Jahrgang 
1865
Seite
199
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ſatze, meine Feder, wie du ihn gelernt haſt unter den weißen Geſichtern, oder unter gebildeten Deutſchen nicht wahr, Lodoiska?

Ein reicher alter Kaufmann aus B. mit ſeiner Gattin hatte eine Reiſe durch Ungarn gemacht. Sie waren kinderlos. Da ſie im Walde dem Zigeunerſtamme begegneten, beſchloſſen ſie beide, wenn ſie ein Kind davon könnten bekommen, es mit ſich zu nehmen und aufzuziehen, als wäre es ihr eigenes. So geſchah es, daß ich zu ihnen kam. Hätt' ich noch eine braune Mutter gehabt oder wäre mein Stamm nur in dem Walde geblieben, gewiß hätt' ich den Rath der Mahamadri befolgt und wäre ihnen entlaufen. Als wir aber aus dem Walde kamen und ein nackter Himmel auf eine weite bunte Welt ſchien und fremde Menſchen und Häuſer und Dörfer, Gärten und Felder und tauſend Dinge, die ich niemals geſehen, mir in die Augen fielen, da ſtarrte ich ſtaunend alle das Neue an und vergaß des Rathes. Noch vor Abend erreichten wir eine Stadt, und die freundliche Frau ließ mich ſogleich ſchön und bunt kleiden. Es war mir ungewohnt und jeden Tag freut' ich mich auf die Nacht, da ich wieder frei konnte die Glieder regen. Die Frau wies auf ſich und ſagte:Mutter, und wies auf den Mann und ſagte:Vater! und ſo nannt ich fortan die beiden. Wir reiſeten weiter viele Tage lang. Ich verſtand ſie nicht und ſie verſtanden mich nicht, aber ich begriff wie das Feuer und be⸗ hielt wie die Gruft. Ehe wir das Ende der Reiſe erreichten, wußte ich oder errieth ich alles was ſie ſprachen, und fing auch ſelbſt an, mit ihren Wörtern zu reden. Sie aber redeten ohn' Ende, und ohn Ende rollte der Wagen, und ſo fremd und ſeltſam war alles, was an uns vorüberglitt in der weiten hellen Welt, daß mir am Tage gar oft wehe und ſchwindelnd ward. Aber Nachts, wenn ich kleiderlos auf dem wunderlich weichen Bette lag im großen feſten Zimmer, und nebenan in Betten die beiden Alten ſchliefen, da warf ich die Decke ab und ſetzte mich auf und freute mich des tröſtlichen Dunkels und der heim⸗ lichen Stille, bis ich hinſank und ſchlief.

Endlich gelangten wir in die große Stadt und in das Haus des Vaters, und da ſollt' ich bleiben. Ich will nicht erzählen, was es dort alles gab zu ſchaun und zu ſtaunen, aber in der traulichen ſchweigenden Nacht, da ich erwachte, da dachte ich viel an die prächtige Stadt, wo das freie Sindevolk ſeine Tapferkeit und Fröhlichkeit verloren, und ich weinte lange, bis ich wieder einſchlief. Kinder, glaub ich, gewöhnen ſich bald und faſſen ſchnell, aber wie vieles mußt ich lernen, ſchon unterwegs, mich waſchen und kleiden, mit Löffel und Gabel eſſen, und gar erſt nun! Schon am zweiten Tage gaben ſie mir einen Lehrer bei. Lodoiska, Du kannteſt den blonden Wolfart. Bei Tag und bei Nacht wich er nicht von mir. Freundlich und gütig war er, und doch ein Tyrann. Freundlich und gütig waren ſie alle, und doch Tyrannen. Mit welchen Worten erlernt' ich zuerſt Eure Sprache? Du mußt, du ſollſt, du ſollſt nicht, du darfſt nicht, damit umwebten ſie mich, wie mit Netzen, damit beſchmiedeten ſie mich, wie mit Ketten. Ich durfte nicht gehn, wo ich wollte, durfte nicht thun, was ich wollte, nicht einmal denken, woran ich wollte. Wie ſie es wollten und ge boten, mußt' ich gehn und ſitzen, wachen und ſchlafen, eſſen und trinken, hören und ſehn es war nnerträglich: der freie Waldbube, der nackte Wilde! Wie umgeboren war ich in eine Welt des Zwanges, der Dienſtbarkeit und Unfreiheit. Und lernen mußt, ich die Sprache ſprechen, leſen und ſchreiben. Leicht ward mir das Lernen. Was ich wollte, faßt' ich, was ich faßte, hatt' ich, was ich hatte, konnt' ich, was ich konnte, hielt ich. Aber grollend that ich's, weil ich es mußte. Ich that's wie auf Kauf, um es abzuſchütteln. Je mehr ich dachte abgekauft zu haben, deſto mehr zu lernen ward mir aufgehäuft. Noch hatt' ich den Muth nicht, davonzulaufen, denn wo hätt ich die braunen Leute gefunden? und weitum war, ich wußt' es, kein Eichwald. Ich lernte und lernte, gehorchte und grollte und träumte des Nachts von dem grünen Eichwald, dem Feuer der Hütte, von dem kühlen Wald⸗ bach, der Mahamadri nnd der nackten Horde.

Aber Eins kam mir, ich weiß nicht wie. Hinter dem Hauſe war ein Hofraum, dahinter ein andrer zwiſchen niedrigen Häuſern, von denen keine Fenſter hinunterlauſchten. Dahin gelang's mir oft⸗ mals, wenn an klaren Abenden der Mond voll hereinſchien, mich heimlich zu ſtehlen. Und zwiſchen den Schatten der dunklen Häuſer im hellen Mondſchein blickt' ich hinauf in die glänzende Scheibe und dann überkam mich's wie Zaubergewalt. Herunter ſtrömten auf den Mondesſtrahlen die wilden wonnigen Traummelodien, und in allen Gliedern hob mich's und zog mich's, und hüpfend und ſchwebend, und

immer hinauf zu dem lichten Wunder die Augen gehoben, die Erde

nicht fühlend unter den Füßen, tanzt ich und tanzt' ich wohl ſtundenlang, Oft, ja ich glaub' es, hinauf und hinunter ſchwebt ich in den Lüften, gelöſt von dem Boden war es ſo wirklich? Ich weiß es nicht.

Dergleichen waren meine einſamen Freuden, während ich von außen mehr und mehr den anderen Knaben ähnlich wurde und kräftig heranwuchs. Denn bald mit ihnen ging ich zur Schule, gebannt, gefeſſelt an den Stundenzeiger, ſaß in den Bänken, leſend und ſchrei⸗ bend, horchend und lernend, ein gefangener Wolf an der Kette knir⸗ ſchend; doch Du weißt's, Lodoiska, alle überholt ich. O, die weißen Geſichter, die willigen Sklaven, die nutzloſen Lärmer, Lacher und Schwätzer! Wie oft auf ihr Treiben hat der gefangene Sindeknabe mit ſtummer Verachtung hingeſehn! Ihren Neid verſchmerzt ich, ihren Haß ertrug ich. Sie fühlten ſo gut, wie ich es fühlte, daß ich zu ihnen nicht gehörte. Aber ich lernte, was alle lernten, und wußte mehr, als ſie alle wußten. Wie ein Vorrathshaus ward ich vollge⸗ packt von der windigen Weisheit. Nicht aus Luſt lernt ich, nicht um der Ehre willen, nur weil ich mußte und weil es mir leicht ward. All Eure Sprachen ſchnattert' und ſchrieb ich, wie der Seiltänzerknabe ſeine Künſte zeigt. Eure alten Geſchichten, die nichts wiſſen vom Sindevolke, wußt' ich zu erzählen. Die Lage der Länder, ihre Berge und Flüſſe, Städte und Völker wußt' ich zu nennen, was die Erde gab, was die Menſchen machten, war mir bekannt, wie der Lauf der Geſtirne. Kann ich alles ſagen, was ſie in mich goſſen, ſo fremd es mir blieb im Grunde der Bruſt? Ein Wiſſen war es, den Eiszapfen gleich, und wo es endete, wußten ſie nichts mehr. Keiner ſchaute Geheimniſſe und Wunder, keiner kannte die Zaubertiefen, in die der nackte Sindeknabe einſt offnen Auges hineingeſchaut.

Auch nicht der Pfarrer wußte von ihnen, der mich lehren ſollte, was er ſelbſt nicht wußte.Ein Gott iſt! rief er, und wollt es be⸗ weiſen, und ſagte:Wir wiſſen nichts von ihm. Alte Wundergeſchichten zerpflückt er wie Blumen und klein ward alles auf ſeinen Lippen. Von Tugenden viel und viel von Pflichten ſprach ich ihm nach, und wußte nicht was. Wie ein Hungernder war ich zu ihm gegangen, und wie verhungert ging ich von ihm. Am Altare ſtand ich, ſprach was ich ſollte, that was ich mußte, trockenen Auges, als alle weinten, und dacht' in der Stille der Mahamadri und des Sternenmannes, der alles gezaubert. Was habet Ihr mehr?

Längſt vorüber waren die Mondſcheintänze, und längſt zergangen wie Rauch im Winde die ſchauernde Ahnung, mit der ich von fern hinübergelauſcht nach Euren Altären; und wie hätt ich ertragen im wallenden Herzen die kalte Helle und die Laſt des Lernens, den Zwang und die Bande beim ewigen Wälzen leerer Gefäße, all den gläſernen Wuſt, wäre ſie nicht gekommen, die Zauberin Muſik, der verborgenen Wunder ahnungsvolle Zunge, hätte ſie nicht die Geige in die Hand mir gelegt, um hinauszutönen aus den Tiefen der Bruſt, was keiner wußte, was keiner ausſprach? Ein Herbſttag war's, da zuerſt der Lehrer Geige und Bogen mich halten lehrte, und als im Frühling die Knospen brachen, da brachen hervor aus den klingenden Saiten mit weinendem Sehnen und wilder Klage die lange verhaltenen Traum⸗ melodien.Woher iſt dieſes? fragte der Lehrer.Wo lernteſt du das? Das Beſte, dacht ich, iſt nicht zu lernen! ſah ihm in die Augen, nickte und ſchwieg. Ich geigte ſie alle, die Werke der Meiſter, und fühlte das Glück, den Scherz und die Freude, fühlte das Suchen, Verlangen und Ringen, den tobenden Schmerz, die jammernde Trauer der Männer, die lange verſchüttet lagen in der dunklen Erde. Was in mir wogte wie Wunder der Nacht, ſchwermüthig und wild, und wie höhnender Jubel, das hatte keiner von ihnen gekannt, und wenn ich es geigte, ſtaunten die Hörer und verſtanden es nicht. Wie hätt, ich in Noten es faſſen können? Es kam und es tönte, und war dahin.

Und doch ein Gefangener in tauſend Feſſeln, müht' ich, weil ich mußte, mich jahrelang. Neunmal und neunmal wäre ich entlaufen, um wieder geſellt meinem braunen Volke in wilder Freiheit umher zuſchwärmen; aber die Alten, Vater und Mutter, wie ich ſie nannte, wären geſtorben vor Schmerz und Kummer, ſo hing ihr Herz an dem Kindgewordnen. Kein böſes Wort hört' ich von ihnen und was ich wünſchte, gewährten ſie mir. All mein Groll gegen die weißen Tyrannen und all mein Drängen hinaus in die Freiheit, ſie zer floſſen wie Waſſer, wenn mir die alten lieben Geſichter ſo freundlich winkten. Dann ſtarrt' ich nieder, ſchwieg und blieb. 4

Erwachſen war ich, wohl zwanzigjährig, und war in der Schnle der Erſte längſt, da fragte der Vater:Was willſt Du werden? 5 Was er hören wollte, konnt ich nicht ſagen; was ich ſagen können,