Jahrgang 
1865
Seite
564
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er:Ein Mann von großer Befähigung, noch nicht entwickelt durch die Verhältniſſe, aber beſtimmt, ſich über ſie zu erheben..

Wie merkwürdig! erwiederte ich;zwei ganze Jahre blieb er da⸗ mals noch in der Dunkelheit, ſein Name drang nicht über ſeinen Heimats⸗ ſtaat hinaus es ſchien, als ob er ſich über die Mittelmäßigkeit nicht erheben könne. 4

Ja wohl; aber 1860 ſtiegHonest Old Abe, wie er vertraulich von ſeinen Landsleuten genannt wird, mit einem Male empor; im Mai ertönte ſein Name von 10,000 triumphirenden Stimmen in Chicago als der Candidat für den Präſidentenſtuhl. Die an ihn abgeſandte Deputation fand ihn im Hausrocke mit aufgekrempelten Rockärmeln, neugierig zu er⸗ fahren, ob Seward oder Banks gewählt ſei; und als er das Papier er⸗ hielt, das ihm eine ziemlich gewiſſe Ausſicht auf den höchſten Poſten in ſeinem Vaterlande eröffnete, bemerkte er nur, indem er ſich zu ſeiner be⸗ ſcheidenen Wohnung kehrte:Da iſt eine kleine Frau zu Hauſe, die wird ſich freuen, das zu hören.

Wie war ſeine Wohnung?

Ein zweiſtöckiges, hölzernes Haus, ohne Garten oder irgendwelchen Schmuck. Dort ſaß er Abends auf der Thürſchwelle in Hemdsärmeln und plauderte mit ſeinen Nachbarn. Leutſeligkeit und Demuth waren die vor⸗ nehmſten Charakterzüge dieſes außerordentlichen Mannes.

Es freut mich, das von einer Engländerin zu hören; ſagte ein an⸗ weſender Amerikaner;ich kann es aus eigener, perſönlicher Erfahrung beſtätigen. Er gehörte nie zu den outrirten Abolitioniſten, obgleich er ein entſchiedener Gegner der Sklaverei war. Ich hörte ihn ſelbſt beim An⸗ tritte ſeines Amtes ſagen:Ich habe durchaus nicht die Abſicht, weder direkt noch indirekt in die Inſtitution der Sklaverei in den Staaten, wo ſie noch exiſtirt, einzugreifen; ich habe kein Recht dazu und wünſche es nicht zu thun. Ebenſo gemäßigt und verſöhnend war ſeine Sprache gegen die Südſtaaten, als ſie ſich gegen die Union empörten.

Und doch, fügte ein anderer hinzu;mit welcher Entſchiedenheit ver⸗ ſtand er es aufzutreten. Wie bedeutungsvoll waren jene Jahre, die der deutſche Herr zu ſeinendunkeln rechnet! Ich ſah und hörte ihn in jener Zeit zum erſten Male. Es war in Cincinnati, im Ohioſtaate, dem Mittel⸗ punkte des Landes und auf der Linie, welche die freien von den Sklaven⸗ ſtaaten trennt. Jenſeits des Ohioſtromes erheben ſich die Hügel von Ken⸗ tucky; von Cincinnatis Straßen aus konnte man die Sklaven in voller Arbeit ſehen. Auf einem großen Platze waren zwei bis dreitauſend Männer, unter ihnen viele Sklavenfreunde, verſammelt. Lincoln erſchien auf einem Balkon der Mond ſchien hell und klar auf ihn und auf die zu ſeinen Füßen verſammelte Menge. Seine Rede feſſelte mich; ruhig und nach⸗ drücklich ſprach er aus, was ſeines Herzens Ueberzeugung war:Slavery is wrong!(Die Sklaverei iſt ein Unrecht!) Die Menge ließ ein ſcharfes, unwilliges Ziſchen hören er hielt einen Augenblick inne, dann fuhr er fort:Euer Ziſchen wird die Mauern der Gerechtigkeit nicht umſtürzen. Die Sklaverei iſt ein Unrecht: die Verleugnung dieſer Wahrheit hat ſchon oft den Bruderſtreit hervorgerufen; ſie hat das Feuer des Bürgerkrieges in Kanſas entzündet. Seid überzeugt, daß kein Compromiß, keine politiſche Vereinbarung jemals dauern wird, welche die Sklaverei nicht als ein großes Unrecht behandelt.

Als Lincoln das nächſte Mal die Stadt betrat, kam er als der neu⸗ erwählte Präſident, hochgefeiert und geehrt; aber als er die verſchiedenen Begrüßungen entgegengenommen und ſich ſeinem Hotel zuwandte, ſah man Thränen in ſeinen Augen. Die ſüdlichen Staaten waren bereits abge⸗ fallen, und er durfte zu keinem falſchen Compromiß ſeine Hand bieten. Er blieb feſt, obgleich ſchon damals die Hand eines Mörders auf ihn in Baltimore wartete, der er nur dadurch entging, daß er verkleidet die Stadt paſſirte.

Bald nach dem Ausbruche des Krieges hatte ich eine Privatunter⸗ redung mit dem Präſidenten. Ich war auf acht Uhr Morgens beſtellt, aber vor mir waren ſchon andere Petenten da. Im Vorzimmer war ein junges Weib mit ihrem Kinde; trüb und thränenvoll war ihr Blick, als ſie in des Präſidenten Zimmer hineinging freudig und getröſtet kam ſie heraus; unzweifelhaft erhielt irgend ein armer Gefangner an jenem Tage ſeine Freiheit und die Erlaubniß zur Heimkehr. Ich war, in Begleitung eines Freundes, auch gekommen, für Gefangene ein Wort zu ſprechen; wir wollten den Präſidenten bitten, die Sklaverei ſogleich und ganz aufzuheben. Er hörte uns ſehr geduldig zu, dann legte er uns ſeine Anſichten aus⸗ führlich dar; folgende Worte ſind mir daraus beſonders im Gedächtniß ge⸗ blieben:Wenn die Stunde gekommen ſein wird, den Kampf mit der Sklaverei aufzunehmen, hoffe ich, bereit und willig zu ſein zu handeln, wenn es auch mein Leben koſtete; und, meine Herren, fügte er mit trübem Lächeln und feierlichem Tone hinzu:manches Leben wird dar⸗ über verloren gehen. Von den Südlingern ſprach er durchweg im verſöhnlichſten Geiſte und er rieth uns ernſtlich, unſern Einfluß zu benutzen, dahin zu arbeiten, daß Jedermann im Norden bereit wäre, an den Geld⸗

verluſten ſich mitzubetheiligen, die der Süden, im Falle der Sklaven⸗ emancipation, erleiden würde.

Und dieſen Mann, ſagte jemand anders aus der Geſelſſchaft, haßte der Süden, nannte ihn einenIllinoispavian, von Whisky und Fanatismus beherrſcht und die UnionstruppenLincolns Söldlinge oder ſeine Mörderbande. Dem Dämon der Sklaverei mußte er zum Opfer fallen von der Hand eines Südlingers.

Er iſt gefallen, er, der ſeit Washington die größte Aufgabe für ſein Land gelöſt hat; aber vor ihm iſt die Sklaverei gefallen, die er ſtets von innerſter Seele gehaßt, ſo oft er auch geſchwankt, wie er ſich gegen ſie verhalten ſollte. Unvergeßlich werden ſtets die Worte ſeiner letzten Bot⸗ ſchaft bleiben:Meine feſte Hoffnung und mein inbrünſtiges Gebet, ſagte er,iſt, daß wir von dieſer furchtbaren Geißel, dem Kriege, bald befreit werden möchten. Aber wenn es Gottes Wille iſt, daß der Krieg fortdauere, bis die durch unbezahlte Sklavenarbeit in 250 Jahren aufge⸗ häuften Reichthümer vernichtet ſind und bis jeder Blutstropfen, der unter der Peitſche des Sklaventreibers gefloſſen, durch eben ſo viel Blut, dem Schwert entſtrömt, geſühnt iſt, wir müßten dennoch rufen: Herr, Deine Gerichte ſind wahrhaftig und gerecht!

Der jetzt beendigte Krieg, ſagt ein Waadtländiſches Journal,iſt aus einer Reaktion des religiöſen Gefühles, das über die Miſſethaten der Sklaverei empört war, hervorgegangen; darum hat auch das religiöſe Gefühl am Tage des Triumphes im Herzen des Volkes vorgeherrſcht. Selbſt in Newyork, der wenigſt amerikaniſchen Großſtadt der Union, gab der religiöſe Geſichtspunkt den Ton an für die Aeußerungen der Freude, als die Nachricht vom Falle Richmonds und von Lees Capitulation an⸗ langte. Mehrmals verſuchten es einzelne unter der aufgeregten Menge, welche die Straßen erfüllte, patriotiſche Geſänge anzuſtimmen, aber ver⸗ gebens: die alten puritaniſchen Pſalmen drangen durch und erſchollen un⸗ willkürlich von allen Lippen. Daſſelbe Gefühl rief die folgenden Worte in einem politiſchen Journale Newyorks hervor:Ehre ſei dem Herrn der Heerſcharen, von dem aller Segen kommt! Wenn jemals ein Volk ſich gedrängt fühlen mußte, voll überſtrömenden Dankes ſich vor ihm zu beugen, ſo iſt es gewiß unſer Volk. Die Geſchichte bietet kein Beiſpiel einer ähnlichen nationalen Heimſuchung. Niemals würden wir ſie überſtanden haben ohne die Hilfe, die von oben kommt. Die größten Geiſter Europas, bewandert in der Weisheit der Vergangenheit, nannten dieſen Krieg eine Thorheit. Und er war eine Thorheit, menſchlich ange⸗ ſehen und materialiſtiſch beurtheilt. Aber wir hatten eine verborgene Kraft, von der die Welt ſich keinen Begriff machen kann. Wir hatten den Glauben auf unſerer Seite. Wir waren überzeugt, daß ſo wahr es

einen allmächtigen Gott in Himmel gibt, er nicht den Erfolg einer Sache

zulaſſen könne, die nur ein einziges Ziel verfolgt: die Fortherrſchaft der Sklaverei. Heute iſt eine fromme Dankbarkeit die würdige Gefährtin dieſes Glaubens. Der vorherrſchende Gedanke iſt der, daß wir von Gott aufs reichſte geſegnet worden ſind. Unſere Feinde können, ſoviel ſie wollen, von unſern materialiſtiſchen Tendenzen ſprechen; ſie können unſer Volk alsGötzendiener des allmächtigen Dollars verdächtigen ſie verlieren damit nur ihre Zeit. Die Thätigkeit des Geſchäftslebens, ſo groß ſie iſt, hat das religiöſe Gefühl in dem Herzen Amerikas niemals vertilgt.

Ein ſolches Land hat, trotz aller ſeiner Gebrechen, eine Zukunft vor ſich. Die nöthigen Kräfte werden ihm niemals fehlen. In den düſteren Tagen, die auf den Mord ſeines Präſidenten folgten, hat die Börſe nicht aufgehört zu ſteigen und raſch ſind die erforderlichen Millionen für eine Nationalanleihe gezeichnet worden. R. K.

Für das deutſche Rettungsweſen zur See gingen bis heute den 8. Juni ferner ein:

Graf Rothkirch⸗Trach in Parthenau, Schleſien Thlr. 10. Aus einem Kränzchen in Alsleben a/Saale Thlr. 2. Pf. Prozell in Hinrichshagen, Meklenburg⸗Schw. Thlr. 2. Aus Dresden Thlr. 9. 28 ½ Sgr. Rentner Gerhard Schmits, Herm. Sohn in Mühlheim a/Ruhr Thlr. 25. Emma Schmits ebendaſ. Thlr. 1. Hermann Engels ebendaſ. Thlr. 1. Frau Krupp in Gelſenkirchen Thlr. 5. Lydia Krupp ebendaſ. Thlr. 2. Aus Havelberg Thlr. 1. Von S. in E. Thlr. 2. Frau Haaſe in Heepen Thlr. 2. G. Lieben in Wahlſtatt Thlr. 1. Cand. Dietrich in Putkus Thlr. 1. R. Mühlmann in Halle Thlr. 5. Betrag unſrer letzten Quittung: Thlr. 1442. 16. Summa: Thlr. 1512. 14 ½.

Geſchenkgeber in Preußen werden zur Vermittelung von Beiträgen auf das bequeme Mittel der Poſtanweiſung mit der Adreſſe: an den Verein für das Rettungsweſen zur See zu Händen von Velhagen§ Klaſing in Bielefeld ergebenſt aufmerkſam gemacht.

Zur gefälligen Beachtung!

Mit der nächſten Nummer ſchließt das III. Quartal.

Wir erſuchen unſere Leſer, zur Vermeidung von Unter⸗

brechungen(beſonders auf der Poſt), ihre Beſtellungen gefälligſt bald erneuern zu wollen.

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtr. Nr. 2.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. 4

Verlag der Daheim-Expedition von Delhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin. Druck von Fiſcher a Wittig in Leipzig.

ierzu ein Beſtellzettel. Hi in Beſtellzettel

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