Jahrgang 
1865
Seite
499
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Wunderdoctoren an die Aerzte wende, und dieſe ſofort verlaſſe, ihnen einer von jenen Wundermännern erreichbar wird.

Man hat viel darüber gefabelt, wie das zugeht. Die gewöhn⸗ lichſte Annahme iſt die: daß der Mangel an Aufklärung und Bildung im Volke die Urſache des Beifalls ſei, deſſen ſich die Wunderdoctoren und Schnäpſe erfreuten, und daß der Fortſchritt der Civiliſation und Aufklärung das Uebel des Pfuſcherweſens mit der Zeit gänzlich aus⸗ rotten werde. Das iſt eine ganz falſche und oberflächliche Anſicht. Die fortſchreitende Civiliſation hat mit dieſer Sache nichts zu thun; wie ſich daraus ergibt, daß ſie in den letzten 200 Jahren hierin gar nichts geändert hat, und daß ferner das Pfuſcherweſen nirgends ſo blühet und wuchert, wie in den hocheiviliſirten nordamerikaniſchen Freiſtaaten, wo jeder Bürger einige Zeitungen lieſt und ein Staats⸗ mann ſein ſoll. Ganz beſonders aber wird dieſe Thatſache dadurch widerlegt, daß es gerade die Vornehmen und Aufgeklärten im Volke ſind, welche im Verhältniß zu ihrer Zahl das bedeutendſte Contingent zu den Anhängern der Wunderdoctoren ſtellen. Auch die Macht des Beiſpiels, der Mode, der Nachahmung, erklärt die Sache nicht hin reichend. Ebenſowenig die Annahme, daß die Leute den Wunder⸗ doctoren zuliefen, weil ſie ihnen weniger zu bezahlen brauchten; denn ihre Rechnungen ſind keineswegs ſo dumm wie ihre Recepte. Viel⸗ mehr liegt der Grund tiefer. Er liegt darin: d die Menſchen es ahnen, der Arzt könne nicht gemacht, er müſſe ge⸗ boren werden. Sie ahnen es, daß einer deshalb, weil er eine Weile Profeſſorenweisheit gehört und ſein Examen beſtanden, noch keineswegs der Gabe theilhaftig geworden ſei, die Tiefen der Natur⸗ geheimniſſe zu ergründen. Und ein dunkles Gefühl lehrt ſie, daß

ſolche Gabe nicht mit den erlernten Kenntniſſen auf den Schüler übergeht.

Aber, wie es ſo mit dunkeln Gefühlen zu geſchehen pflegt, ihre Wirkungen fallen meiſt ins Maßloſe und Lächerliche. Zunächſt darin, daß die Menſchen der dreiſten Behauptung der Wundermänner, ſie ſeien im Beſitz ſolcher Gabe, ſofort Glauben ſchenken. Wie jene da⸗ zu gelangt, ob durch Mittheilung von Seiten eines mehrhundert⸗ jährigen Druſenſcheikhs, wie dies Morriſon von ſeinen Pillen ver⸗ breiten ließ, oder als köſtliches Erbgeheimniß, oder durch unmittel⸗ bare göttliche Einwirkung, darauf kommt es den Leuten nicht an. Genug es wird geglaubt.

Richtig iſt es, der Arzt kann nicht gemacht, er muß geboren werden. Aber nur die Anlagen werden angeboren; und wie der⸗ jenige kein Künſtler iſt, dem die Naturanlagen zu einer Kunſt ver⸗ liehen, wenn er ſie nicht ausbildet, ſo iſt auch derjenige kein Arzt, der die mediciniſche Wiſſenſchaft nicht getrieben und die ärztliche Kunſt nicht erlernt hat, mag er auch wirklich eine natürliche Begabung zu b

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letzterer empfangen haben. Die Menſchen meinen aber, dem ſei nicht ſo, die Medicin mache hier eine Ausnahme. Sie meinen das wirklich, wie daraus hervorgeht, daß ſie allgemein der Einbildung leben, ſie ſeien im Stande, die Leiſtungen des Arztes, ſein Können und Wiſſen zu beurtheilen. Nach Laune und Belieben ſchreiben ſie den glücklichen oder unglücklichen Ausgang einer Krankheit entweder der Thätigkeit des Arztes zu, oder bringen ihn außer Zuſammenhang mit ihr, wie es ihnen paßt, oder wie die Perſönlichkeit des Arztes ihnen zuſagt. Sie ſind mit Mephiſtopheles der Meinung: der Geiſt der Mediein ſei leicht zu faſſen, und halten beinahe dafür, daß dieſelbe eine Art natürlicher Fertigkeit ſei, den Menſchen ebenſo angeboren wie die Kunſt zu verdauen, ohne zu wiſſen, daß ſie es thun. Sie geben nur zu, daß der eine dieſe Kunſt in höherem, andere in geringerem Grade be⸗ ſitzen. Freilich gibt es Verrichtungen am menſchlichen Körper, welche Jedermann zu beurtheilen vermag, z. B. die des Hühneraugenoperateurs oder des Zahnkünſtlers. Aber anders verhält es ſich mit der Beur⸗ theilung der tiefen Kenntniſſe, der ſchwierigen Denkoperationen, die allein die vernunftgemäße Behandlung wichtiger Krankheiten ermög⸗ lichen.Was thut's, ſagte einmal ein vornehmer Mann zu mir, mit dem ich über einen Modecharlatan ſprachder Mann iſt freilich er⸗ ſtaunlich dumm, aber was thut's? Er hat Glück! heißt das nicht geradezu: bei Ausübung der Medicin komme es am wenigſten auf Ver⸗ ſtand und Wiſſenſchaft an? Und dieſes Glück, was der belobte Pfuſcher hatte! Freilich wurden ſo manche Krankheiten, bei denen er hinzugerufen war, glücklich vorübergeführt; wie auch die Mondfinſterniſſe, nach Meinung der Karaiben, durch das Geheul, Raſſeln und Trommeln ihrer Medicinmänner ſtets ſehr glücklich vorübergeführt werden.

Es iſt ein bedeutſames Wort, was jener große Arzt einſt aus⸗ ſprach:Wenn wir nur fix zu Beinen, und nicht aufs Maulgefallen ſind, ſo erwerben wir uns ſchon den Ruf vortrefflicher Heilmeiſter!

Ich will verſuchen, dies klar zu machen. In derſelben Stadt prakticiren zwei Aerzte, der Dr. A. und Dr. B., der erſtere iſt ein an⸗ genehmer Mann, der vortrefflich mit den Frauen umzugehen weiß, fir zu Beinen, nicht aufs Maul gefallen, und erfreut ſich einer ausge⸗ breiteten Praxis. Er iſt beliebt. Uebrigens iſt er allen alles, d. h. ein ſeichter Kopf, und handelt insgeheim nach dem Grundſatze: Leben, und ſterben laſſen. Der Dr. B. iſt das Gegentheil von ihm. Von ungewöhnlicher geiſtiger Begabung findet er in ſeiner Umgebung nur wenige ſeines Gleichen, er iſt daher nicht allen alles. Er iſt nicht beliebt, ſeine Praxis iſt nicht ausgebreitet. Nun bricht in jener Gegend eine böſe Krankheit aus, die nach Art der Epidemien viele Menſchen nach einander ergreift. Der Dr. A. kurirt an ſeinen Patienten nach beſtem Vermögen herum; aber da dies nicht ausreicht, ſterben viele, und die nicht ſterben, ſeuchen ſich nach monate⸗ langem, ſchwerem Leiden durch. Dem Dr. B. aber ſterben Anfangs vielleicht auch einige Patienten; aber bald erkennt ſein ungewöhnlicher Scharfblick das Heilverhältniß der Krankheit, und von Stund am ſtellt er nicht nur die von dem ſchweren Uebel Ergriffenen her, ſondern, da er ſogleich bei den erſten Symptomen deſſelben das richtige Verfahren ergreift, ſo erſpart er dem Kranken das ganze ſchwere Krankenlager durch Abkürzung und Coupirung des Verlaufes der Krankheit. Wie aber wird das Publikum über die Thätigkeit dieſer beiden Aerzte urtheilen? Nach dem, was vor Augen liegt. Und vor Augen liegt: daß der Dr. A. die meiſten und

ſchwerſten Kranken gehabt, daß er unermüdlich dieſelben beſucht hat, und daß viele, die ſchon dem Tode ganz nahe geweſen, dennoch bei ſeiner Behandlung geneſen ſeien! Ferner lag vor Augen: daß der Dr. B. nur wenige ſo ſchwere, lang dauernde Krankheitsfälle behandelt hatte. Das Urtheil iſt fertig: Dr. A. habe noch in den verzweifeltſten Fällen dem Tode ſeine Beute abgejagt, Dr. B. nur die leichteſten Fälle behandelt.

In Wahrheit aber hat der Kutſcher des Dr. A. denſelben An⸗ ſpruch an die ſeinem Herrn geſpendeten Lorbeeren.

Wie oft heißt es von einem Arzte: ſein Ruf ſei von vornherein ſogleich durch einige glückliche Kuren feſt gegründet worden. Aber die ſolches Urtheil ausſprechen, verſtehen von dem natürlichen und dem durch Kunſthilfe abgeänderten Verlaufe der Krankheiten, ſo. wie von dem Werthe des angewendeten Heilverfahrens genau ſo viel, als jene Karaiben von den Urſachen und Bedingungen der Planeten⸗ bewegungen. 8

Aber wenn man den Arzt wirklich nicht nach ſeinen Erfolgen und Leiſtungen ſoll abſchätzen können, wonach denn? Man will doch, wenn man die Auswahl hat, ſich an den beſten Arzt wenden. Woran iſt dieſer zu erkennen, wenn nicht an ſeinen Leiſtungen?

An ſeinen Eigenſchaften.

Jeder Beruf verlangt gewiſſe Eigenthümlichkeiten, ohne welche der einzelne es in demſelben niemals weit bringen kann. Anders ſind die Eigenſchaften, die zu einem tüchtigen Kriegsmann, anders die, welche zu einem Richter, Kaufmanne, Geiſtlichen oder Arzte gehören. Der letztere bedarf weſentlich dreierlei Eigenſchaften. Es ſind: ein heller Kopf und die Fähigkeit richtig zu denken. Sodann ein edles Herz und ein männlicher Charakter. Endlich drittens: der Beſitz der erforderlichen Kenntniſſe..

Nur die letztere Eigenſchaft garantirt der Staat, in Betreff der beiden erſteren hat jeder ſelbſt zu urtheilen. Sie werden durch das ganze Auftreten, das Wirken und Leben des Arztes klar; und da niemand zum ärztlichen Berufe zugelaſſen wird, der nicht den Doktoreid geſchworen hat, ſo haben wir an dieſem einen trefflichen Maßſtab, um danach das Auftreten und Wirken des Arztes zu bemeſſen. Es lautet aber dieſer Eid folgendermaßen:

Ich gelobe, daß ich nicht um meines Vortheiles willen, ſondern zum Preiſe Gottes, zum Wohl und Heile meiner Mitmenſchen, und zur Förderung der mir überkommenen Wiſſenſchaft meine Kunſt aus üben will. Daß ich Jedermann, der meine Hilfe begehrt, ſei er arm, ſei er reich, mit gleicher Liebe und gleichem Fleiße beiſtehen will.

Köſtliches Gelöbniß das! der Arzt, der ſich bemüht, ihm nachzu⸗

leben, der iſt zu empfehlen, den nehmt!