um beim fernen Hitland den Hering zu fangen, der zur Blüthe der Stadt, zur Wohlfahrt ſo vieler ſeiner Bürger ganz Bedeutendes bei⸗ getragen hatte und beitrug. Manches Gebet um glückliche Heim⸗ kehr der Geliebten ſtieg himmelwärts, manche bittre Abſchieds⸗ thräne floß.
Nur um dieſe Zeit war es geſtattet, den Hering zu fangen, denn das Geſetz, deren es in Bezug auf den Heringsfang ſehr viele und
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wie mit einem flatternden Schleier überzogen. Der Nordländer nennt dieſe Erſcheinung Herringblick, Sildblick. Oft, wenn der Hering auf dieſe Weiſe ſchwimmt, ſteckt er dann
und wann den ganzen Kopf aus dem Waſſer, nach Luft zu ſchnappen.
genaue gab, beſtimmte, daß vor dem 25. Juni kein Fiſch gefangen
werden ſollte. Beſtimmung nachzukommen. Die Netze wurden nach gegebenen Regeln angefertigt und die Maſchen mußten eine beſtimmte Weite haben, damit im Intereſſe künftiger Jahre die jungen Fiſchlein durch⸗ ſchlüpfen konnten. Jedes Netz war 700 Maſchen lang und halb ſo breit.
kehren heimwärts, die Buiſen aber ſegeln nach der ſchottiſchen Küſte, um dort am Abend des 24. Juni das erſte Netz über Bord zu werfen. Dieſes geſchah mit einer gewiſſen Feierlichkeit, nach ſtattgefundenem Gebet um reichen Fang, denn jeder der Mannſchaft war dabei inte⸗ reſſirt, da ein Theil des über ein beſtimmtes Quantum Gefangenen der Mannſchaft bei ihrem Lohn zu Gute kam.
Die Fiſcher mußten ſich eidlich verpflichten, dieſer
Verſchiedene Anzeichen verrathen dem erfahrenen Fiſcher das
Vorhandenſein einer großer Menge Heringe.
Wo Möven und See⸗ ſchwalben öfters niedertauchend in die See ſchießen, wo viele Herings⸗
ſchuppen an den Seitenwänden der Schiffe kleben, wo eine milchartige
Flüſſigkeit auf dem Waſſer zu ſehen iſt, da werden ſich gewiß in kurzer Zeit die Netze füllen. mit einem Zuge 130— 140,000 Heringe fängt und zum Aufwinden des Netzes mehr als drei Stunden gebraucht. Ja zuweilen müſſen die Zugleinen zerſchnitten werden, um das Umſchlagen des Schiffes wegen mangelnden Gleichgewichts, das Zugrundegehen mit Mann und Maus zu verhindern.
Laut jauchzend wurden am nächſten Morgen die Netze mit⸗ telſt einer Rolle aufgewunden und die gefangene Beute ſofort ge⸗ kaakt, d. h. ihnen Eingeweide und Kiemen genommen und alsdann mit Salz feſt in Tonnen verpackt. die von Buiſe zu Buiſe fuhren und ihren Fang übernahmen, um damit, ſobald wie irgend thunlich, in die Heimat zu fahren. Die Ankunft deſſelben wurde durch Glockengeläut bekannt gemacht, von Thür zu Thür erſcholl bald das Rufen der Verkäuferinnen:„Neue Heringe“, und wer nur irgend im Stande war, den hohen Preis der⸗ ſelben zu erſchwingen, der ließ ſich's nicht nehmen, ſich ein Urtheil über die Qualität der„neuen Heringe“ zu bilden. Freunden und Gönnern nah und fern wurde dieſe Delikateſſe ſchleunigſt per Poſt zugeſandt.
Der Fang iſt zuweilen ſo ergiebig, daß man
Bald erſchienen die Heringsjäger,
Wenn wir nun im Folgenden noch einiges über den Hering
mittheilen, ſo beſchränken wir uns nur auf das, was entweder weniger bekannt oder von hervorragendem Intereſſe iſt.
Der Hering trägt ſeinen Namen von dem ſkandinaviſchen Worter heer, d. h. ein Lager. Er bewohnt die nördlicheren Meere und wird ſelten in gemäßigteren Gegenden angetroffen. Südlich von der Bai von Gascogne findet man ihn nicht häufig und zu La Rochelle iſt er eine große Merkwürdigkeit.
Der ziemlich allgemeine Glaube, daß der Hering ſofort ſterbe, ſobald er das Waſſer verlaſſen habe, iſt durch vielfache Beobachtungen Naturkundiger in das Reich der Fabel verwieſen. Er kann allerdings einige Zeit außerhalb des Waſſers leben, wenn auch nicht ſo lange, wie viele andere Fiſche. 3
ihm nach und verſchluckt tauſende auf einmal.
Durch das Zuſammenſchlagen der Lippen entſteht ein Geräuſch, wie wenn eine Menge dicker Regentropfen auf das Waſſer fiele. Alle Fiſcher wiſſen davon zu erzählen. Auch dieſe Erſcheinung findet be— ſonders an hellen Herbſtabenden ſtatt und das ganze Meer wird wie mit Waſſerblaſen bedeckt. Für die Fiſcher bedeutet dieſe Erſcheinung einen ſchlechten Fang in der nächſten Nacht, weil alsdann die Netze zu hoch gehalten werden müſſen.
Manchmal ſpringt auch der Hering truppweiſe aus dem Meere in die Höhe, ſo daß in der Nähe befindliche Schaluppen zu nicht
geringem Theile ganz mit Heringen angefüllt ſind. Bald ſind die Segler dem Auge entſchwunden, die Zuſchauer
Die Menge der Heringe, die oft in einer Richtung ſchwimmen, iſt eine kaum glaubliche; nicht ſelten ſchwimmen ſie ſo nahe beiſammen, daß viele todtgedrückt werden. Daher kommt es auch, daß oft ein Fahrzeug in kürzeſter Zeit ſeine Ladung hat, während zwanzig andere in ſeiner Nähe nichts fangen. Man hat Beiſpiele, daß eine Buiſe an einem Tage 150,000 Heringe fing, ihre Nachbarn aber auch nicht einen.
Sonderbar und unerklärlich iſt es, warum die Heringe dann eine gewiſſe Stelle Jahrelang nach einander beſuchen und dann plötzlich wegbleiben, um nie wiederzukehren. Dieſe Erſcheinung hat zu vielem Aberglauben Veranlaſſung gegeben, der richtige Grund iſt vielleicht der von Leeuwenhoek angegebene, daß wenn in ſolche Gegenden mehr Heringe kommen, als Nahrung für ſie da iſt, ſie alſo Hunger leiden müſſen, ſie alsdann fortziehen, um mehr Nahrung zu ſuchen und nicht wieder dorthin kommen, wo nicht hinreichendes Futter für ſie zu finden iſt.
Wie das plötzliche Verſchwinden, ſo iſt auch das plötzliche Er⸗ ſcheinen lange mit Verwunderung beobachtet. Die Geſchichte des Nordens ſpricht häufig von ſo viel Heringen, daß die Netze zerriſſen. 1781 fand man bei Buskoe ſo viel Heringe, daß ſie einen lebendigen Berg im Meere bildeten und mit den Händen gegriffen werden konnten. 1784 zeigte ſich in Loch Ure eine ſolche Unmaſſe Heringe, daß in 10— 50 Tagen über 60,000 Laſt gefangen wurden und 1773 fingen 250 in Loch Torridon anweſende Buiſen in einer einzigen Nacht ſo viel Fiſche, daß ſie dem Sinken nahe waren und man die Netze in Stücke ſchneiden mußte, weil es unmöglich war, ein ganzes Netz voll Fiſche aufzuziehen. So viel Heringe blieben dort zwei Monate lang. 1774 fing man zu Auld Haiks in jedem Netze, welches man aufzog, ungefähr 50,000 Heringe. Man wußte nicht, was man mit dieſer Maſſe beginnen ſollte und verkaufte 10,000 Stück für eine Flaſche Genever.
Der Hering hat viele Feinde; beſonders ſtellt der Nordkaper Der Hering flieht vor ihm in die Buchten der Küſte und nach Untiefen, wo er aber von dem Regen in die Traufe kommt, indem er hier den Men⸗
ſchen in die Hände fällt. Deswegen gilt noch jetzt in Norwegen
Im NMittelmeere findet man ihn nicht mehr.
Aber im Waſſer hat er ein zähes Leben, welches ſogar unter
dem Eiſe nicht gefährdet wird. Bevor er ſtirbt, ſtößt er einen leiſen Laut aus. In hellen Mondnächten, beſonders im Herbſt, ſchwimmt der Hering oft auf der Oberfläche des Meeres mit der Rückenfloſſe und dem obern Theil der Schwanzfloſſe über dem Waſſer. über alle Beſchreibung prächtiger Anblick ſein, die See in einer Breite von 3— 4 und in einer Länge von 5—6 Meilen mit Heringen wie bedeckt zu ſehen, während die ſanften Strahlen des Mondes von den glatten Rücken der Fiſche zurückgeworfen werden. Durch dieſe Strahlen⸗ brechung glänzt die ganze Oberfläche, als wenn ſie mit Edelſteinen bedeckt wäre, durch das phosphoriſche Licht, welches die Millionen Fiſche entwickeln, und durch das Leuchten des Meeres wird alles
wöhnlich nur 10 Zoll lang wird(Heringe von 12 Es ſoll ein
das Geſetz, daß zur Heringszeit kein Wallfiſch getödtet werden darf. Die Art und Weiſe, wie dieſer ſich ſeiner Beute bemäch⸗ tigt, iſt nicht unintereſſant. Er ſchwimmt nämlich etliche Mal ziem⸗ lich ſchnell in einem Kreiſe, dadurch entſteht im Meere ein kräf⸗ tiger Strudel, der die Heringe mit ſich zieht; plötzlich wendet er ſich um, öffnet das Maul und eine ganze Schar Heringe treibt hinein. Auch die Robben, Haie, Störe, Kabliaue, Dorſche, die Lenzfiſche, viele Seevögel ꝛc. ſtellen dem Heringe nach dem Leben.
Aber der größte aller ſeiner Feinde iſt der Menſch; denn ihm ſtehen ja die meiſten Mittel zu Gebote, ſich ſeiner zu bemächtigen. Und Tauſenden, ja Millionen dient dieſer winzige Fiſch, der ge⸗ 13 Zoll werden ſchon in Muſeen aufbewahrt), zur Nahrung, er kömmt ſowohl auf die Tafeln der Könige, wie auf die der Bettler. Bloch, einer der ausgezeichnetſten Ichthyologen, bemerkt, daß durch Beukelszoors Er⸗ findung mehr Menſchen am Leben erhalten ſeien, als durch die von Berthold Schwarz getödtet ſeien, und Karl V. theilte 1556 auf Beukelszoors Grabe mit ſeiner Schweſter, der Königin von Ungarn, einen Hering und aß ihm, dem Erfinder des noch jetzt üblichen Conſervations⸗Verfahrens zu Ehren.


