ liſch mit einem eigenthümlichen Accente geſprochen... aber nachher verwirrte ſich alles wieder in ſeinem kranken Gehirne. Später ſchien es ihm, als wenn friſche Luft ſeine brennende Stirn kühle, er ver⸗ ſuchte, die Augen aufzuſchlagen und bemerkte ganz gut den blauen Himmel über ſeinem Haupte, dann ſah er wieder den großen, blon⸗ den Prieſter neben ſeinem Lager, er hörte leiſe gemurmelte Gebete, fühlte, wie ein naſſer Finger auf ſeinen Füßen, ſeiner Bruſt und Stirn das Zeichen des heiligen Kreuzes machte, begriff ganz gut, daß man ihm die letzte Oelung gäbe, ſuchte, ohne daß es ihm gelang, ſeine Gedanken dem Schöpfer zuzuwenden... Dann hatte ſich mit einem Male der Prieſter in eine Nonne verwandelt, deren hohe Figur ſich über ſein Lager beugte und ſeine feuchte Stirn trocknete; er hörte, wie ſie leiſe mit einem alten Manne ſprach, der ſeinen Puls ergriff dann verwirrte ſich wieder alles; er fühlte einen ſtechenden Schmerz in der Schulter und jetzt war es weder Spaniſch noch Engliſch, das man neben ſeinen Bette ſprach, es war Deutſch, gutes Deutſch mit einem leiſen Anklange jenes mitteldeutſchen Accen⸗ tes, der im Munde von gebildeten Frauen wie das Recitativ eines Geſanges klingt.

Er iſt verloren, meint der Arzt, ſagte jene Stimme, die er

zuerſt gehört.

Vielleicht auch nicht, antwortete eine männliche Stimme, die er für die des Prieſters zu erkennen glaubte,er iſt ſtark und jung, und die Kugel hat keinen der edlen Theile verletzt.

Und Sie haben immer noch nicht erfahren, wer er eigent⸗ lich ſei?.

Nein, ſein Name klingt ſpaniſch, aber ich verſichere Sie, meine Schweſter, daß ſowohl ich, als meine Zöglinge ihn deutlich zu zwei Malen haben ſeufzen hören:Gott! mein Gott! und ich muß

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