„Als ich begann von Pflicht und Ehre, von Entſagung und Trennung zu reden, zeigte ſie ſich erſt gekränkt und verletzt, dann flammte ſie auf in der wildeſten Leidenſchaft, ſie ſchalt mich feige und niederträchtig, ſie wollte nichts hören von Vernunft und Pflicht. Meine erkünſtelte Ruhe hielt ihrem Liebeszorn nur ſchlecht Stand, ich ſah mit Entſetzen, in welches furchtbare Netz ich mich verſtrickt hatte; ich, ich allein hatte dieſes edle Weſen ſo erniedrigt durch meine Leiden⸗ ſchaft, daß es jetzt, ſelbſt leidenſchaftlicher als ich es je geweſen, ihren Ruf, die Liebe ihres Vaters, alles, was ſonſt dem Weibe und ihr vor Allem theuer war, mit Füßen treten und mit mir in die Welt hinausflüchten wollte. Im Herzen war ich tief elend, aber die Schön⸗ heit Charlottens hatte einen ſo mächtigen Reiz, einen ſo dominirenden Charakter angenommen, ſie war in ihrer Leidenſchaftlichkeit viel ſtärker als ich in meiner Nüchternheit. Damit will ich meine ſtrafbare Nach⸗ giebigkeit, meinen ſchändlichen Bruch des Wortes, das ich dem Fürſten gegeben, nicht entſchuldigen, ich will es nur einigermaßen erklären, wie es kam, daß ich ſo elend unterlag. Wir flüchteten wirklich und erreichten glücklich ein Aſyl, in welchem wir mehrere Wochen verborgen lebten, Wochen, in denen ich alles genoſſen habe, was das Leben an Süßigkeit und Bitterkeit zu bieten vermag, Stunden, in denen ich bald vor Wonne und Stolz gejauchzt, bald vor Scham und Schmerz geweint habe. Als wir uns ſicherer dünkten und unſere Flucht weiter fortſetzen wollten, wurden wir verrathen, gefangen und ge⸗ trennt. Ich ſaß ſieben lange Jahre gefangen und erfuhr nur wenig von der Welt; ich rede nicht von der Zeit der Gefangenſchaft, ich litt mit dem Gefühl, daß ich nur leide, was ich verdient. Eines Tages trat der Fürſt in meinen Kerker, der blühende Mann war ein ge⸗ brechlicher Greis geworden, ſein Stolz war dahin, er ſchloß mich weinend in ſeine Arme; ſein Kind, ſeine Charlotte, lag im Sterben und verlangte nach mir; der Vater glaubte, ich könne ſein Kind retten, ihm die Tochter erhalten, er ſelbſt führte mich zu ihr. Wirklich flammte ihr Lebenslicht bei meinem Anblick wieder hell auf, Charlotte ge⸗ ſundete und der edle Fürſt vermählte mir ſeine Tochter an dem Tage, an welchem ſie zum erſten Male wieder das Zimmer verlaſſen konnte. Von ihr erfuhr ich, daß auch ſie in der erſten Zeit der Trennung ge⸗ fangen gehalten geworden, wenn auch nicht ſo hart als ich, ich erfuhr, daß ſie in der Gefangenſchaft einen Sohn geboren, einen Sohn, den ich nie geſehen, denn er war nur ſechs Jahr alt geworden und kurz vor unſerer Wiedervereinigung wieder geſtorben. Ich erfuhr, mit welcher Liebe und Treue Du mich geſucht und alles an meine Be⸗ freiung geſetzt haſt, wie nahe daran Du wareſt, meine Befreiung zu erzwingen, als Du die Prinzeß aus ihrem Kerker befreit und wegge⸗ führt hatteſt und wie an dem Verrath des lombardiſchen Leibdieners endlich alles ſcheiterte. Gott lohne Dir tauſendfach an Kindern und Kindeskindern, was Du für mich gethan haſt! Ein glückliches Leben führe ich jetzt an der Seite meiner Charlotte nicht, ſie iſt abwechſelnd von leidenſchaftlicher Liebe für mich und dann wieder voll düſterer Schwermuth; Tage vergehen, ohne daß wir ein Wort wechſeln; ich bin voll Schmerz und Wehmuth, denn ich bin es, der dieſes edle Weib durch ſeine Leidenſchaft unglücklich gemacht hat. Oft ſcheint mir alles wie ein Traum, alles was ich erlebt habe, ſeit mich der große König zum erſten Male hierher ſendete. Mußte ich Charlotte verderben, um ſie zu gewinnen? Es iſt eine Thorheit ohne Gleichen, daß der Menſch wähnt, ſein Schickſal ſei in ſeiner Macht; wenn Gott Seine Hand ausſtreckt, ſo fallen unſere Werke zuſammen vor dem Schatten Seines Fingers.“
Wir enthalten uns billig jeder Kritik dieſer Schrift; es iſt jeden⸗ falls ein nicht ganz gewöhnlicher Mann, der darin ſpricht, am aller⸗ wenigſten möchten wir einen Stein auf ihn geworfen wiſſen.
In Bezug auf unſere Geſchichte aber entnehmen wir aus dieſem ſchwediſchen Fragment doch nun mit einiger Gewißheit folgendes: Der Gotteshans beſuchte vor und nach der Breitenfelder Schlacht im Auftrage ſeines Königs mehrere ſüddeutſche Höfe; an einem derſelben, wo ihn der Fürſt vorzüglich begünſtigte, verſtrickte er ſich in jenes Verhältniß mit der Prinzeß Charlotte. Es ſcheint die erſte Liebe des harten, ſchlauen Soldaten, des feinen und glatten Diplomaten geweſen zu ſein; die Erinnerung an die ritterliche Frauenverehrung, welcher wir in dem Fragment begegnen, lag niemandem ferner als jenen Glücksſoldaten des ſiebenzehnten Jahrhunderts; für den Charakter des Gotteshanſen und deſſen Beurtheilung iſt gewiß von Bedeutung, daß er einer ſolchen Schwärmerei überhaupt fähig war, ebenſo die rührende
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Selbſtanklage, daß er Charlotte zu ſich herabgezogen, ſie ſchlecht und leidenſchaftlich gemacht habe. Der Selbſtvorwurf iſt nicht ohne tiefere Begründung, aber er iſt höchſt überraſchend im Munde des Glücksſolda⸗ ten. Wir erfahren ferner, daß der Generalwachtmeiſter, von brüderlicher Liebe getrieben, alles daran ſetzte, den verlorenen Bruder wieder zu finden und ihn zu befreien. Der Zug einer faſt erhabenen Schwermuth, den wir in dem Bilde des Generalwachtmeiſters fanden, er galt alſo dem ver⸗ lorenen Bruder. Der gefürchtete Krieger mit der rothen Hand ſetzte alles an die Rettung des Bruders; die drei Junker von Haidelliſt ſind gewiß ganz ungewöhnliche Erſcheinungen in jener Zeit wüſten Mordens und Plünderns. Und als es der rothen Hand nicht ge⸗ lingt, den Bruder zu befreien, da ſpielt er ein Stück ganz im Geiſt der Zeit jenes Krieges, er fängt die Tochter des Fürſten durch einen Handſtreich und führt ſie mit ihrem Kinde raſch in ſeine Heimat, in das braune Schloß, in die abgelegene Haidebucht fern im alten Lande Churmark Brandenburg. Und nun macht er den Vorſchlag zur Aus⸗ wechſelung der Gefangenen, er läßt dem Fürſten ſagen: gib mir meinen Bruder, dann gebe ich Dir Deine Tochter! Ob er wußte, daß die Prin⸗ zeſſin ſeines Bruders Geliebte? wahrſcheinlich, indeſſen eine direkte Ant⸗ wort auf dieſe Frage haben wir nicht gefunden. Unzweifelhaft iſt uns, daß jenes wilde Mädchen, in welchem man zu Haidelliſt ſchon einen ver⸗ kleideten Knaben zu erkennen glaubte, der in der Gefangenſchaft ge⸗ borene Sohn des Gotteshans war, den nie ſeines Vaters Augen ſahen. In der fremden Erzieherin erkennen wir die Prinzeſſin, in dem„feinen Diener“ den lombardiſchen Leibdiener, deſſen Verrath die Pläne des Generalwachtmeiſters ſcheitern machte. Der Fürſt er⸗ fuhr wahrſcheinlich durch ihn den Aufenthalt ſeiner Tochter und raſch entſchloſſen, auch ganz im Geiſt jener Zeit, fiel er mit einer Reiter⸗ ſchar heimlich auf Haus Haidelliſt, ſich ſeine Tochter und ihr Kind mit Gewalt zu nehmen. Ob der Fürſt den geglückten Ueberfall ſelbſt geführt, iſt gleichgültig, daß die beiden Brüder Magnus und Achim in dem Kampfe für die Frau fielen, welche ſie als Pfand für die Frei⸗ heit ihres Bruders genommen, lag wahrſcheinlich nicht in ſeiner Ab⸗ ſicht, er war ja ein großmüthiger Herr; ſchwerlich aber hat er großes Bedauern darüber gefühlt; Menſchenleben wurden nicht hoch ange⸗ ſchlagen dazumal. Warum jener lombardiſche Diener den allerdings verdienten Verräthertod ſtarb auf märkiſcher Haide, das wiſſen wir nicht; vielleicht entledigte man ſich kurz und gut eines unbequemen Mitwiſſers. Nur an das oben mitgetheilte Volkslied möchten wir noch einmal erinnern; es iſt in demſelben doch ſo ziemlich richtig die Situation geſchildert; die Sage von dem Heulen⸗des Hundes hat ſicherlich an ein wirkliches Vorkommniß der Art angeknüpft, wenn auch ſchwerlich die„junge Landgräfinne,“ das war in der That der Titel der Prinzeß Charlotte, in demſelben Thurm mit ihrem Ge⸗ liebten gefangen gehalten worden iſt.
Eine andere Frage iſt, ob die Prinzeß ihrem Gemahl den Tod ſeiner Brüder verſchwiegen; als der Gotteshans jenen Bericht ver⸗ faßte, wußte er offenbar nichts von dem Tod derſelben. Wußte die Prinzeß ſelbſt nicht um dieſen Tod? oder ſchwieg ſie aus Schonung? Vielleicht wurde der Bericht nicht weiter geſchrieben, weil der Gottes⸗ hans unterdeſſen Kunde von dem Tode ſeines Bruders erhielt. Jene Tochter des Gotteshans und der Landgräfin Charlotte, welche nach⸗ gehends den gräflichen Stand erhielt, den Fleckenſteiner heirathete und die Großmutter der alten Herzogin in Wien war, iſt un⸗ zweifel⸗ haft erſt nach der Wiedervereinigung der Liebenden geboren.
Wie aber kam nun der Gotteshans dazu, das Bekenntniß zu wechſeln und katholiſcher Prieſter zu werden, da das Haus, welchem die Landgräfin Charlotte angehörte, proteſtantiſch war. Wir wiſſen es nicht.
Vielleicht hätte jener churbraunſchweigiſche Geheimerath Hans Joachim Magnus von Haidelliſt, den wir in Wien kennen lernten, einige Auskunft geben können, denn es iſt nicht unbekannt, daß ſich derſelbe mannigfach darum bemüht hat— der Freiherr iſt aber zu Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, unbe⸗ weibt und unbeerbt, der letzte ſeiner Linie, mit Tode abgegangen und von ſeinen Papieren iſt nichts an die märkiſchen Vettern gekommen, „um ungetreuer Diener willen,“ leſen wir in einem bitter darüber klagenden Briefe. Die ſchwediſche Niederſchrift hatte der Freiherr ſchon zehn Jahre früher zur Anſicht nach Haidelliſt geſendet; ſie iſt uns lediglich dadurch erhalten worden, daß er ſie nicht zurückgefordert hat.
(Schluß folgt.)
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