Jahrgang 
1865
Seite
304
Einzelbild herunterladen

damals noch unter den Mauern Endens floß, ſich an der Luſt des Schlitt⸗ 1 An 3 General vom Pferde und bot mit freundlichen Worten

Ein alter Bürger ſtand am Ufer, ſich über den

Aber plötzlich ergreift ihn banger Schrecken! Nicht lange mehr wird es wäh zu treiben anfangen und die Er ruft! er winkt!

ſchuhlaufens zu ergötzen. Jubel der Jugend freuend. er ſieht, wie das Eis zu berſten beginnt. ren, dann wird es in Schollen zerbrechen, auf ihnen befindlichen Menſchen in die See führen. man ſieht, man hört ihn nicht in dem Jubel der Freude. Eine ſchreckliche Angſt erfaßt ihn. Ein ſchneller Entſchluß thut Noth. Nahe ſteht eine Strohhütte, in dieſe wirft er Feuer, ſo daß ſie bald in hellen Flammen auflodert. Andere ſchickt er auf den nahen Thurm, die Brand glocken zu läuten. Alles ſtürzt in wilder Haſt dem Ufer zu und kaum hat der letzte das feſte Land betreten, da löſt ſich die ganze Eisdecke krachend in Schollen auf und treibt dem Meere zu. Alter oſtfrieſiſcher Kinderabendſpruch.

S-Avends, wenn ik na bedde gah

Veertein leeve engelkes bi mi staan,

Twee ten höfen,(zu Häupten)

Twee ten föten,

Twee an mien rechter sied,

Twee an mien linker sied,

Twee de mi decken,

Twee de mi wecken,

Twee de mi wisen

Na dat himmelsche Paradiesen. Amen.

Dazu macht ein oſtfrieſiſcher Schriftſteller des vorigen Jahrhunderts folgende Bemerkung:Ein Engel war es, der 85,000 ſtreitbare Aſſyrer vor Salem ſchlug und hier verlangt ein impertinenter, ſechsjähriger Bengel, daß vierzehn ſolche mächtige Geiſter ſeine Knochen bewahren ſollen. Läßt ſich wohl der Stolz in einem höberen Grade denken? Leider lebt dieſe trockene, proſaiſche Seele nicht mehr, ſonſt würden wir ſie gewiſſen Zeit⸗ ſchriften als Mitarbeiter empfehlen.

Einrichtung der Rettungsbötc.

In Nr. 18 Ihres geſchätzten Blattes gaben Sie eine Darſtellung der Rettung Schiffbrüchiger an unſrer Küſte. Geſtatten Sie mir, Ihnen im Folgenden einige Notizen über die Einrichtung der dabei verwendet werdenden Rettungsböte mitzutheilen.

Das Rettungsboot auf Borkum und die übrigen ſind ihm in der Hauptſache gleich iſt nach dem Francis⸗Syſtem gebaut und beſteht aus wellenförmig gepreßtem, verzinktem Eiſen. dauerhafter als das beſte hölzerne Boot und weniger der Gefahr ausgeſetzt, durch Zuſammenſtoßen, Anprallen u. ſ. w. beſchädigt zu werden; auch unter⸗ liegt es dem Einfluß von Froſt und Hitze durchaus nicht. Da die Erfahrung ge lehrt hat, daß das Eiſen durch die Verzinkung gegen Zerſtörung durch Oxidation bedeutend geſchützt iſt, ſo kann man, wenn man dieſes Eiſen gut unter Farbe hält, dieſer Zerſtörung noch auf längere Zeit Widerſtand leiſten. hinten befinden ſich luftdichte Kaſten, die nicht nur bei Ueberladung oder wenn die Brandung das Boot mit Waſſer anfüllt, hindern, ſo daß es auch noch in dieſem Zuſtande eine beträchtliche Anzahl

Perſonen aufnehmen kann, ſondern vermöge welcher es auch beim etwaigen

Kentern jedesmal wieder in die richtige Lage kommt. Ein anderer Vorzug iſt die Leichtigkeit. Bei Schiffbrüchen kommt es in den meiſten Fällen ſehr darauf an, daß das Boot baldmöglichſt ins Waſſer gebracht werden kann. Ein ſolches eiſernes Boot iſt über ein Drittel leichter als ein hölzernes; denn

während ein letzteres von 26 Fuß Länge und 6 Fuß Breite etwa 2400 Pfund

wiegt, beträgt das Gewicht eines gleichen eiſernen nur ca. 1300 Pfund. Rund um das Boot geht ein von Segeltuch umſponnener Korkring, der daſſelbe beim Anprallen nicht nur vor Schaden ſchützt, ſondern auch deſſen Trag⸗ fähigkeit bedeutend erhöht. Zu beiden Seiten befinden ſich 14 Rettungs leinen, Ketten mit Holzkugeln, an welchen ſich, wenn das Boot mit Waſſer

gefüllt iſtund nur ſeine Bemannung tragen kann, noch eine bedeutende Anzahl

Menſchen über Waſſer zu halten im Stande iſt. Wenn auf den fünf Bänken zehn kräftige, muthvolle, entſchloſſene Inſulaner auf den Rudern liegen, ſo wird es in den allermeiſten Fällen gelingen, den Schiffbrüchigen, die früher auf dem ſchrecklichen Riff einem faſt gewiſſen Tode entgegen gingen, wenigſtens das Leben zu retten.

Emden. H. M. Haſe und Fuchs.

Lord Hare(Haſe) befand ſich eines Morgens bei dem Miniſter Fox (Fuchs) zum Frühſtücke. Außer ihren politiſchen Fähigkeiten hatten beide Herren auch das noch miteinander gemein, daß ſie tief in ungeheuren Schulden ſteckten. Während des Frühſtücks verſammelten ſich auf dem Hofe eine Menge Gläubiger der Schmauſenden. Foyx öffnete in einer Anwandlung

guter Laune das Fenſter und rief hinab:Meine Herren! Gehen Sie heute

auf die Fuchs⸗ oder Haſenjagd?

Während der Sitzung ſagte Lord Sidney zu Fox:Sie ſind heute auch fortwährend auf den Beinen?Gewiß, entgegnete Fox,meine Gläubiger, die Juden, haben mir nicht einen Stuhl zum Sitzen übrig gelaſſen. Man hatte ihn an eben dem Tage wirklich ausgepfändet.

Cherins Kaltblütigkeit.

Der franzöſiſche General Cherin führte einmal die Colonne der Avant⸗ garde einen beſchwerlichen und gefahrvollen Weg in den ſpaniſchen Gebirgen und ermahnte dabei die Soldaten, alle Beſchwerde mit Muth und Stand⸗

30 4

ſaß er jedoch im Sattel, ſo ward aus dem

am Ufer

Dadurch iſt es ſtärker und

Vorn und

ein Unterſinken deſſelben ver⸗

Einer ſeiner Leute war ſo keck, dem General zuzu-

aber wir armen Teufel müſſen zu Fuß gehen. Sofort ſtieg der dem Soldaten ſeinen Der Mann weigerte ſich zwar, aber er mußte gehorchen. Kaum Hinterhalte auf ihn gefeuert. Der erſte Schuß ſtreckte ihn todt aus dem Sattel zu Boden.Seht Ihr, ſagte Cherin kaltblütig zu den andern,der höchſte Platz iſt immer der gefährlichſte. Er ſtieg ruhig zu Pferde und ritt weiter. V. Haifiſche und Matroſen.

Die Matroſen aller Nationen hegen einen grimmigen Haß gegen den ſcheußlichen Hai, des Meeres Hyäne, der fortwährend auflauert, um den über Bord Gefallenen wegzuſchnappen. Sie begnügen ſich häufig nicht da⸗ mit, ihn wegzufangen und zu tödten, der Ingrimm bringt ſie nicht ſelten dazu, ihren Erzfeind in raffinirter Weiſe zu quälen. Fangen ſie mehrere kleinere Exemplare, ſo werden dieſelben mit den Schwänzen zuſammengebunden und wieder frei gelaſſen. Andern ſchneiden die Nachedurſtigen die Floſſen der einen Seite ab; dieſelben können nun nicht mehr ordentlich ſchwimmen, und drehen ſich immer im Kreiſe herum. Ein Schiffskapitän rühmte ſich einſt ſogar, daß er einem gefangenen Hai einen Topf kochendes Fett in den Rachen gegoſſen und dann das Unthier wieder frei gelaſſen habe.

Befohlene Schönheitsmittel in Perſien.

Das religiöſe Geſetz verpflichtet die muhamedaniſchen Perſerinnen, welche bereits mit dem 10. Jahre heirathen dürfen, dazu, ihre Schönheit zu erhalten und ihren Männern zu gefallen. Es geſtattet ihnen zur Verſchönerung ihres Leibes Folgendes:

1. Dſchegha, perſiſch Sulf, Locken auf der Stirn.

2. Henna, dunkelrothe, braune Farbe für Nägel, Kopfhaare. Sie vertritt zum Theil unſere Handſchuhe.

3. Surme, ſchwarze Farbe für die Augenlidränder; ſie wird mit einem breiten Hölzchen oder einem ſilbernen Griffel zwiſchen die geſchloſſenen Augen⸗ lider geſtrichen. Die Perſer behaupten, daß ſie für die Augen geſund ſei, wahrſcheinlich bezweckt ſie aber nur, das Weiß des Auges ſtärker hervortreten zu laſſen. 3 1. Wesma, ſchwarze Farbe für die Augenbrauen. Die meiſten Perſerin⸗ nen begnügen ſich nicht damit, letztere zu malen, ſondern verbinden ſie auch ge

Pferde,

Platz an.

Hände, Füße und

5. Ghaſe, rothe Schminke.

6. Sefidal, Bleiweiß als weiße Schminke, vielfach wird jedoch jetzt ſtatt dieſes das unſchuldigere Reismehl benutzt.

7. Chal, Schönpfläſterchen.

Die putzſüchtigen unter den Perſerfrauen bleiben jedoch bei den befohle⸗ nen Schönheitsmitteln nicht ſtehen, viele tätowiren ſich z. B. Geſicht, Arme, Hände u. ſ. w. mit kleinen Blumen, Roſetten u. dgl. in Schwarz⸗ blau u. ſ. w. H. W.

Für Hausfrauen, von Henriette Davidis.

Vielleicht gibt es keinen Theil für die Küche, der ſeiner bequemen An⸗ wendung und Wohkfeilheit halber in kurzer Zeit ſo raſche Verbreitung und ſtarke Abnahme gefunden, als die vor einigen Jahren von dem Materialien⸗ Kaufmann Laine in Paris erfundene Gelatine. Sie ging bald aus der feineren Küche in die bürgerliche über und dient hier wie dort zu Gelée⸗ ſchüſſeln jeder Art.

Nicht lange aber, da wurde die Gelatine überall fabrieirt und es ent⸗ ſtand bekanntlich viel Klage darüber, daß ſie ſelten mehr reinſchmeckend zu haben ſei: ein Beweis, daß man ſich häufig unreiner Beſtandtheile dazu bedient, ähnlich wie bei den Bouillontafeln. Es dürfte den geehrten Haus⸗ frauen daher folgende Mittheilung eine erwünſchte ſein:

Sie betrifft ein neues, viel Gallertſtoff enthaltendes Bindungsmittel, Aga aga genannt, ähnlich der Hauſenblaſe, doch viel weniger koſtbar. Eine Probe, um Verſuche damit zu machen, danke ich einer Dame, die eine Quantität aus Bremen mit der Bemerkung erhalten hatte, daß dieſelbe ſchon ein dortiger Handelsartikel ſei. Aga aga wird aus einer japaneſiſchen Moosart, alſo aus reinen Theilen bereitet, und iſt als ganz poröſe, federleichte, einen Fuß lange, ſtark einen Zoll breite und hohe Stangen von weißlich gelber Färbung zu dem Preiſe von 5 Sgr. zu haben. Auf ein Stürzen der Gelée gerechnet, gehört zu einer derartigen Stange(vom Gewicht kann nicht die Rede ſein), Maß Flüßiges. Sie wird mit einer Scheere klein geſchnitten, in einer Taſſe mit Wein reichlich bedeckt mit Waſſer iſt das Aga aga unauf⸗ lösbar und zur raſcheren vollſtändigen Auflöſung, auf eine heiße Platte geſtellt, wo während ½¼ ½ Stunde der Zweck erfüllt wird. Die Gelée i*ſt ganz reinſchmeckend, ſehr zart und ziemlich klar. Es dürfte angenehm ſein, hier gleich ein gutes Recept zur Hand zu haben.

Man nehme zu einer Weingelée eine Stange Aga aga nach vorher⸗ gegangener Bemerkung aufgelöſt, im ganzen eine Flaſche oder ½¼ Maß guten Weißwein, 22 Loth feinen Zucker, Saft von 2 guten, ſaftreichen Citronen, auch von einer Citrone die feine, gelbe Schale, welche man zuvor Dies alles wird in einem weiß

V wöhnlich noch durch einen querüberlaufenden ſchwarzen Strich.