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Der Tiz Languard im Ingadin. Ein Wink zum Beginn der Reiſezeit. (Mit Abbildung.)
„Dahinten“ nennen unſere lieben Miteidgenoſſen das Grau⸗ bündnerland. Bis in die neuere Zeit pflegten ſie Land und Leute von dahinten wenig zu berückſichtigen. Man hatte wirklich zum Theil in der Schweiz, ſelbſt noch vor wenigen Jahren, ganz myſteriöſe Vor⸗ ſtellungen vom Leben in den rhätiſchen Bergen, wo es faſt nur Bären und wilde Männer geben ſollte; ähnlich wie Schiller(in der erſten Ausgabe ſeiner„Räuber“) dort Spitzbuben genug, ärger denn die Zigeuner hauſen ließ. Wenige kannten das Land hinlänglich, und einer dieſer wenigen, gefragt, was man dahinten eigentlich finde, ſoll erwiedert haben:„Eine Welt im kleinen.“ Dieſer Freund Bündens hatte recht geſehen. Wenigſtens„eine Schweiz im kleinen“ iſt Hohenrhätien, und zwar nach Natur und Geſchichte; als Bergland nämlich ein Miniaturbild der Schweiz, und bis vor 60 Jahren eine ſelbſtändige Eidgenoſſenſchaft. Nachdem es Jahrhunderte lang wegen ſeiner Bergpäſſe ein Zankapfel europäiſcher Mächte geweſen war und zu jener Zeit viele tüchtige Männer in Kriegs⸗ und Staats⸗ dienſte verſchiedener Länder geſandt hatte, machte es ſich in unſerem Jahrhunderte faſt nur als die Heimat friedlicher Europaverzuckerer bekannt. So laſen wir erſt kürzlich, daß es treffend als das Land „der Kriegshelden und Zuckerbäcker, der Dichter und Reisläufer, der glänzenden Redner und hochbegabten Kaffeewirthe“ bezeichnet wurde. Doch kaum waren neuerdings einige Zeitungsartikel, Monographien und naturwiſſenſchaftliche Arbeiten über„alt fry Rhätien“ erſchienen und zugleich das die Länder verbrüdernde Eiſen auch in ſein Herz hin⸗ eingedrungen: ſo wuchs unter den Schweizern ſelbſt, wie unter den Vertretern anderer Nationen, beſonders aber unter den Deutſchen und Engländern, ungemein ſchnell das Intereſſe für dieſe gleichſam wieder neuentdeckte kleine Welt, und jetzt durchziehen bereits Scharen von Wanderern im Sommer das rhätiſche Gebirgslabyrinth, erforſchen und bewundern ſeine Naturſchätze und wilden Schönheiten, und werden zugleich aufmerkſamer auf die Geſchichte des Landes, den Charakter und die Sitten ſeiner jetzigen Bewohner.
Das Hauptziel der Reiſenden pflegt aber das Engadin zu ſein, der Magnet der Naturfreunde die Berninagruppe, der be⸗ ſuchteſte Wallfahrtsort der Piz Languard.
Himmelanſtrebende Eisberge und Schneefelder, Seen und Waſſerfälle, Sturzbäche und Nadelhölzer finden ſich auch in andern Gegenden der Alpenwelt. Doch einzig ſteht in ganz Europa das Oberengadin da, ein langes, cultivirtes Hochthal, von einer Höhe, die anderswo nur von Bergſpitzen erreicht wird, beſetzt mit ſtattlichen Ortſchaften und durchweht von der reinſten Luft.
Da kommen Wanderer vom Donauſtrande durch das Tyrol herauf in das bündneriſche Innthal; ſie tröſten ſich, daß der holperige Weg bald durch Neubauten beſeitigt ſein wird, reinigen ſich von alten Uebeln durch die herrlichen Waſſer zu Schuls⸗Tarasp in dem ſich civiliſirenden Unterengadin, und ziehen dann zur Stärkung hinan nach den Quellen des Inn. Bequem kann man ſchon ſeit Jahren von Chur aus im Eilwagen durch das Oberhalbſtein den alten Julier paſſiren; und bald wird der Reiſende unterwegs, in Tiefen⸗ kaſten, am Scheidewege ſtehen, d. h. von dort auch die Tour über den ſchönen Albula per Poſt machen können, da die neue Straße dieſes Paſſes im Bau begriffen iſt.— Wer an den italieniſchen Seen geſchwitzt hat, eilt nach dem Grenzſtädtchen Chiavenna, findet dort etwa einen Bekannten, welcher ſich die Via mala und die Schnee⸗ gallerien des Splügen angeſehen hat, und zieht nun in Geſellſchaft durch das romantiſche, an Abwechſelungen überaus reiche Bergeller⸗ thal hinauf, um über den Malojapaß zum berühmten Stahlwaſſer von St. Moriz zu gelangen und von da oder von dem ſtädtiſchen Samaden, dem Centrum des Oberengadins, ſeine Ausflüge in die Berninagruppe zu unternehmen. Wem aber keiner von dieſen Wegen convenirt, der mag, nachdem er vom Comerſee aus oder über den Apricapaß, oder über den Stelvio beim alten Bade Bormio vor⸗ über, ins Rebenland Valtellina gelangt iſt, das ſtolze Alpenthal Poſchiavo beſuchen, im reizenden Schwefelbade le Prese am fiſchreichen See Station machen und eines ſchönen Tages über den ernſten Berninapaß nach dem gaſtlichen Pontreſina reiſen. Hier ſein
Standquartier aufzuſchlagen, wollen wir jetzt den Leſer einladen; er wird nun hinlänglich orientirt ſein.
In einem reizenden Hochthale, umragt von der Berninagruppe und vielen andern ehrwürdigen Schneerieſen, liegt das freundliche Dorf Pontreſina, einer der behaglichſten, angenehmſten Ruhepunkte der Schweiz. Früher errichtete man im Engadin nur plumpe, mit Holz gedeckte Steinhaufen, an denen Schießſcharten als Fenſter ange⸗ bracht waren, doch meiſtens ohne alle Symmetrie, denn die einzelnen Theile eines Hauſes wurden aneinandergeflickt nach dem augenblicklichen Bedürfniſſe. Die hohen, breiten Rundbogenfenſter der Heuſtadel im Hinterhauſe nehmen ſich noch am beſten aus. Jetzt aber ſtehen da ſchon viele moderne Gebäude, und die Einwohner haben ſich überzeugt, daß ſich hier auch während der langen und rauhen Winterszeit in Stuben mit größeren Fenſtern exiſtiren läßt, und daß das liebe Vieh, welches in die Keller verbannt zu werden pflegte, ebenfalls ohne Schaden etwas lichtfreundlicher behandelt werden darf. Die Pon⸗ treſiner ſind übrigens ein lebensfrohes Völkchen und discuriren oft in vielen Sprachen, jenachdem ſie von ihrer Schwalbennatur nach Italien oder Deutſchland, Frankreich oder Holland geführt wurden, um dort den größten Theil ihres Lebens zuzubringen. Schade, daß ſie ihr rhäto⸗romaniſches Idiom häufig mit fremdartigen Bruchſtücken ver⸗ pfuſchen. Fleißig ſind die Oberengadiner gewöhnlich blos in der Fremde; goldbeladen heimgekehrt, lieben ſie es, ſich auf die Bärenhaut zu legen, den Magen zu füllen und Luxus zu entwickeln, beſonders in ihren Wohnungen.
Es verdient indeſſen Anerkennung, daß etliche Bewohner unſeres Standortes ſich nicht allein mit Gartencultur emſig befaſſen, wovon auch ein reicher Blumenflor an den Fenſtern zeugt, ſondern zugleich angefangen haben, die Landwirthſchaft rationeller zu betreiben und da⸗ bei das berühmte Bündnerpflegma etwas abzuſchütteln. Seiner Lage am Berninapaß verdankt es ferner der Ort, daß feuriges Sara⸗ zenenblut in den Adern ſeiner älteſten Familien fließt. Und da von Alters her über jenen Paß der Haupttransport des edeln Veltliner⸗ weines ſtattfand(wobei die Pontreſiner Säumer mit ihren ſtarken Roſſen auf rauhen Winterpfaden und in Schneeſtürmen ſich trefflich bewährten), ſo mag auch das zur Belebung des Temperamentes beige⸗ tragen und die Verbreitung des geiſttödtenden Brantweingenuſſes ver⸗ hindert haben. Die großartige Umgebung, das reiche Thierleben (noch vor wenigen Jahren war der Reichthum an Gemſen und Murmelthieren groß, heute noch hauſt hier der Bär in entlegenen Tobeln, und mancher Steinadler fällt alljährlich dem ſicheren Blei der Pontreſiner Schützen) erzeugte nicht allein den berühmten Jägers⸗ mann J. M. Colani, der ſchon bei Lebzeiten eine mythiſche Perſon wurde, ſondern bildet noch immerfort verſchiedene Freunde und Meiſter der Hochwildsjagd.
Einer der kühnſten Jäger und Bergſteiger iſt der Präſident Saraz, mit Führer Jenny und Jäger Rüedi der zweite Beſteiger der Bernina⸗ ſpitze. Groß ſoll der Reiz dieſer gewagten Gletſcherfahrt ſein. Die Beſteiger erzählten von feenhaften Eisthälern, bizarren Formen, ſchroffen Schneewänden und Gräten und von der einzigen Fernſicht, die ſie nach dem letzten kühnen Ritt über einen ſcharfen Kamm zwiſchen grauſenden Tiefen bewundern konnten. Herr Saraz läßt nicht gern reden von ſeinen verwegenen Gemsjagden, ſonſt könnten wir manchen intereſſanten Zug erzählen, daß er aber auch ein ſinniger Kenner und Beobachter der Natur iſt, beweiſt ſeine reiche ornithologiſche Samm⸗ lung, die er mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit dem zeigt, der ſie aus mehr als müſſiger Neugierde zu ſehen wünſcht. Als ſich fremde Beſucher der Gegend zahlreicher einſtellten, fanden ſich leicht die nöthigen Führer, kundige, erfahrene und vorſichtige Bergmänner, deren Leitung man ſich ohne Sorge anvertrauen kann; wie es denn Thatſache iſt, daß bei den verſchiedenen Bergtouren auf dieſem Gebiete noch kein Un⸗ glücksfall vorgekommen iſt. Wir befinden uns bereits 6010 Schw. Fuß über dem Meere, und auf allen Seiten ſtehen noch hohe Berge, umſäumt von dunkelgrünem Walde und duftenden Wieſen, gekrönt mit vielfach ſchattirten Felſen oder mit blinkendem Firn. Silbernen
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