Jahrgang 
1865
Seite
466
Einzelbild herunterladen

fremde Küſten ſuchten. Er ſah die Getreideſchiffe vom Bosporus, von Aegypten, Sicilien, andere brachten Wein von den Inſeln, Bau⸗ und Nutzholz von Thracien, Macedonien, Cypern; große Ladungen von Fiſchen von den Küſten des ſchwarzen Meeres, von Byzanz und Sinope herkommend; Kupfer von Cypern und Euböa; feine Tuche von Milet, von Kos, von Tarent; ägyptiſche Leinwand und Prachtgewande aus dem Orient; Salben und wohlriechende Oele aus Cypern, Cyrene, Epheſus; andere hatten feines Backwerk aus Sicilien, dem klaſſiſchen Lande der Kochkunſt, andere phöniciſche Datteln, oder das berühmte Arzneimittel von Cyrene, das heilkräftige Silphion geladen; andere führten Sklaven aus Phrygien oder den thraciſchen und ſcythiſchen Ländern. In entgegengeſetzter Richtung ſah er andere fahren: ſie führten Erzeugniſſe des attiſchen Bodens oder attiſchen Kunſtfleißes: Oel, Honig, Feigen, Töpferwaren und Trinkgeſchirre, Lampen, Lederarbeiten, Schreibbücher, gemünztes Silber, Bücher und wohlverpackte Kunſtwerke. Das Schiff wandte und fuhr in den Piräus ein. Die hier und dort liegenden Wach⸗ ſchiffe, die Kriegsflotte, von der ein namhafter Theil dort ankerte, die rege Geſchäftigkeit auf den Werften, das Arſenal, die neuen Werften, an denen er der Reihe nach vorüberfuhr, zeigten, daß der Staat die Mittel beſaß, ſeine Bürger und ihren Handel auch an den entfernteſten Küſten zu beſchützen, und wie der Fremde, an den Werften vorbeigekommen, bei den Hallen ans Land trat, ſo konnte er ſchon in dieſen Räumen, wo jene überſeeiſchen Produkte gegen eine Lagermiethe aufgeſpeichert waren, auch die Thätigkeit der umſichtigen Markt- und Hafenpolizei gewahren, welche der Staat zu üben wußte. In dieſen Hallen und ihrer unmittelbaren Nähe waren die Amtslokale der Hafen- und Zollbeamten, ebendort das Digma oder Börſengebäude, wo die Kaufleute zuſammenkamen, wo die Proben der Waaren ausgelegt, die Geſchäfte gemacht, die Handelsgerichte abge⸗ halten wurden. Hatte er die Inſchriftſteine, die Zollgrenze, paſſirt, ſo trat er in die eigentliche Piräusſtadt, die geräuſchvoll belebt, wie nur immer ein Hafenplatz, mit ihren geradlinigten neuen Straßen von dem Fort Munychia und den gewaltigen Mauern, die ſich rings um die buchtenreiche Halbinſel zogen, überragt wurde. Zwiſchen hohen Mauern, deren lange Linie, von Thürmen unter⸗ brochen, den Blick begränzte, legte man den 1 ½ ſtündigen Weg nach der Stadt zurück, deren glänzende Burg mit ihren Tempeln vor den Blicken des Heimkehrenden lag. Durch das piräiſche Thor paſſirte er die Mauer des Themiſtokles: zur Linken den Hügel der Pnyx, den Platz der Volksverſammlungen, gelangte er auf den Markt, den Mittelpunkt, in welchem das Leben der Stadt während eines großen Theils des Tages ſich concentrirt. Auf dieſen Platz, der von Tempeln und Hallen eingefaßt, von den Platanen, welche Cimon angepflanzt hatte, beſchattet war, und den ganzen Stadttheil zwiſchen der Pnyx und dem Areshügel mußte der Fremde kommen, der atheniſches Leben kennen lernen wollte. Es fehlte hier niemals an allen jenen bunten, ſprechenden, komiſchen Scenen und Zügen, welche der Beſuch eines großſtädtiſchen Marktes jedem, der die Landesart kennen lernen will, ſo intereſſant machen. Schon die Mannigfaltigkeit der hier zum Detailverkauf ausgelegten Waaren bot einen vergnüglichen Anblick dar: hier Backwerk zu Pyramiden ge⸗ ſchichtet, dort einheimiſche und ausländiſche Obſtarten, ſamiſche Aepfel, Granatäpfel und Mandeln von Naxos oder Cypern, Quitten von Kreta, euböiſche Nüſſe(Kaſtanien); an einem andern Orte ſtand Geflügel zu kaufen, böotiſche oder theſſaliſche Gänſe; der

megariſche Bauer trieb ſeine Schweine herbei oder bot ſeinen Lauch und ſeine Zwiebeln oder was er ſonſt von Gemüſe dem kargen Boden ſeines Ländchens abgewonnen, zum Verkaufe. Hier ſchlichtete einer derMarktwächter einen Streit, der allzu lebhaft zu werden drohte, dort verhalf einer derGetreidehüter einem betrogenen Käufer, dem das Mehl mit falſchem Gewichte dargewogen worden war, zu ſeinem Rechte: beſonders lebhaft aber ging es auf dem Fiſchmarkte zu, wo das Hauptnahrungsmittel der atheniſchen Be⸗ völkerung in reichlichſter Auswahl zu haben, wo das zudringliche Feilſchen und die grobe Abweiſung zu Hauſe war; und bei den Kranzbinderinnen, mit denen die leichtfertige männliche Jugend ſich manche Freiheit erlaubte. Denn Frauen ſah man überhaupt wenige und keine von Rang: daß eine freie Bürgerin von Stande ihre häuslichen Bedürfniſſe ſelbſt auf dem Markte eingekauft hätte, wäre im alten Athen ebenſo unerhört geweſen, wie es heute in London und Newyork iſt.

Dagegen ſah man die Sklaven nach allen Richtungen den Markt durcheilen: hie und da folgt einer ſeinem Herrn zu den Tiſchen der Wechsler, um dort eine größere Summe für einen ſo eben gekauften Mitſklaven etwa flüſſig zu machen, dann ſchickt der Herr ihn nach Hauſe, um ſich noch mit Bekannten über alles das zu unterhalten, was die ſtets von den mannigfaltigſten Intereſſen bewegte Stadt dem lebhafteſten, geſprächigſten und neugierigſten aller grie⸗ chiſchen Stämme darbot.Gibt es etwas Neueres? war hier die häufig gehörte Frage: es war der Markt der allgemeine und tägliche Verſammlungsort der freien Männer, und wie jetzt in den großen Städten nach der Börſenſtunde, ſo rechnete der Athener nach der Zeit, wo der Markt ſich füllte, voll war, ſich allmälig wieder leerte und auflöſte. Für den Fremden war hier Gelegenheit, in wenigen Stunden Art und Volk der Athener kennen zu lernen: wenn ihm das Glück gewogen war, konnte er hier auch den großen Mann, der da⸗ mals die Geſchicke des Staates lenkte, den Perikles, auf einem ſeiner wenigen Gänge wenn er entweder in das Rathhaus, das gleich⸗ falls am Markte lag, hineinging oder daſſelbe verließ erblicken: die Geſchworenen ſah er geſchäftig ihren Sitzungslokalen zueilen, welche in derſelben Nachbarſchaft ſich befanden. Das ganze Volk ſah er gewiſſermaßen hier auf dem Marktplatze verſammelt und leicht fragte er in der durch gefälligen Sinn und feine Sitte ihrer Be⸗ wohner ausgezeichneten Stadt ſich zurecht, wie er gehen müſſe, um einen Bekannten zu treffen, der ihn in die Bartſtube bei den Hermen oder zuden Bäckerinnen beſtellt habe; ſchärfte doch ein humanes Geſetz den Athenern ausdrücklich das Zurechtweiſen der Irrenden ein. Auch wer etwa abſeits von dem Marktgewühl Geſchäfte zu machen, Neuigkeiten zu erfahren, oder ſeine Zeit zu verplaudern be⸗ gehrte, der mochte ohne erſt mit dem Ringe an die Thür zu klopfen, in eine der nahen Werkſtätten eintreten, die Bartſtube oder die Heilbude, den Salbenladen oder die Schuſterwerkſtätte, welche in der gaſtlichen Stadt den Müßigen gerne aufnahmen. Unter der buntbewegten Meuge den böotiſchen oder megariſchen Bauern an ſeiner Tracht oder ſeiner platten und ungehobelten Sprache zu erkennen, war nicht ſchwer: aber wer ſchärfer zuſah, der mochte leicht an Gang und Haltung, und wer den Geſprächen der müßigen Gruppe zuhörte, an der feinern und gewandteren Art zu ſprechen, ja an den Gegenſtänden der Unterhaltung ſelbſt, den freigeborenen Athener erkennen, der unter großartigen Eindrücken aufgewachſen ſeit lange gewohnt war, die An⸗ gelegenheiten eines großen Staates wie ſeine eigenen zu behandeln.

Der Krieg der Verbrecherwelt gegen die Geſellſchaft. Zur Warnung.

Es iſt tief zu beklagen, daß unter den Angriffen des Gauner⸗ thums, das ſein verbrecheriſches Netz geheimnißvoll um die Geſellſchaft ſchlingt, an vielen Punkten Deutſchlands, mitten im tiefſten Frieden, das Bewußtſein der Sicherheit ſo gut wie verſchwunden iſt. Namentlich die großen Städte, deren bewegtes und vielgeſtaltiges Treiben dem Diebſtahl nicht nur das fruchtbarſte Terrain öffnet, ſondern deren Getümmel und deren Schlupfwinkel demſelben auch den ſicherſten Schutz bieten, ſind zum Theil in ſolchem Maße die Tummel⸗ plätze des Verbrechens geworden, daß man nicht ohne Schmerz und

Scham dieſer Entſittlichung, die immer tiefer um ſich frißt und immer größere Scharen in ihren Abgrund zieht, gedenken kann. Es iſt ein Irrthum, die Schuld davon ohne weiteres der Polizei zurechnen zu wollen. Auch die thätigſte, die ſchärfſte, die intelligenteſte Polizei kann nur das Umſichgreifen des Uebels beſchränken, in ſeiner Wurzel daſſelbe überwinden kann ſie nicht. Dieſe Ueberwindung muß durch ganz andere Aktionen geſchehn, an denen Staat, Kirche, Schule und Geſellſchaft in gleichem Maße ſich zu betheiligen haben. Auf die Erörterung derſelben können wir an dieſer Stelle nicht eingehn.

Hier wollen we dublikum ſo o Diebſtahl zuge blatt die trübf wanzig Stun Platate allwöch Dielſtählen au ſind von immer des wuchernden erweiſen und ö alle ſittlichen u⸗ die Frage woh Schaden ſicher zu ſchützen. L aller Erfahrun werthe Unbekau Künſten des D und Thor zu daß man durch warum man n Kuude der Ver und die Augen b ſind beſſer, als

alle Sicherheite Sicherheit das können, werden b Zunächſt Häuſer, die in Speculation ge erleichtert. D geringes Capit Miethe einträg Ornamenten w beſſere Wucher das Mauerwe Einbruche aue im Stande ſir Dieh einladen, wird nicht ged ſind ja nur wird, und die Bauordnungen ſtruktion der 5 des Familienlel oder nach dieſe worden. Daz welche den geſ zünftigen, gut wie geſ uaatdin det Fe diſſes Kanpfes als der Räut Schränker. 4 der Ränbe enſenne ſen a

Sodann