Der Anblick des alten Backſteinbaus in der Haidebucht iſt in herbſtlicher Sturmnacht nicht weniger eigenthümlich und feſſelnd, als am Mittſommertag, wenn„der große Pan ſchläft.“
Haus Haidelliſt hat auch in neuer Zeit fröhliche Stunden und frohe Geſichter genng geſehen, denn es iſt nicht einſam und verlaſſen; Beamte der Herrſchaft wohnen immer dort und Gäſte derſelben häuſig, wenn auch die Beſitzer ſeit Generationen nun ſchon eine andere Reſidenz haben, weniger abgeſchnitten vom Verkehr, paſſender gelegen für die Bewirthſchaftung der großen Begüterung, wohnlicher und prächtiger, aber, abgeſehen von der Lage, kaum weniger eigen⸗ thümlich als das alte Haus in der Haidebucht.
Von der ſchon erwähnten Anhöhe, wo die drei jungen Eichen ſtehen und der lange ſchmale Knüppeldamm in die Einbuchtung der Haide hineinführt, in welcher Haidelliſt liegt, zieht ſich zur Linken, um die ſcharf ins Ackerland eindringende Waldſpitze herum, ein, wie immer in der Mark, verſchwenderiſch breiter Weg hin, der trefflich zu befahren iſt, wenn ein tüchtiger Regen den Sand feſt gemacht hat. Verfolgt man dieſen Weg etwa eine halbe Stunde lang mit mäßiger Ausdauer, ſo gelangt man an das Dorf Haidelliſt, das keine An⸗ ſprüche auf beſondere Schönheit macht, aber doch ein ganz ſtattliches Anſehen bekommt durch ſeine vierfache Allee ſchöner Lindenbäume, in deren Mitte eine hübſche kleine Kirche liegt, die erſt vor etlichen zwanzig Jahren erbaut wurde. Am andern Ende des Dorfes aber und von demſelben durch ein nicht unbedeutendes Gewäſſer getrennt, welches weiter unten eine anſehnliche Mühle treibt, erhebt ſich auf einer artigen Terraſſe eines jener etwas verſchnörkelten Bauwerke, aus dem vorigen Jahrhundert, die wir wahrlich nicht als Muſter edler Baukunſt empfehlen wollen, die aber ebenſo wenig den gering⸗ ſchätzigen Hohn verdienen, mit dem man ſie jetzt verwirft. Jene Schlöſſer und Herrenhäuſer in Roccocco und Zopfſtyl characteriſiren doch wirklich ihre Zeit; die Zopf⸗ und Perückenzeit hat darin ge⸗ wohnt; unſere Zeit liebt es, ſich Tudorſchlöſſer, Ritterburgen und mauriſche Paläſte zu bauen; geſchmackvoller ſind ſie, wer will das beſtreiten? aber der Geiſt unſerer Zeit ſpricht ſich nicht in ihnen aus — wir haben nicht mehr Eigenthümlichkeit genug, um uns eigen⸗ thümliche Wohnungen zu ſchaffen.
Reſpect vor den Männern, die in jenen verſchnörkelten Häuſern wohnten! ſie hatten ihre Fehler, ihre Thorheiten, wie wir die unſern haben, aber ſie hatten auch ihre großen und guten Eigenſchaften, ihre Tugenden und— es waren unſere Väter und Vorfahren!
Als die von Haidelliſt das alte Backſteinhaus zwiſchen Luch und Haide verließen, da bauten ſie ſich ein neues Haus, wie's ihnen bequem war, auf dem Hügel am Waſſer und nannten es nach der eben nicht löblichen Sitte der Zeit franzöſiſch:„Monorgueil.“ Dieſer „Stolz“ iſt den Haidelliſten ſehr theuer zu ſtehen gekommen damals, aber Menſchenalter ſind vergangen und die märkiſche Zunge hat ſich noch nicht an den fremden Namen gewöhnt, Monorgueil ſteht auf dem Papier, aber„das neue Haus“ ſagen die Leute.
Wir wollen hier nicht die Roccoccopracht von Monorgueil ſchildern, es hat wohl jeder von uns ein Monorgueil geſehen, wenn es auch Monrepos, Montréſor, Monbrillant, Monchoix, oder noch auders hieß; es war immer daſſelbe Arrangement, vorn Terraſſen mit ſehr beſcheidenen Sandſteinſtatuen und noch beſcheidenern Spring⸗ brunnen, von dürftiger und etwas kränklicher Orangerie umgeben; hinten ein Garten mit ſchönen ſchnurgeraden Lindenalleen, glatt⸗ geſchorenen Taxushecken, Taxuspyramiden, Baſſins mit ſteinernen Waſſerthieren, Grotten ꝛc.
Nun, ſo war Monorgueil auch und iſt es noch, wenn ſich auch neues Leben aller Art hineingeſchoben hat zwiſchen die geraden Linien und neues Leben gar lieblich grünt und blüht zwiſchen den krauſen Schnörkeln.
Es war an einem anmuthigen Sommerabend, als in einem Gartenſalon des Schloſſes Monorgueil eine kleine heitere Geſell⸗ ſchaft um einen runden Tiſch ſaß, in lebhafter Unterhaltung be⸗ griffen.
Die Thüren waren weit geöffnet und zeigten eine liebliche Mondſcheinlandſchaft; die Nachtluft wehete erquicklich herein, der Springbrunnen auf der Terraſſe ſpielte mit den goldenen Kugeln und plätſcherte leiſe.
Die Geſellſchaft beſtand aus fünf Perſonen: zwei Damen, der Frau vom Hauſe und ihrer Schweſter; drei Herren, dem Hausherrn,
dem Bräutigam der Schweſter und einem Jugendfreunde beider, der ſeit einigen Tagen die Gaſtfreundſchaft von Monorgueil genoß. Von den fünfen war keins über dreißig Jahr alt. Im Lauf der Unterhaltung kam man auf ein altes Bild, werthlos vielleicht vom künſtleriſchen Standpunkt aus, aber bedeutend oder doch auffallend durch den Gegenſtand, den es darſtellte...
Das Bild, welches der lieblichen jungen Braut beſonders lieb und von ihr aus dem alten Hauſe Haidelliſt nach Monorgueil ge⸗ bracht worden war, zeigte einen ſchlanken noch nicht alten Herrn in der maleriſchen Tracht des dreißigjährigen Krieges; man konnte die lebensgroße Schilderei nicht anſehen, ohne ſich von dem Ausdruck einer faſt erhabenen Schwermuth gefeſſelt zu fühlen, der in dem ſonſt nicht eben ſchönen Antlitz des Mannes lag. Dazu war dieſes Geſicht halb beſchattet von der breiten Krämpe des Schlapphuts, deſſen Feder auf die linke Schulter herabhing. Die hohe Geſtalt ſtand weit vorwärts gebeugt und auf das Schwert geſtützt. Mochte nun auch, wie geſagt wurde, die ganze Figur verzeichnet ſein, mochte das Bild noch andere Fehler haben, trotzalledem übte es einen un⸗ widerſtehlichen Reiz auf den Beſchauer. Es war eins von jenen Bildern, von denen man ſagt: es ſteckt etwas dahinter es war ein gemaltes Geheimniß und reizte den Beſchauer zum Forſchen und Fragen. Seltſam erſchien es auch, daß die Hand, welche auf dem Schwertknauf lag mit einem rothen Stulphandſchuh bekleidet war; gewiß, das mußte etwas bedeuten, denn der Handſchuh an der Linken war gelb...
Wie manche andere Beſucher von Monorgueil vor ihm, ſo hatte auch der gegenwärtige Gaſt des Hauſes, von dieſem Bilde ge⸗ reizt, geforſcht und gefragt und für dieſe Abendſtunde war ihm von ſchönem Munde jede mögliche Auskunft über das Bild verſprochen worden. Die anmuthige Braut, die Schweſter der Dame vom Hauſe, nach ihr die letzte vom alten Geſchlecht der Herren von Haidelliſt, hatte es übernommen, von dem merkwürdigen Bilde zu erzählen. Sie löſte ihre Aufgabe, von der Schweſter freundlich unter⸗ ſtützt, mit der ganzen poetiſchen Friſche ihres Weſens, mit dem ſchönen Eifer eines Edelfräuleins, das mit vollem Recht ſich der Ahnen freut, und jener wohlthuenden, maßvollen Sicherheit, die nur der Erzähler beſitzt, der ſeines Stoffes vollkommen Herr iſt. Die Erzählung fand ſehr aufmerkſame Zuhörer, denn der Bräutigam kannte dieſe Ereig⸗ niſſe noch gar nicht, der Hausherr ſelbſt aber nur oberflächlich. Was wir hier aus der Erinnerung jenes Abends niederſchreiben, iſt, ob⸗ wohl in manchen Punkten hiſtoriſch ergänzt und in andern nicht ohne Mühe verificirt, doch nur ein dürftiger Umriß jener Erzählung voll Feuer und Farbe. Jene mondbeglänzte Zaubernacht von Monor⸗ gueil hält wohl immer noch den Sinn gefangen, aber das ſtrahlende Auge und der blühende Mund der Erzählerin fehlen!
II. Die rothe Hand.
Die rechte Wunde kann kein Auge ſehn;
Ich habe mich gezwungen und bemeiſtert,
Doch dünkt mir alles immer noch ein Traum. Ludwig Tieck.
Die jüngern Söhne des kriegeriſchen Adels der Marken haben in alten Zeiten nicht gern ſtill zu Haus geſeſſen auf ihren väterlichen Hufen zwiſchen Sand und Sumpf, ſondern ſind immerdar gern aus⸗ gezogen auf ritterlich Kriegsabenteuer in fremdes Land. Vorzugs⸗ weiſe unter des Kaiſers Fahne hat ſich unſer junger Adel gern die Ritterſporen verdient und mancher brandenburgiſche Edelmann iſt im Ungarlande unter dem ſchwarzgelben Panier„vor dem Feind ge⸗ blieben todt, auf grüner Haide.“ Aber auch wo ſonſt ein ſtattlicher Kriegsfürſt ein„reinlich Banner“ entrollte und aufwarf zwiſchen „Morgenſonne und Wind“, fehlte es an den ritterlichen Sproſſen der großen Schwertgenoſſenſchaft nicht, welche einſt die Branden⸗ burgiſchen Marken unter Führung der herrlichen Askanier für das deutſche Reich eroberte. Die nordiſchen Schwedenkönige zählten von je Brandenburger unter ihren beſten Helden und bei den Königs⸗ marcken, Görtzcken, Pfuelen und andern Märkiſchen von Adel, welche unter dem Dreikronenbanner und der blaugelben Standarte bluteten und ſiegten, befinden ſich auch etliche des Geſchlechts von Haidelliſt und Dambach.
Bald nach Anfang des ſiebenzehnten Jahrhunderts war auf dem braunen Hauſe in der Haide verſtorben der edle und geſtrenge Ritter,
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