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nahmlos. Es kommen neue Kämpfer hinzugeflogen; ſie werden mit den üblichen Kopfneigungen empfangen; neue Gegner ſtellen ſich; das hochergötzliche Schauſpiel dauert fort— wohl eine halbe Stunde iſt wie im Fluge vergangen; die entzückten Freunde ſind wie Bild⸗ ſäulen, ſie hören nicht das Trillern des Wieſenpiepers, nicht den hundertſtimmigen eigenthümlichen Geſang der Rohr⸗ und Seggen⸗
Sänger— da ſchaut ſich mein weißbehelmter Ritter wie gelangweilt um, er hebt die Flügel, zieht das Schild enger an die Bruſt— dort⸗ hin enteilt er— einer der Freunde hebt das Rohr, ein Knall— aber zu meiner Freude, der Liebling iſt entkommen, wohl aber be⸗ decken blutend drei andre Helden das nun ſo verderblich gewordene Schlachtfeld.
Lin Fürſtenbeſuch in Venedig.
Von Vierthaler.
Fährt man in Venedig den Canal-grande von der Hafenſeite an entlang, ſo fallen Jedermann bei der erſten großen SWendung drei mächtige Paläſte auf, die ſich in eleganteſtem Spitzbogenſtyl präſentiren, und von denen namentlich einer, der die beiden andern bei weitem an Höhe und Umfang überragt, die große Waſſerſtraße Venedigs nach zwei Seiten hin beherrſcht. Es iſt der Palazzo Foscari, der im fünfzehnten Jahrhundert mit den beiden ſeitwärts gelegenen Paläſten von der ſtolzen Patrizierfamilie Giuſtiniani gebaut worden war, von derſelben aber nicht lange bewohnt wurde, da ihn bereits im Jahre 1428 die Republik für Ludovico, Herzog von Mantua, erwarb. Dieſer ließ ihn bald darauf verſteigern, bei welcher Gelegenheit er Eigenthum des meiſtbietenden Dogen Fran⸗ cesco Foscari wurde, nach dem er bis heute benannt, noch immer das Andenken an das tragiſche Geſchick dieſes Dogen lebendig wahrt. Es iſt dies der Stoff, an dem ſich Byron zu einer ſeiner vollendet ſten Tragödien begeiſtert, und den die Oper„i due Foscari“ in alle Welt verbreitet hat. Selbſt der nüchternſte Beſucher Venedigs kann ſich einer gewiſſen Rührung nicht erwehren, wenn mit dem ernſten Bilde des Palaſtes auch die anderen Bilder wachgerufen werden: vom Dogenſohne, über den der Vater das gefällte Urtheil beſtätigen muß; vom Dogen, der ſeiner Würde und ſeinem Ehrgeiz zuerſt das Glück ſeiner Familie und zuletzt mit dem Tode des Sohnes die Ruhe des eigenen Gewiſſens opfert, und am Ende von einer Faction ent thront, bei den erſten Glockenſchlägen, mit denen vom Thurme St. Marlus die Wahl eines neuen Dogen verkündet wird, entſeelt zu Boden ſtürzt. Um den tragiſchen Eindruck zu vermehren, unter⸗ läßt es auch kaum ein Cicerone in Venedig, dem Fremden zu er⸗ zählen, wie der letzte Sproſſe des einſt ſo überſtolzen Geſchlechtes als Wander⸗Virtuoſe in einem mitleiderregenden Schauſpielertrupp ver⸗ ſchollen oder gar verkommen ſei. Während er dies mit großem Pathos vorträgt, reckt und dehnt ſich auf dem impoſanten Pracht⸗ balkon des Palaſtes ein öſterreichiſcher Kroate und, einen unver⸗ meidlichen Gaſſenhauer pfeifend, hängt er mit der mglichſten Seelenruhe unter den kühn aufſtrebenden Spitzbogen der Fenſter⸗ gewölbe ſein Waffenriemzeug auf, das er ſoeben mit friſcher Farbe parademäßig beſtrichen. Das ſtattliche Gebäude, das in den Zeiten der Republik als Abſteige⸗Quartier hoher Herrſchaften gedient hatte, iſt heute Kaſerne geworden.
Es gibt in Venedig eine gar große Zahl von Paläſten. Einer ſcheint den andern an architektoniſcher Kühnheit überbieten zu wollen; bald iſt es der Reichthum, der ſich des Beſitzes in ſtolzen Facaden brüſtet, bald iſt es die Laune, die ſich ſommernächtig heiter ein Schloß in der Lagune aufgebaut, oder gar ein Traumbild, das ſich über den zierlichſten Säulen und Säulchen mitten ins wirk⸗ liche Leben hineingewebt; aber Palazzo Foscari bleibt unter allen Paläſten der König. Die übermüthig aufſteigenden Spitzbogen, das gaſtliche Dehnen des Prachtbalkons, und dazwiſchen wieder die ernſt und kalt abſchließenden Marmorwände, die ſich bis hoch zum Dache hinauf über alle Nachbarpaläſte mit wegwerfender Verachtung heben, mahnen unwillkürlich an jene alten Ariſtokraten⸗ Geſchichten, wo ſich einer in bedrängten Staaten ein Haus und das Haus als Feſtung baute, und dann Thür und Thor ſo lange gaſtlich öffnete, bis ſich endlich darin der Tyrann feſtgeſetzt hatte. Seltſam genug nimmt ſich in Venedig, wo jeder Stein auf das alte republikaniſche Gemeinweſen der reichen Patrizierfamilien hinweiſt, Palazzo Fos⸗ cari aus, der ſich mit ſtolzer Gebietermiene mitten in den Kanal geſtellt hat, ſeine Rückſeite, gegen das Stadt⸗Innere zu, mit Wällen umſchloſſen hält und frech und ſicher ein ſelbſtändiges Leben für ſich zu begehren ſcheint.
Was den alten Griechen Athen geweſen, was heute für uns Paris iſt, war im fünfzehnten Jahrhundert noch Venedig für die Welt: tonangebend in den Formen des Lebens. Hier ſtand die Wiege des modernen Handels, die Flagge mit dem Löwen von St. Markus war gefürchtet und hochgeachtet in allen damals be⸗ fahrenen Meeren, die osmaniſchen Horden ſelbſt erſchraken vor der Kriegsmacht der kleinen Republik. In allen Staaten Europas hatten ſich die Botſchafter Venedigs Gehör und Anſehen verſchafft, beſonders ſeitdem der unanſehnliche Staat dem Bündniß von Cambray Trotz geboten und ſich, vermöge ſeiner damals einzigen diplomatiſchen Kunſt, aus der ſeine Exiſtenz bedrohenden Gefahr, nicht ohne Vortheile, herausgewunden hatte. Namentlich war es damals dem Hofe Frankreichs beſonders wichtig, Freundſchaft mit der Republik zu wahren. Hatte ſich auch der ritterliche König Franz I. den Beſitz von Mailand nicht zu erhalten vermocht, ſo war doch ſo lange als Katharina von Medici, die berüchtigte Mutter und Regentin dreier Könige, lebte, Frankreichs geſpannteſte Aufmerkſam⸗ keit auf Nord⸗Italien gerichtet. In den Intereſſen der Republik dagegen hatte es wieder gelegen, ein ſolidariſches Bündniß mit einem Großſtaate zu befeſtigen, aus gerechter Beſorgniß über das gigantiſche Wachſen der Habsburger Gewalt.
1574 war Karl IX. geſtorben und Katharinas Lieblingsſohn, Heinrich III., das Modeherrlein, der den Sarmaten als König, zu dem ihn die Diplomatie jener Zeit geſchaffen, nicht behagen wollte, der auf dem polniſchen Throne ſich ſelbſt nicht wohl zu befinden ſchien, fand die Gelegenheit zu verlockend, als daß er einer heimlich nächtlichen Flucht hätte widerſtehen können. Er kehrte über Wien nach Frankreich zurück, um dort das königliche Scepter in Empfang zu nehmen.
Dieſer geſundwangige Heinrich mit der großen, koketten Ohrgoldtroddel, deſſen liebſte Freude, wie dies ſo naiv der Venetianer Corver berichtet, eine caccia domestica war, was ſo viel ſagen will als eine Palaſtjagd um die Damen des Hofes ſeiner Mutter, deſſen größte Sorge in der Wahl und Aufbewahrung ſeiner Pomaden lag, hatte gewiß aus eigenem Antriebe nicht entfernt an eine Allianz mit Venedig gedacht. War es nun, daß ihn ſeine Mutter bewogen, war es, daß es den lebensfrohen Jüngling ſelbſt gedrängt, ein Weilchen in der damaligen Metropole des Genuſſes zu ſchwelgen; kurz von Wien aus richtete er Briefe an den Venediger Senat, drückte darin ſein Verlangen aus, die Lagunenſtadt und ihre Wunder zu beſuchen und ſchließlich auch die Hoffnung, die Freund⸗ ſchaftsbeziehungen zwiſchen Venedig und Frankreich auf die Dauer zu feſtigen.
Venetianiſche Geſandte flogen nun ohne Aufenthalt nach Wien, und feierlich wurde der König zu einem Beſuche in Venedig einge⸗ laden, indeſſen die Inſelſtadt alles aufbot, den Empfang des könig⸗ 1 4 8 f ndend d iborraſcho 2. 5 lichen Gaſtes ſo glänzend und überruſchend als möglich zu geſtalten. Wie Heinrich wurde wohl nie wieder ein König im Triumph in Venedig eingeführt. Freilich ſcheint uns heute, wo die Geſchichte uns über den Charakter und die Leiſtungen dieſes Königs belehrt hat, als ob der Jubel nicht beſonders am Platze geweſen, ja es ſieht faſt aus, als an die alten Venetianer eine Befriedigung ihrer Eitelkeit darin gefunden, auch einmal einen König mit ihren Schätzen, Feſten und Wunderwerken blenden zu können;— jedenfalls lag nicht wenig Eitelkeit darin, daß zum Empfange des Königs die Kriegs⸗Galeeren, die kurz zuvor ſo rühmlich bei Lepanto gefochten hatten, in aller Eile aus den griechiſchen Gewäſſern zurückkehren mußten.— Aber welch eine Märchenpracht, welch ein Feenzauber war damals auch über Venedig gebreitet! Nicht ſo wie heute, wo ſich
llos bei Griſe und Nebelgewb werden. Von nachden e den Feſtzu digs erhol St. Nicol Lagune ſch bunteſten Seideuſche lichen Pr dem Lido Palladio gegnung rauf beide ſtiegen, d Handelsf
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