Doch wir nehmen uns der Leute im Vogelsberg an und hoffen manchen Leſer zu überzeugen, daß ſie beſſer ſind, als ihr Ruf. Leider ſteht es ja ſo, daß noch bis zur Stunde niemand ſich die Mühe gemacht hat, dieſes Stück Volksthum eingehend zu beobachten oder zu beſchreiben!
Vor allem trägt der Vogelsberger, als ein Glied des altheſſiſchen Volksſtammes, das Gepräge ſeiner erſten Deutſchheitmit ſtarken, kräftigen Zügen an ſich. Fremdes Blut hat ſich nicht in ſeine Adern gemiſcht und nie eine römiſche Anſiedlung ſeine Berge berührt. Er hat noch, wie Tacitus von den Katten berichtet,„einen aus⸗ dauernden Leib, nervigten Gliederbau, trotziges Geſicht, große Leb⸗ haftigkeit und Gewandtheit, für einen Germanen viel Ueberlegung und Einſicht.“
Durchgängig findet man im Vogelsberg einen ſtarken, großge⸗ wachſenen Meuſchenſchlag, der ſich durch ſeine derbe Streitluſt, ſeine Arbeitſamkeit, Genügſamkeit und Dienſtfertigkeit auszeichnet, wobei übrigens die Züge von Rohheit, Pfiffigkeit und Leichtſinn, nebſt der Vorliebe fürs Alte keineswegs fehlen. Gleich den Männern ſind auch Weiber und Mädchen meiſt groß und kraftvoll und ſtehen den ſelben in Bezug auf Arbeit wenig nach.
Wer in eine Dorfſchule des Gebirges gehen wollte, ſich die Jugend zu betrachten, der würde gewiß% der Kinder antreffen, mit dem ganz weißen, flachsgelben oder rothgoldenen Haar, dem hellen blauen Auge, und unter den Buben und Mädchen im Alter von 13— 14 Jahren eine Anzahl erblicken, die ſich durch ungewöhnlichen Wuchs hervorthut.
Gehen wir nun aber auch einmal in ein Vogelsberger Dorf hinein, um in ihrem Leben und Treiben die Bewohner zu betrachten.
Das haben ſie voraus vor Weſtfalen und Weſterwald, die Dörfer hier im Gebirge, daß ſie wirkliche zuſammenhängende Dörfer und zwar mit ſtattlichen Gebäuden, nicht bloße Gehöfte ſind!
Obſchon der treffliche Baſalt ſo reichlich vorhanden, ſo liebt's doch der Vogelsberger, ſein Haus nur aus Holz aufzuführen, und ſteinerne Häuſer ſieht man äußerſt ſelten. Gewöhnlich iſt das Haus der Sonnenſeite nach erbaut, zumeiſt zweiſtöckig und mit dem Stalle und der Scheuer unter einem Dache, einem Strohdache. Die Süd⸗ ſeite führt faſt jedesmal in die Wohnſtube. Zwiſchen ihr und der Kammer ſteht bei den Wohlhabenden der mächtige Ziegelofen und neben demſelben die Ofenbank, der behagliche Ruheplatz für Sommier und Winter. Um die Fenſter her, der Wand entlang, läuft eine roth angeſtrichene Sitzbank. Neben der Kammerthür ſieht man die Schwarzwälder Uhr. In der Kammer hängt, an dem Balken be⸗ feſtigt, nach Art einer Hängematte, ein Tuch. Das iſt an vielen Orten die Wiege der Kinder! Die Betten ſind meiſt mit dürrem Laub und Grummet, ſeltener mit Wolle oder Federn gefüllt.
Eine beſondere Küche haben nicht alle Häuſer, und die Haus⸗ flur muß bei dem Aermeren dazu dienen, wo man hie und da noch als einziges Kochgeſchirr einen an Ketten aus dem Schornſtein herab⸗ hängenden Kroppen findet.
Der Wohnſtube gegenüber erblickt man faſt allgemein den Ein⸗ gang zum Viehſtalle, der durch hölzerne Wände für Jung⸗ und Altvieh geſchieden iſt, und in den von außen die zweite Thür des Hauſes führt.
Zuletzt kommt die Scheuer, und nebenan geſondert die Schweine ſtälle. Gebäude von 100 und mehr Fuß Länge kann man in allen Dörfern ſehen.
Zum obern Stockwerk gelangt man noch da und dort ſtatt auf einer Treppe auf einer wackeligen Leiter, und trifft daſelbſt meiſt nur eine Stube an, die„Oewerlabe“ geheißen, vor welcher außen am Fenſter der Blumenbänkel mit den„Vajulen“,„Grasroſen“ und dem unentbehrlichen„Rosmarin“ befeſtigt iſt, und in welcher in mächtigen Laden aus Tannenholz, ſtatt der Schränke, die Kleider der Männer und Weiber und andre Habſeligkeiten geborgen werden. Nicht jeder Stadtmenſch begehre übrigens dieſen Himmel der Herr⸗ lichkeit zu beſchauen, am wenigſten im Sommer. Es würde ſich ihm dann eine wahrhaft klaſſiſche Unordnung präſentiren, für welche alle Namen unzulänglich ſind, oder ihm vielleicht eine mit ihren Jungen daſelbſt eingeſperrte Gluckhenne wüthig in die Haare fahren.
In einigen hochgelegenen Orten ſieht man auf keinem Bauern⸗ hauſe Schornſteine. Die Leute ſind da genöthigt, wegen des großen Sturmwindes, dem Rauche freien Paß durch den Dachboden
zu laſſen, woher es denn kommt, daß ſich kleinere Hütten ſehr tief⸗ geſchwärzt von innen darſtellen..
Das Strohdach friſtet noch immer ſeine Exiſtenz in allen Dörfern durch den energiſchen Widerſtand der Vogelsberger. Die Ziegeln aller Art ſind nämlich nicht im Stande, den feinen Schnee abzuhalten, der in der Scheuer und auf dem Speicher den Leuten alles verdirbt. Da nun die Obrigkeit die Anlage neuer Stroh⸗ dächer beſtraft, ſo läßt man ſich in Gottes Namen lieber ſtrafen, oder flickt in Einem fort an dem alten Dache, ſo lange es noch angeht, um nur bei dem Alten zu bleiben.
Ueberhaupt iſt der hervorſtechendſte Charakterzug des Vogels⸗ bergers ſein zähes Beharren bei den Gewohnheiten ſeiner Väter. Er macht alles gerne gerade ſo, wie ſein„Ellerknänn“, d. h. ſein Urgroßvater, ſelbſt, wenn dieſer Nachtheil dabei hatte. Darum liebt er denn auch ſeinen Vogelsberg und ſehnt ſich in der Ferne nach ihm zurück, denn es iſt nirgends ſo ſchön, wie daheim.
Die heſſiſche Regierung ging einmal mit dem Plane um, Herchenhain, das höchſte Dorf im Lande, eingehen zu laſſen und in beſſerer Lage den Leuten Wohnplätze zu geben. Aber die Herchenhainer wollten unter keiner Bedingung von ihrer unwirth⸗ lichen Höhe herunterziehen. Aehnlich erging es dem armen Dorfe Brenugeshain, wo einmal in heroiſcher Stunde die Bauern einmüthig den Vorſatz faßten zur Auswanderung, als es aber drauf und dran ging, dieſe auszuführen, ſämmtlich lieber wieder in ihrem „verfluchten Vogelsberg“ bleiben wollten.
Neben Ackerbau und Viehzucht iſt es die Bearbeitung des Flachſes ganz beſonders, welche im Vogelsberg faſt alle Hände in Bewegung ſetzt. Kein Wunder alſo, wenn ſich mancherlei Aber⸗ glaube, manch auffallende Volksſitte daran gehängt hat.
Donnert es auf Charfreitag, oder fällt Regen auf den erſten Tag des Pfingſtfeſtes, ſo nimmt man dies allgemein als ein günſtiges Zeichen, daß der Flachs im Jahre gerathen werde. Begibt ſich der Bauer an die Ausſaat des Leins um Johanni, ſo wirft er noch hie und da, nachdem dies geſchehen, in der Mitte des Ackers ſtehend, das Säetuch in die Luft und fängt es im Springen wieder auf. So hoch er ſpringt, ſoll der Flachs dann werden. Oder er ſucht„unbekuſt“ (d. h. ohne mit Jemand zu ſprechen) früh Morgens eine Weiden⸗ ruthe, ſchält ſie weiß, und ſteckt ſie ins Leinfeld, damit die koſtbare Pflanze ebenſo lange emporſchieße.
Wenn indeß die Zeit naht, wo man die reifen Stengel aus⸗ rupfen muß, ſo kommt Freude ins Haus. Verwandte und Nachbarn helfen ſich bei dieſer Gelegenheit gewöhnlich mit Arbeiten aus, und ſingend zieht die, wie in der Heuernte, ſauber gekleidete Schar auf den Acker. Auch hier erſchallen fröhliche Lieder, und wenn der Flachs in„Buſſen“ gebunden und auf den Wagen geladen iſt, ſetzen ſich die Mädchen oben darauf und ſtimmen, während die andern nebenher gehen, lauten luſtigen Geſang an. So fährt man langſam durch das Darf nach Hauſe, wo unterdeß die Hausfrau„weiße Kuchen“, „Kräpfel“ oder ſonſtiges Gebäck zum dampfenden Kaffee parat hält. Folgen wir dem ſegenbeladenen ſchwankenden Wagen zurück ins Dorf, wir werden einen höchſt intereſſanten Abend verleben und einen Blick in das Inkerſte des Volkslebens thun.
Gegen Abend wird die Tenne zur„Räffſcheuer“ herge⸗ richtet. Den Flachs ſchichtet man an paſſendem Orte im Hinter⸗ grunde auf, und befeſtigt in die Seitenwände der Scheuer rechts und links den„Räffbalken,“ auf welchem ſich die aus Schmiedeiſen zu⸗ ſammengeſetzten„Räffkämme,“ drei oder vier an der Zahl, befinden, durch deren Zinken der Flachs gezogen wird. Die Scheuerthore ſtehen dazu weit auf, und das Scheuerbrett wird vor den Eingang der Länge nach zu einem Sitze hingelegt.
Mit Anbruch der Nacht verſammelt ſich die Geſellſchaft, ſo viel ſie Platz finden kann, zum„Fla chsräffen.“ Die Stall⸗ laterne wird angezündet und hängt von einem„Gerüſtreitel“ herab, um genügendes Licht zu ſpenden. Bald hört man die Zinken von dem Durchzug der Flachsſtengel erklingen und die reifen Knotten zur Erde fallen. Auf dem Scheuerbrett hat der„Bitzeler“ ſeinen Si en See Peonn⸗ der den ausgeräfften Flachs in kleine Bünde Der, itzel“ mit Strohſeilen zuſammenbindet. Ganze Berge dieſer Bitzel liegen in wenig Zeit um ihn herum, denn drinnen in der Scheuer gehr's ja fröhlich zu, und er trägt ſein Theil dazu redlich bei. Da jagt ſich Scherz mit Scherz, Neckerei folgt auf
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