Jahrgang 
1865
Seite
363
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ill von

aus ganz Großbritannien, wie vom Continente, als ein Muſter be⸗ trachtet und vor allen anderen aufgeſucht und ſtudirt wird. Folgende Zahlen zeigen überſichtlich den Gang ihrer Entwickelung:

Operationen der Rochdaler Pionniere.

Jatr(otader Capitat. Geſchäft. Irringeränn. Jahr.. Glieder. Pfd. St. Pfd. St. Pfd St. 1844 28 K 28 1850 600 V 2299 13,179 880 1855 1400 11,032 11,902 3106 1861 3900 42,925 176,206 18,020 1862 350o0 838,465 141,074 17,564 1863 4013 49,366 158,632 19,671 1864 4747 62,105 174,937 22,717

Es geht daraus hervor, daß die Geſellſchaft die Kriſis vom Jahre 1862 bereits glücklich überſtanden hat.

Ungeachtet des Druckes der Zeit iſt die cooperative Bewegung doch ſtetig gewachſen, ſelbſt in Lancaſhire. Eine langſame Fort⸗ entwickelung erſcheint aber allen einſichtigen Cooperatoren als höchſt wünſchenswerth. So ſchrieb mir der Secretär derManchester and Salford Equitable Co-operative Society, Mr. Edwards im Juli 1863:Wenn die Baumwollennoth vorüber iſt und der Handel wieder aufblüht, dann fürchte ich, daß die cooperative Bewegung einen Impuls

erhält, der das Wachſen unſerer Geſellſchaften ſchneller emportreibt, als es für ihre Geſundheit förderlich iſt; das iſt die einzige Furcht, welche die Beſten und Weiſeſten unter uns für die Zukunft unſerer Grundſätze hegen; wir wünſchen, daß unſer Wachsthum nicht zu rapid ſein möge, denn wir wiſſen

That slowly to perfection cometh

Every great and glorious thing (daß jede große und glorreiche Sache langſam zur Vollkommenheit heranreift).

Ich kann dieſem Wunſche nur von Herzen beipflichten und den ſelben für die entſprechende genoſſenſchaftliche Bewegung in Deutſch land, auf die unſer Blatt ein anderes Mal zurückkommen wird,) ebenfalls nur hegen. Die Geſchichte der Pionniere von Ro ch⸗ dale iſt bei uns noch immer wenig bekannt, ſo oft ſie auch ſchon erzählt worden iſt. Sie enthält Lehren höchſter praktiſcher Weis⸗ heit für alle Stände, für jede Familie und für jeden Einzelnen, und kann darum nicht oft genug wiederholt werden. Deshalb habe ich mir erlaubt, ſie nochmals mitzutheilen, wie ich ſie ſelbſt gehört. Mögen es die entſchuldigen, die ſie bereits kannten!

Robert Koenig. *) Vorläufig mache ich die Freunde dieſer Sache auf V. A. Hubers neueſtes Schriftchen:Die genoſſenſchaftliche Selbſthilfe der ar beitenden Klaſſen aufmerkſam.

Die Munder des Meeres in Glas und Rahmen. Mit Abbildung.

Der Wunſch, in einer klaren und anſchaulichen Ausdrucksweiſe empfangene Eindrücke wiedergeben zu können, iſt nie lebhafter in mir geweſen als heute, da ich einen Ort beſchreiben will, in dem uns alles neu eutgegentritt; eine niegeſehene, kaum geahnte Welt, in der man Stunden verträumt wie Minuten. Wie ein Märchen aus fernen Kindertagen tritt ſie an mich heran und umgibt mich mit leuchtenden Zaubergärten.

Ein raſender Sturm hat das Schiff gepackt, gegen die Wolken geſchleudert, und im Hinabſtürzen wie eine Nußſchale gegen Felſen zerſchellt. Nach kurzem, ohnmächtigem Ringen verſinkt alles auch ich, in das weite, unendliche Wogengrab. Mein letzter Gedanke war das Bewußtſein gewiſſer Vernichtung, die abzuwenden jeder Verſuch nutzlos war, und ſo erwartete ich betäubt und wehrlos den letzten, ſchrecklichen Augenblick. Aber ehe dieſer eintrat, hatte eine wohl⸗ thätige Ohnmacht die Sinne umflort. Ich verſank in eine tiefdunkle Felſengrotte. Weite, in den Wänden befindliche Oeffnungen ließen Streifen milden Lichtes eindringen, und machten ein Erkennen möglich. Ich war am Boden des Meeres. Das mir feindliche Element konnte nicht in meinen Zufluchtsort gelangen, ſondern verſchloß nur die Oeffnungen der Höhle wandgerade, wie weiland das dem Moſesſtabe gehorſame rothe Meer. Hinaus ſah ich in die unterſeeiſche Welt und ihre Wunder. Schroffe Abhänge und ſtarre Klippen, Grotten und Höhlen, anmuthig mit Pflanzen und bunten Blumen geſchmückt; Tummelplätze für die luſtigen Inſaſſen, die ihre zierlichen Leiber mit blitzartiger Schnelligkeit, wie im Schwalbenfluge, um bemooſte Gra nitblöcke und vielzackige Koralleneilande ſchwangen oder eckig und ſtolpernd in komiſcher Unbeholfenheit übereinanderſtelzten. Prächtige, vornehme Geſtalten, buckliches und kriechendes Geſindel. Fiſche, die ich auf der Oberwelt geſehen hatte, bleigrau von Farbe, mit einge⸗ fallenem Leibe und verglaſten Augen; hier theilten ſie in ſorgloſem Spiel die Flut, es ſchimmerten die ſilberglänzenden Schuppen, ſtatt⸗ lich rundete ſich der Körper in der Fülle der Geſundheit, das Auge blitzte, und durch die zarte, durchſichtige Haut ſah ich das Leben pulſiren. Als mein Zuſtand der Sicherheit fortdauerte, als ich ſah, daß das Waſſer mich nicht benetzte, und die Thiere harmlos thaten, als ob kein neugieriges und zudringliches Menſchenauge ſie belauerte: da beobachtete ich weiter in freudigem Behagen, bis ich alles geſehen hatte, und bedauerte endlich, nicht den Rieſenhai vor mir zu haben, oder den Wallfiſch, um ſeine letzten Zuckungen zu belauſchen, wenn

er mit der Harpune im Rücken zu Grunde fährt. Da fing ich an die Floſſen der Fiſche zu zählen und ſah, daß ſie Bruſt⸗ und Bauchfloſſen hatten, und ein Rückgrat mit

Rückenmark wie die höheren Wirbelthiere, und daß ſie ſymmetriſche Thiere ſeien. Was ich für Pflanzen und Blumen angeſehen, lernte ich als Polypen erkennen, die ſich willkürlich bewegten, athmeten und Nahrung zu ſich nahmen. Ich vertiefte mich in die Einzelheiten des kleinen Lebens, und das Ver ſtändniß begann mir zu tagen.

So iſt der Menſch! Die Gewohnheit ſchwächt ihm die anfäng lich großen Wunder zu Alltäglichkeiten ab, und ſeit ich täglicher Be obachter des Aquarienlebens wurde, wollten mir die winzigen Thierchen nicht mehr munden gegenüber den Rieſen, womit man die Meere be⸗ völkert weiß, und lange ging ich den Weg kleiner und großer Kinder, die ſich gelangweilt fühlen, wenn ſich die Eindrücke nicht mehr ſteigern.

Eine neue Welt aber thut ſich auf, und ein heiliger Schauer durchzuckt uns, wenn wir, anſtatt die bloße Schauluſt zu befriedigen, in das Verſtändniß und Erkennen der hier waltenden Ordnung ein⸗ zudringen verſuchen. Wir ſehen in neuer, unendlicher Perſpektive die uns bekannten Syſteme der Thiere der Oberwelt fortgeſetzt. Ohne Lücke ſtuft es ſich ab, mit Staunen erfüllt uns die reiche Schöpfungskraft der Natur bei Betrachtung der ſeltſamen Gebilde, welche die kühnſte Phantaſie nicht vorausgedacht hätte; wo unſer Auge endlich nichts mehr unterſcheidet, wo die letzte Hilfe des ſchärfſten Mikroskops ſich als unzureichend erweiſt; da iſt es nicht aus, da kann es nicht aus ſein! Das fühlen wir nicht als unbeſtimmte Ahnung, ſondern mit der Sicherheit der Ueberzeugung.

In den Eingangszeilen habe ich den Leſer gleichſam mit ver hüllten Augen bis in den Mittelpunkt dieſer Schöpfung geführt, und dann plötzlich die Binde fallen laſſen, um ihn unvorbereitet dem vollen Eindrucke der zauberiſchen Umgebung hinzugeben. So wirkte der erſte Beſuch der Hamburger Aquarien auf mich, und ähnlich wird er auf jeden Beſucher wirken, der nicht, aller Phantaſie bar, für keine großartige Erſcheinung mehr zu erwärmen iſt.

Bei einem zweiten Beſuch des Hamburger zoologiſchen Gartens, der ebenfalls noch einzig den Aquarien gilt, ſehen wir ſchon mit ruhigerem Blick, urtheilen kälter, prüfen genauer, erfahren vieles und lernen einiges. Zwar durcheilen wir auch diesmal mit be⸗ flügelten Schritten die breiten Pfade des Gartens, vorbei an dem luftigen Gitterwerk des Raubvogelgebauers, an den Hirſchen und an dem Affenhauſe, aus deſſen Innerm das Geſchrei der untündiain Paviane zu uns herüberſchallt; vor dem Eingange des Agua iwe⸗ hauſes aber verweilen wir einen Augenblick. Das Aeußere ded den bäudes hat wenig Gewinnendes. Da die Grundfläche der 3 d tn innern Räume 10 Fuß unter der Erdoberfläche liegt, ſo erhe 1