Jahrgang 
1865
Seite
246
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Lin Dilettantenquartett.

In unſern Tagen, wo man ſo ſelten mehr gemüthliche Muſik hört, erfreut es gewiß viele Leſer, wenn ſie auf dem vorſtehenden Bilde wenigſtens abgemalt ſehen, wie gemüthliche Muſik gemacht wird.

Die vier Leute haben ſich an einem Winternachmittage beim flackernden Kaminfeuer verſammelt und zwar ohne Zuhörer; denn das Quartettſpielen trägt ſeine Seligkeit in ſich, die Spieler ſind ſich ſelber Publikum genug, auch hört einer mitgeigend die bedenklichſten Schnitzer mit heiterſtem Gleichmuthe an, vor welchen er als bloßer Zuhörer davonlaufen würde.

Unſere Quartettfreunde ſpielen nicht auf den äußeren Effekt, ſonſt hätten ſie ſich vorweg nicht auf einen Teppich geſetzt, der den feinſten Klang der Inſtrumente dämpfen muß; an ſolche Dinge denkt ein raffinirter Muſikus, der ächte Sonntagsgeiger kümmert ſich nicht darum. Ein jeder macht's da für ſich ſo gut er kann; es wird dann ſchon leidlich zuſammenklingen. Ueberhaupt huldigt man bei ſolchen Hausquartetten dem trefflichen Grundſatze, daß eine gute Muſik, ſchlecht geſpielt, doch immer beſſer ſei, als eine ſchlechte Muſik, von den erſten Virtuoſen vorgetragen.

Die vier Leute wollen nicht glänzen, ſie wollen ſich gemüthlich erfreuen und ſinnig anregen, das ſieht man Dreien von vorn deutlich an und dem Vierten von hinten. Sie ſpielen darum kein groß⸗ artiges, tiefſinniges Werk von einem der großen drei Hauptmeiſter; denn für Flöte und drei Streichinſtrumente hat weder Haydn noch Mozart oder Beethoven geſchrieben. Dagegen mag es wohl ein geiſtreich plaudernder Satz aus einem Flötenquartette von Franz Krommer ſein, der unſre Kunſtbrüder ſo reizend feſſelt. Und wenn ſie ſich auf den Inſtrumenten ausgeplaudert haben, dann werden ſie bei der Kaffeetaſſe und den Cigarren, die rechts auf dem Tiſchchen ſtehen, ihr Geplauder in anderer Weiſe fortſetzen.

Der würdig behäbige Violoncelliſt iſt ohne Zweifel der Herr des Hauſes, ein Landgeiſtlicher, der von ſeinem ſtudierenden Neffen, dem Flötenbläſer, einen Ferienbeſuch erhalten und nun mit Beihilfe des Dorfſchulmeiſters und des geigenden Bauernjungen ein Quartett zuſammengebracht hat. Da es in dem ſtattlichen Zimmer faſt wie bei einem kleinen Prälaten ausſieht, auch, wenn mich mein kurzſichtiges Auge nicht täuſcht, eine büßende heilige Magdalenag an der Wand hängt, und keine kleinen Kinder im Hintergrunde ein Quartett oder Sextett neuerer Art ſpielen, ſo halte ich ihn für einen katholiſchen geiſtlichen Herrn auf einer reichen Pfründe Oberdeutſchlands, wo die häusliche Pflege des ächten Streichquartetts zur Zeit der großen Wiener Tonſchule ihre erſte Heimat gefunden. Innigſtes Behagen ruht auf ſeinen Lippen, Achtſamkeit und Eifer ſpricht aus Stirn und Auge. Er iſt mit ganzer Seele dabei und genießt gleichſam ſchlürfend die tiefen Töne, welche er in anmuthigem Bogenſtriche hervorzieht.

Der Schulmeiſter, als Bratſchiſt, dirigirt und beobachtet. Wer im Spiele am bequemſten zuhören will, der wählt ſich überhaupt die Bratſche; Kapellmeiſter und Komponiſten, welche ſtarke Muſiker aber ſchwache Geiger ſind, greifen gerne zu dieſem liebenswürdigen, ver⸗ kannten Inſtrumente. Unſer pauſirender Bratſchiſt beobachtet im Augenblicke aber nicht ſowohl das Ganze, als den geigenden Bauern⸗ jungen, ſeinen Schüler, welcher ſoeben ein Solo vorträgt. Haltung und Bogenführung verſprechen Gutes, ſoweit man's von hinten be⸗ urtheilen kann, nur in einem Punkte ſcheint es noch zu fehlen, worin es der Jugend ſo oft gebricht: im Takte. Aengſtlich geſpannt deutet der Lehrer mit dem Handgelenk ganz leiſe den Takt an; aus den

ſcharfen Augen, welche den Schüler gleichſam durch und durch ſchauen, leuchtet aber auch ſchon die Zuverſicht des Gelingens.

Der blaſende Jüngling iſt etwas unbeſtimmteren Charakters, ähnlich dem ſanften Inſtrumente, das er bläſt. Er flötet achtſam, geht aber noch nicht ganz ſo im Quartette auf, wie die beiden Alten: die Jugend mag wohl gerne mitſpielen, aber ein ganzer Quartettnarr wird man doch erſt in reiferen Jahren.

Das Quartettſpiel berauſcht uns nicht; es erquickt wie ein ſtarker, milder, alter Wein, es regt nicht auf, aber es regt an, es ſtimmt uns geſellig, freundlich, harmoniſch, ſtill vergnügt. Steigt die Kompoſition höher empor, heiſcht ſie im Vortrage kühnere Kunſt und mächtigeren Schwung, ſo mag ſie zum ſtolzen Probleme für Künſtler werden, aber ein Hausquartett für dieſe vier Leute iſt ſie nicht.

Und indem wir uns erfreuen an der ſinnigen Gruppe, mögen wir zugleich die glücklichen Menſchen beneiden, welche, umrauſcht von reinen und falſchen Tönen, ein Paar Stunden ſo geſellig und gemüthlich zu vergeigen und zu verträumen verſtehn. Vielleicht hat ſich der Zeichner im Einzelnen überall etwas anderes gedacht, als ich herausgedeutet, vielleicht dachte er nicht an ſo ein altmodiſches Flöten⸗ quartett von Krommer, und an keinen katholiſchen Landpfarrer, und bei dem Teppich an gar nichts Beſonderes, aber an eine ſtille kleine Gemeinde, die, umweht von dem beſten Geiſte einer guten alten Zeit, ſo edel und harmlos ſich vergnügt, daß jeder ſie beneiden müſſe, dachte er ganz gewiß. W. H. Riehl.

Soweit der berühmte Verfaſſer derHausmuſik und der muſikaliſchen Charakterköpfe über Hiddemanns Bild. Wir glauben außerdem nicht fehlzugreifen, wenn wir behaupten, daß unſer Maler ein Stück eigner Lebensgeſchichte hineingelegt hat und freuen uns nur, daß er ein Motiv aus der gewiß nicht an⸗ genehmſten Epoche ſeines Lebens ſo liebenswürdig harmlos zu be handeln vermochte.

Friedrich Hiddemanns Vater war ſelbſt Muſiker und glaubte ſeines Sohnes Glück nicht beſſer machen zu können, als wenn er ihn ebenfalls für dieſen Zweig der Kunſt beſtimmte, vor welchem der Knabe jedoch den größten Widerwillen empfand. Mancher Leſer wird mit uns übereinſtimmen, daß bei mangelnder Neigung gerade in der Muſik ein Zwang am unerträglichſten ſein muß. So auch bei Hiddemann. Es zog ihn mächtig ins Reich der Farben hinüber und nach manchen Kämpfen ſetzte er es durch, ſich im Jahre 1848 der jungen Schar anreihen zu dürfen, welche die damaligen Meiſter der Düſſeldorfer Schule umgab.

Nach manchem Hin⸗ und Hertaſten that er ſeinen erſten glück⸗ lichen Griff ins volle Menſchenleben, und von da ab ging eine Menge der lieblichſten, naiv⸗humoriſtiſchen, auch treuherzig⸗ernſten Genre⸗ bilder aus ſeiner ſtillen Werkſtätte hervor. Heute zählt Hiddemanns Name nicht zu den geringſten auf dem Gebiete des Genre, in dem die Düſſeldorfer überhaupt groß ſind, und wie in den Muſeen unſerer größeren deutſchen Städte, ſo mag auch in Paris Dein Auge hin und wieder auf ein Bild von ihm fallen, welches Dich ſeltſam anheimelt: vielleicht ie Kegelbahn, das Schulexamen, Kirmesan⸗ fang, der Dorfarzt, der Confirmationsrock u. A. Das Dilettantenquartett iſt ins Königsberger Muſeum gewandert.

Maria Thereſia.

Von Heinrich W. J. Thierſch.

1.

Maria Thereſia, Erzherzogin von Oeſtreich, geboren in der Hofburg zu Wien am 13. März 1717, und ihre jüngere Schweſter Marianne waren die einzigen Kinder Karls VI., des letzten Kaiſers aus dem Hauſe Habsburg. Die Mutter war Eliſabeth Chriſtine von Braunſchweig, aus dem Welfiſchen Hauſe, aus dem auch Preußen mehrere ſeiner ausgezeichneten Königinnen empfing,

eine geiſtvolle Dame, in früheren Jahren mit Ludwig befreundet. Durch ſeinen Einfluß war ſie zu dem Schritte vorbereitet, den ſie in Wien that, zum Anſchluß an die römiſch⸗katholiſche Kirche.

Bereits war der Habsburgiſche Stamm in Spanien(1. No⸗ vember 1700) erloſchen und in dem Erbfolgekrieg hatte nicht das deutſche Erzhaus geſiegt, ſondern der Bourbon. Ludwig XIV. ſah ſeinen Enkel auf dem ſpaniſchen Throne befeſtigt; nur ſo viel hatten

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